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4 gefederte Gravel Bikes 2022 im Test
BMC, Canyon, Specialized und Trek

Testergebnisse der 4 Gravel Bikes 2022 mit Federung: BMC Urs LT Two, Canyon Grizl CF SLX 8 eTap Suspension, Specialized Diverge Expert Carbon und Trek Checkpoint SL 6 eTap – alles Gravel Bike-Modelle mit mehr oder weniger aufwendigen Federungssystemen. Wir haben die 4 Räder in einer Preisspanne von 4.299 bis 6.600 Euro getestet. Hier die Resultate und unser Testfazit.

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Was bieten die Gravel Bikes mit Federung im Test?

Benötigt man eine Federung am Gravel Bike? Das ist eine sehr interessante Frage, die man ganz sicher nicht pauschal beantworten kann. Was man jedoch festhalten kann: Das Angebot an gefederten Gravel Bikes wird von Jahr zu Jahr größer und die eingesetzte Technologie wird besser und leichter. In der Folge tauchen immer mehr gefederte Gravel Bikes auf, die eine hohe Performance mitbringen, ohne dabei zu sehr auf die Waage zu drücken. Dass derart ausgestattete High Tech Bikes jedoch bei der allgemeinen Marktlage nicht günstiger werden, ist auch klar. Wir haben für unseren diesjährigen Test vier Modelle der Oberklasse ausgesucht, mit einer Preisspanne von 4.099 bis 6.600 Euro.

Diashow: Gravel Bike Vergleichstest 2022 Federung: BMC, Canyon, Specialized und Trek
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# Auf steinigen Wegen und ruppigen Trails können Gravel Bikes mit Federung durchaus Sinn machen - trotz Mehrgewicht und zum Teil komplexer Technik.

Dafür bekommt man auf jeden Fall einen hochwertigen Carbonrahmen und in der Regel auch eine elektronische Schaltgruppe mit 12 Gängen. Diese bringt gerade im Gelände den unschätzbaren Vorteil von kurzen Bedienwegen und sehr geringen Bedienkräften. Zudem kann man recht einfach weitere Schaltpunkte, zum Beispiel am Oberlenker, nachrüsten.

Zum Teil verbauen die Hersteller in dieser Preisklasse auch schon Carbon-Laufräder, die dabei helfen, das Gewicht niedrig zu halten. Die Federungs-Konzepte sind erfreulich vielfältig und folgen zum Teil komplett unterschiedlichen technischen Ansätzen. Wie sich die einzelnen Konzepte schlagen, könnt ihr in den Einzeltests der vier Räder lesen.

Begrenzte Auswahl

Gravel Bikes mit Federung sind noch immer so etwas wie Exoten. Das war schon 2020 bei unserem ersten Test von 4 Gravelbikes mit Dämpfung so und hat sich seitdem nicht gravierend geändert. Die Federungskomponenten sind jedoch besser und effektiver geworden und werden in Zukunft noch mehr Gravel Bikerinnen und Biker von ihren Qualitäten zu überzeugen wissen. Es ist also damit zu rechnen, dass sich das Angebot an Gravel Bikes mit Federung deutlich erweitern wird.

Im Moment ist es allerdings noch so, dass die Hersteller in diesem Segment noch recht vorsichtig sind. Es gibt oft deutlich weniger Modelle und Ausstattungsvarianten mit Federung als bei den Modellen ohne Federung. Zudem produzieren etliche Hersteller die gefederten Modelle auch nicht in so vielen Rahmengrößen wie die Standard-Räder. Letztlich gilt jedoch auch hier: Die Nachfrage regelt das Angebot. Und wir sind davon überzeugt, dass dieses Segment in den nächsten Jahren wachsen wird.

Unterschiedliche Federungskonzepte

Während sich bei den Mountainbikes über Jahre hinweg Federgabeln und Stoßdämpfer mit Luftfeder nahezu flächendeckend durchgesetzt haben, gibt es im Bereich der gefederten Gravel-Bikes noch komplett unterschiedliche technische Ansätze. Alle vier Hersteller in unserem Test von 4 Gravel Bikes mit Federung verfolgen gänzlich andere Lösungen, um die Performance und den Komfort mit ihren Rädern zu verbessern.

