AW: (Müsing) Wer weiß....
Hi,
also im Grunde ist es ganz einfach: Hat der Rahmen nie einen Anlötockel für den Umwerfer gehabt, ist er definitiv von 1991 oder 1992. Genauer bestimmen liesse es sich praktisch nicht, da damals die Rahmennummer noch kein Baujahr enthielt, und schon ab 1991 auf Pulverbeschichtung umgestellt wurde. Und wenn man davon ausgeht, dass das Blau schon pulverbeschichtet ist....
Allerdings:
Alle Jahrgänge davor hatten einen Anlötumwerfer, und wenn man genau hinsieht, sieht man unter der Umwerferschelle etwas das aussieht wie nachgepinselt/abgeklebt in einem helleren Blau. Wenn dort mal ein Anlätsockel war, ist es entweder von 1990 oder 1991. Zur genaueren Bestimmung müsste man wissen, ob es sich um Nasslack oder Pulverbeschichtung handelt. Wenn du das Rad bei dir hast, kannst du z.B. mal an den Ausfallenden (also bei der Radaufnahme) gucken: Die Pulverbeschichtung löst sich dort meistens und hängt dann schonmal in Fetzen runter (also dort wo der Schnellspanner klemmt, sowohl innen als auch aussen). Wenn es Nasslack ist, wirst du vermutlich keine klare Kante bze. was loses antreffen.
Was die Bezeichnungen Izalco, etc. angeht, so sind diese absolut zweitrangig, weil die Rahmen praktisch immer dieselben waren (solange man von Rennrädern spricht, und z.B. Triathlonräder, etc. aussen vor läßt). Man hat höchstens beim Izalco eine Alugabel, die man bei den anderen nicht hat. Der eigentliche Unterschied bestand bei Müsing schon immer in der Ausstattung.
Zu den Komponenten kann ich nichts genaueres sagen, dafür bräuchte man entweder bessere Bilder oder die genaue Bezeichnung.
Was Don Vito durcheinander gebracht haben dürfte ist, dass Müsing-Rahmen optisch kaum zu unterscheiden waren bis Ende der 1990er.
Ab 1997 verwendete man aber anderes Alu, bereits 1993/94 sah der Schriftzug anders aus, wie oben geschrieben stieg man 1992 auf Schellenumwerfer um, später von italienischem auf BSA-Innenlager, etc.
Vermutlich wirst du etwas überrascht vom Alter sein (annähernd 20 Jahre), aber die erste Frage bei Müsing ist bei vielen immer, aus welcher Epoche es stammt, da jede in gewisser Weise eine andere Qualität hat.
Viele ziehen einen Strich, als Müsing 1992 an einen größeren Konzern verkauft wurde. Danach sei die Qualität nie wieder so gut gewesen. Diese setzen das aber mit der Zeit gleich, in der Müsing in Braunschweig fertigte, was so schon nicht ganz stimmt, weil man noch unter Leitung der Firmengründer eine zweite Fertigung in Zerbst (also neue Bundesländer) aufbaute.
Und erst von diesem Zeitpunkt an wiesen die Räder erst viele der Eigenschaften auf, die heute den eigentlich ganz guten Ruf von Müsing begründen, wie Pulverbeschichtung, usw. Auch wurde die ein oder andere Kinderkrankheit erst dann ausgemerzt.
Meiner Meinung nach ist das Unfug, aber vielleicht wird es dich beruhigen zu hören, dass das blaue Müsing aus der "guten" Zeit stammt, auch wenn viele den Strich schon vorher ziehen, aber über den Sinn kann man wie gesagt streiten.
Den Vorteil eines Rahmens aus Braunschweig gegenüber einem aus Zerbst muss mir erst noch jemand nachweisen ;-).
Wenn du das Rad dann letztlich hast (ich habe es auch beobachtet ;-) ), kannst du gerne noch ein Paar Bilder posten (Details wie die Sattelklemmung wären interessant), dann sollte ich es noch ein wenig eingrenzen können. Ausserdem kann ich dir auch die Katalogen aus der Zeit mailen (ausser 1992, den suche ich noch).
Der Preis ist übrigens auch voll in Ordnung. Hätte der Verkäufer "hergestellt in Braunschweig" dazu geschrieben, hätte er mindestens 25% mehr gekriegt (neulich ging ein durchaus vergleichbares für 330€ weg!).
Also ich selbst bin noch drauf und dran, mir ein altes Müsing als Schlechtwetterrad zuzulegen (wäre dann mein 6. Müsing, von min. 1 Reserverahmen (ein weiterer wird beobachtet ^^) abgesehen). Wenn technisch noch alles in Ordnung ist, und die auf die Sattelklemme achtest, die bei sclhechter Behandlung schonmal einreissen (nie zu fest anziehen, zur Not Sattelstütze und Einschub reinigen, evtl. Montagepaste verwenden, nie die Sattelstütze bis zum Maximum ausziehen), kannst du daran noch viel Freude haben. Der Freund eines Freundes erzählte mal, sein Müsing aus der Zeit habe schon >100.000 km runter.
Ich persönlich würde es - solange gut erhalten - im Originalzustand belassen und gut pflegen bzw. wieder auf Vordermann bringen, aber das ist Geschmackssache

. Schaltungen von damals gelten auch eher als unverwüstlich.
Viele Grüße und viel Spaß mit dem Rad!
Timo