200 km Brevet in Twisteden
28.03.2026
Am letzten Samstag im März war es so weit. Ich startete bei meinem ersten Brevet seit Herbst 2019. Start war ab 8 Uhr. Also machte ich mich rechtzeitig auf den Weg von Dortmund an den Niederrhein, mit meinem Koga Miyata Traveller Randonneur im Kofferraum. Das Wetter war sehr regnerisch und kühl. Das war es auch noch als ich vor 7 Uhr in Twisteden ankam. Ich lud das Rad aus und meldete mich an. Das letzte Mal war ich im Frühjahr 2018 in Twisteden gestartet.
Nach etwas Kaffee und Monis leckerem selbstgebackenen Kuchen, bekamen wir von Michael die letzten Informationen. Danach nahmen wir Aufstellung am Start. Leider weiß ich nicht wieviel Teilnehmer/innen wir waren, aber es waren trotz des Wetters nicht wenige. Ich war in der zweiten Startgruppe B.
Um 8:10 Uhr wurden wir bei Regen und vielleicht 5 Grad auf die Reise geschickt. 211 km lagen vor mir. Ich ließ es erstmal langsam angehen und die Gruppe zog langsam an mir vorbei. Ich wollte mit einem Schnitt von über 20 km/h etwas Zeit für Pausen rausfahren. Die Strecke war, bis auf den mittleren Teil in Belgien, sehr flach. Von Twisteden führte die Strecke direkt rüber in die Niederlande. Nun fuhr ich entlang der Grenze durch die Leeremarksche Heide bis nach Lomm.
Kurz vor Venlo ging es dann vorbei am Zwart Water. Bis auf ein paar kurze Fotostopps hatte ich noch keine Pause gemacht. Dafür hatte es aufgehört zu regnen und ich zog die Regenklamotten aus und schnallte sie auf die Satteltasche. Mein Schnitt lag jetzt bei etwas über 20 km/h. Etwas langsamer als gehofft.
Venlo striff ich nach 25 km nur am Rande. Dafür ging es für einige Kilometer wieder auf die deutsche Seite durch die Venloer Heide Richtung Lobberich und Breyell. Die nächsten kleinen Orte waren Bracht, Lüttelbracht und Born. Vorbei an Niederkrüchten fuhr ich dann wieder über die Grenze nach Limburg/Niederlande. Nach 60 km ging es durch das Naturschutzgebiet De Meinweg. Ich fuhr genau die umgekehrte Strecke, die ich bereits bei der RTF in Schwalmtal gefahren war. Teilweise hatte ich ordentlich Gegenwind, wodurch es nicht so gut rollte. Es ging durch Herkenbosch und Sint Odilienberg. Ich lag bereits etwas hinter meinem Zeitplan zurück, aber es gab noch keinen Grund sich Sorgen zu machen. Da ich noch keine Essenspause machen konnte, ernährte ich mich von Gummibärchen und Schokoriegeln. Ich beschloss nur eine Pause von 20 bis 30 Minuten bei der zweiten Kontrolle in Asch nach 119 km zu machen. Aber die Fotostopps kosteten auch immer etwas Zeit. Immer wieder gab es auch kurze Regen- oder Hagelschauer. Das war auch der Grund, warum ich keine Kamera am Lenker hatte. Die Kamera war nicht wasserdicht.
Über Montfort und Sint Joost näherte ich mich Echt. Mein Jo Geurts Rennrad kam aus Echt. Dort saß bis 2016 der Radhändler Jo Geurts, nachdem das Rad auch benannt wurde. Leider hatte ich keine Zeit den ehemaligen Radladen zu suchen. Weiter ging es nach Roosteren, kurz vor der Grenze zu Belgien. Nach 92 km fuhr ich rüber nach Belgien, und war direkt in Maaseik.
Direkt hinter Maaseik ging es auf den Ravel Richtung Zuid-Willemsvaart. Hier kamen mir einige Teilnehmer wieder entgegen, die die Schleife durch Belgien mit den beiden Kontrollpunkten bereits hinter sich hatten. Ich war bereits seit einiger Zeit an letzter Stelle des Teilnehmerfeldes. Aber ich lag noch in der Zeit. Als ich am Kanal für ein Foto anhielt, stellte ich überrascht fest, dass hinter mir noch ein Velomobil kam. Der Fahrer hatte wohl etwas Schwierigkeiten, da er nicht so schnell war. Ich sollte ihn noch öfters sehen.
Nun ging es richtig schön am Kanal entlang nach Lanklaar. Hier wartete am Yachthafen der erste Kontrollpunkt in Gestalt eines Bistros. Ich bestellte eine Limo, ging auf Toilette und fuhr direkt weiter, nachdem ich meinen Stempel im Kontrollheft hatte. Ich lag ca. 30 Minuten vor der Maximalzeit an der Kontrolle. Die nächste Kontrolle war nur 13 km entfernt, aber auf dem Weg lagen die meisten Höhenmeter der Strecke und eine steile Rampe. Ich überquerte den Kanal und fuhr in ein ziemlich touristisches Gebiet. Die Sonne ließ sich immer wieder blicken, aber die Temperaturen waren einstellig. Trotzdem waren am frühen Nachmittag viele Touristen unterwegs. Da kam ich nicht so richtig voran. Langsam machte sich auch die fehlende Pause bemerkbar.
Highlight der Strecke war sicher die Brücke, die ganz knapp über die Wasseroberfläche des Sees Grote Plas führte. Man hatte das Gefühl auf dem See zu fahren.