Die einfachste – aber deshalb bei weitem nicht zwangsläufig die schlechteste Lösung, so viel sei hier schon mal verraten – ist auf die vertikale Nachgiebigkeit von Rahmen und Sattelstütze zu setzen. Damit kann man schon verblüffend gute Ergebnisse erzielen. Das Prinzip des nachgebenden Carbons kann man noch unterstützen, indem man wie beim BMC Urs Elastomere einsetzt, um die gezielte Verformung des Rahmens zu ermöglichen und zu unterstützen. Auch Canyon setzt bei seiner zweigeteilten Sattelstütze auf die Flexibilität von richtig dimensionierten Carbon-Bauteilen.

Des Weiteren finden sich gefederte Lenker, ein Stoßdämpfer im Steuerrohr und eine ausgewachsene Telegabel mit Luftfeder im Testfeld. Ein breites Spektrum an technischen Lösungen also, die alle zum Ziel haben, möglichst wenig Gewicht mitzubringen und dennoch schnellere und komfortablere Fahrten im Gelände zu ermöglichen. In den Einzeltests könnt ihr nachlesen, wie sich die verschiedenen Konzepte im Test geschlagen haben.

# Hinterradfederung mit klassischen Elastomeren am BMC Urs LT Two - es muss nicht immer High Tech sein.
# Die Rock Shox Rudy Ultimate Federgabel bringt bewährte MTB-Technik zum Gravel Bike - die Technik wird dabei unweigerlich komplexer.

Elektronische Schaltgruppen mit 1-fach-Antrieb

1-fach-Antriebe mit 12 oder 13 Gängen sind in dieser Preisklasse die Regel. Das zeigt sich auch an unserem Testfeld, das komplett auf SRAM 1×12 Antriebe mit elektrischer Unterstützung setzt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Einfachheit, Wegfall des Umwerfers, Kombination mit MTB-Kassetten und die einfache Bedienung seien hier nur beispielhaft genannt.

Wie so oft im Gravel Bereich lohnt auch hier der Blick über den Tellerrand hinüber zu den Mountainbikern. Dort haben sich die 1-fach-Antriebe durchgesetzt und dominieren den Markt komplett. Die Gravel Sparte folgt dieser Entwicklung, gleichwohl sie von einem 2-fach-Antrieb noch viel mehr profitieren könnte als ein Mountain Bike. Schließlich wird ein Gravel Bike zu großen Teilen seines Daseins auch auf der Straße bewegt. Und hier passen nicht alle 1-fach-Übersetzungen der Testräder zu jedem Einsatzgebiet, so viel sei an dieser Stelle schon mal verraten.

# An den vier Testbikes waren ausschließlich elektronische 1x12 Schaltungen von SRAM verbaut - das hat viele Vorteile, bringt jedoch auch Einschränkungen bei der Übersetzung.

Systemintegration

Im Bereich der hochwertigen Rennräder längst Standard, kommen auch im Gravel-Segment nach und nach immer mehr Räder mit integrierter Zugführung und dadurch deutlich aufgeräumterer Optik an den Start. Für Puristen und Bikepacker ein Graus, spricht die cleane Optik von komplett im Rahmen verlegten Zügen auch immer mehr Offroad-Fans an. Das Trek Checkpoint geht diesbezüglich in unserem Testfeld voraus und führt die Bremsleitungen direkt vor dem Steuerrohr sauber in den Rahmen. Ein Trend, dem sicher weitere Hersteller folgen werden. Zumindest im höherpreisigen Bereich, in dem keine klassischen Schalt- oder Bremszüge mehr verbaut, sondern elektronisch geschaltet und hydraulisch gebremst wird. Den Bremsleitungen ist es nämlich egal, in welchen Radien und verzweigten Bahnen sie verlegt werden.

# Trek führt die Bremsleitungen direkt vor dem Steuerrohr in den Rahmen - das schafft eine aufgeräumte Optik.

Überblick: 4 Gravel Bikes mit Federung im Vergleichstest

ModellPreisGewicht (gewogen ohne Pedale)Kurbel/SchaltungÜbersetzungLaufradsatzReifenfreiheitFederung vorn/hinten

BMC Urs LT Two
5.999 €9,9 kg (Gr. M)SRAM Rival/GX Eagle AXS, 1×1238 / 10-52DT Swiss G1800 Splinemax. 42 mm in 700cMTT Gabel (20 mm Federweg) / MTT-Sitzstreben (10 mm Federweg)

