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Brevets ARA Niederrhein - Twisteden

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Re: Brevets ARA Niederrhein - Twisteden
Respekt dafür, dass Du das unter den Umständen für Dich trotzdem durchziehst. 👍
Allerdings würde ich die Herangehensweise ändern. Ich würde nicht dieses Jahr noch mehrere Brevets fahren, danach ist die Regenerationszeit viel zu lang. Und je älter man ist, je problematischer ist es. Ich würde kürzere Strecken fahren, auch bergig, und sehen, dass man eine Fitness aufbaut, die ein vernünftiges Tempo zulässt. Die kürzeren Touren dann regelmäßig.
Wenn das Tempo passt, auf längere Strecken gehen.
 
Respekt dafür, dass Du das unter den Umständen für Dich trotzdem durchziehst. 👍
Allerdings würde ich die Herangehensweise ändern. Ich würde nicht dieses Jahr noch mehrere Brevets fahren, danach ist die Regenerationszeit viel zu lang. Und je älter man ist, je problematischer ist es. Ich würde kürzere Strecken fahren, auch bergig, und sehen, dass man eine Fitness aufbaut, die ein vernünftiges Tempo zulässt. Die kürzeren Touren dann regelmäßig.
Wenn das Tempo passt, auf längere Strecken gehen.
Ja, das merke ich auch langsam. Ist noch zu früh für lange Brevets. Ich fahre ja erst seit diesem Jahr wieder richtig. Werde nächstes Jahr einige 200er einplanen und die Serie erst 2028 angehen.
 
Meine Motivation und meine Euphorie für die langen Strecken sind ungebrochen. Aber direkt von 0 auf 100 nach den letzten "faulen" Jahren, war wohl einfach zu viel. Jetzt heißt es zwei Schritte zurückzugehen und langsamer Anlauf zu nehmen. Im Juni steht auf jeden Fall ein 10-tägiger Radurlaub an. Das werden wahrscheinlich auch so um die 800 km flach, aber eben in 10 Tagen mit Übernachtungen. Die Tagesetappen werde ich flexibel gestalten, ohne feste Distanzen. Je nachdem wie ich drauf bin und Bock habe, oder was es zu sehen gibt, werde ich jeden Tag spontan entscheiden wie weit ich fahre.


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Mein Reiserad Giant Expedition hat sich auf jeden Fall auch als Randonneur für lange Strecken sehr bewährt. Für mehr bergige Strecken werde ich vorne noch ein kleines Kettenblatt montieren. Gerade wenn man müde und erschöpft ist, hat man dann noch eine zusätzliche Option, um die Beine etwas zu schonen.

Für 200 und 300 km ist nach wie vor das Koga Miyata Traveller die erste Wahl.

Zum Herbst hin suche ich mir vielleicht nochmal einen flachen 200er. Mal schauen. Und dann gucken, dass ich gut über den Winter komme.
 
Die Brevetserie 2026 - 2027 - Der harte Weg nach Paris


400 km Brevet Rund um das Markermeer


09.05.2026


Nachdem ich beim 300er Brevet die Zielzeit deutlich verpasst hatte, versuchte ich es beim flachen 400er am Niederrhein im Mai auf ein Neues.


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Da ich an meinem Koga Miyata Randonneur die Bremsgriffe noch tauschen musste, fuhr ich mit meinem Giant Expedition Reiserad. Ich hatte mir extra den Halter für die Arschrakete mit zwei zusätzlichen Flaschenhaltern besorgt. So hatte ich dann insgesamt 2,6 Liter Flüssigkeit an Bord. Das sollte für die halbe Strecke reichen. Startort war wieder Twisteden. Kurz nach 7 Uhr traf ich dort ein, meldete mich an und lud mein Rad aus. Ich startete in der zweiten Gruppe um 8:10 Uhr. Ziel war in Weeze nach 408 km. Dafür hatte ich 27 Stunden Zeit. Es war sonnig, aber noch sehr kühl Morgens.


