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Wunder(bare) Brevetberichte

Hier noch Paar alte Fotos meiner ersten Experimente

Löst sich nur schwer im kalten Wasser auf
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Nach circa 5 Tagen ohne erwärmen
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Versehentlich bis zum karamelisieren gekocht und zu viel Salz dran. Zuerst dachte ich noch "geil, salted-caramel". Hat sich aber geschmacklich als zu intensiv herausgestellt und war irgendwann nur noch schwer erträglich

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Danke, nach einem (gescheiterten) Experiment deswegen oben die Nachfrage.

Deine neue Art, zu berichten ist klasse. Bitte genau so beibehalten. Gefällt...
 
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Nach drei Monaten das erste DNF, zu viele Defekte, irgendwann Ersatzschläuche aufgebraucht. Auf Grund von Feuchtigkeit und Ungeduld auch mit Flicken nicht weiter gekommen. Jetzt habe ich Corona. Mit etwas Glück geht am letzten November Wochenende noch was, wenn nicht gibt es halt den Neustart.
https://strava.app.link/AKCR87uWZXb
War ja auch wieder unterwegs, auch wenn es dieses mal auf den letzten Metern nicht mehr funktioniert hat.
 
400er Brevet ARA Ruhrgebiet ab Dortmund ab Freitag, den 8.5.2026
Start nominell: 20 Uhr
Start individuell: 20:08 Uhr
404 km / ca. 3270 Höhenmeter (nach Wahoo Bolt 2)
Zeit gesamt: 21:37 h (Durchschnitt: 18,7 km/h)
Bewegungszeit: 16:52 h (Durchschnitt: 23,9 km/h) 78 % Bewegungsanteil
Standzeit: 4:45 h, davon 2:32 h Hotelpause in Paderborn

Idee/Planung/Vorbereitung:
Nach meinem DIY und Solo 300er Brevet letzten September sollte es diesmal mein erstes offizielles Brevet und ein 400er sein, um zu schauen, ob auch diese nächst längere Distanz für mich (mit Spaß) machbar ist.
Die Entscheidung fiel schnell auf den 400er von ARA Ruhrgebiet mit Start in Dortmund, da die Anreise mit der Bahn von Soest sehr überschaubar ist und auch die Strecke mit Sauerland Anteilen für mich attraktiv ist.

Lange Zeit überlegte ich, wie ich mit dem Thema Schlaf bei einem 400er mit Abendstart umgehen soll. Ich habe weder Erfahrung mit längeren Fahrten bei Nacht geschweige denn dem Durchfahren einer Nacht noch Ausrüstung zum Draußenschlafen. Ich befürchtete, eventuell spät in der Nacht so müde zu werden, dass ich dann eine Schlafpause benötigen würde und wollte besonders bei den aktuellen Temperaturen nicht dann draußen schlafen müssen.
Daher entschied ich mich, ein Hotelzimmer in Paderborn nach gut 100 km ganz in der Nähe des ersten Kontrollpunkts vorab zu buchen. Das Risiko, eventuell nicht einschlafen zu können, war mir bewusst.
Da ich spätestens um 21 Uhr im Hellen wieder im Ziel sein wollte und ich auch vorsichtshalber von einem 22er Schnitt in Bewegung plus einiger Standzeit ausgegangen war, war das Resultat meiner Zeitplanung, dass die Hotelpause nicht länger als 3 h dauern sollte.

Ich fahre bei Touren oft mit einer 4 Liter Satteltasche von Ortlieb mit Bajonetthalter. Für dieses Brevet benötigte ich aber abhängig vom Wetter voraussichtlich ein größeres Ladevolumen. Zudem wollte ich zusätzlich eine Oberrohrtasche ausprobieren, da mir deren relative aerodynamische Form und die einfache Zugriffsmöglichkeit während der Fahrt recht sinnvoll erschienen.
So kaufte ich von Cyclite eine größere Satteltasche mit 13 Litern (auch für eventuelle künftige längere Bike packing Fahrten) und eine größere Oberrohrtasche mit 1,1 Litern, deren angegebene Breite von 5,5 cm mir noch ausreichend schmal erschien. Leider bestellte ich die Taschen so spät, dass ein eventuelles Ausweichen auf Alternativprodukte nach Erhalt nicht mehr wirklich möglich war.
Bei der Oberrohrtasche stellte ich z.B. nach Erhalt fest, dass der Deckel ca. 6,5 cm breit ist. Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich eine andere schmalere Tasche von z.B. Apidura gekauft.
Mangels Zeit entschied ich mich, neben der Cyclite Satteltasche auch die Cyclite Oberrohrtasche beim Brevet auszuprobieren.

Da ich bei Nacht nur wenig und auch nur sehr selten unbekannte Strecken fahre, hatte ich bisher u.a. nur eine relativ dunkle B+M Ixon IQ (nicht die Premium Version) in Verwendung. Nabendynamos (bislang nur ganz billige von Shimano an Stadträdern) nutze ich lange nicht mehr. Für die längere Fahrzeit im Dunkeln bei diesem Brevet war mir die Ixon IQ aber deutlich zu dunkel und so kaufte ich aufgrund der überzeugenden Ausleuchtung und des noch vertretbaren Preises trotz der veralteten Micro USB-Ladebuchse und der sehr langen Ladezeit die B+M Ixon Space. Diese wollte ich im Hotel während der Pause nachladen.

Für die Fahrt wollte ich wie bei meinem 300er DIY Brevet wieder mein Nishiki einsetzen, da sich dort 30 mm Reifen montieren lassen.
Für besseren Leichtlauf montierte ich anstelle meiner meist am Nishiki verwendeten Gravel Reifen Michelin Power Cup 28 mm Reifen, die auf meinen 19c Felgen aber real 29,5 mm breit ausfallen und zusätzlich auch TPU Schläuche anstelle Butyl.

Edit:
Der Lenker bekam im Bereich von Oberlenker bis Bremsgriffe eine zweitere untere Lage Lenkerband spendiert, um Handschmerzen bei langen Touren zu reduzieren. Unterlenker fahre ich recht wenig, so dass mir dort eine zweite Lage verzichtbar erschien.

Der Bericht der eigentlichen Fahrt folgt vorraussichtlich in wenigen Tagen ...
 
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Die Fahrt:
Die Brevet-Organisatoren hatten angekündigt, dass am Abend des Starts ein Spiel des BVB stattfinden würde.
Die Anreise mit dem Zug von Soest war dennoch problemlos, da der Zug in Soest noch leer war und auch ein zweiter Zugteil eingesetzt wurde.
Ich stieg am Signal Iduna Park aus und musste etwas Geduld aufbringen, um mich durch die BVB Fans zu wühlen. Dennoch waren die kurzen 2 km bis zum Brevet Startpunkt "Gaststätte goldener Erntekranz" relativ schnell geschafft.
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Mit @Bilbo hatte ich mich zum Start verabredet. Wir kamen mit einem weiteren Mitfahrer ins Gespräch und beschlossen gemeinsam zu starten. Zusammen mit 2 weiteren Fahrern waren wir mit die letzten Starter. Diese zwei waren aber zu schnell für uns, so dass wir sie ziehen ließen.
Aufgrund zweier Verfahrer und Stopps wegen technischer Probleme war der Start etwas holprig.
Dennoch lief es gut und ich übernahm in unserer Dreiergruppe viel Führungsarbeit. Hin und wieder überholten wir etwas langsamere Fahrer. Mit meinem neuen Scheinwerfer hatte ich genug Licht. Einen großen Teil der Strecke konnte ich die Lichtmenge aber deutlich reduzieren, um Strom zu sparen.
Hinter Unna bis Lippstadt kannte ich die Strecke ... Heimatrevier. ;)

