martl TF
aka martl
- Registriert
- 26 Dezember 2004
- Beiträge
- 6.542
- Reaktionspunkte
- 10.340
Dass da viel Wissen (und Halbwissen) existiert und auch geglaubt wird, mag ich gerne glauben.Hier wird es anders gesehen, nämlich eine asymmetrische Belastung am scheibengebremsten Laufrad:
Das ist auch meine Erfahrung aus der Motorradtechnik mit den 70iger-Jahre luftgekühlten Kisten, die oft nur eine Bremsscheibe vorne und Speichenräder hatten ! Schäden an den Speichen hatte ich eigentlich immer nur linksseitig.Belastungsgerecht aufgebaute Laufräder - RNR Wheels + Components
Auf dieser Seite erfährst du was es mit belastungsgerecht aufgebauten Laufrädern auf sich hat und weshalb dies eine relevante Technik des Laufradbau istwww.rnr-components.ch
Witzigerweise erzählt einem die KI (in dem Fall ChatGPT) auch zuerst die Story von der einseitigen Belastung.
Ich habe dann aber mal nachgehakt und gefragt, wie das sein könne wenn die Nabe steif genug ist und fest mit der Bremsscheibe verbunden. Dann erhielt ich das:
ChatGPT schrieb:Du hast recht, und meine Formulierung war zu pauschal.
Wenn man den Nabenkörper als ausreichend steif annimmt (was normalerweise eine gute Näherung ist), dann wirkt das Moment zunächst auf die gesamte Nabe. Die Nabe verdreht sich als Ganzes gegenüber der Felge, und beide Speichenflansche beteiligen sich an der Drehmomentübertragung.
Das Bremsmoment wird zwar über die Bremsscheibe nur auf einer Seite in die Nabe eingeleitet, aber wenn die Nabe als weitgehend starrer Körper betrachtet wird, verteilt sich dieses Moment über den gesamten Nabenkörper auf beide Speichenflansche. Die Speichen beider Seiten übertragen dann gemeinsam das Bremsmoment zur Felge.
Ein Gedankenexperiment verdeutlicht das:
Dann gibt es keinen offensichtlichen Grund, warum ausschließlich die linken Speichen das Bremsmoment aufnehmen sollten. Die Nabe verdreht sich als Ganzes gegenüber der Felge, und die Torsionssteifigkeit des Systems wird von beiden Speichengruppen bereitgestellt.
- Stelle dir eine Nabe mit zwei identischen Speichenflanschen vor.
- Die Bremsscheibe sitzt links.
- Die Felge ist mittig und die Speichung vollkommen symmetrisch.
Der Artikel erwähnt auch die (umgekehrte) Lage am Hinterrad.
Am Hinterrad ist der Fall insofern ähnlich, als auch hier eine Kraft bzw ein Moment, in dem Fall die (weit kleinere) Antriebskraft, an einer Seite des Rades eingebracht wird.
Auch hier bildet die Nabe mit dem Bauteil, an dem die Kraft eingebracht wird (vorne Scheibe, hinten Zahnkranz) eine feste Einheit und kann als starr betrachtet werden.
Tatsächlich sind antriebsseitige Speichen anfälliger - dies liegt aber nicht daran, dass an der Seite das Ritzelpaket sitzt, sondern daran, dass das Ritzelpaket 40mm der insgesamt vorhandenen 130mm braucht und deswegen die Speichen am HR antriebsseitig steiler stehen, was tatsächlich statisch ungünstiger ist - nicht wegen der auf der Seite eingebrachten Kraft.
EDIT: Da fällt mir was ein - irgendwo muß die Scheibe ja hin-- sind Scheiben-Vorderräder asymmetrisch eingespeicht? - das würde das natürlich erklären.
Eine weitere Möglichkeit wäre, wenn die "Zugspeichen" aus irgendeinem Grund links die "inneren" Speichen wären und rechts die "Äußeren" - geringfügig mehr "Dreieck" das kann schon einen Unterschied machen..
Eventuell hat es diese Legende vom Hinterrad auf das Vorderrad geschafft und sich so weit verbreitet, dass die Trainingsdaten der LLMs auch darauf reinfallen 🙂
Fazit: Eine einseitige/asymetrische Belastung der Speichen durch eine Einscheibenbremse ist nicht gegeben. Was es dagegen sehr wohl gibt, ist eine einseitige Belastung der Gabel.
Das hängt davon ab, von welcher Seite du das Denken anfängst 🙂 Das System Fahrer + Rad bewegt sich nach vorne mit 1/2 m * v, dem entgegen wirkt die Bremskraft. Und die entsteht halt mal da where the rubber meets the roadRein technische Frage der guten Ordnung halber: Bist Du Dir da sicher ?
Der Kraftfluß beim Bremsvorgang kann nach meinem Verständnis nicht auf der Straße anfangen.... .
🙂

Zuletzt bearbeitet: