Jeder Entwickler hat für sein Innenlager irgendeinen Grund gesehen es genau so zu machen bzw altbewährtes zu verbessern. Genau deswegen hat sich eine solche Vielfalt an verschiedenen Innenlagern entwickelt. Da geht doch keiner hin und entwickelt was neues nur um den Kunden zu ärgern. (
SRAM mit DUB mal außen vor

).
Ja, gerade in der Fahrradbranche gibt es meist einen Marketing-Grund, auf der nächsten Messe etwas "Neues" zu präsentieren um das Altbewährte zugleich abzuwerten. Geht seit bald 15 Jahren (find Anfang der 2010er Jahre an) so dahin und führte zu einem Wildwuchs an Tretlagern und deren "Standards", der ärger nicht mehr sein konnte. Natürlich sind das alles "Fortschritte" und das "alte" Zeug ein Mist, vor allem weil im darauf folgenden Jahr dann gleich wieder das Über-Drüber-Tretlager heraus kommt, welches von der Einbaubreite ein paar Millimeter mehr hat, aber gleich die Steifigkeit ins "Unermessliche" treibt.

Bin selbst jahrelang in dieser Branche tätig gewesen und kann diesen Marketing-Bull**it gar nicht mehr hören.
Die ganzen Tretlager am Fahrrad "sterben" entweder dem Verschmutzungstod oder/und einer fehlerhaften Montage, so meine persönliche langjährige Erfahrung.
Ersteres mangels solider Dichtungen, die nun mal bedingt durch den Einsatz in mehr oder minder schmutziger Umgebung (Straße, MTB klarerweise noch ärger) unablässig in technischer Hinsicht sind/wären, aber meist ein paar Watt dem Tretenden kosten, was natürlich der velocipedische Supergau schon ist, wenn da 3-5 W durch die Reibung der Dichtungen flöten gehen.
Zweiteres betrifft nun mal die Montage - entweder mittels Presssitz oder Gewinde. Der PressFit-standard ist von der Montage her ein Harakiri, da - wiederum technisch bedingt - die beiden Lagerflächen koaxial zueinander ausgerichtet sein müssten mit max. 0,1mm Toleranz (besser < 0,05mm) abseits einer Ø-Toleranz von 0,05mm (zur Erinnerung: PF30 für Ø 46mm Tretlagerbohrung erfordert ein IST-Maß von Ø 45,95-46,00mm bzw. PF24 für Ø 41 Tretlagerbohrung ein IST-Maß von Ø 40,95-41,00mm) lt. Standard.
Das ohne entsprechendes
Werkzeug (mit üblichem Fahrradwerkzeug wird man das kaum hinbekommen) zu erreichen ist schlichtweg unmöglich und dann kommt noch das Rahmenmaterial hinzu (meist Kohlefaser-Lagerstellen), die auch ziemlcih weich sind, sodass im Fahrbetrieb die beiden Wälzlager zueinander laufend verspannen bzw. die Koaxalität im Betrieb nicht mehr hinreichend gewährt ist. Hier ist das Gewinde-Tretlager (BSA, T47) besser jedenfalls, da man durch entsprechendes
Werkzeug eine Koaxialität der beiden Gewinde links und rechts hinbekommt bzw. durch das Spiel der Gewinde beim Zusammenschrauben ein solches einstellen kann, sodass die Lagerstellen fluchten. Ausserdem ist das Tretlagergehäuse aus einem metallischen Werkstoff (meist Aluminium) gefertigt, was für die Belastungen am Fahrrad hinreichend ist. Das Gewinde fixiert dann die Lagerstellen radial auch in der Bohrung durch die erzeugte Vorspannung.
Für mich dreht sich die Fahrradindustrie beim Tretlager mehr oder minder im Kreis, da die substanziellen Ursachen (Verschmutzung, unzureichende Koaxialität der Lagerstellen, Steifigkeit der Lagerstellen bzw. deren Passgenauigkeit im Ø) für vorzeitig defekte Tretlager meist nicht behoben werden. Diese liegen seltenst (bis auf die Verschmutzung) beim Tretlager selbst, sondern beim Rahmenhersteller bzw. der Montage des Tretlagers. Beim Tretlager äußert sich das ganz nur, wie ja hinreichend bekannt ist - meist durch eine Geräuschentwicklung (Knacksen etc.) bzw. einem vorzeitigen Lagerschaden - wäre ein Tretlager in der Tat technisch einwandfrei ausgelegt, so hält es ein Fahrradleben lang, denn die wirkenden Kräfte (dynamische bzw. statische Traglasten) sind weit von dem entfernt, was die verbauten Wälzlager aushalten mechanisch.
Klarerweise lässt sich die Lösung dieser Probleme marketingtechnisch leichter auf das Produkt Tretlager projizieren als dass man es anders löst - z.b. in die Vormontage mehr Zeit investiert. So wird das Produkt zum faktischen "Verschleißteil" degradiert, der Kunde nimmt das als gegeben hin (ohne es zu hinterfragen) und dann ist es ohnedies "normal", dass Tretlager nach kurzer Zeit ex gehen.
Abseits der in der Tat technischen Notwendigkeit aufgrund der zunehmend größer werdenden Ø der Kurbelwellen in den letzten Jahren auch den Ø der Tretlager anzupassen (ich erinnere: jahrzehntelang fuhr man einen 4-Kant mit Ø15mm, ab 2000 Jahre einen Ø 24mm von
Shimano und dann später noch Ø 30mm) musste man die typischen BSA/ITA-Lager nun mal im Ø auch erweitern mit 68/70mm Breite. Hier ist bekanntlich T47 mittlerweile vorhanden, mit welchem man alle am Markt befindlichen Kurbelwellen-Ø fahren kann: von 24-30mm. Wozu am Rennrad Marketingleute glauben, noch zig Breiten zu brauchen, möchte ich nicht weiter diskutieren bzw. entsinnt sich mir vollständig. Technisch kann mir niemand erklären, dass eine Differenz von max. 10mm zwischen Wälzlager/Auflager und Krafteinleitung an der Tretkurbel in die Welle beim Großteil der Radfahrer irgendeinen Benefit stiftet im Hinblick auf die Steifigkeit. Abseits irgendwelcher Labormessungen, sondern im tlg. Fahrbetrieb.
Im Alltag sehe ich selbst, wenn Radfahrer mit altem 4-Kant Tretlager aus vor geschätzt 25-30 Jahren jungen Leuten mit dem Überflieger-Material á la Carbonkurbel mit 30mm Kurbelwelle davon fahren. Aber auch wieder ein anderes Thema.