kurzer Stopp in Brockhausen nach knapp 60 km, um mehr Kleidung anzuziehen:
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Die Strecke war von den Organisatoren sehr gut gewählt. Breite tagsüber teils sehr verkehrsreiche Landstraßen (z.B. L 636) ließen sich bei Nacht sehr angenehm fahren. Kurz nach 00:30 erreichten wir den ersten Kontrollpunkt Tankstelle Markant in Paderborn:
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Dort trafen wir einige weitere Fahrer(innen). Ich kaufte in der Tankstelle Kohlenhydrate-Nachschub in Form von Süßigkeiten.
Es war Zeit, mich von meinen Mitfahrern zu trennen, da mein gebuchtes Hotel nur ca. 100 m entfernt war. Auf der Zugfahrt nach Dortmund hatte ich versucht, online einzuchecken. Das war aber zu spät, so dass ich die Anmeldeprozedur am Terminal des Hotels durchführen musste.
Mein Handy und den Scheinwerfer schloss ich zum Laden an. Für den Scheinwerfer hatte ich das original Netzteil mit, da nur dieses eine immer noch sehr lange Aufladezeit von 5 h ermöglicht. Mit Fremdnetzteilen, auch schnelladefähigen, ist die Ladezeit 10 h!
Mein Navi Wahoo Bolt 2 wollte ich später während der Fahrt über die Powerbank in der Oberrohrtasche laden.
Kurz nach 1 Uhr machte ich das Licht aus und versuchte einzuschlafen. Trotz meiner Ohrenstöpsel hörte ich nah vorbeifahrende Züge. Ich war schon recht müde, aber ich als Schlafmimose konnte erst geschätzt um 1:45 Uhr einschlafen. Ich hatte mir den Wecker auf 3 Uhr gestellt, wachte aber schon um 2:35 Uhr auf. An ein Einschlafen war nicht mehr zu denken.
Ich brauchte sehr lange, um startklar zu werden, aß auch noch von meinen mitgebrachten Salzbrezeln und füllte meine Flaschen wieder mit Wasser auf..
Ich zog meine Winter Kleidung an, einschließlich kurzer Rainlegs Regenhose als Windschutz, Neopren Überschuhen sowie langen Handschuhen und Winter Helmuntermütze.

Um 3:13 Uhr fuhr ich in Paderborn los und es rollte von Beginn an ganz ordentlich. Die Stadt schien fast ausgestorben. In Wewer verpasste ich zuerst den Abzweig auf den Almetalradweg.
In Husen nahm ich die einsetzende Dämmerung und Hügel wahr. Dort will ich bei Tageslicht nochmals hin.
Bis Meerhof gab es die erste längere, wenn auch nicht steile Auffahrt des Brevets.
Gab es bisher wenig Nebel oder ich hatte diesen nicht richtig wahrgenommen, so änderte sich dies schlagartig in der schnellen Abfahrt von Meerhof nach Westheim. Starker Nebel ließ meine Brille stark beschlagen. Ich putzte mit meinem Handschuh ständig über die Brillengläser, um einigermaßen Sicht zu haben. Plötzlich ging die Hintergrundbeleuchtung meines Navis aus. Es dauerte ein wenig, bis mir die Ursache klar wurde. Ich hatte für die Abfahrt meinen Scheinwerfer heller gestellt und der Nebel streute so viel Licht, dass mein Navi von Taghelligkeit ausging. Ich verdrehte den mit Kabelbindern befestigten Navihalter etwas nach hinten, so dass der Lichtsensor des Navis weniger Licht auffing und sich die Hintergrundbeleuchtung wieder einschaltete.
Für die nächste potentielle Nebelfahrt werde ich den Schweinwerfer seitlich abkleben.

Das erste Mal schöne Lichtstimmung um 5:23 zwischen Helmighausen und Neudorf:
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Gegen 6 Uhr erreichte ich nach ca. 166 km den zweiten Kontrollpunkt Aral Tankstelle in Bad Arolsen. Ich fuhr zuerst ca. 100 m an der Tankstelle vorbei, ohne sie sofort wahrzunehmen. Dass ich den nächsten Kontrollpunkt erreicht hatte, bemerkte ich erst, als der track zuende war. Ich hatte den track in Abschnitte von Kontrollpunkt zu Kontrollpunkt gestückelt. ;)
In der Tankstelle traf ich zwei weitere Fahrer, die sich noch weiter aufwärmen und (noch) nicht wieder in die Kälte wollten. Meines Wissens haben die beiden später aufgegeben. Ich kaufte in der Tankstelle Kohlenhydrate-Nachschub in Form von Fruchtgummi.
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Nebel tauchte immer mal wieder auf, aber nur schwach und störte die Fahrt nicht.
Hier kurz vor Elleringhausen:
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Eine schöne Abwechslung war der Ederseebahn-Radweg: hier in Sachsenhausen
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Kurz nach 7 Uhr erreichte ich Nieder-Werbe am Edersee. Das Wasser war ganz schmutzig braun:
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Dort begann die bisher steilste Auffahrt des Brevets nach Basdorf. Ich holte einen weiteren Fahrer ein, dessen schweres, dunkelgrünes Trekking-Rad mit Rohloff Nabenschaltung mir schon am Start aufgefallen war. Es ist auf meinem ersten Foto in der Bildmitte zu sehen. Der Fahrer tat sich in der Steigung schwer und ich begleitete ihn fast bis zur Passhöhe. Er erzählte mir, dass dieses sein zweites Brevet nach einem erfolgreichen 200er von ARA Westfalen im März sei und er dieses als Vorbereitung für eine Alpenüberquerung nutzen wollte. Sein Brevet-Rad mit viel Gepäck und Getränken würde 25 kg wiegen.
Ich hoffte trotz meiner Zweifel, dass er das Ziel rechtzeitig erreichen würde. Tatsächlich schaffte er es noch zeitig vor dem Zeitlimit ins Ziel. Darüber freue ich mich sehr und er hat meinen größten Respekt, aber ich bin sehr froh, dass mein Rad einschließlich Gepäck deutlich leichter ist.

Steigung hinauf nach Oberorke:
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Um 8:47 Uhr nach ca. 224 km erreichte ich den nächsten Kontrollpunkt Aral Tankstelle in Korbach. Auf noch mehr Süßigkeiten hatte ich keine Lust und kaufte daher Verpflegung im Aldi, der auf dem Foto zu sehen ist:
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Fortsetzung folgt ...
 
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Nicht wirklich ein Bericht, mehr ein paar Impressionen und Fotos vom 600er Brevet des ARA Nordbayern am 06.-07.06.

Mit die größten Herausforderungen des Brevets gab es für mich noch vor dem eigentlichen Start. Erst einmal war ich zwei Wochen vorher die Mittelgebirgsclassique gefahren und von dieser noch nicht vollumfänglich erholt. Dann hatte ich bereits gegen Ende der Mittelgebirgsclassique Probleme mit einem unsauber arbeitendem Schaltwerk. Diese hatte ich aber nach dem Abschluss des Rennens erst einmal erfolgreich verdrängt und mich erst kurz vor dem Brevet wieder mit der Problematik beschäftigt. Um dann erst einmal zur Schande meiner Schrauberehre die unsaubere Schaltung trotz aller Feinabstimmung nicht gelöst zu bekommen. Letztendlich musste ich feststellen, dass das Schaltwerk selbst defekt war. Am Tag der Abfahrt zum Brevet vormittags dann noch das Ersatz-Schaltwerk bekommen, eingebaut und die Schaltung arbeitete wieder butterweich. Beim Einladen des Rades ins Auto feststellen müssen, dass die Rücksitzbank sich nicht umlegen lässt, Mechanismus defekt. Also Laufräder demontiert und die Einzelteile plus Material irgendwie ins Auto geknört…. Aber zum Randonneurs-Dasein gehört ja der entspannte Umgang mit auftretenden Problemen…

Endlich am Startpunkt des ARA Nordbayern in Treuchtlingen angekommen war aber alles gut. Ich konnte am Vorabend des Startes noch meine Unterlagen bekommen und einige nette Gespräche führen. Dann hat man dort einen super Schlafplatz mit beeindruckendem Frosch- und Nachtigall-Konzert.
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Am nächsten Morgen um 08:00 Uhr war dann der Start.
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Es ging erst einmal nach Osten bis kurz vor Regensburg.
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Dann nach Süden bis an den Chiemsee.
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Vom Chiemsee am Nordrand der Berge am Tegernsee vorbei bis zum Starnberger See.
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Leider fährt man diesen Streckenabschnitt in der Regel in der Nacht und sieht nicht viel von den Bergen. Von dort aus wieder Richtung Norden und westlich an Augsburg vorbei über Donauwörth zurück nach Treuchtlingen.

