Zwift (und auch Intervals) schätzen die VO2max grob über die 5 min Leistung. Für die meisten wird das auch relativ gut hinhauen, gibt ne Studie zu der Formel.
VO2max ~ 16,6 + (8,87 x CP5 w/kg)
Soweit ich das über diverse Quellen (u.a. Firstbeat-Analysen) mitbekommen habe, ist
Garmin bei der VO2max-Darstellung tatsächlich gar nicht so schlecht. Grober Richtwert ist eine Genauigkeit von ca. 95 % im Vergleich zur Spiroergometrie – vorausgesetzt, die hinterlegte maximale Herzfrequenz stimmt exakt. Die Berechnung läuft da nämlich über komplexe physiologische Modelle und nicht nur über Daumenregeln.
Auch die täglichen Trainingsvorschläge sind so untauglich nicht. Ein Test von GCN hat ja gezeigt: Wenn man das mal ein paar Wochen durchzieht, steigt die FTP deutlich. Und das, obwohl (oder genau
weil) der größte Bereich aus langweiligen LIT-Sessions bestand. Das entspricht ja exakt dem physiologisch sinnvollen 80/20-Ansatz, den wir Amateure oft vernachlässigen, weil wir immer zu hart trainieren. Ballern ist halt schöner und wer fährt schon LIT in der digitale Welt?
Es wäre echt mal interessant zu testen, wie sich die herrlichen Balken verhalten, wenn man sich einmal exakt an die
Garmin-Vorschläge halten würde.
Dass das System an seine Grenzen kommt, wenn man „macht, was man will“ oder (wie ich) einen eigenen Plan hat, ist aber auch logisch. Die Algorithmen erwarten eine bestimmte Periodisierung. Wenn mein Plan dem Algorithmus widerspricht, ist klar, dass die Ergebnisse mies aussehen.
Ich bin ja aktuell das beste „Opfer“ davon: Mir wird ordentlich Unproduktivität vorgeworfen. Warum? Weil ich aktuell kaum VO2max-Intervalle fahre und mein Krafttraining sowie Yoga in der Gesamtdarstellung komplett unter den Tisch fallen (da fehlt der Uhr schlicht der messbare Herzfrequenz-Stress, obwohl die neuromuskuläre Belastung da ist). Dabei habe ich mich letzten Samstag bei einer endlich mal längeren Ausfahrt gefreut, wie mühelos ich gewisse Anstiege hochgekrabbelt bin. Da bilde ich mir schon sehr ein, dass mein Fokus der letzten zwei Monate deutliche Früchte trägt – auch ohne mich regelmäßig an die Wand zu fahren. Meine Effizienz ist gestiegen, auch wenn der Algorithmus das (noch) nicht rafft.
Aber es bleibt dabei:
Garmin liebt hohen kardiovaskulären Aufwand und belohnt ihn. Auf der anderen Seite muss man die oft bemängelten Erholungszeiten richtig lesen: Die bedeuten ja nicht „Zeit bis zur nächsten Bewegung“, sondern „Zeit bis zum nächsten harten Intervall“. Wenn ich die ernst nehme und in der angegebenen Zeit brav in der unteren Zone 1/2 bleibe dann egalisieren sich die Angaben wieder. Erholungszeit heißt eben nicht zwangsläufig, auf der Couch zu sitzen.
Ich wette, wenn man das mal konsequent testet, kommt man auch bei den Erholungszeiten wieder sauber im 80/20-Bereich raus. Und wer viel im „Graubereich“ (Junk Miles) fährt, wird natürlich mit extrem langer Erholungszeit bestraft. Aber das ist ja auch physiologisch korrekt: Viel Aufwand für wenig Ergebnis.