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Nach dem Start blieb ich fürs Erste in der relativ großen Gruppe. Das Tempo nahm immer mehr zu. Zügig ging es über die Grenze in die Niederlande Richtung Bergen. Mit zunehmendem Tempo wurde die Gruppe etwas kleiner. Mir war klar, dass ich das Tempo nicht ewig halten konnte. Andererseits konnte ich in der Gruppe schonmal einen Vorsprung auf die Zeit rausfahren. Wenn es ging, wollte ich so 40 bis 50 km in der Gruppe bleiben. Wir erreichten die Maas und fuhren an Afferden vorbei. Hinter Mook verließen wir die Maas und folgten dem Maas-Waal-Kanal. Nach 50 km, am Ende von Lindenholt, verließ ich die deutlich kleiner gewordene Gruppe am Kanal und fuhr ein etwas langsameres Tempo. Die ersten 50 km hatten wir mit einem Schnitt von 26 km/h zurückgelegt. Nun ging es westlich an Nijmegen vorbei. Hier erreichte ich die Waal, die ich nach wenigen Kilometern überquerte und verließ.


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Nach 80 km erreichte ich den westlichen Rand des Nationalparks Hoge Veluwe. Weiter ging es nach Nordwesten bis Nijkerk. Hier war nach 115 km die erste freie Kontrolle, kurz nach 13:30 Uhr. Wie viele Andere kaufte ich etwas in der Bäckerei Ten Have und ließ mir eine Quittung geben. Ich lag nach 115 km über zwei Stunden vor der langsamsten Zeit. Hier machte ich Pause und aß eine der gekauften Backwaren. Immer mal wieder schloss ich mich dann kleineren Gruppen an, und fuhr aber auch eine Weile alleine. Bisher war ich, da es relativ flach war, vorne nur auf dem großen 48er-Kettenblatt gefahren, auch an den wenigen Steigungen.


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Nach 130 km erreichte ich das Gooimeer und fuhr an Almere vorbei. Hier spürte ich dann das erste Mal Gegenwind, zumal ich wieder alleine unterwegs war. Bei km 160 erreichte ich den östlichen Rand von Amsterdam und das IJmeer. Es ging an einer mehrspurigen Straße entlang einiger Vororte. Zum Glück war der Radverkehr vom Autoverkehr baulich getrennt. Hier war am Samstagnachmittag ordentlich was los, zumal wir uns den Tourismusgebieten näherten. Nach 176 km erreichte ich die zweite Kontrolle in Broek in Waterland kurz vor 17 Uhr.


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Im Ijscafe Antonio bekamen wir eine Unterschrift, aber keinen Stempel. Zur Sicherheit machte ich noch ein Foto. In solchen Fällen hätte eBrevet echte Vorteile. Aber das wurde hier nicht angeboten. Mittlerweile hatte ich einen Vorsprung von 2:45 Stunden auf die langsamste Zeit. Ich hatte immer noch einen Schnitt von ca. 24 km/h. Das sah sehr gut aus. Leider fing aber auch mein linkes Knie an zu zwicken. Das war bei einem Unfall vor über 20 Jahren mal stark in Mitleidenschaft gezogen und macht alle paar Jahre mal wieder etwas Probleme. Hier rächte sich wohl das permanente Fahren auf dem 48er-Kettenblatt. Ich nahm also etwas Druck vom Pedal und schaltete auf das kleine 38 Kettenblatt, um das Knie zu entlasten. Das machte mich natürlich deutlich langsamer. Aber ich hoffte, dass sich das Knie so etwas erholen konnte. Ich machte dann auch nochmal Pause auf einem Damm, direkt am Markermeer. Wirklich ein toller Ausblick. Erinnerungen an die 90er Jahre kamen auf, wo wir hier so manches Mal segelten.


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Über Volendam und Edam ging es weiter nach Hoorn. Trotz der Knieprobleme und Gegenwind genoss ich die Fahrt sehr.


