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Das mit der Blickführung mag im Training noch ganz gut funktionieren, im Rennen sieht das aber schon wieder ganz anders aus. Hier muss man nicht nur seine Linie, sondern auch die der anderen Mitfahrer im Blick haben.
Wenn sich aber alle an ihre "Linie" halten, ist das auch keine Hexerei.
Angst ist nicht nur bergab ein schlechter Begleiter. Besser als Angst ist Respekt und das Vertrauen ins eigene Können. Vielleicht hilft dem ein- oder anderen auch ein Fahrsicherheitstraining, dass z. B. bei uns vom ADFC angeboten wird.
Und wie der Themenstarter schon erwähnte: Der Grip der
Reifen ist oft besser als man denkt.
Zu diesen beiden Aspekten – Unterschied Training vs. Rennen und "Angst" – würde ich gerne etwas schreiben, habe aber nur Zeit für eines der beiden Themen, also denke ich, das mit der Angst ist das wichtigere.
Hier muß man tatsächlich, auch wenn sich das ein wenig nach "Definitionshuberei" anhört, Angst von Respekt bzw. Vorsicht abgrenzen, wie Rolle das ja auch gemacht hat. Ähnlich wie ein anderer User bereits schrieb, habe ich heute am meisten Angst bei Jedermannrennen, wenn es richtig, richtig bergab geht. In Lizenzrennen kommt das nicht so oft vor, weil ich mir eigentlich keine bergigen Rennen aussuche, und wenn es trotzdem mal "gefährlich bergab" geht wie bspw. in Stolberg, weiß ich, wie ich mich da im Fahrerfeld zu bewegen habe und an welchen anderen Fahrern ich mich orientieren muß. Aber bei den Jedermännern ist das anders, da muß ich selbst wissen, was die Abfahrten und die Kurven vertragen und wo ich Sicherheitsabschläge für unvorhergesehenes Einbauen muß.
Mein Weg weg von der Angst war glaube ich ziemlich untypisch. Als ich mit knapp 15 mit Radrennen anfing, war ich auf der Penne gerade in einem Stadium, mich in eine Art "Intellekuellen-Dünkel" hineinzusteigern und alles ausschließlich rational beurteilen zu wollen. Und in einem Haufen von 100 Leuten oder mehr Rad an Rad nebeneinander wie hintereinander mit tw. Abständen (in einer Reihe von bis zu 20, 30 Jungs) von 20 - 30 cm zu fahren, fand ich im Prinzip unvernünftig. Andererseits wollte ich diesen Sport machen und habe ja auch gesehen, daß es funktioniert – bei den Profis, bei anderen usw. Trotz der vielen Stürze, im Prinzip geht es also, mußte ich eingestehen.
Also habe ich mir genauestens Überlegt, worauf man achten muß, habe geübt am Hinterrad der Kumpels, habe mir bestimmte Tricks angeeignet usw. Vieles bezieht sich dabei auf die Rennen, von daher möchte ich das dann aufgreifen, wenn ich zum Unterschied zwischen Rennen und Training komme.
Jedenfalls ist es mir gelungen, mich dann im Training in Kurven usw. aber eben auch in Abfahrten sowohl im Rennen als auch im Training so zu bewegen, daß das Ganze für mich immer berechenbarer erschien. Und die Fälle, wo es dann nicht geklappt hat, hat man halt in der Statistik entsprechen "eingeordnet" und seine Blessuren getragen wie ein klassischer Held. In meinem stärksten Jahr als Jugend und Juniorenfahrer hatte ich 23 Platzierungen unter den ersten 10 und 7 Stürze in 35 Rennen, das war in meinen Augen damals eine sehr "gesunde" und ausgewogene Statistik, die Welt war damit wieder in Ordnung.
Erst in den letzten sagen wir 15 - 17 Jahren habe ich einen Zustand erreicht, wo ich fast jede "Ausnahmesituation" rechtzeitig erkenne und reagiere. Das funktioniert im Rennen interessanterweise besser als im Training. Aber dazu dann später.