Der Rahmen müsste ziemlich sicher original sein, das ist schonmal gut. Da ist gefühlt jeder zweite im Netz ein Fake, gerade die Teamlackierungen wie Wiggins oder Sky. (Gab bei Aliexpress wohl nicht so große Auswahl) Aber anhand der Seriennummer schaut das sehr original aus.
Die Wiggins Lackierung ist sicher arg speziell. Ich find sie hässlich.
Lighties sind große Vertrauenssache. Würde die nach Friedrichshafen schicken, die machen einen kostenlosen Checkup und geben dir einen Zustandsbericht mit, den du dem Käufer mitgeben kannst. Zentrieren dir sogar im Rahmen der Möglichkeiten die Räder umsonst. Bremsflanke konnte man auch erneuern lassen (gegen Bezahlung).
Kritisch sind die Speichen, ich würde die ohne Prüfung bei Lightweight nicht unbedingt gern gebraucht kaufen. Schläge von mehr als 2mm sind ganz oft ein Zeichen für katastrophales Versagen an irgendeiner Stelle der "Laufradeinheit" aus Carbonfelge, umlaufender Speiche und Nabenflansch.
Kleine Beschädigungen kriegen sie wieder repariert (wirtschaftlich?), aber die sind durchaus heikel (Verladen, Umfaller, Brutus, wasweißich) und leicht zerstört. Normalerweise setzt sich da nix und sie bleiben gerade.
Die Ultegra ist jetzt wahrscheinlich nicht gerade Traummaterial und auch das Aero-Cockpit (MOST Talon) fehlt hier.
Gut ist, dass es keine 6870 ist, die ist wenig wert. Sieht nach 8150 12-fach aus, das Schaltwerk. Wenn komplette Gruppe in wenig verschlissenem Zustand, schonmal sehr gut, die würde ich evtl. einzeln verkaufen.
Der Rahmen ist ein 46,5cm. Der ist schon ARG klein und dementsprechend schwer verkäuflich.
Ich sag mal aufgrund der Größe, der Ultegra Di2 und den sehr(!) speziellen Rädern... zerlegen. Einzeln alles gefragte Teile. In dieser Zusammenstellung vermutlich schwer vermittelbar.
Viel darf man nicht erwarten. 1500? 2000? 2500? Kommt immer auch auf den Käufer an. Und natürlich den Zustand. Auf den Bildern sieht es ganz gut aus, aber gerade unter der Kurbel sehe ich eine Macke. Genauer hinschauen. Ist meist nicht kritisch, aber ich hatte schon Rahmen in der Hand, die waren nach einem deftigen Chainsuck angeknackst. Und die meisten Interessenten haben Angst, sobald Macken im Carbon sind, sein wir mal Ehrlich. Wertminderung auf jeden Fall.
Kennt der Käufer sich aus, rechnet er knallhart. So wie wir hier wohl die meisten.
Kennt er sich weniger aus, ist er vielleicht emotional voreingenommen, wenn er ein Dogma mit Lighweights in der "super seltenen" Wiggins-Teamlackierung sieht. Aber wieso sollte er dann wissen, dass das superkrasses Zeug ist?
Wer so ein Rad für "viel Geld" während des Corona-Hypes gekauft hat, der hat jetzt mit richtig herben Verlusten zu rechnen.
Da kann es sinnvoller sein, das Teil zu behalten und sich daran zu erfreuen, dass man etwas außergewöhnlicheres fährt, als es geradezu zu verschleudern.
LW Clincher: 800-900? Die sind schon relativ alt, oder? Bin kein Experte, aber da gab es auch ein breiteres Felgenmodell mit anderem Dekor, meine ich.
Rahmen: 500-800 (ehrlich gesagt keine Ahnung, ob da jemand eher mehr bezahlt, weil es kaum so kleine Rahmen gibt und er fieberhaft danach sucht, oder ob man den jemandem über den Preis schmackhaft machen müsste, der sonst vllt. auch Cube gefahren wäre.. ganz großes Fragezeichen hier. Evtl. der einfachere Mittelweg: Rad montiert lassen und ohne/mit anderen Laufrädern verkaufen, Lighties extra?)
Ich sag mal so: die meisten Menschen, denen das passt, sind rein statistisch gesehen eher selten selbstschraubende Fahrradnerds und wollen nicht unbedingt ein altes
FELGENBREMS-Dogma aus Liebhaberei..)
Ultegra Di2: 6-700?