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Das war wie Urlaub. Und mein Giant schlug sich bislang sehr gut als Randonneur. Die 2 - 3 Kilo Mehrgewicht, gegenüber dem Koga Miyata, merkte man im Flachen gar nicht. Und auch die breiteren 37 mm Continental Reifen rollten sehr gut. Die Temperaturen am Nachmittag waren trotz Sonne nicht warm, aber noch ganz angenehm. Auf jeden Fall nichts für kurzärmlig. Für die Nacht hatte ich auch noch ein paar zusätzliche Schichten dabei. Denn es sollte in der Dunkelheit einstellig werden.


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Mit der Dämmerung erreichte ich nach 234 km Enkhuizen. Hier traf ich noch zwei andere Randonneure, die sich gerade wieder auf den Weg machten. Ich fuhr zum Bahnhof, wo ich am Waschbecken der Bahnhofstoilette alle vier Trinkflaschen auffüllen konnte. Das sollte für den Rest der Strecke reichen. In der Gaststätte im Bahnhof bekam ich auch einen Stempel. Ich hatte wieder etwas Zeit verloren, lag aber noch zwei Stunden vor der langsamsten Zeit. Ich machte noch eine kurze Pause am Hafen und fuhr dann in der Dunkelheit über den Markerwaarddeich.


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Das war im Dunkeln alles andere als ein Vergnügen. Der Radweg verlief links von der Straße und war meistens etwas tiefer. So blendeten die Scheinwerfer der entgegenkommenden Autos enorm. Dazu kam ein deutlicher Gegenwind. Das alles machte mich langsamer und die fast 27 km über den Deich zogen sich gefühlt ewig hin. Vom Ijsselmeer links und dem Markermeer rechts sah ich im Dunkeln leider nichts. Ich hatte ja vorher gehofft die Strecke gerade noch im Hellen fahren zu können. In Lelystad angekommen machte ich auf einer Bank ein kleines Nickerchen, bis ich nach einigen Minuten von ein paar Jugendlichen geweckt wurde.




Ich fuhr also weiter und passierte den hell beleuchteten Nachbau der Batavia, einer alten Kogge. Das Schiff, komplett aus Holz, war wirklich imposant, wie es da im Wasser lag. Nach einem kurzen Fotostop fuhr ich weiter durch die Nacht. Es war merklich kühler geworden und ich hatte mir, neben einem zusätzlichen Langarmtrikot, auch noch die Regenjacke als Windschutz übergezogen. Zum Glück hat es nicht einmal geregnet, aber es hielt den kalten Wind etwas ab. Ab jetzt hatte ich aber immer mal wieder mit etwas Müdigkeit zu kämpfen. Ich fuhr die ganze Zeit nur noch auf dem 38 Kettenblatt und mein Knie zwickte nicht mehr ganz so schlimm, hatte sich aber noch nicht wirklich erholt. Wollte ich keine langfristigen Probleme bekommen, musste ich weiter vorsichtig sein. Ich rechnete ständig rum, wie viel Zeit mir noch blieb. Es würde knapp werden, da ich immer noch Zeit verlor. Mein Vorsprung schmolz dahin. Nach 308 km lag ich noch genau in der langsamsten Zeit. Noch 100 km. Mittlerweile ging es aber vor allem darum, überhaupt noch gut zurückzukommen.


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Hinter Hardwijk war ich so müde, dass ich mich an einer Bushaltestelle ins Wartehäuschen setzte und sofort einschlief. Wach wurde ich als mich zwei ältere Niederländer auf Rennrädern ansprachen, ob es mir gut gehe. Ich versicherte ihnen, dass ich nur müde war. Die waren tatsächlich bereits am sehr frühen Morgen im Dunkeln mit ihren Rennrädern unterwegs. Ich fuhr weiter und sah die beiden noch einige Zeit vor mir, mit ihren Rücklichtern. Jetzt ging es quasi nur noch durch den Wald bis Arnheim. Kurz vor Arnheim setzte die Dämmerung ein und es wurde langsam wieder hell. Morgens in Arnheim erwachte die Stadt langsam und der Verkehr nahm zu. Hinter Arnheim, nach ca. 360 km waren es unter 50 km. Aber bis 11 Uhr wurde es knapp, auch wenn ich noch einige Stunden hatte. Ich war hundemüde, trotz Sonne und mein Knie wollte auch nicht mehr so richtig. Zumal bei Nijmegen noch die einzig nennenswerten Steigungen vor mir lagen. Da ging es mit bis zu 9 % hoch. Normalerweise kein Problem, aber mit dem angeschlagenen Knie...