Canyon Grizl CF SLX 8 eTap Suspension

4.999 €9,3 kg (Gr. M)SRAM Force/Force XPLR eTap AXS, 1×1240 / 10-44Reynolds ATR Carbonmax. 55 mm in 700cRock Shox Rudy Ultimate (30 mm Federweg) / Canyon S15 VCLS 2.0 CF Sattelstütze
Specialized Diverge Expert Carbon
6.600 €9,2 kg (Gr. 54)SRAM Rival/GX Eagle AXS, 1×1240 / 11-50Roval Terra Cmax. 47 mm in 700cFuture Shock 2.0 (20 mm Federweg) / –

Trek Checkpoint SL 6 eTap
4.299 €9,4 kg (Gr. 54)SRAM Rival eTap AXS, 1×1240 / 10-44Bontrager Paradigm Comp 25max. 45 mm in 700c– / IsoSpeed

BMC Urs LT Two


Zum BMC Urs LT Two Test

# Das BMC Urs LT ist das vollgefederte Gravel Bike der Schweizer - das Testbike BMC Urs LT Two kostet 5.999 Euro.

Das BMC Urs LT Two bietet viel Technik und eine „echte“ Federung an Heck sowie Front. Das wirkt sich spürbar positiv auf das Fahrverhalten aus und erhöht sowohl die Performance als auch den Komfort. Leider jedoch auch das Gewicht. Mit 9,9 kg ist das BMC, zumindest gemessen am Preis von 5.999 Euro, kein Leichtgewicht. Dass es dennoch Spaß macht, damit bergauf zu fahren liegt auch an der bergtauglichen Übersetzung mit einem 38er Kettenblatt und der Kassette mit 10-52 Zähnen. Das Fahrverhalten ist eher sicher als verspielt und vermittelt dabei auch weniger erfahrenen Gravelpilot*innen viel Sicherheit.

Pro / Contra

zum Test

Pro

  • Perfekt fürs Bergfahren auf Gravel
  • Souveränes, sicheres Fahrverhalten
  • Viel Federungskomfort
  • Solides, gut geschütztes Rahmenset

Contra

  • Hohes Gewicht

Canyon Grizl CF SLX 8 eTap Suspension


Zum Canyon Grizl CF SLX 8 eTap Suspension Test

# Der Testsieger Canyon Grizl CF SLX 8 eTap Suspension ist das einzige Gravel Bike mit Federgabel im Test - es kostet 4.999 Euro und ist aktuell in vielen Größen verfügbar.

Sehr gute Ausstattung, beste Federung an der Front, hoher Komfort am Sattel und ein sehr attraktiver Preis in unserem Testfeld mit vier Gravel Bikes mit Federung. Das Canyon Grizl CF SLX 8 eTap Suspension kann auf ganzer Linie überzeugen und wird damit verdienter Testsieger. Das Gesamtpaket mit SRAM Force Schaltgruppe, Reynolds ATR Carbon-Laufrädern und der Rock Shox Rudy Ultimate Federgabel ist so stimmig, dass der - an der Ausstattung bemessen - günstige Preis von 4.999 Euro nur noch das Sahnehäubchen auf dem Kuchen ist.
Zu Bedenken ist lediglich die sportlich ambitionierte Übersetzung, die nur für Mittelgebirge oder sehr fitte Gravel Biker*innen geeignet ist. Wer wenig Punch in den Beinen hat oder eine Tour in den Alpen plant, sollte über ein kleineres Kettenblatt nachdenken. Ebenso gibt es für Hardcore-Backpacker und Weltreisende besser geeignete Bikes. Ansonsten kann man mit dem Canyon Grizl CF SLX 8 eTap Suspension jedoch nicht viel falsch machen.

Pro / Contra

zum Test

Pro

  • Beste Federung im Test
  • Exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Hoher Komfort
  • Sehr gute Ausstattung

Contra

  • Übersetzung nur bedingt bergtauglich

Specialized Diverge Expert Carbon


Zum Specialized Diverge Expert Carbon Test

# Das Specialized Diverge Expert Carbon rangiert im mittleren Segment der Diverge Modelle - das hier gezeigte Testrad kostet 6.600 Euro.

