Hmm, der Fernsehbeitrag ist natürlich so wie er gemacht wurde super geeignet um dieses schwulstige DDR- Trauma zu pflegen.
Historisch korrekt wäre allerdings aus verschiedenen Blickwinkeln heraus doch eine etwas andere Darstellung.
Die BR-25 ist sicherlich der erste in großer Stückzahl gefertigte Studio-Monitor, welcher den Weg in die heimischen Wohnzimmer schaffte. Er ist auch der erste "Heimlautsprecher" auf deutschem Boden, der von einem Profi der Veranstaltungs- und Rundfunktechnik entwickelt wurde. Und ja, er ist richtig gut und dabei auch heute noch zum Schnäppchenpreis zu bekommen. Ich habe selber ein Pärchen BR-25 und als passiver Studio-Monitor ist er auch heute noch eine Hausnummer und bei kleinen Wohnzimmern sicher auch für dem häuslichen Gebrauch mehr als nur tauglich.
Die Veranstaltungs- und Rundfunktechnik der DDR basierte übrigens auf der Weiterführung der vielen in Kriegszeiten aus Berlin und Umgebung umgesiedelten Betriebe und auch aus der Nähe der Standorte vor dem Krieg zu etablierten und weitaus fortschrittlicheren Fertigungsstätten der Nachbarn - z.B. Tesla in der Tschechoslowakei.
So war z.B. Leipzig der Standort von Körting vor dem WW2. Ansonsten handelte es sich ja um eine ziemlich neue Technologie, welche einerseits vom Rundfunk aber auch von den Nazis angetrieben wurde. Ein schönes Beispiel gibt hier der sog. Volksempfänger, welcher übrigens das erste Wiedergabegerät darstellte, für das man das erste Mal in der Geschichte auch in großen Stückzahlen produzierte Lautsprecher benötigte.
Die Firmen, welche sich mit der damals sehr neuen Materie beschäftigten siedelten sich gerne rund um die großen Funkhäuser wie in Berlin (Reichsrundfunkgesellschaft), München, Stuttgart oder später auch Frankfurt/ Main und Mainz (SWR) an.
Bei den Lautsprechern fallen dann Namen wie Hans Eckmiller oder besser die Eckmiller-Werke, Siemens Klangfilm, Telefunken, Loewe und Lorenz, Neumann oder die Schulz Elektroakustik ins Gewicht und die oder deren Werke/ Manufakturen lagen entweder von Haus aus schon im Ostteil (wie z.B. Schulz in Berlin Weissensee) oder sind aufgrund der Kriegslage damals sozusagen mit Kind und Kegel aus Berlin in per Luft noch nicht erreichbare Gebiete umgesiedelt worden, da diese Dinge wie Funkgeräte, Teile dafür oder die Enigma herstellten.
Deshalb fanden sich dann auch nach dem Ende des WW2 viele der Manufakturen und Betriebe sowie auch viele der damaligen Techniker und Ingenieure in der russisch besetzen Zone wieder. Ähnlich hat es sich wohl auch bei der Getriebetechnik verhalten. Auch war in den ostdeutschen Gebieten vor dem WW2 der Großteil der Feinmechanik beheimatet - Linsen und Kameras wären z.B. dafür in gutes Beispiel (z.B. Zeiss mit der Contax II).
Es gab also viel altes Know How und auch ausreichend Spezialisten auf die man nach dem ersten Russen-Terror wieder zu- und zurückgreifen konnte; zumindest sofern die wissenden Menschen nicht von den Russen verschleppt oder ermordet worden oder vor diesen geflüchtet waren.
Herauszustellen wäre übrigens auch nicht unbedingt die BR-25 und deren Derivate allein sondern die Geschichte hinter Musikelektronik Geithain an sich.
1960 durch Joachim Kiesler gegründet, seither Entwicklung und Bau von Veranstaltungstechnik (Mikrofon- und Mischverstärker, Orgeln), 1972 enteignet und Überführung in VEB Musikelectronic Geithain (MEG), 1984 Entwicklung der BR-25 und der RL-900, mit der dann alle Rundfunk- und Fernsehanstalten der DDR und auch viele der größeren Kulturhäuser ausgestattet wurden. 1987 kamen BR-37 und BR-27 sowie die BR-50. 1992 Rücküberführung des VEB in Privateigentum durch eine Gruppe mit und um Joachim Kiesler.
Heute findet sich die RL-900 in Rundfunkanstalten rund um den Globus und auch in vielen Studios. Das auch weil die ARD bereits 1989/90 der RL in einem Auswahlverfahren "beste Transparenz und Ortungsschärfe" bescheinigte.
Die wichtigen Eckpunkte für den Filmbeitrag allerdings wären somit die Geschichte von Geithain, wenn ein Profi einen Lautsprecher entwickelt, dann ist der auch nach 40 Jahren nicht veraltet und lässt sich auch immer noch reparieren.