Ich brauchte dringend noch etwas Schlaf und Erholung für mein Knie. Mit der Brechstange hätte ich sicher das Zeitlimit eingehalten, aber die Vernunft hatte gesiegt. An einem Radweg setzte ich mich auf eine Bank im Schatten und schlief sofort wieder ein. Dieses Mal wurde ich nicht geweckt und schlief eine volle Stunde. Der Schlaf hatte meine Lebensgeister wieder geweckt. Aber das Zeitlimit war nicht mehr einzuhalten. Mein Knie schmerzte nur noch dumpf. Das war auszuhalten. Ich traf eine Entscheidung, Abbruch. Ich schrieb Michael eine Mail und plante um. Statt nach Weeze fuhr ich direkt nach Twisteden zum Auto. Dann hatte ich insgesamt 414 km geschafft. Ab hier fuhr ich gemütlich und genoss die Sonne. Ich brauchte mich nicht mehr zu beeilen, der Druck war weg. Die 9 % Steigung schob ich dann einfach, meinem Knie zuliebe. Hinter Kranenburg bog ich Richtung Kessel ab. Über Goch ging es dann zurück nach Twisteden. Dort kam ich gegen 14 Uhr an, nach 30 Stunden Fahrt und 414 km.


Mein Fazit: Die Zähigkeit für lange Strecken habe ich bereits wieder, aber mir fehlt noch die dauerhafte Geschwindigkeit und die Fähigkeit zur schnelleren Regeneration. Nächstes Jahr nehme ich einen neuen Anlauf. Bis dahin wird noch fleißig trainiert und im Herbst peile ich nochmal einen 200er Brevet an. Paris-Brest-Paris 2027 ist aber wohl utopisch. Es gibt aber noch eine kleine Hoffnung für 2031. Bis dahin heißt es fitter werden und bleiben. Für 2028 dann vielleicht einen flachen Tausender? Mal schauen. Meinem Knie geht es übrigens wieder gut. War also wohl die richtige Entscheidung nicht durchzuziehen.


Der 400er Brevet rund um das Markermeer war wirklich schön und abwechslungsreich. Die Strecke ist auf jeden Fall eine Empfehlung, auch für eine mehrtägige Tour.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wieso am Waschbecken? Fast alle niederländische Bahnhöfe haben einen Wasserhahn am Vorplatz.
 
Diese öffentlichen Wasserzapfstellen in den Niederlanden ( niederländisch : watertappunten ) sind in der Tat an vielen Standorten landesweit verfügbar : https://drinkwaterkaart.nl/app-en-gpx-downloaden/
... bleiben für das ungewohnte Auge jedoch manchmal unentdeckt, vor allem durch ihr vielfältiges Aussehen.
Hier eine kleine Auswahl :
 

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Die Brevetserie 2026 - 2027 - Der harte Weg nach Paris


400 km Brevet Rund um das Markermeer


09.05.2026


Nachdem ich beim 300er Brevet die Zielzeit deutlich verpasst hatte, versuchte ich es beim flachen 400er am Niederrhein im Mai auf ein Neues.