Das Specialized Diverge Expert Carbon wirkt schon im Stand sehr kompakt. Ein Eindruck, der sich auch beim Fahren fortsetzt. Das Diverge ist quirlig, agil und fährt sich auf der Straße fast wie ein reinrassiges Race-Rennrad. Auf grobem Schotter ist daher in der Abfahrt eine erfahrene Hand am Lenker nicht von Nachteil. Bergauf kann zudem aufgrund der kompakten Geometrie schon mal das Vorderrad leicht werden. Die Future Shock Federung am Vorbau funktioniert erstaunlich gut, auch wenn sie nicht perfekt gedämpft ist. Der Komfort am Sattel ist auf höchstem Niveau für einen Rahmen ohne Federung. Hier zeigt Specialized, was mit modernem Carbon-Bau und einer passenden Carbon-Sattelstütze möglich ist. Insgesamt ein tolles Gravel-Bike für alle, die kompakte Abmessungen und ein quirliges Handling bevorzugen.

Pro / Contra

zum Test

Pro

  • Leichtestes Bike im Test
  • Exzellentes Handling auf Asphalt
  • Toller Komfort am Sattel Sensible Frontfederung

Contra

  • Auf ruppigen Abfahrten nervös

Trek Checkpoint SL 6 eTap


Zum Trek Checkpoint SL 6 eTap Test

# Das Trek Checkpoint SL 6 eTap schafft es ohne Federung an der Front zum Testsieger in der Kategorie Preis/Leistung - es kostet 4.299 Euro.

Das Trek Checkpoint SL 6 eTap ist mit einem Preis von 4.299 Euro das günstigste Rad in unserem Test. Umso erstaunlicher, dass es dennoch einen echten Mehrwert liefert, denn sowohl die Verarbeitung, als auch die Lackierung sind einen Tick besser als bei den Mitbewerbern. Wer also viel Wert auf das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Optik legt, bekommt mit dem Trek das stimmigste Bike. Die Lackierung sieht einfach wertig aus, der hochwertige Lenker ergänzt das optische Paket perfekt. Der Komfort auf wirklich ruppigen Pisten ist nicht ganz so gut, wie bei den Besten im Test, dafür performt das Trek Checkpoint auf Apshalt und moderaten Schotterwegen exzellent und macht dabei die fehlende Federung an der Front fast vergessen.

Pro / Contra

zum Test

Pro

  • Sehr hochwertiger Look
  • Exzellente Verarbeitung
  • Niedrigster Preis im Testfeld
  • Hohe Performance auf Asphalt

Contra

  • Keine Federung an der Front
  • Eingeschränkter Komfort auf ruppigen Wegen

Das ist uns aufgefallen

4 Gravel Bikes mit Federung im Test – Fazit

Nun mal Butter bei die Fische, macht eine Federung am Gravel Bike Sinn oder sollte man lieber die Finger davon lassen? Wie so oft im Leben lautet die Antwort: Kommt ganz darauf an. Nämlich auf das Einsatzgebiet, die persönlichen Vorlieben, die Region in der man lebt und nicht zuletzt auf die finanziellen Möglichkeiten oder die persönliche Bereitschaft für das nächste Gravel Bike viel oder wenig Geld ausgeben zu wollen.

Unser Test hat auf jeden Fall gezeigt, dass eine echte Federgabel, wie sie millionenfach an Mountainbikes eingesetzt werden, die besten Voraussetzungen mitbringt, auch am Gravel Bike richtig gut zu funktionieren. Und zwar ohne gravierende Nachteile mitzubringen. Unser Testsieger Canyon Grizl CF SLX 8 eTap Suspension beweist, dass man ein ausgereiftes Gravel Bike mit Federung bekommt, ohne einen deutlichen Gewichtsaufschlag in Kauf nehmen oder zu tief in die Tasche greifen zu müssen. Die Zeit ist reif und die Federgabeln werden an immer mehr Gravel Bikes auftauchen, davon sind wir fest überzeugt.

Genauso beweist unser Preis-Leistungs-Sieger Trek Checkpoint SL 6 eTap, dass man genauso so gut ohne Federgabel oder überhaupt eine Federung an der Front glücklich werden kann. Mit einem gut abgestimmten Rahmen und dazu passenden Komponenten gibt es auch ohne Federgabel Spaß ohne Ende. Das gilt übrigens auch am Heck für die sehr gut federnden Rahmen und Sattelstützen von Canyon und Specialized. Letzten Endes sollte jeder passend zu seinen Vorlieben und zu den bevorzugten Strecken selbst entscheiden, welches das am besten passende Bike ist.

Worauf haben wir im Test Wert gelegt?