Direkt hinter dem See kam dann die längere Steigung, mit einer sehr steilen Rampe. Mein Versuch in den Wiegetritt zu gehen, quittierte das Hinterrad auf dem nassen Weg mit durchrutschen und seitlichem ausbrechen. Ich konnte einen Sturz gerade noch abfangen. Dafür musste ich dann am steilsten Stück wieder anfahren. Ich mobilisierte alle Kräfte und es gelang mir. Wohlbehalten kam ich oben an.
Nur noch wenige Kilometer und ich erreichte Asch, den zweiten Kontrollpunkt, nach 119 km. Hier traf ich noch einen weiteren Fahrer. Da die Touristinformation geschlossen hatte, holte ich mir den Stempel im Restaurant im alten Bahnhofsgebäude. Von hier waren es nun nur noch etwas über 90 km bis ins Ziel. Allerdings lag ich jetzt auch nur noch ca. 15 Minuten vor der Maximalzeit. Keine Zeit für eine Pause. Ich würde während der Fahrt essen müssen. Eine Pause hätte ich zeitlich wahrscheinlich nicht mehr rausfahren können. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit in Fahrt lag mittlerweile unter 20 km/h. Ich positionierte eine Tüte mit Gummibärchen, Zimtschnecken und Schokoriegel so, dass ich während der Fahrt gut dran kam. Und weiter ging es. Nach einiger Zeit kam ich wieder auf den Ravel nach Maaseik. Dem brauchte ich jetzt einfach nur noch zu folgen. Auf der Trasse kam ich zu einem Velomobilfahrer, der einen Platten hatte. Er versuchte bereits einen
Schlauch in das voll verkleidete Vorderrad einzufädeln. Die Frage, ob er Hilfe bräuchte, verneinte er. So fuhr ich weiter. Dafür traf ich immer wieder den Fahrer, den ich in Asch getroffen hatte.
In Maaseik kam ich an die Stelle, wo ich auf dem Hinweg auf die Trasse gefahren war. Auf dem Rückweg ging es weiter geradeaus auf der Trasse. Am Ende der Trasse führte der Track nochmal durch Maaseik. Hier traf ich den Fahrer von Asch wieder. Wir fuhren eine Weile zusammen. Hinter Kessenich fuhr ich wieder über die Grenze nach Thorn in den Niederlanden. Nun ging es durch ein Gebiet von Seen weiter nach Heel und entlang der Maas, vorbei an Roermond. Hier hatte ich bereits 160 km auf dem Navi. Langsam fing das Rechnen an. Schlusszeit war 21:30 Uhr. Das würde ganz schön knapp. Also immer noch keine Pause, sonst fiel ich aus der Zeit. Aber meine Durchschnittsgeschwindigkeit lag immer noch stabil bei um die 19,5 km/h. Das würde wohl vermutlich reichen. Dann kam eine Baustelle. Der Bahnübergang war gesperrt. Zum Glück fand ich dann doch die Umleitung, verlor aber natürlich wieder ein paar Minuten, zumal es über eine Art Gravelstrecke ging. Dann hatte ich endlich wieder Asphalt unter den Rädern. Es war schon relativ spät und die Sonne ging langsam unter. Ich zog mir die Regenjacke als Wärmeschutz wieder an. Licht schaltete ich natürlich auch ein.
Es wurde dunkel und ich näherte mich Venlo. Auf einer Eisenbahnbrücke ging es über die Maas nach Venlo. Ich musste einfach anhalten und ein letztes Foto machen. Die hell erleuchtete Skyline von Venlo war beeindruckend. 186 km geschafft, aber die Zeit lief mir langsam davon. Die Fahrt durch Venlo unter Zeitdruck war nicht so toll. Sehr gefährlich waren die vielen Jugendlichen mit unbeleuchteten Rädern und zu schnellen Pedelecs. Die fuhren wirklich wie die Irren im Dunkeln. Aus Venlo raus, ging es dann nochmal etwas länger bergauf, aber nicht so steil. Und dann war Venlo schon wieder zu Ende und ich fuhr auf die deutsche Seite. Noch 19 km bis ins Ziel, aber auch nur noch eine gute Stunde Zeit. Es wurde knapp, sehr knapp. Ich gab im Dunkeln alles und versuchte einen Schnitt von über 20 km/h auf den letzten Kilometern zu fahren. Alle paar Kilometer rechnete ich neu. Wenn ich nicht einbrechen würde, könnte ich es noch schaffen.
Am Anfang von Herongen bog ich links ab. Viele Landstraßen hatten keine Radwege, oder die waren auf der linken Seite. Dort konnte ich sie in der Dunkelheit nicht sehen. Ab und zu kam ein Auto, gefühlt viel zu schnell. Kein gutes Gefühl, aber da musste ich durch. Durch Auwel und Walbeck erreichte ich schließlich Twisteden. Wenige Minuten vor 21:30 Uhr traf ich nach 211 km mit einem Schnitt in Fahrt von 19,2 km/h im Ziel ein. Geschafft! Das war echt knapp. Aber ich war nicht die Letzte im Ziel. Gegen 21:30 Uhr traf der Velomobilfahrer mit dem Plattfuß vorne ein.
Ich war erleichtert und froh, dass ich meinen ersten Brevet seit langem geschafft hatte. Es war nicht so leicht und souverän wie ich gehofft hatte, aber nach so langer Zeit war das wahrscheinlich auch nicht zu erwarten. Vielen Dank an Moni und Michael für diesen tollen Brevet. Für die längeren Strecken werde ich mich noch steigern müssen. Mein nächster Brevet ist der 300er in Dorsten ins Osnabrücker Land am 18.04.