Anhang anzeigen 1783575

Da ich an meinem Koga Miyata Randonneur die Bremsgriffe noch tauschen musste, fuhr ich mit meinem Giant Expedition Reiserad. Ich hatte mir extra den Halter für die Arschrakete mit zwei zusätzlichen Flaschenhaltern besorgt. So hatte ich dann insgesamt 2,6 Liter Flüssigkeit an Bord. Das sollte für die halbe Strecke reichen. Startort war wieder Twisteden. Kurz nach 7 Uhr traf ich dort ein, meldete mich an und lud mein Rad aus. Ich startete in der zweiten Gruppe um 8:10 Uhr. Ziel war in Weeze nach 408 km. Dafür hatte ich 27 Stunden Zeit. Es war sonnig, aber noch sehr kühl Morgens.


Anhang anzeigen 1783576

Nach dem Start blieb ich fürs Erste in der relativ großen Gruppe. Das Tempo nahm immer mehr zu. Zügig ging es über die Grenze in die Niederlande Richtung Bergen. Mit zunehmendem Tempo wurde die Gruppe etwas kleiner. Mir war klar, dass ich das Tempo nicht ewig halten konnte. Andererseits konnte ich in der Gruppe schonmal einen Vorsprung auf die Zeit rausfahren. Wenn es ging, wollte ich so 40 bis 50 km in der Gruppe bleiben. Wir erreichten die Maas und fuhren an Afferden vorbei. Hinter Mook verließen wir die Maas und folgten dem Maas-Waal-Kanal. Nach 50 km, am Ende von Lindenholt, verließ ich die deutlich kleiner gewordene Gruppe am Kanal und fuhr ein etwas langsameres Tempo. Die ersten 50 km hatten wir mit einem Schnitt von 26 km/h zurückgelegt. Nun ging es westlich an Nijmegen vorbei. Hier erreichte ich die Waal, die ich nach wenigen Kilometern überquerte und verließ.


Anhang anzeigen 1783578


Nach 80 km erreichte ich den westlichen Rand des Nationalparks Hoge Veluwe. Weiter ging es nach Nordwesten bis Nijkerk. Hier war nach 115 km die erste freie Kontrolle, kurz nach 13:30 Uhr. Wie viele Andere kaufte ich etwas in der Bäckerei Ten Have und ließ mir eine Quittung geben. Ich lag nach 115 km über zwei Stunden vor der langsamsten Zeit. Hier machte ich Pause und aß eine der gekauften Backwaren. Immer mal wieder schloss ich mich dann kleineren Gruppen an, und fuhr aber auch eine Weile alleine. Bisher war ich, da es relativ flach war, vorne nur auf dem großen 48er-Kettenblatt gefahren, auch an den wenigen Steigungen.


Anhang anzeigen 1783577

Nach 130 km erreichte ich das Gooimeer und fuhr an Almere vorbei. Hier spürte ich dann das erste Mal Gegenwind, zumal ich wieder alleine unterwegs war. Bei km 160 erreichte ich den östlichen Rand von Amsterdam und das IJmeer. Es ging an einer mehrspurigen Straße entlang einiger Vororte. Zum Glück war der Radverkehr vom Autoverkehr baulich getrennt. Hier war am Samstagnachmittag ordentlich was los, zumal wir uns den Tourismusgebieten näherten. Nach 176 km erreichte ich die zweite Kontrolle in Broek in Waterland kurz vor 17 Uhr.


Anhang anzeigen 1783579

Im Ijscafe Antonio bekamen wir eine Unterschrift, aber keinen Stempel. Zur Sicherheit machte ich noch ein Foto. In solchen Fällen hätte eBrevet echte Vorteile. Aber das wurde hier nicht angeboten. Mittlerweile hatte ich einen Vorsprung von 2:45 Stunden auf die langsamste Zeit. Ich hatte immer noch einen Schnitt von ca. 24 km/h. Das sah sehr gut aus. Leider fing aber auch mein linkes Knie an zu zwicken. Das war bei einem Unfall vor über 20 Jahren mal stark in Mitleidenschaft gezogen und macht alle paar Jahre mal wieder etwas Probleme. Hier rächte sich wohl das permanente Fahren auf dem 48er-Kettenblatt. Ich nahm also etwas Druck vom Pedal und schaltete auf das kleine 38 Kettenblatt, um das Knie zu entlasten. Das machte mich natürlich deutlich langsamer. Aber ich hoffte, dass sich das Knie so etwas erholen konnte. Ich machte dann auch nochmal Pause auf einem Damm, direkt am Markermeer. Wirklich ein toller Ausblick. Erinnerungen an die 90er Jahre kamen auf, wo wir hier so manches Mal segelten.


