Verstehe deinen Punkt.
Garantieansprüche nach 50 Jahren geltend machen, wenn's die Firma nicht mehr gibt, ist aber was anderes.
Bei Kaufsoftware gehe ich davon aus, dass mir die Software lebenslang "gehört". Also ich uneingeschränktes Recht zur Nutzung auf unbestimmte Dauer habe und dafür natürlich die Infrastruktur selbst betreibe.
Das betreiben der Infrastruktur hat ja immer schon dazu gehört. Eine Waschmaschine ist ohne Strom/Wasser nutzlos. Ein Auto in der Regel von asphaltierten Straßen und Treibstoff abhängig. Heute wird das aber unangenehm eng zusammengefasst und ich begebe mich in viel größere Abhängigkeiten als früher.
Appstores und DRM untergraben die eigenverantwortliche und freie Nutzung schon komplett.
Ich bin abhängig von einem Dritten, der mir meine Software aus der Ferne deaktivieren kann, den Zugang verweigern kann, etc. Alles, nur kein Eigentum (respektive Lizenz zur Nutzung). Und die Softwarenutzung setzt eine Internetverbindung voraus. Lizenzserver offline, länger nicht eingeloggt? Deine Software wird abgeschaltet.
Und klar kann ich erwarten, dass die in beliebig entfernter Zukunft lauffähig ist!
Ich muss mich halt selbst darum kümmern.
Zugegeben, Hardware aus den 90ern am Laufen zu halten wird zunehmend schwieriger, weil das Zeug alt ist und irgendwann kaputtgeht.
Braucht man aber nicht.
Virtualisierung löst dieses Problem.
Du kannst auf aktuellen Rechnern einfach eine VM mit Win95 oder jedem anderen X-beliebigen OS laufen lassen und so deine (evtl. uralte, aber evtl. sehr spezielle, teure oder alternativlose) Software laufen lassen.
Beispielsweise gibt es sündhaft teure Maschinen, die noch mit alter Software betrieben werden müssen, weil die nie jemand aktualisiert hat, die Firma pleite ist, der Hersteller kein Geld in Support stecken wollte, wasweißich. Es gibt spezielle Software, die einfach exakt das tut, was sie soll und die keinerlei "Updates" benötigt.
Oft spezielle Fälle, klar.
Aber wenn du eine Industriemaschine oder eine Software für deine Rechtsanwaltskanzlei gekauft hast, willst du die einfach nur betreiben, wenn sich die Anforderungen nicht verändern. Da brauchst du kein Update und nichts, die erfüllt ihren speziellen Zweck und ist ausgereift/ausentwickelt. Klar will der Privatanwender dauernd was neues und wird dazu genötigt, aber wenn etwas wirklich funktionieren soll gilt "never change a running system!"
Mein Punkt ist auch und vor allem das Eigentum an der Sache.. Einmal bezahlen und bei Bedarf
wirklich lebenslang nutzen.
Das ist halt bei einer Webapp kaum realistisch.
Ganz generell ist das ein Riesenproblem geworden. Die Leute besitzen das Zeug nicht mehr, sie mieten nur den Zugriff auf einen Dienst - und dieser Zugriff kann jederzeit verweigert werden.
Aber solang's halt keinen juckt, wird sich diese Praxis nur verschlimmern.
Das Zeug SOLL niemandem gehören, deine Software SOLL gar nicht lange lauffähig sein, dein Auto SOLL nicht mehr fahren, wenn der Hersteller die Server abstellt.
Einmal verkaufen ist ja auch ein mieses Geschäftsmodell. Leute dazu zwingen, neu zu kaufen, ist viel cleverer.
Und die Abhängigkeiten sind teilweise fatal.
Beispiel aus der Realität: In Russland konnten Besitzer ihre Porsche unlängst einfach nicht mehr starten. Abhängig von einem Internetdienst. Dein Land hat gerade Stress mit jemandem? Ciao Porsche!
Wer sich früher darauf verlassen hat, im Notfall mit einem Auto von A nach B fahren zu können, der sollte das nicht mehr tun. Zumindest nicht mit irgendeinem Auto, da muss man schon genau drauf schauen, welches Auto wirklich noch "offline" funktioniert.
Früher hat man vielleicht penibel auf die Wartung geachtet, hat sein Auto winterfest gemacht, um nicht bei Eiseskälte zu stranden, hat alle Vorsorge getroffen und trotzdem kann dir das Ding heutzutage fernbedient abgeschaltet werden.
https://www.autoblog.com/news/all-of-russias-porsches-were-bricked-by-a-mysterious-satellite-outage
https://www.tagesspiegel.de/gesells...d-stehen-hunderte-porsche-still-15028969.html
Und das ist nicht der Einzige Fall dieser Art.
Man wird so dermaßen leicht enteignet, bzw. hat sich den Besitz nur vorgemacht, DAS ist mein hauptsächlicher Kritikpunkt.