AW: Dolomiti 2011 >> Eure Erfahrungen
Zitiere mich mal selbst, hier war die Frage: "Sellarunde (also der erste Teil der Maratona) in welcher Richtung schöner?"
"Von Corvara zuerst über den Campolongo. Zum Einrollen viel angenehmer als gleich das Grödnerjoch. Die Abfahrt nach Arabba fährt sich auch schöner runter als hoch - als Anstieg nervt sie wegen chronischen Gegenwindes sobald es gen Passhöhe geht. Nun der Pordoi von der 33 Kehren-Seite. Wie der olle Coppi! Wesentlich rhythmischer als vom Lupo Bianco aus, wo es mehr "rupft". Runter bis zur Gabelung, dann Sellajoch, es wird steiler als zuvor, viele mögen das letzte Stück nicht, mir lag es bisher immer ganz gut. Die nun folgende Abfahrt verträgt 80 Sachen, auch ohne Kopfstände. Auf die teils schlechte Straße achten!! Traverse am Felsen, dann zum Grödnerjoch rauf, relativ locker gekurbelt. Letzte Abfahrt nach Corvara ein einziger Genuss, wie ein Tanz, die schönste auf der Runde. Schon deshalb einfach mal dieser Runde - es ist auch die Streckenfolge der Maratona - folgen.
Soweit die ersten 4 Pässe, den Campolongo fährste zwei Mal, dann geht es wieder nach Arabba hinab, Colle St. Lucia, dann der Giau. Der tut richtig weh. Der härteste Pass der Tour. Gleich eine Rampe mit 14 Prozent, dann die nächsten knapp 10 km nicht mehr weniger als 10 Prozent Steigung, hier musste richtig beißen. Oben sieht man schon lange die Passhöhe, hat aber das Gefühl, ihr nicht näher zu kommen, immer noch eine Kehre und ein Schlenker und noch einer... Unten staut sich die Hitze zudem übel in einem Kessel. In den oberen Galerien wird es dann finster wie in einem Bärenhintern.
Anschließend tolle Abfahrt, sehr anspruchsvoll, etliche Kurven dabei, die "zumachen", hier kann man testen, wie es um die eigenen Abfahrerqualitäten steht. Anfahrt zum Falzarego eher unspektakulär, Lärchenwälder, immer wieder Flachstücke dabei, erst die letzten km mit Steigungen um die 6, 7 Prozent, die reichen aber, weil Du zu dem Zeitpunkt schon platt bist. Unter dem Lagazuoi-Seilbahn durch, dann die 80 Hm, die mir am meisten wehtaten: Rauf auf den Valparola, bei Gegenwind in einer Art Mondlandschaft, wirkt fast unwirklich.
Anschließend ist es geschafft, eine schöne lange Abfahrt noch (Vorsicht, fiese Querrillen im Asphalt der Anbremszonen!!) nach St. Kassian und weiter runter Richtung La Villa, das letzte Stück nach Corvara bekommt man gar nicht mehr bewusst mit - es ist vollbracht.
Ach ja: Schlimmer als alles andere ist übrigens der Start mit 8000 Mitstreitern, da wird es tatsächlich verflucht eng, Lenker an Lenker haben sich etliche verhakt, die nervös wurden. Man hat es reichlich scheppern hören. Sind auch immer wieder Knaller dabei, die sich von hinten teils rücksichtslos nach vorn durchwürgen und einem beim Kolonnenspringen schon mal übers Vorderrad fahren.
Das betrifft die erste Fahrt über den Campolongo, die erste Abfahrt nach Arabba runter und die erste Hälfte des Anstiegs zum Pordoi. Danach entzerrt sich die Sache und es wird deutlich angenehmer.
Wünsche Dir viel Spaß und gutes Gelingen! Du wirst begeistert sein!