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Über Volendam und Edam ging es weiter nach Hoorn. Trotz der Knieprobleme und Gegenwind genoss ich die Fahrt sehr.


Anhang anzeigen 1783582


Das war wie Urlaub. Und mein Giant schlug sich bislang sehr gut als Randonneur. Die 2 - 3 Kilo Mehrgewicht, gegenüber dem Koga Miyata, merkte man im Flachen gar nicht. Und auch die breiteren 37 mm Continental Reifen rollten sehr gut. Die Temperaturen am Nachmittag waren trotz Sonne nicht warm, aber noch ganz angenehm. Auf jeden Fall nichts für kurzärmlig. Für die Nacht hatte ich auch noch ein paar zusätzliche Schichten dabei. Denn es sollte in der Dunkelheit einstellig werden.


Anhang anzeigen 1783583

Mit der Dämmerung erreichte ich nach 234 km Enkhuizen. Hier traf ich noch zwei andere Randonneure, die sich gerade wieder auf den Weg machten. Ich fuhr zum Bahnhof, wo ich am Waschbecken der Bahnhofstoilette alle vier Trinkflaschen auffüllen konnte. Das sollte für den Rest der Strecke reichen. In der Gaststätte im Bahnhof bekam ich auch einen Stempel. Ich hatte wieder etwas Zeit verloren, lag aber noch zwei Stunden vor der langsamsten Zeit. Ich machte noch eine kurze Pause am Hafen und fuhr dann in der Dunkelheit über den Markerwaarddeich.


Anhang anzeigen 1783584

Das war im Dunkeln alles andere als ein Vergnügen. Der Radweg verlief links von der Straße und war meistens etwas tiefer. So blendeten die Scheinwerfer der entgegenkommenden Autos enorm. Dazu kam ein deutlicher Gegenwind. Das alles machte mich langsamer und die fast 27 km über den Deich zogen sich gefühlt ewig hin. Vom Ijsselmeer links und dem Markermeer rechts sah ich im Dunkeln leider nichts. Ich hatte ja vorher gehofft die Strecke gerade noch im Hellen fahren zu können. In Lelystad angekommen machte ich auf einer Bank ein kleines Nickerchen, bis ich nach einigen Minuten von ein paar Jugendlichen geweckt wurde.




Ich fuhr also weiter und passierte den hell beleuchteten Nachbau der Batavia, einer alten Kogge. Das Schiff, komplett aus Holz, war wirklich imposant, wie es da im Wasser lag. Nach einem kurzen Fotostop fuhr ich weiter durch die Nacht. Es war merklich kühler geworden und ich hatte mir, neben einem zusätzlichen Langarmtrikot, auch noch die Regenjacke als Windschutz übergezogen. Zum Glück hat es nicht einmal geregnet, aber es hielt den kalten Wind etwas ab. Ab jetzt hatte ich aber immer mal wieder mit etwas Müdigkeit zu kämpfen. Ich fuhr die ganze Zeit nur noch auf dem 38 Kettenblatt und mein Knie zwickte nicht mehr ganz so schlimm, hatte sich aber noch nicht wirklich erholt. Wollte ich keine langfristigen Probleme bekommen, musste ich weiter vorsichtig sein. Ich rechnete ständig rum, wie viel Zeit mir noch blieb. Es würde knapp werden, da ich immer noch Zeit verlor. Mein Vorsprung schmolz dahin. Nach 308 km lag ich noch genau in der langsamsten Zeit. Noch 100 km. Mittlerweile ging es aber vor allem darum, überhaupt noch gut zurückzukommen.


