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Vätternrundan 2012

Da scheinen wir ja richtig Glück gehabt zu haben mit dem Wetter. Zwanzig vor Acht am Abend gestartet war noch alles trocken und hell, Motala voll von Zuschauern die jubeln. Und die blöden Geleitschutz-Motorräder viel zu langsam, so voll von Adrenalin und Endorphinen wie wir waren. Direkt auf den ersten km eine starke Truppe gefunden, anfangs haben zwar die Leute noch etwas gewechselt, aber wir 5 sind zusammengeblieben und haben uns mit fünf weiteren Fahrern (Schweden und Finnen) gut ergänzt, konnten bis Hästelholmen etwa nen 36er Schnitt anlegen. Und da wir so früh dran waren auch kaum Menschen an den Verpflegungsstationen, zum Teil waren die noch am Aufbauen. Entsprechend wurden wir auch entlang der Strecke begrüßt, gerade die Ortsdurchfahrten waren klasse.
Unser Plan war jedes Depot anzufahren, aber nur ganz kurz, Flaschen auffüllen, trinken, essen und dann sofort weiter, da ich letztes Jahr doch jedesmal etwas kühl geworden bin und mich dann erstmal wieder warmfahren musste. Das führte zwar zu etwas Erstaunen bei unseren Mitfahrern, die das ja vorher nicht wussten ("Gentlemen, two minutes!" - ein deutlicher wft-Blick), ist aber letztlich als Strategie gut aufgegangen.
So sind wir recht gut durch den Abend gekommen, drei aus der Gruppe haben dann doch mal länger Pause gemacht, dafür zwei neue aufgelesen. Und einen Extremfahrer, der am Tag vorher aus Stockholm nach Motala gefahren ist (280km), jetzt die Runde, am nächsten Morgen nochmal (hatte auch zwei Startnummern, aber ich weiß sie und seinen Namen leider nicht mehr, so dass ich nicht nachlesen kann was aus ihm geworden ist), und überlegt dann eventuell einen Tag Pause zu machen bevor er zurück nach Stockholm fährt (Zitat Kollege: "Es gibt noch Helden").
Etwa 20 km vor Hjo (etwa 00:30) Sturz, einer ist rechts von der Fahrbahn abgekommen und hab beim Versuch wieder aufzufahren andere touchiert. Hat uns etwa 15min gekostet, aber letztlich keine große Verletzung, aber das eine Hinterrad nen recht ordentlichen Achter abbekommen. Er ist dann mit offener Bremse bis zur nächsten Werkstatt und hat's da richtigen lassen, was die Mechaniker vor Ort sehr schnell und gut gemacht haben (Danke!).
Nach wie vor recht kalt, daher schnell weiter - leider zusammen mit ner anderen Gruppe, so dass wir einen verloren haben. Erst unbekannt ob er vor oder hinter uns ist, kurz langsam gemacht, dann sind wir davon ausgegangen dass er vor uns ist, also weiter. Jedes Depot geschaut ob er da ist, aber negativ. Naja, er ist ja schon erwachsen.
Nieselregen ab etwa halb vier, aber noch nicht wirklich störend, man ist ja eh warm angezogen. Inzwischen bei vielen Motivation und Power recht weit gesunken, einer unserer Stärksten "Windbrecher" bekommt üble Knieschmerzen, ich habe auch nicht mehr wirklich Bock, merke vor allem dass die Zeiten vorn immer kürzer werden. Manche halten sich schon ganz zurück, ist aber auch ok. Tempo ist natürlich über die Strecke immer weniger geworden, Schnitt (reine Fahrzeit) jetzt bei 31,5. Meine Erinnerungen an diesen Teil der Strecke sagen mir dass nach Boviken alle paar km der Blick auf den See so ist als ob man die Nordspitze sieht (der Vättern ist hier recht zerklüftet), aber erst die Brücke wirklich der Wendepunkt ist. Also einfach immer weiter treten, Stichwort "Stumpf ist Trumpf". Ich glaube alle sind recht dankbar für den Hinweis, sich nicht zu früh zu freuen. Außerdem ist direkt nach der Brücke dann ja wieder Futter -> hier treffen wir auch den Vermissten wieder, der leider einen Teil allein fahren musste und daher doppelt froh war uns wiederzusehen.
Kurz darauf fängt der Regen so richtig an, durchgehen und viel, und der Wind nimmt leider auch zu. Natürlich Südwind, jetzt wo wir um die Spitze sind. Seltsamerweise treibt der Regen mich an, ich werde immer fitter und habe wieder richtig Spaß bei der Sache. Das Hinterteil schmerzt zwar etwas, aber auch nur etwas, und dann nimmt man den Berg eben mal im Stehen und gut ist. Meine gute Laune schlägt bei vielen an ("Ich werd' nass" - "ach komm, dass meißte fällt eh vorbei"), die gesteigerte Fittniess leider nur bei einem, das Tempo geht wieder hoch, spätestens das hat unseren Ruf dann entgültig gefestigt ("You crazy germans, laughing and getting faster in heavy weather").
Wie besprochen fahren wir am letzten Depot vorbei, das lohnt nicht mehr, alle hatten noch Getränke und Futter, im Regen wieder aufs Rad zu steigen ist schon sehr ätzend. Aber so mit Schwung vorbei und weiter. Leider auf den Hügeln nach Medevi die Gruppe noch auseinandergerissen, aber wir haben dann kurz gewartet und sind weiter zusammen gefahren. Der 10er-Kilometerstein lag gemeinerweise 13km nach dem 20er, aber da kurz drauf mein Tacho dem Wettergott geopfert werden musste konnte ich die Strecke eh nicht genau runterzählen. Aber ist ja auch egal, jetzt noch abbrechen wär ja auch dumm. Ich hätt' Bock die letzten 5km nochmal so richtig aufzudrehen, einer der Kollegen auch, aber wir wollen beide lieber die Gruppe mitziehen. Und so manche Kurve ist auch extrem glitschig und nur gebremst zu nehmen. In Motala dann noch uns fünf wieder eng zusammen und ab durchs Ziel. Medallie, Zielphoto (offizielles) und mit unserer Kamera, dann ab zu Futter und Bier. Essen nicht lecker, Bier schon! Es war kurz nach 6, sehr kalt nachdem wir einmal abgestiegen waren, alles nass, das große Zittern begann noch beim Essen.
Also schnell heim zum Zelt, trocken und warm werden, schlafen. Den nächsten Tag im Wesentlichen mit Essen verbracht, dann noch Postkarten kaufen, Zieleinläufe schauen etc. Dann sind wir noch ein Stückchen die Strecke hoch um da anzufeuern. Wieder viel Essen, früh schlafen gehen, und dann am nächsten Morgen ab Richtung Süden.

Auf jeden Fall ein Erlebniss, wer den (logistischen und finanziellen) Aufwand nicht scheut kommt garantiert auf seine Kosten, ich kann es nur empfehlen.
 
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