Material
Das Fahrrad war wieder mein bewährtes Mawis-Titanrad. Jetzt aber mit den 50 mm DT Swiss Laufrädern ausgestattet. Im Gegensatz zur Mittelgebirgsclassique war ich auch mit deutlich weniger Gepäck unterwegs: Kein Schlafsack, nur eine Powerbank, minimal Verpflegung. Im Nachhinein hätte ich doch einen Schlafsack mitgenommen. Mit meinen 64 Jahren fahre ich nicht mehr so schnell und hätte eine längere und gemütliche Schlafpause schon gebrauchen können.

Verfassung
Ich war doch noch nicht wirklich von der Mittelgebirgsclassique erholt. Der richtige Druck aufs Pedal wollte sich nicht einstellen, bei den schnelleren Gruppen konnte ich nicht mithalten und schon nach wenigen Stunden stellte sich ein lästiges Ziehen in der rechten Wade ein, welches ich das ganze Brevet über nicht mehr komplett wegbekommen sollte (und im Übrigen heute noch spüre…).

Wetter
Das Wetter war am ersten Tag perfekt: Warm aber nicht heiß. Es waren zwar Gewitter unterwegs, die haben aber zumindest mich nicht erwischt. Am Morgen des zweiten Tages hat es zeitweise geregnet, dies war aber nicht richtig störend.

Am Ende war ich nach 31 Stunden im Ziel, da gab es also noch gut Reserve.

Alles in Allem wieder ein nettes Event, welches die Schönheit der bayerischen Landschaft vor Augen führt.

Ich bin jetzt in 4 Wochen Events mit 400 km, 1.100 km und 600 km gefahren. Jetzt ist erst einmal Pause angesagt....

Thomas
 
(gewünscht: geliefert)

Disziplinierte 600 oder Essen FLACH („Drei-Länder-Tour Richtung Nordsee“)

Prolog


Mit Blick auf den 1200er im Sommer stand ich vor drei Möglichkeiten: diszipliniertes Training, Leiden als Passion oder sich mit Termine zwingen. Unschwer zu erahnen, ich habe den Terminzwang gewählt und spontan noch einen Platz beim ARA Ruhr ergattert. (Ich liebe deren Anmeldesystem, freiwerdende Plätze erlauben wieder eine Anmeldung – regelmäßiges Nachschauen lohnt sich dort wirklich.)

Es sollte also sowas wie eine Trainingsfahrt werden. Und da ich mich kenne, wusste ich, dass ich diesen Vorsatz unterwegs vermutlich wieder vergessen und mich am Ende gegen die Wand fahren würde. Also habe ich zur Selbststeuerung in Emden ein Hotel gebucht und einer starren Regel gesetzt: (1) Ich muss mich dort ins Bett legen (2) Ich darf das Zimmer nicht vor 4:30 Uhr verlassen. Damit mein sozialer Druck möglichst groß wird, habe ich allen die es hören wollten oder nicht von diesen Regeln erzählt.

Anreise / Vorabend

Ich gebe hier einfach mal meine Erfahrungen weiter – vielleicht kann sie jemand für sich nutzen:

  • Eine spontane Anreise mit dem Deutschlandticket an einem Freitag im Juni ist die Pest. Die Züge waren hoffnungslos überfüllt, insbesondere mit Flugreisenden Richtung Düsseldorf und Schulklassen auf dem Heimweg von Klassenfahrten. Einen Anschluss verpasst und zwei Züge auslassen müssen, weil sie für Fahrräder gesperrt wurden. Aus geplanten 4,5 Stunden wurden am Ende 8 Stunden.
  • Der Campingplatz liegt fast direkt am Start (ca. 1,5 km entfernt), ist für Zelte aber nur bedingt geeignet. Er befindet sich unter der Einflugschneise von Düsseldorf, und bis 23 Uhr herrscht dort reger Betrieb.
  • Auf der Suche nach etwas zu essen bin ich in einem vermeintlichen „Imbiss“ gelandet und hätte fast geheult, so gut war das. Original italienische Pasta, dazu ein Bier aus Sizilien und ein Tiramisu – italienische Liebe auf dem Teller. (Spaccanapoli da Enzo, Wigstraße 1, 45239 Essen-Werden)

Startort / Route

Der Start war unspektakulär an einem Edeka in Essen-Werden. Man konnte noch gemütlich einen Kaffee trinken und wirklich gut frühstücken. Lediglich den Toilettengang sollte man rechtzeitig planen – offenbar gibt es nur eine Toilette für alle. Bereits 25 Minuten vor dem Start war die Schlange beeindruckend lang. Aber ich habe es noch geschafft.

Es waren einige Menschen am Start, aber keineswegs überfüllt. Ich bin furchtbar schlecht im Schätzen, aber ich würde sagen, dass es vielleicht 80 Starter:innen waren (wie leider oft nur wenige Frauen).

Der Track hielt was er versprach. Auf rund 620 Kilometern sollten keine 1.000 Höhenmeter zusammenkommen. Man muss also flach genauso lieben wie schnurgerade Straßen. Die längste Gerade war vermutlich mit 11,3 km eine Straße von Burgsteinfurt und Hauenhorst. Außerdem sollte man lange Abschnitte mögen. Zwischen Start und Ziel lagen gerade einmal fünf Kontrollen – also 6 Etappen: (1) Essen – Coesfeld; 95 km (2) Coesfeld – Sögel; 119 km (3) Sögel – Emden; 95 km (4) Emden – Meppen; 114 km (5) Meppen – Nienborg; 77 km (6) Nienborg – Ziel; 119 km

Flach und gerade liegt mir. Lange Etappen eher nicht. Dennoch war die Streckenführung angenehm. Nur vor Emden wurde ein Straßenabschnitt doppelt gefahren, und selbst dort war erkennbar, dass nach Alternativen gesucht worden war.

Start bis Emden

Unmittelbar nach dem Start ging es zunächst einen kleinen Anstieg hinauf und anschließend über viele kurvige Rad- und Nebenwege. Entsprechend bildete sich zumindest um mich herum keine wirkliche Gruppe. Für mich war das aber völlig in Ordnung.

Die ersten 50 bis 60 Kilometer führten im Zickzack durch „die“ Stadt. Ja, ich habe verstanden, dass es mehrere Städte sein sollen – aber woran genau erkennt man den Übergang?

Etwas nervig war das schon, aber vermutlich geht es nicht anders. Dafür blieb der angekündigte Dauerregen am Vormittag aus, und der Wind kam gefühlt weniger stark von der Seite als erwartet.

Schließlich öffnete sich der Horizont. Sattes Grün, etwas Sonne und lange, ruhige Straßen. Das Gelände war angenehm wellig, und nach meinem Eindruck drehte der Wind sogar leicht, sodass ich gelegentlich das Gefühl hatte, ein wenig Unterstützung zu bekommen oder ich war fitter als gedacht.