Anhang anzeigen 1783587

Hinter Hardwijk war ich so müde, dass ich mich an einer Bushaltestelle ins Wartehäuschen setzte und sofort einschlief. Wach wurde ich als mich zwei ältere Niederländer auf Rennrädern ansprachen, ob es mir gut gehe. Ich versicherte ihnen, dass ich nur müde war. Die waren tatsächlich bereits am sehr frühen Morgen im Dunkeln mit ihren Rennrädern unterwegs. Ich fuhr weiter und sah die beiden noch einige Zeit vor mir, mit ihren Rücklichtern. Jetzt ging es quasi nur noch durch den Wald bis Arnheim. Kurz vor Arnheim setzte die Dämmerung ein und es wurde langsam wieder hell. Morgens in Arnheim erwachte die Stadt langsam und der Verkehr nahm zu. Hinter Arnheim, nach ca. 360 km waren es unter 50 km. Aber bis 11 Uhr wurde es knapp, auch wenn ich noch einige Stunden hatte. Ich war hundemüde, trotz Sonne und mein Knie wollte auch nicht mehr so richtig. Zumal bei Nijmegen noch die einzig nennenswerten Steigungen vor mir lagen. Da ging es mit bis zu 9 % hoch. Normalerweise kein Problem, aber mit dem angeschlagenen Knie...


Ich brauchte dringend noch etwas Schlaf und Erholung für mein Knie. Mit der Brechstange hätte ich sicher das Zeitlimit eingehalten, aber die Vernunft hatte gesiegt. An einem Radweg setzte ich mich auf eine Bank im Schatten und schlief sofort wieder ein. Dieses Mal wurde ich nicht geweckt und schlief eine volle Stunde. Der Schlaf hatte meine Lebensgeister wieder geweckt. Aber das Zeitlimit war nicht mehr einzuhalten. Mein Knie schmerzte nur noch dumpf. Das war auszuhalten. Ich traf eine Entscheidung, Abbruch. Ich schrieb Michael eine Mail und plante um. Statt nach Weeze fuhr ich direkt nach Twisteden zum Auto. Dann hatte ich insgesamt 414 km geschafft. Ab hier fuhr ich gemütlich und genoss die Sonne. Ich brauchte mich nicht mehr zu beeilen, der Druck war weg. Die 9 % Steigung schob ich dann einfach, meinem Knie zuliebe. Hinter Kranenburg bog ich Richtung Kessel ab. Über Goch ging es dann zurück nach Twisteden. Dort kam ich gegen 14 Uhr an, nach 30 Stunden Fahrt und 414 km.


Mein Fazit: Die Zähigkeit für lange Strecken habe ich bereits wieder, aber mir fehlt noch die dauerhafte Geschwindigkeit und die Fähigkeit zur schnelleren Regeneration. Nächstes Jahr nehme ich einen neuen Anlauf. Bis dahin wird noch fleißig trainiert und im Herbst peile ich nochmal einen 200er Brevet an. Paris-Brest-Paris 2027 ist aber wohl utopisch. Es gibt aber noch eine kleine Hoffnung für 2031. Bis dahin heißt es fitter werden und bleiben. Für 2028 dann vielleicht einen flachen Tausender? Mal schauen. Meinem Knie geht es übrigens wieder gut. War also wohl die richtige Entscheidung nicht durchzuziehen.


Der 400er Brevet rund um das Markermeer war wirklich schön und abwechslungsreich. Die Strecke ist auf jeden Fall eine Empfehlung, auch für eine mehrtägige Tour.
Interessanter Bericht, danke.
Die Batavia ist eine Galeone, keine Kogge. ;)
 
