Guten Morgen,
mein Fang des Tages ist ein
PEUGEOT Tourmalet 
mit einer - für mich - ganz besonderen Geschichte
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Ich bin ja bei einer Kreisverwaltung, bereits seit 42 Jahren. Wenn sich jetzt jemand, der mich kennt, wundern sollte: Ich hab mit 15 Jahren dort angefangen, zu der Zeit war so etwas noch nicht unüblich. Auf jeden Fall war das damals noch echt wild: Da standest Du echt noch stramm vor Leuten, die über Dir waren. Wir hatte damals einen Ausbilder, den nannten wir den Föhner - wenn der Dich anschrie, flogen Dir die Haare nach hinten. Und wenn jetzt einer denkt: "Azubis anschreien geht ja gar nicht." - naja, wir kannten es ja oft auch noch so von zuhause, da musste man sich also nicht groß umgewöhnen
Das aber nur als kurze Einleitung.
Neulich stand ich mit unserem alten Hausmeister (lang schon in Rente) zusammen, da sagte der, er sähe in meinem WhatsApp-Status oft Bilder von alten Rädern. Er habe das Rad von unserem alten Kreisdirektor noch im Keller, ob ich das haben wolle. Er habe nach dessen Tod die Wohnung leer gemacht, und seitdem stehe es bei ihm rum. Ich glaubte mich zu erinnern, dass KD Becker, wie ich, recht groß war, daher sagte ich gern Ja (und ja, es hat genau meine Größe).
Zu dem Rad gibt es eine Geschichte: Wir hatten damals einen Pförtner, Hermann (der ist auch schon so lange tot, der könnte schon fast bei der nächsten Auferstehung wieder dabei sein), der war sog. Obmann für Sportabzeichen und nahm da die Prüfungen ab. Hermann war noch ein echter Pförtner, ein Musterbeispiel dieser mittlerweile ausgestorbenen Spezies, an dem niemand ungesehen vorbeikam. Heute wird unser Haus von einem professionellen Securityservice bewacht (O tempora, o mores

), aber glaubt mir: Deren System ist schlichtweg löcherig und unzuverlässig gegenüber Hermanns Kontrollen.
KD Becker hatte wohl aus einer Laune heraus (er war ein guter Trinker, ob es aber damit zusammenhing, weiß ich nicht) beschlossen, die Sportabzeichenprüfung abzulegen. Hierzu musste mit dem Rad eine gewisse Distanz in einer ebensolchen Zeit zurückgelegt werden, und KD Becker verpasste die Zielzeit wohl nur um Sekunden. Und Hermann? Der hat ihn dafür gnadenlos durchfallen lassen, und wurde vom Fußvolk bei uns dafür natürlich in den Himmel gehoben.
Mir ist bewusst, dass die Geschichte heute kaum mehr nachvollziehbar ist, und vor allem, wer hier jünger ist, wird wohl denken: "Ja und? Ist richtig so, dafür gibt es schließlich Regeln."
Stimmt. Heute ist das so. Aber damals, es waren die 80er, da ließ man einen Behördenleiter nicht einfach so durchfallen. Das kam damals einem Aufstand gleich, das war schon echt mutig.
Ich schau jetzt mal, was ich mit dem Rad mache. Mal waschen, alles überholen, gängig machen, ein paar Sachen verändern. Das Rad ist nichts dolles, da wollte ich jetzt kein großes Geld drin versenken. Aber ich denke, am Ende kommen vielleicht ein paar schöne Vorher- / Nachher-Bilder dabei raus.
Ich halte euch auf dem laufenden.
Den alten
Montageständer von KD Becker hab ich bei der Gelegenheit übrigens auch bekommen:
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Bis denne,
markus.