Irgendwann fand sich doch eine kleine Gruppe zusammen. Mit zwei Fahrern rollte ich längere Zeit gemeinsam dahin. Mal schloss sich jemand an, mal zog jemand vorbei. Bis Leer gibt es ansonsten wenig Spektakuläres zu berichten.

Ein Problem zeichnete sich allerdings ab: Es lief zu gut. Es drohte, dass ich bereits gegen 21:30 Uhr am Hotel sein würde. Was sollte ich denn da so lange machen? In Leer kam ich schließlich gegen 19:30 Uhr an und beschloss, etwas Zeit bei der „anderen“ Burgerkette zu verbringen.

Die Strecke von Leer nach Emden wechselte nun die Himmelsrichtung. Erst etwa 15 Kilometer Richtung Nordwesten, anschließend ziemlich genau 26 Kilometer gen Osten. Der Wind kam laut Wetterdaten aus 270 bis 280 Grad – also ziemlich exakt aus Westen. Bis etwa 19 Uhr wehte ein „starker Wind“ (um 40 km/h), danach flaute er auf eine „frische oder mäßige Briese“ (25 bis 30 km/h) ab. Soweit die Fakten.

Teilnehmer berichteten später von „Sturm“, „fast Sturm“ oder „starkem Gegenwind“, der grundsätzlich immer von vorne gekommen sei. Beides ist faktisch wohl nicht ganz korrekt – aber ich gebe den anderen entschieden Recht! Hoch leben die kontrafaktischen Zeiten, die Hölle, die wir da erleben mussten, jawohl.

Tatsächlich ging bei mir von Leer bis Emden wenig. Gestartet um ca. 20:15 habe ich es um kurz nach 23:00 Uhr an den CP geschafft und damit einen krassen 14 km/h Schnitt hingelegt. Das kann nur am „Sturm“ (ab 75 km/h) oder zumindest „stürmischen Wind“ (ab 62 km/h) gelegen haben!

Regelkonforme Hotelnutzung

Angesichts des mindestens (erlebten) „steifen Wind“ (ab 50 km/h) war ich mit meiner Regel nur mäßig glücklich. Vom Kontrollpunkt waren es lediglich zehn Kilometer bis zum Hotel, und es war offensichtlich, dass alle, die jetzt weiterfuhren, die nächsten 40 Kilometer geschenkt bekamen – beziehungsweise sich dieses Geschenk auf dem Hinweg hart erarbeitet hatten.

Aber Regel bleibt Regel – insbesondere weil ich Gott und der Welt davon erzählt hatte. Also fand ich mich gegen 23:30 Uhr im Hotel ein. Wer dort ebenfalls ein „Hotel“ sucht: Das von mir genutzte Roatel kann ich empfehlen. Online einchecken, kommen wann man möchte, Zimmeröffnung per Smartphone, Fahrrad kann problemlos mit ins Zimmer, alles sauber und eine gute Dusche. Kurz nach Mitternacht lag ich geduscht im Bett.

Und dann lag ich. Und dann lag ich weiter. Und anschließend lag ich noch etwas mehr.

Hin und wieder bin ich kurz eingenickt, aber eigentlich habe ich vier Stunden dort herumgelegen und darauf gewartet, dass endlich 4 Uhr wird, damit ich mich fertig machen konnte, um das Hotel regelkonform um 4:30 Uhr zu verlassen. Um es vorwegzunehmen: In den folgenden 100 Kilometern sah ich eine perfekte Schutzhütte nach der anderen. Mein Fazit: Die Strecke eignet sich hervorragend zum Draußenschlafen.

Emden - Meppen

Um 4:30 Uhr rolle ich also weiter. Und natürlich kommt es, wenn man mit schlechter Laune startet, wie es kommen muss: Schlimmer!

Der Wind ist war viel schwächer und kam auch gar nicht mehr so richtig von hinten! Ich hatte all den schönen Rückenwind verpasst und - selbstverständlich – fängt es auch noch an zu regnen.

Gut, die Fakten geben das so nicht her. Der Wind war sogar etwas stärker als nachts und kam weiterhin aus 260 bis 270 Grad. Den Unterschied zu 270-280 Grad habe ich sicher nicht wirklich gemerkt. Aber erstens hatte ich diese Daten nicht und zweitens hätten sie mich vermutlich auch nicht überzeugt. Schlechte Laune bleibt schlechte Laune.

Also rollte ich missmutig durch die Gegend und ertrug tapfer die Regenstunden. Die Wetterdaten behaupten zwar, es seien lediglich 40 Minuten gewesen, aber auch das erscheint mir eher ein Datenfehler in der Wetterdatenbank.

Irgendwann erinnerte ich mich an die extra gekauften Schokobrötchen. Allerdings stellte sich die Frage, wie ich bei all den Regensachen überhaupt an sie herankommen sollte.

Und dann riss der Himmel auf: Die Sonne kam mit aller Macht hervor, und kurz darauf erreichte ich eine wunderschöne Schutzhütte mit Blick über Wiesen über den die Sonne stand. Regensachen aus, Bröchen in die Hand und auf der Bank die Welt genießen. Was ist das Leben nicht schön.

Nur eins fehlte zum Glück, ein Kaffee. Aber der ist auf dem Track tatsächlich Sonntagsmorgens nicht zu bekommen. Hier und da gab es zwar einen Bäcker, aber der war sonntags entweder geschlossen oder erst später geöffnet.

Die erste Chance bot sich schließlich in Meppen an einer Tankstelle, die ich sofort nutzte. Eine wirklich gute Tankstelle mit angenehmen Sitzmöglichkeiten und erstaunlich gutem Frühstück – etwa 2,5 Kilometer vor dem Kontrollpunkt direkt an der Strecke.

Meppen - Ruhrgebietsstadt

Manchmal ist es nicht hilfreich, wenn man sich in einer Gegend einigermaßen auskennt. Aber die nun gewählte Strecke hinterließ bei mir mehr Fragezeichen. Der Abschnitt zwischen Meppen und Nienborg hat mich über weite Strecken nicht überzeugt. Vielfach führte der Track über eher mäßige Straßen oder entlang stark befahrener Bundesstraßen. Vermutlich spielte auch die Uhrzeit eine Rolle. Ich war dort zwischen 10 und 12 Uhr unterwegs, und es war wirklich viel Verkehr. Irgendwann führte die Strecke auch noch über die Zubringer zum Autobahnkreuz Schüttorf. Dort hatte mich der Track beinahe verloren. Wenn das nun der weitere Verlauf sein sollte, dachte ich mir, könnte ich mir ab Nienborg auch einfach eine Bundesstraße suchen und bis Essen-Werden durchballern.

Falls jemand diesen Bericht liest und das Brevet selbst fahren möchte: Einfach durchhalten! Nach Schüttorf wird die Welt wieder schön. Wirklich sehr schön.

Die Strecke führt über Borken und Schermbeck nach Sterkrade. Ein wunderbarer Abschnitt. Zwar gab es bis Borken leichten Gegenwind, doch danach wurde daraus immer wieder angenehme Unterstützung.

Die Rückkehr in die Ruhrgebietsstadt

Die Fahrt durch „die“ Stadt hatte mich auf dem Hinweg schon etwas genervt. Entsprechend wartete ich darauf, dass dieser Teil erneut unerquicklich werden würde. Tat er aber nicht. Denn ich fuhr genau in dem Moment ins Ruhrgebiet ein, als Deutschland sein Auftaktspiel bei der WM bestritt. Die Straßen waren einfach leer, vollkommen, nix, niemand, nur leer. Was für ein Erlebnis!