Die Brevetserie 2026 - 2027 - Der harte Weg nach Paris

Mein Fazit: Die Zähigkeit für lange Strecken habe ich bereits wieder, aber mir fehlt noch die dauerhafte Geschwindigkeit und die Fähigkeit zur schnelleren Regeneration. Nächstes Jahr nehme ich einen neuen Anlauf. Bis dahin wird noch fleißig trainiert und im Herbst peile ich nochmal einen 200er Brevet an. Paris-Brest-Paris 2027 ist aber wohl utopisch. Es gibt aber noch eine kleine Hoffnung für 2031. Bis dahin heißt es fitter werden und bleiben.
Von außen betrachtet hast du dich für einen Neustart nach so langer Zeit doch gar nicht so schlecht geschlagen. Aber, wenn PBP ein Lebenstraum von dir ist, würde ich den zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschreiben. Wenn du es etwas lockerer angehst, ist doch PBP2027 noch nicht weg. Vielleicht ein flacher 300er im Spätsommer (z.B. Wemeldinge in den Niederlanden) um einen guten Startplatz möglich zu machen und dann gehst du nächstes Jahr die Serie an (wie geplant). Du meldest dich bei PBP an. Falls es zuviel wird, brichst du die Quali halt ab. Dann ist halt nur die Voranmeldegebühr weg. Auch PBP kann und soll man abbrechen, wenn es zu viel wird. Allein das Starten dort ist schon ein Erlebnis der besondern Art. Eine Garantie, PBP sicher zu Ende zu fahren, gibt es für niemanden. (Auch nicht, wenn man vorher, aufgrund seiner bisherigen Erfahrung, einen 30 teiligen Youtube Kurs dazu veröffentlicht hat, wie ein amerikanischer Randonneur in 2019). Und bei PBP gibt es auch keine Serpentinen die hochzufahren sind. Für einen Neubeginn waren aus meiner Sicht der 200er, der 300er und der 400er einfach nur zu kurz hintereinander.
 
Von außen betrachtet hast du dich für einen Neustart nach so langer Zeit doch gar nicht so schlecht geschlagen. Aber, wenn PBP ein Lebenstraum von dir ist, würde ich den zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschreiben. Wenn du es etwas lockerer angehst, ist doch PBP2027 noch nicht weg. Vielleicht ein flacher 300er im Spätsommer (z.B. Wemeldinge in den Niederlanden) um einen guten Startplatz möglich zu machen und dann gehst du nächstes Jahr die Serie an (wie geplant). Du meldest dich bei PBP an. Falls es zuviel wird, brichst du die Quali halt ab. Dann ist halt nur die Voranmeldegebühr weg. Auch PBP kann und soll man abbrechen, wenn es zu viel wird. Allein das Starten dort ist schon ein Erlebnis der besondern Art. Eine Garantie, PBP sicher zu Ende zu fahren, gibt es für niemanden. (Auch nicht, wenn man vorher, aufgrund seiner bisherigen Erfahrung, einen 30 teiligen Youtube Kurs dazu veröffentlicht hat, wie ein amerikanischer Randonneur in 2019). Und bei PBP gibt es auch keine Serpentinen die hochzufahren sind. Für einen Neubeginn waren aus meiner Sicht der 200er, der 300er und der 400er einfach nur zu kurz hintereinander.
Ich bin auch gar nicht unzufrieden. Aber trotzdem kommt PBP nächstes Jahr einfach zu früh für mich. Meine Schwäche sind die vielen Höhenmeter. Da brauche ich einfach noch ein paar Jahre Training mehr. Ganz aufgegeben habe ich PBP auch noch nicht. Bis 2031 habe ich noch genug Zeit zu trainieren und fitter zu werden. Das werde ich auf jeden Fall versuchen, auch wenn das Alter irgendwann gegen mich arbeitet. Im Herbst möchte ich auf jeden Fall noch einen 200er fahren. Und dann gilt es die Form über den Winter zu retten.

Momentan ist mein Problem, dass ich immer noch abnehme. Ich muss jetzt lernen wieder mehr zu essen, vor allem in den Tagen vor längeren Strecken. Unterwegs esse ich anscheinend einfach immer noch zu wenig. Ich verliere zu schnell Gewicht und habe immer weniger Reserven, wenn ich nicht aufpasse.
 
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