Abgesehen davon, dass mir das vollkommen egal ist, wer mit welchem Rad mit oder ohne Motor unterwegs ist, habe ich bei solchen Aussagen von Bio Bikern immer das Gefühl, dass ein Steakesser im Veganerrestaurant gelandet ist. Haben Bio-Radler sowas wie einen Missionierungstick? Ich habe noch keinen eBiker getroffen, der mich wegen meines Rennrads blöd angemacht hat und zum RR mit Motor drängen wollte
Mal ganz generell ein anderer Versuch der Erklärung bzw. der einer Sichtweise, die das rein technische ausblendet, ok?
"E-Bike" allgemein ist nur ein Oberbegriff. Man darf (und sollte) schon zwischen den einzelnen Varianten differenzieren.
Ein normales E-Bike, welches zum täglichen Fortbewegen ohne primär sportliche Konotation genutzt wird, hat in jedem Fall seine Berechtigung. Alte, Schwache, Faule, Dicke und der ganze Rest an täglichen Pendlern erfahren so eine relative Erleichterung. Ist absolut ok.
Dabei geht es aber nicht um Sport.
Warum treibe ich Sport? Warum betreibe ich Straßenradsport?
Der Straßenradsport galt und gilt als eine extrem anspruchsvolle Sportart. Wer sich also auf ein Rennrad setzt, gilt in der Regel als ein Mensch, der sportliche Herausforderungen sucht, ggf. gerne seine eigenen Grenzen zu verschieben versucht.
Warum denn gibt es Strava-Segmente, KOM’S oder einfach nur den verdammten Berg auf der Hausrunde, den ich plötzlich mit einem persönlichen Rekord geschafft habe?
Fragt doch mal einen Brevet-Fahrer 8auch hier im Forum), was die zu dem Thema sagen. Ich kenne die Antwort und es ist ja nun überhaupt nicht verwunderlich, dass bei allen Brevet-Veranstaltungen, bis hin zu Paris-Brest-Paris sämtliche motorische Antriebe strikt verboten sind. Denn darum geht es doch auf einem Rennrad: Zu wissen, dass man (im Rahmen der eigenen Möglichkeiten, denn nicht jeder muss Profi sein) den eigenen Körper zu enormen Leistungen bringen kann – und dass dann sogar noch Spaß macht.
Warum nutze ich aber ein E-Rennrad? Es führt das betreiben von Sport ad abursdum. Der Mythos, dass alte und schwache Fahrer so noch ein paar gute Jahre auf dem Rennrad erfahren können, geht völlig an der Realität auf der Straße vorbei. Wenn jemand ambitioniert ein halbes (oder ganzes) Leben im Sattel war, fährt der bis zum Schluss und ist stolz, dass er besagte Hausrunde noch schafft, wenn auch langsamer. Auf der Straße sehe ich viele E-Rennräder – die Fahrer sind durchweg deutlich jünger, als ich es bin (48 ).
Beim Kaffeestop brachte neulich ein Fahrer, den ich dort traf, ein schönes Bild: E-Rennradfahren ist so, wie ein Hanteltraining im Gym, nur dass die Scheiben aus Plaste sind und trotzdem 100 kg drauf steht. Er hat recht, wie ich finde, denn der Trend geht ja eindeutig dahin, dass die Hersteller mehr und mehr die bislang offensichtlichen Antriebe zu verstecken versuchen, damit man die E-Räder eben gar nicht mehr als solche identifizieren kann. Warum nur ist das so wichtig? Nachtigall ick hör dir trapsen…