Jede Vernunft fiel von mir ab, und ich ballerte mit 30 bis 40 km/h durch die Stadt. Die Straße gehörte schlicht mir. Was war das großartig. Sollte die deutsche Mannschaft tatsächlich ins Finale kommen suche ich mir die nächste Großstadt. Unglaublich.

Ziel

Unglaublich sind auch die beiden Organisatoren des Standorts. Im Ziel gibt es hier nicht einfach ein Foto und ein Klick auf „Brevet beenden“ (ok, noch nicht mal mehr das muss man in der neuen Version machen). Nein, die beiden sitzen bei einem guten Imbiss – oder ist es ein Restaurant ? – und warten auf alle Ankommenden. Immer wieder gesellten sich Menschen an den Tisch. Das Brevet erhielt dadurch einen wirklich würdigen und gemeinschaftlichen Abschluss.

Vielleicht fahre ich an den „falschen“ Standorten (Ich liebe sie aber ebenso!), aber so etwas habe ich bisher noch nicht erlebt. Besonders beeindruckt hat mich, mit welcher Geduld sie jeder einzelnen Geschichte lauschten – selbst dann, wenn aus einem frischen Westwind langsam ein Orkan erwuchs. Immer freundlich, immer positiv, immer zugewandt. Sogar mein Gemüt ertrugen sie klaglos – das gelingt so nicht allen.

Nein, im Ernst: Das ist wirklich stark, was die beiden dort auf die Beine stellen. Es lohnt sich wirklich diesen Standort im Auge zu behalten! Danke!
 
Zuletzt bearbeitet:
(gewünscht: geliefert)

Disziplinierte 600 oder Essen FLACH („Drei-Länder-Tour Richtung Nordsee“)

Prolog


Mit Blick auf den 1200er im Sommer stand ich vor drei Möglichkeiten: diszipliniertes Training, Leiden als Passion oder sich mit Termine zwingen. Unschwer zu erahnen, ich habe den Terminzwang gewählt und spontan noch einen Platz beim ARA Ruhr ergattert. (Ich liebe deren Anmeldesystem, freiwerdende Plätze erlauben wieder eine Anmeldung – regelmäßiges Nachschauen lohnt sich dort wirklich.)

Es sollte also sowas wie eine Trainingsfahrt werden. Und da ich mich kenne, wusste ich, dass ich diesen Vorsatz unterwegs vermutlich wieder vergessen und mich am Ende gegen die Wand fahren würde. Also habe ich zur Selbststeuerung in Emden ein Hotel gebucht und einer starren Regel gesetzt: (1) Ich muss mich dort ins Bett legen (2) Ich darf das Zimmer nicht vor 4:30 Uhr verlassen. Damit mein sozialer Druck möglichst groß wird, habe ich allen die es hören wollten oder nicht von diesen Regeln erzählt.

Anreise / Vorabend

Ich gebe hier einfach mal meine Erfahrungen weiter – vielleicht kann sie jemand für sich nutzen:

  • Eine spontane Anreise mit dem Deutschlandticket an einem Freitag im Juni ist die Pest. Die Züge waren hoffnungslos überfüllt, insbesondere mit Flugreisenden Richtung Düsseldorf und Schulklassen auf dem Heimweg von Klassenfahrten. Einen Anschluss verpasst und zwei Züge auslassen müssen, weil sie für Fahrräder gesperrt wurden. Aus geplanten 4,5 Stunden wurden am Ende 8 Stunden.
  • Der Campingplatz liegt fast direkt am Start (ca. 1,5 km entfernt), ist für Zelte aber nur bedingt geeignet. Er befindet sich unter der Einflugschneise von Düsseldorf, und bis 23 Uhr herrscht dort reger Betrieb.
  • Auf der Suche nach etwas zu essen bin ich in einem vermeintlichen „Imbiss“ gelandet und hätte fast geheult, so gut war das. Original italienische Pasta, dazu ein Bier aus Sizilien und ein Tiramisu – italienische Liebe auf dem Teller. (Spaccanapoli da Enzo, Wigstraße 1, 45239 Essen-Werden)

Startort / Route

Der Start war unspektakulär an einem Edeka in Essen-Werden. Man konnte noch gemütlich einen Kaffee trinken und wirklich gut frühstücken. Lediglich den Toilettengang sollte man rechtzeitig planen – offenbar gibt es nur eine Toilette für alle. Bereits 25 Minuten vor dem Start war die Schlange beeindruckend lang. Aber ich habe es noch geschafft.

Es waren einige Menschen am Start, aber keineswegs überfüllt. Ich bin furchtbar schlecht im Schätzen, aber ich würde sagen, dass es vielleicht 80 Starter:innen waren (wie leider oft nur wenige Frauen).

Der Track hielt was er versprach. Auf rund 620 Kilometern sollten keine 1.000 Höhenmeter zusammenkommen. Man muss also flach genauso lieben wie schnurgerade Straßen. Die längste Gerade war vermutlich mit 11,3 km eine Straße von Burgsteinfurt und Hauenhorst. Außerdem sollte man lange Abschnitte mögen. Zwischen Start und Ziel lagen gerade einmal fünf Kontrollen – also 6 Etappen: (1) Essen – Coesfeld; 95 km (2) Coesfeld – Sögel; 119 km (3) Sögel – Emden; 95 km (4) Emden – Meppen; 114 km (5) Meppen – Nienborg; 77 km (6) Nienborg – Ziel; 119 km

Flach und gerade liegt mir. Lange Etappen eher nicht. Dennoch war die Streckenführung angenehm. Nur vor Emden wurde ein Straßenabschnitt doppelt gefahren, und selbst dort war erkennbar, dass nach Alternativen gesucht worden war.

Start bis Emden

Unmittelbar nach dem Start ging es zunächst einen kleinen Anstieg hinauf und anschließend über viele kurvige Rad- und Nebenwege. Entsprechend bildete sich zumindest um mich herum keine wirkliche Gruppe. Für mich war das aber völlig in Ordnung.

Die ersten 50 bis 60 Kilometer führten im Zickzack durch „die“ Stadt. Ja, ich habe verstanden, dass es mehrere Städte sein sollen – aber woran genau erkennt man den Übergang?

Etwas nervig war das schon, aber vermutlich geht es nicht anders. Dafür blieb der angekündigte Dauerregen am Vormittag aus, und der Wind kam gefühlt weniger stark von der Seite als erwartet.

Schließlich öffnete sich der Horizont. Sattes Grün, etwas Sonne und lange, ruhige Straßen. Das Gelände war angenehm wellig, und nach meinem Eindruck drehte der Wind sogar leicht, sodass ich gelegentlich das Gefühl hatte, ein wenig Unterstützung zu bekommen oder ich war fitter als gedacht.

Irgendwann fand sich doch eine kleine Gruppe zusammen. Mit zwei Fahrern rollte ich längere Zeit gemeinsam dahin. Mal schloss sich jemand an, mal zog jemand vorbei. Bis Leer gibt es ansonsten wenig Spektakuläres zu berichten.

Ein Problem zeichnete sich allerdings ab: Es lief zu gut. Es drohte, dass ich bereits gegen 21:30 Uhr am Hotel sein würde. Was sollte ich denn da so lange machen? In Leer kam ich schließlich gegen 19:30 Uhr an und beschloss, etwas Zeit bei der „anderen“ Burgerkette zu verbringen.

Die Strecke von Leer nach Emden wechselte nun die Himmelsrichtung. Erst etwa 15 Kilometer Richtung Nordwesten, anschließend ziemlich genau 26 Kilometer gen Osten. Der Wind kam laut Wetterdaten aus 270 bis 280 Grad – also ziemlich exakt aus Westen. Bis etwa 19 Uhr wehte ein „starker Wind“ (um 40 km/h), danach flaute er auf eine „frische oder mäßige Briese“ (25 bis 30 km/h) ab. Soweit die Fakten.