Was ein Gravel Bike eigentlich ist oder können muss, hat sich seitdem der Trend vor ein paar Jahren durchstartete, ständig verschoben. Galten bei den ersten Gravel Rennen und Rides wie Unbound Gravel noch 35 mm Reifen als breit und geradezu offroad-lastig, müssen es am Gravel Bike von heute eher 45 mm sein. Das soll auch die Ansprüche von Bikepackern zufriedenzustellen, die auch schwierige Wege komfortabel in Angriff nehmen wollen. Nicht zuletzt gibt es eine wachsende Schar von Allroad-Bikes, also besonders schnellen Gravel-Bikes, die näher am Endurance-Rennrad liegen und häufig lediglich bis 35 mm Reifenfreiheit bieten.

Für unsere Bewertung gilt deshalb: breiter ist besser, mehr Reifenfreiheit ist ein Plus – zumal damit auch mit Schutzblechen breitere Reifen gefahren werden können. Stichwort Schutzbleche: Auch Vielseitigkeit allgemein haben wir als Pluspunkt bewertet. Sei es, dass schlicht mehr Ösen für Bikepacking-Halter vorhanden sind oder dass die Bikepacking-Tasche besonders einfach angebracht werden kann, weil keine Leitungen und Kabel im Weg sind.

In diesem Vergleichstest haben wir speziell Gravel Bikes mit Federung ins Visier genommen. Das Angebot derartiger Räder ist noch überschaubar, wächst aber stetig und wird in der Zukunft einen immer größeren Stellenwert einnehmen, davon sind wir überzeugt.

# Dank Federung kann man es offroad richtig „fliegen“ lassen - die Federelemente vermitteln viel Sicherheit und Vertrauen.
# Auch auf kleinen, engen Trails machen die gefederten Gravel Bikes richtig Spaß.
# Auf langen Bergaufstücken passen die Übersetzungen nicht immer perfekt.
# Gravel Biken erwünscht - oder haben wir da etwas falsch verstanden?

Natürlich spielt auch schlicht die Wertigkeit der Ausstattung eine Rolle und wie gut sie zum Einsatzbereich passt. Als Einsatzbereich haben wir – angesichts der Ausstattung mit Federung – 40 % Straße und 50 % Einsatz auf Schotter sowie 10 % Spaß auf Trails zugrunde gelegt. Das dürfte zwar mehr Gravel-Anteil sein, als viele tatsächlich unter die Räder nehmen, aber die Freiheit, einfach mal auf den kleinen Waldweg nebendran abzubiegen und sich dort auszutoben, macht ja viel von der Faszination Gravel Bike aus. Man kann, wenn man will. Vor allem mit einem Gravel Bike mit integrierter Federung!

Ganz bestimmt nicht zuletzt spielen die Fahreigenschaften für einen Test eine besondere Rolle. Jeweils getrennt für Straße und Gravel haben wir uns gefragt: Wie sprintfreudig ist das Rad? Wie einfach ist es, das Tempo zu halten, wenn es einmal erreicht ist? Und wie schnell und kontrolliert habe ich das Gravel Bike wieder heruntergebremst? Hoch eingestuft haben wir auch schlicht, wie viel Spaß es uns in Kurven bereitet und ob sich die verbauten Federungssysteme eventuell auch negativ auswirken können.

# Auch auf Asphalt haben wir den gefederten Gravel Bikes auf den Zahn gefühlt - ohne negative Überraschungen.


Alles zum Thema Gravel Bike auf Rennrad-News

Wir hoffen, dass wir euch mit unseren umfangreichen und sehr ausführlichen Tests dazu konkrete Entscheidungshilfen geben. Berichtet uns gerne auch in den Kommentaren von euren persönlichen Erfahrungen mit Gravel Bikes mit oder ohne Federung oder fragt in unserem Forum nach den Erfahrungen und Vorlieben anderer User.

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Wie sind eure Erfahrungen mit Gravel Bikes mit Federung?


So haben wir die Gravel Bikes getestet

Alle Gravelbikes im Vergleich wurden auf einer identischen, circa 10 km langen Teststrecke in Mouans-Sartoux, Frankreich, getestet. Alle Bikes im Test wurden von 2 Fahrern im Wechsel gefahren. Die Fahreindrücke notierten sie unmittelbar nach den Testfahrten in einem Testschema. Bewertet wurden: das Fahrverhalten in langsamen engen und schnellen weiten Kurven, das Beschleunigen am Berg und in der Ebene, die passende Übersetzung für Gravelanstiege, die Sicherheit in der Abfahrt (inklusive Bremsen), der Komforteindruck am Sattel und am Lenker.