Sofern alles tiptop. Komplett wahrscheinlich deutlich(!) weniger. Einfach zu speziell und zu klein.
Quasi der
worst case, das Ding "as is" zu verkaufen.
Winzig, komische Ultegra und fehlendes Aerocockpit (ruiniert die Optik, an die Dogmas ab F8 gehört einfach kein Rundcockpit, die MOST-Vorbauten oder sogar der Talon-Einheit sehen VIEL harmonischer aus) an einem ansonsten nonplusultrageldspielteinfachkeinerolle-Aufbau, extrem krasse und teure, aber empfindliche und Interessenten (potenziell viele) Sorgen bereitende Räder dran. Schlimmer kann es eigentlich aus Verkäufersicht nicht kommen.
Bei Chainsuck, beschädigten oder bremsflankenabgenutzen Lighties, Sturzschrammen am STI, und was sonst noch sein könnte, natürlich deutlich weniger, meine Zahlen beziehen sich auf Tiptop.
Lightweights unbedingt beim Hersteller überprüfen lassen, kostet fast nichts und sollte einen Verkauf erleichtern, wenn man "den Brief" hat. Wer sich für so Räder interessiert und merkt, dass der Verkäufer relativ ahnungslos ist, hat direkt ein komisches Gefühl, weil er weiß, wie viel Aufmerksamkeit die brauchen und wie leicht sie beschädigt sind...
Ich sag mal kackfrech:
Wenn der Onkel keine große Ahnung von Rennrädern hat und sich auch keine Hilfe nehmen will, entgeht ihm einiges an Kohle.
Da kann er nur mit hoher Preisvorstellung einsteigen, ernstlich interessierte mit Ahnungslosigkeit verprellen, den Preis immer weiter senken und irgendwann für viel zu wenig verkaufen, wenn ein Verkauf dann überhaupt noch in Frage kommt.
Es gab den Corona-Hype, da hat sie sicherlich eher zu viel bezahlt. Dann gab es den kompletten Dammbruch der Disc, Felge ist heute nur noch im Lowcost-Bereich vorhanden und für ahnungsarme Käufer ein K.O.-Kriterium, weil die wollen lieber ein "neues Cube mit sicheren Scheibenbremsen und sicherer Garantie".
Und jetzt ist der Markt im Eimer und die Disc-Räder gibt es oft mit 50-60% Rabatt neu. Da hat seine Tochter sich was ans Bein gebunden...
Viele Edits und zu viel Text später... Ich sollte schlafen gehen.
TLDR: Problemrad, evtl. (falls Anfängerin, unterstelle ich aufgrund der beiden Tatsachen, dass sie es nicht persönlich verkaufen will und dass es zum Coronahypezeitpunkt gekauft wurde) auch Problemvorbesitzerin, von der man sowas ungern kauft, Problemwertverlust.
(Soll jetzt nicht misogyn sein, gell.
Aber ich sehe z.B. auf den Bildern schon, wie der hintere SSP unprofessionell bis leichtsinnig nach hinten absteht und frage mich direkt, ob wohl die Bremsflanken gepflegt wurden und der Steuersatz spielfrei eingestellt wurde, ob Lenker/
Sattel immer mit Drehmoment verstellt wurden. Und ob der Vorbesitzer bei einem Platten sofort und geistesgegenwärtig gestoppt hat, oder möglicherweise erstmal mit zu wenig Druck über Kanten geholpert ist, direkt Kopfkino.
Natürlich ist das sehr pauschal, auch bisweilen schon neurotisch und “übervorsichtig deutsch”. Aber das sind wohl die möglichen Interessenten dann vielleicht auch. Und wenn ICH ein Rad von einer jungen Frau, die über Corona "mal kurz" ein Dogma gekauft und dann bemerkt hat, dass Rennrad nicht so ihr Ding ist und es vielleicht doch eher ein Gravel sein soll, weil man da auch mit den anderen im Freundeskreis mitfahren kann, kaufen soll, bin ich seeeehr vorsichtig. Ein Anfänger kriegt Lighties in Nullkommanix kaputt und auch den Kettenabwurf sollte man spüren und nicht einfach weitertreten, wenn er kommt. Andere Räder sind da deutlich robuster, verzeihen Anfängerfehler beim Fahrstil, beim Verladen und Verstauen - Lighties und Highendrahmen eher nicht, die kriegt man blödestenfalls bei einer Zugfahrt mit gestapelten Rädern oder Hakenaufhängung schon demoliert.)
Negativer Hyperfokus oder gesunder Realismus?