Teilnehmer berichteten später von „Sturm“, „fast Sturm“ oder „starkem Gegenwind“, der grundsätzlich immer von vorne gekommen sei. Beides ist faktisch wohl nicht ganz korrekt – aber ich gebe den anderen entschieden Recht! Hoch leben die kontrafaktischen Zeiten, die Hölle, die wir da erleben mussten, jawohl.

Tatsächlich ging bei mir von Leer bis Emden wenig. Gestartet um ca. 20:15 habe ich es um kurz nach 23:00 Uhr an den CP geschafft und damit einen krassen 14 km/h Schnitt hingelegt. Das kann nur am „Sturm“ (ab 75 km/h) oder zumindest „stürmischen Wind“ (ab 62 km/h) gelegen haben!

Regelkonforme Hotelnutzung

Angesichts des mindestens (erlebten) „steifen Wind“ (ab 50 km/h) war ich mit meiner Regel nur mäßig glücklich. Vom Kontrollpunkt waren es lediglich zehn Kilometer bis zum Hotel, und es war offensichtlich, dass alle, die jetzt weiterfuhren, die nächsten 40 Kilometer geschenkt bekamen – beziehungsweise sich dieses Geschenk auf dem Hinweg hart erarbeitet hatten.

Aber Regel bleibt Regel – insbesondere wenn ich Gott und der Welt davon erzählt hat. Also fand ich mich gegen 23:30 Uhr im Hotel ein. Wer dort ebenfalls ein „Hotel“ sucht: Das von mir genutzte Roatel kann ich empfehlen. Online einchecken, kommen wann man möchte, Zimmeröffnung per Smartphone, Fahrrad kann problemlos mit ins Zimmer, alles sauber und eine gute Dusche. Kurz nach Mitternacht lag ich geduscht im Bett.

Und dann lag ich. Und dann lag ich weiter. Und anschließend lag ich noch etwas mehr.

Hin und wieder bin ich kurz eingenickt, aber eigentlich habe ich vier Stunden dort herumgelegen und darauf gewartet, dass endlich 4 Uhr wird, damit ich mich fertig machen konnte, um das Hotel regelkonform um 4:30 Uhr zu verlassen. Um es vorwegzunehmen: In den folgenden 100 Kilometern sah ich eine perfekte Schutzhütte nach der anderen. Mein Fazit: Die Strecke eignet sich hervorragend zum Draußenschlafen.

Emden - Meppen

Um 4:30 Uhr rolle ich also weiter. Und natürlich kommt es, wenn man mit schlechter Laune startet, wie es kommen muss: Schlimmer!

Der Wind ist war viel schwächer und kam auch gar nicht mehr so richtig von hinten! Ich hatte all den schönen Rückenwind verpasst und - selbstverständlich – fängt es auch noch an zu regnen.

Gut, die Fakten geben das so nicht her. Der Wind war sogar etwas stärker als nachts und kam weiterhin aus 260 bis 270 Grad. Den Unterschied zu 270-280 Grad habe ich sicher nicht wirklich gemerkt. Aber erstens hatte ich diese Daten nicht und zweitens hätten sie mich vermutlich auch nicht überzeugt. Schlechte Laune bleibt schlechte Laune.

Also rollte ich missmutig durch die Gegend und ertrug tapfer die Regenstunden. Die Wetterdaten behaupten zwar, es seien lediglich 40 Minuten gewesen, aber auch das erscheint mir eher ein Datenfehler in der Wetterdatenbank.

Irgendwann erinnerte ich mich an die extra gekauften Schokobrötchen. Allerdings stellte sich die Frage, wie ich bei all den Regensachen überhaupt an sie herankommen sollte.

Und dann riss der Himmel auf: Die Sonne kam mit aller Macht hervor, und kurz darauf erreichte ich eine wunderschöne Schutzhütte mit Blick über Wiesen über den die Sonne stand. Regensachen aus, Bröchen in die Hand und auf der Bank die Welt genießen. Was ist das Leben nicht schön.

Nur eins fehlte zum Glück, ein Kaffee. Aber der ist auf dem Track tatsächlich Sonntagsmorgens nicht zu bekommen. Hier und da gab es zwar einen Bäcker, aber der war sonntags entweder geschlossen oder erst später geöffnet.

Die erste Chance bot sich schließlich in Meppen an einer Tankstelle, die ich sofort nutzte. Eine wirklich gute Tankstelle mit angenehmen Sitzmöglichkeiten und erstaunlich gutem Frühstück – etwa 2,5 Kilometer vor dem Kontrollpunkt direkt an der Strecke.

Meppen - Ruhrgebietsstadt

Manchmal ist es nicht hilfreich, wenn man sich in einer Gegend einigermaßen auskennt. Aber die nun gewählte Strecke hinterließ bei mir mehr Fragezeichen. Der Abschnitt zwischen Meppen und Nienborg hat mich über weite Strecken nicht überzeugt. Vielfach führte der Track über eher mäßige Straßen oder entlang stark befahrener Bundesstraßen. Vermutlich spielte auch die Uhrzeit eine Rolle. Ich war dort zwischen 10 und 12 Uhr unterwegs, und es war wirklich viel Verkehr. Irgendwann führte die Strecke auch noch über die Zubringer zum Autobahnkreuz Schüttorf. Dort hatte mich der Track beinahe verloren. Wenn das nun der weitere Verlauf sein sollte, dachte ich mir, könnte ich mir ab Nienborg auch einfach eine Bundesstraße suchen und bis Essen-Werden durchballern.

Falls jemand diesen Bericht liest und das Brevet selbst fahren möchte: Einfach durchhalten! Nach Schüttorf wird die Welt wieder schön. Wirklich sehr schön.

Die Strecke führt über Borken und Schermbeck nach Sterkrade. Ein wunderbarer Abschnitt. Zwar gab es bis Borken leichten Gegenwind, doch danach wurde daraus immer wieder angenehme Unterstützung.

Die Rückkehr in die Ruhrgebietsstadt

Die Fahrt durch „die“ Stadt hatte mich auf dem Hinweg schon etwas genervt. Entsprechend wartete ich darauf, dass dieser Teil erneut unerquicklich werden würde. Tat er aber nicht. Denn ich fuhr genau in dem Moment ins Ruhrgebiet ein, als Deutschland sein Auftaktspiel bei der WM bestritt. Die Straßen waren einfach leer, vollkommen, nix, niemand, nur leer. Was für ein Erlebnis!

Jede Vernunft fiel von mir ab, und ich ballerte mit 30 bis 40 km/h durch die Stadt. Die Straße gehörte schlicht mir. Was war das großartig. Sollte die deutsche Mannschaft tatsächlich ins Finale kommen suche ich mir die nächste Großstadt. Unglaublich.

Ziel

Unglaublich sind auch die beiden Organisatoren des Standorts. Im Ziel gibt es hier nicht einfach ein Foto und ein Klick auf „Brevet beenden“ (ok, noch nicht mal mehr das muss man in der neuen Version machen). Nein, die beiden sitzen bei einem guten Imbiss – oder ist es ein Restaurant ? – und warten auf alle Ankommenden. Immer wieder gesellten sich Menschen an den Tisch. Das Brevet erhielt dadurch einen wirklich würdigen und gemeinschaftlichen Abschluss.

Vielleicht fahre ich an den „falschen“ Standorten (Ich liebe sie aber ebenso!), aber so etwas habe ich bisher noch nicht erlebt. Besonders beeindruckt hat mich, mit welcher Geduld sie jeder einzelnen Geschichte lauschten – selbst dann, wenn aus einem frischen Westwind langsam ein Orkan erwuchs. Immer freundlich, immer positiv, immer zugewandt. Sogar mein Gemüt ertrugen sie klaglos – das gelingt so nicht allen.