Die Teststrecke beinhaltete circa 30 % Straßenanteil, Anstiege bis kurzzeitig 15 % auf der Straße und ähnlich steile Anstiege auf Forstwegen. Zu überwiegendem Anteil bestand die Teststrecke aus Gravel-Wegen, die auf der 50 Shades of Gravel Skala der Stufe 5 bis 9 zuzuordnen wäre, sprich: überwiegend felsiger Untergrund mit losem Kies und teils großen Steinen. Feuchte Waldböden waren gar nicht enthalten. Auch anspruchsvolle Abfahrten auf einfachen Trails mit lehmigem, trockenem Boden und kurze Schiebe- und Tragepassagen waren enthalten.

# Beim Testen gibt es auch immer etwas zu filmen oder fotografieren.

Die Testräder werden bei den Herstellern für den Test in der beschriebenen Kategorie angefragt. Neben den gezeigten Rädern können noch weit mehr Testräder angefragt worden sein, die zum Beispiel aus Gründen der Lieferfähigkeit nicht teilnehmen konnten. Die Hersteller stellen das Rad kostenlos in der Art und Weise zur Verfügung, wie es der Fachhandel erhält; bei Testrädern von Direktanbietern, wie sie der Endkunde erhält, d.h. vormontiert. Die Testräder wurden in der Redaktions-Werkstatt endmontiert. Für den Test wurden die Räder gewogen, die Sitzposition bei identischer Sattelhöhe (bezogen auf die Tretlagermitte) vermessen und die Reifen mit identischem Reifendruck befüllt. Die Gravel Bikes mit Reifen mit Schlauch fuhren wir mit 2,5 bar hinten und 2 bar vorn. Die Gravel Bikes mit Tubeless-Reifen Set-up fuhren wir mit 1,8 bar vorn und 2,2 bar hinten, jeweils unabhängig von der Reifengröße. Das unterschreitet teils die Empfehlungen der Reifen-Hersteller, hat sich aber für die leichten Fahrer ohne Gepäck im Test bewährt. Nach Testende erhalten die Hersteller die Testräder zurück.
Tester-Profil: Harald Englert
Körpergröße 176 cm
Schrittlänge 85 cm
Oberkörperlänge 65 cm
Armlänge 56 cm
Gewicht 66 kg
Harry fährt gerne schnelle Rennräder und TT-Renner. Seit einigen Jahren dem Triathlon-Sport verfallen. Von kurzen und harten Intervalltrainings bis zu mehrstündigen Touren steht alles auf dem Programm. Meist mit Trainingsziel unterwegs, aber gerne auch auf Genusstour mit Kumpels und Freunden. Wenn Zeit bleibt, zudem auf dem Gravel-Bike oder Enduro-MTB durch den Spessart unterwegs.
Ich fahre hauptsächlich
Rennradtouren, Triathlon-Rennen, Trainings-Einheiten auf dem Rollentrainer
Vorlieben bei der Geometrie
Sportlich, nicht zu lang
Tester-Profil: Jan Gathmann
Körpergröße 180 cm
Schrittlänge 86 cm
Oberkörperlänge 51 cm
Armlänge 62 cm
Gewicht 75 kg
Jan fährt vom Bahnrad über den Stahl-Klassiker bis zum Cyclocross- und Gravelbike alles, was einen Rennlenker hat – nur mit den Unterarmen auf dem Auflieger sieht man ihn selten. Bewunderte Pro-Fahrer: Klassikerspezialisten. Meistgemiedenes Terrain: lange flache Geraden.
Fahrvorlieben
Lieber kurz und schnell als lang und erschöpfend
Bevorzugtes Terrain
Mittelgebirge, Flandern, kurvig, gerne auch mit Flatterband auf Wiesen
Vorlieben bei der Sitzposition
Kompromiss zwischen Endurance und Race
Sprinter, Rouleur oder Kletterer?
Am ehesten wohl Rouleur. Für den Sprinter fehlen die Ellenbogen und die Watt, für den Kletterer zu schwer

Alle Tests zu Gravel Bikes mit Federung 2022 lest ihr hier:

Text: Harald Englert / Fotos: Moritz Zimmermann, Jan Gathmann
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