Nein, im Ernst: Das ist wirklich stark, was die beiden dort auf die Beine stellen. Es lohnt sich wirklich diesen Standort im Auge zu behalten! Danke!
Danke fürs mitnehmen - unterhaltsam geschrieben - durfte ein paar mal Lächeln.
 
(gewünscht: geliefert)

Disziplinierte 600 oder Essen FLACH („Drei-Länder-Tour Richtung Nordsee“)

Prolog


Mit Blick auf den 1200er im Sommer stand ich vor drei Möglichkeiten: diszipliniertes Training, Leiden als Passion oder sich mit Termine zwingen. Unschwer zu erahnen, ich habe den Terminzwang gewählt und spontan noch einen Platz beim ARA Ruhr ergattert. (Ich liebe deren Anmeldesystem, freiwerdende Plätze erlauben wieder eine Anmeldung – regelmäßiges Nachschauen lohnt sich dort wirklich.)

Es sollte also sowas wie eine Trainingsfahrt werden. Und da ich mich kenne, wusste ich, dass ich diesen Vorsatz unterwegs vermutlich wieder vergessen und mich am Ende gegen die Wand fahren würde. Also habe ich zur Selbststeuerung in Emden ein Hotel gebucht und einer starren Regel gesetzt: (1) Ich muss mich dort ins Bett legen (2) Ich darf das Zimmer nicht vor 4:30 Uhr verlassen. Damit mein sozialer Druck möglichst groß wird, habe ich allen die es hören wollten oder nicht von diesen Regeln erzählt.

Anreise / Vorabend

Ich gebe hier einfach mal meine Erfahrungen weiter – vielleicht kann sie jemand für sich nutzen:

  • Eine spontane Anreise mit dem Deutschlandticket an einem Freitag im Juni ist die Pest. Die Züge waren hoffnungslos überfüllt, insbesondere mit Flugreisenden Richtung Düsseldorf und Schulklassen auf dem Heimweg von Klassenfahrten. Einen Anschluss verpasst und zwei Züge auslassen müssen, weil sie für Fahrräder gesperrt wurden. Aus geplanten 4,5 Stunden wurden am Ende 8 Stunden.
  • Der Campingplatz liegt fast direkt am Start (ca. 1,5 km entfernt), ist für Zelte aber nur bedingt geeignet. Er befindet sich unter der Einflugschneise von Düsseldorf, und bis 23 Uhr herrscht dort reger Betrieb.
  • Auf der Suche nach etwas zu essen bin ich in einem vermeintlichen „Imbiss“ gelandet und hätte fast geheult, so gut war das. Original italienische Pasta, dazu ein Bier aus Sizilien und ein Tiramisu – italienische Liebe auf dem Teller. (Spaccanapoli da Enzo, Wigstraße 1, 45239 Essen-Werden)

Startort / Route

Der Start war unspektakulär an einem Edeka in Essen-Werden. Man konnte noch gemütlich einen Kaffee trinken und wirklich gut frühstücken. Lediglich den Toilettengang sollte man rechtzeitig planen – offenbar gibt es nur eine Toilette für alle. Bereits 25 Minuten vor dem Start war die Schlange beeindruckend lang. Aber ich habe es noch geschafft.

Es waren einige Menschen am Start, aber keineswegs überfüllt. Ich bin furchtbar schlecht im Schätzen, aber ich würde sagen, dass es vielleicht 80 Starter:innen waren (wie leider oft nur wenige Frauen).

Der Track hielt was er versprach. Auf rund 620 Kilometern sollten keine 1.000 Höhenmeter zusammenkommen. Man muss also flach genauso lieben wie schnurgerade Straßen. Die längste Gerade war vermutlich mit 11,3 km eine Straße von Burgsteinfurt und Hauenhorst. Außerdem sollte man lange Abschnitte mögen. Zwischen Start und Ziel lagen gerade einmal fünf Kontrollen – also 6 Etappen: (1) Essen – Coesfeld; 95 km (2) Coesfeld – Sögel; 119 km (3) Sögel – Emden; 95 km (4) Emden – Meppen; 114 km (5) Meppen – Nienborg; 77 km (6) Nienborg – Ziel; 119 km

Flach und gerade liegt mir. Lange Etappen eher nicht. Dennoch war die Streckenführung angenehm. Nur vor Emden wurde ein Straßenabschnitt doppelt gefahren, und selbst dort war erkennbar, dass nach Alternativen gesucht worden war.

Start bis Emden

Unmittelbar nach dem Start ging es zunächst einen kleinen Anstieg hinauf und anschließend über viele kurvige Rad- und Nebenwege. Entsprechend bildete sich zumindest um mich herum keine wirkliche Gruppe. Für mich war das aber völlig in Ordnung.

Die ersten 50 bis 60 Kilometer führten im Zickzack durch „die“ Stadt. Ja, ich habe verstanden, dass es mehrere Städte sein sollen – aber woran genau erkennt man den Übergang?

Etwas nervig war das schon, aber vermutlich geht es nicht anders. Dafür blieb der angekündigte Dauerregen am Vormittag aus, und der Wind kam gefühlt weniger stark von der Seite als erwartet.

Schließlich öffnete sich der Horizont. Sattes Grün, etwas Sonne und lange, ruhige Straßen. Das Gelände war angenehm wellig, und nach meinem Eindruck drehte der Wind sogar leicht, sodass ich gelegentlich das Gefühl hatte, ein wenig Unterstützung zu bekommen oder ich war fitter als gedacht.

Irgendwann fand sich doch eine kleine Gruppe zusammen. Mit zwei Fahrern rollte ich längere Zeit gemeinsam dahin. Mal schloss sich jemand an, mal zog jemand vorbei. Bis Leer gibt es ansonsten wenig Spektakuläres zu berichten.

Ein Problem zeichnete sich allerdings ab: Es lief zu gut. Es drohte, dass ich bereits gegen 21:30 Uhr am Hotel sein würde. Was sollte ich denn da so lange machen? In Leer kam ich schließlich gegen 19:30 Uhr an und beschloss, etwas Zeit bei der „anderen“ Burgerkette zu verbringen.

Die Strecke von Leer nach Emden wechselte nun die Himmelsrichtung. Erst etwa 15 Kilometer Richtung Nordwesten, anschließend ziemlich genau 26 Kilometer gen Osten. Der Wind kam laut Wetterdaten aus 270 bis 280 Grad – also ziemlich exakt aus Westen. Bis etwa 19 Uhr wehte ein „starker Wind“ (um 40 km/h), danach flaute er auf eine „frische oder mäßige Briese“ (25 bis 30 km/h) ab. Soweit die Fakten.

Teilnehmer berichteten später von „Sturm“, „fast Sturm“ oder „starkem Gegenwind“, der grundsätzlich immer von vorne gekommen sei. Beides ist faktisch wohl nicht ganz korrekt – aber ich gebe den anderen entschieden Recht! Hoch leben die kontrafaktischen Zeiten, die Hölle, die wir da erleben mussten, jawohl.

Tatsächlich ging bei mir von Leer bis Emden wenig. Gestartet um ca. 20:15 habe ich es um kurz nach 23:00 Uhr an den CP geschafft und damit einen krassen 14 km/h Schnitt hingelegt. Das kann nur am „Sturm“ (ab 75 km/h) oder zumindest „stürmischen Wind“ (ab 62 km/h) gelegen haben!

Regelkonforme Hotelnutzung

Angesichts des mindestens (erlebten) „steifen Wind“ (ab 50 km/h) war ich mit meiner Regel nur mäßig glücklich. Vom Kontrollpunkt waren es lediglich zehn Kilometer bis zum Hotel, und es war offensichtlich, dass alle, die jetzt weiterfuhren, die nächsten 40 Kilometer geschenkt bekamen – beziehungsweise sich dieses Geschenk auf dem Hinweg hart erarbeitet hatten.

Aber Regel bleibt Regel – insbesondere weil ich Gott und der Welt davon erzählt hatte. Also fand ich mich gegen 23:30 Uhr im Hotel ein. Wer dort ebenfalls ein „Hotel“ sucht: Das von mir genutzte Roatel kann ich empfehlen. Online einchecken, kommen wann man möchte, Zimmeröffnung per Smartphone, Fahrrad kann problemlos mit ins Zimmer, alles sauber und eine gute Dusche. Kurz nach Mitternacht lag ich geduscht im Bett.

Und dann lag ich. Und dann lag ich weiter. Und anschließend lag ich noch etwas mehr.

Hin und wieder bin ich kurz eingenickt, aber eigentlich habe ich vier Stunden dort herumgelegen und darauf gewartet, dass endlich 4 Uhr wird, damit ich mich fertig machen konnte, um das Hotel regelkonform um 4:30 Uhr zu verlassen. Um es vorwegzunehmen: In den folgenden 100 Kilometern sah ich eine perfekte Schutzhütte nach der anderen. Mein Fazit: Die Strecke eignet sich hervorragend zum Draußenschlafen.

Emden - Meppen

Um 4:30 Uhr rolle ich also weiter. Und natürlich kommt es, wenn man mit schlechter Laune startet, wie es kommen muss: Schlimmer!

Der Wind ist war viel schwächer und kam auch gar nicht mehr so richtig von hinten! Ich hatte all den schönen Rückenwind verpasst und - selbstverständlich – fängt es auch noch an zu regnen.

Gut, die Fakten geben das so nicht her. Der Wind war sogar etwas stärker als nachts und kam weiterhin aus 260 bis 270 Grad. Den Unterschied zu 270-280 Grad habe ich sicher nicht wirklich gemerkt. Aber erstens hatte ich diese Daten nicht und zweitens hätten sie mich vermutlich auch nicht überzeugt. Schlechte Laune bleibt schlechte Laune.

Also rollte ich missmutig durch die Gegend und ertrug tapfer die Regenstunden. Die Wetterdaten behaupten zwar, es seien lediglich 40 Minuten gewesen, aber auch das erscheint mir eher ein Datenfehler in der Wetterdatenbank.

Irgendwann erinnerte ich mich an die extra gekauften Schokobrötchen. Allerdings stellte sich die Frage, wie ich bei all den Regensachen überhaupt an sie herankommen sollte.

Und dann riss der Himmel auf: Die Sonne kam mit aller Macht hervor, und kurz darauf erreichte ich eine wunderschöne Schutzhütte mit Blick über Wiesen über den die Sonne stand. Regensachen aus, Bröchen in die Hand und auf der Bank die Welt genießen. Was ist das Leben nicht schön.

Nur eins fehlte zum Glück, ein Kaffee. Aber der ist auf dem Track tatsächlich Sonntagsmorgens nicht zu bekommen. Hier und da gab es zwar einen Bäcker, aber der war sonntags entweder geschlossen oder erst später geöffnet.

Die erste Chance bot sich schließlich in Meppen an einer Tankstelle, die ich sofort nutzte. Eine wirklich gute Tankstelle mit angenehmen Sitzmöglichkeiten und erstaunlich gutem Frühstück – etwa 2,5 Kilometer vor dem Kontrollpunkt direkt an der Strecke.

Meppen - Ruhrgebietsstadt

Manchmal ist es nicht hilfreich, wenn man sich in einer Gegend einigermaßen auskennt. Aber die nun gewählte Strecke hinterließ bei mir mehr Fragezeichen. Der Abschnitt zwischen Meppen und Nienborg hat mich über weite Strecken nicht überzeugt. Vielfach führte der Track über eher mäßige Straßen oder entlang stark befahrener Bundesstraßen. Vermutlich spielte auch die Uhrzeit eine Rolle. Ich war dort zwischen 10 und 12 Uhr unterwegs, und es war wirklich viel Verkehr. Irgendwann führte die Strecke auch noch über die Zubringer zum Autobahnkreuz Schüttorf. Dort hatte mich der Track beinahe verloren. Wenn das nun der weitere Verlauf sein sollte, dachte ich mir, könnte ich mir ab Nienborg auch einfach eine Bundesstraße suchen und bis Essen-Werden durchballern.

Falls jemand diesen Bericht liest und das Brevet selbst fahren möchte: Einfach durchhalten! Nach Schüttorf wird die Welt wieder schön. Wirklich sehr schön.

Die Strecke führt über Borken und Schermbeck nach Sterkrade. Ein wunderbarer Abschnitt. Zwar gab es bis Borken leichten Gegenwind, doch danach wurde daraus immer wieder angenehme Unterstützung.

Die Rückkehr in die Ruhrgebietsstadt

Die Fahrt durch „die“ Stadt hatte mich auf dem Hinweg schon etwas genervt. Entsprechend wartete ich darauf, dass dieser Teil erneut unerquicklich werden würde. Tat er aber nicht. Denn ich fuhr genau in dem Moment ins Ruhrgebiet ein, als Deutschland sein Auftaktspiel bei der WM bestritt. Die Straßen waren einfach leer, vollkommen, nix, niemand, nur leer. Was für ein Erlebnis!

Jede Vernunft fiel von mir ab, und ich ballerte mit 30 bis 40 km/h durch die Stadt. Die Straße gehörte schlicht mir. Was war das großartig. Sollte die deutsche Mannschaft tatsächlich ins Finale kommen suche ich mir die nächste Großstadt. Unglaublich.

Ziel

Unglaublich sind auch die beiden Organisatoren des Standorts. Im Ziel gibt es hier nicht einfach ein Foto und ein Klick auf „Brevet beenden“ (ok, noch nicht mal mehr das muss man in der neuen Version machen). Nein, die beiden sitzen bei einem guten Imbiss – oder ist es ein Restaurant ? – und warten auf alle Ankommenden. Immer wieder gesellten sich Menschen an den Tisch. Das Brevet erhielt dadurch einen wirklich würdigen und gemeinschaftlichen Abschluss.

Vielleicht fahre ich an den „falschen“ Standorten (Ich liebe sie aber ebenso!), aber so etwas habe ich bisher noch nicht erlebt. Besonders beeindruckt hat mich, mit welcher Geduld sie jeder einzelnen Geschichte lauschten – selbst dann, wenn aus einem frischen Westwind langsam ein Orkan erwuchs. Immer freundlich, immer positiv, immer zugewandt. Sogar mein Gemüt ertrugen sie klaglos – das gelingt so nicht allen.

Nein, im Ernst: Das ist wirklich stark, was die beiden dort auf die Beine stellen. Es lohnt sich wirklich diesen Standort im Auge zu behalten! Danke!
sehr schön geschrieben. Bezüglich kontrafaktische Wetteraufzeichnungen: es geht auch anders, also positiver, aber trotzdem kontrafaktisch. Beim 400er Westfalen sind wir laut verschiedener Apps durch 70-90l/m² gefahren. Dauerhaft. Die gab es bestimmt auch irgendwo 5km vor uns, weil wir die gesamte Zeit über einen Teppich aus Gehölz gefahren sind. Lediglich ein paar Tropfen fielen noch von den Bäumen und die Straße war nass, aber die Regenjacke hatte ich keine Minute angezogen. Leider haben wir uns trotzdem in den Folgen dieses Wetters im Schlamm eines übergetretenen Baches kollektiv gesuhlt und mussten dann abbrechen. Deswegen gab es hier keinen Bericht von mir.
 
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