Rennrad-News

Muddy Monday by Simon Stiebjahn
Die Cross DM 2020 aus Fahrersicht

MTB-Profi Simon Stiebjahn liefert eine Innensicht auf die Cross DM 2020 in Albstadt. Wie fühlt es sich an, 60 Minuten zwischen dem Flatterband im Frost zu schwitzen, wenn man sich eigentlich auf 700 Kilometer unter der Sonne Südafrikas beim Cape Epic vorbereitet? Das schildert er heute in unserer Serie Muddy Monday.

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Simon Stiebjahn ist eigentlich ein Mann für lange MTB-Rennen. Er war im Team mit dem Schweizer Urs Huber bereits Vierter des Cape Epic in Südafrika, das von Bart Brentjens einmal als „Tour de France des Mountainbikens“ tituliert wurde. In diesem Jahr will der Schwarzwälder sogar auf dem Podium landen! Aber vorher hat der XC-Fahrer noch CX-Luft geschnuppert bei der Cross DM 2020 in Albstadt. Kurze Runden statt lange Geraden, Matsch statt Staub, wie fühlt sich das an und wie fügt es sich ins Training? Darüber berichtet der 29-Jährige, der bei unseren Kollegen von MTB-News schon im vergangenen Jahr live aus Südafrika einen Blog schrieb, diesmal hier im Muddy Monday.

# Zur DM Cross 2020 reiste Simon Stiebjahn direkt vom Grundlagentrainingslager an – und ist jetzt schon im nächsten Trainingslager

Aus dem GA-Trainingslager zur DM Cross?

Seit Jahresbeginn befand ich mich auf Mallorca im Trainingslager, um mit meinem Bulls Night Hawk wichtige Grundlagenkilometer auf der Straße zu sammeln. Knapp 1.600 Kilometer in elf Tagen wurden es am Ende, eine gute Basis, auf der sich die kommenden Wochen in Richtung Cape Epic, welches am 15. März 2020 beginnt, weiter aufbauen lässt.

Warum nach so einer harten Trainingsphase also noch ein Cyclocross Rennen und dann gleich die Deutsche Meisterschaft einbauen, fragen sich sicherlich einige von euch!? Nun ja, das hängt auch wieder mit dem Cape Epic zusammen und damit, dass ich nach der letzten Saison für mich persönlich festgelegt habe, ein paar Dinge im Wintertraining ändern zu wollen. Dazu gehören intensivere Belastungen die ich in Cross Rennen optimal umsetzen kann. Die Deutsche Meisterschaft war dabei von Anfang an in meinem Saisonplan. Gründe dafür sind zum einen die Nähe des Austragungsortes Albstadt zu meiner Heimat dem Hochschwarzwald und zum anderen die Faszination Cyclocross.

# Die "Faszination Cyclocross" speist sich für Simon auch aus dem ständigen Wechsel von Laufen, Fahren und technischen Stücken - Foto: Armin M. Küstenbrück

Sicherlich hinken wir in Deutschland gerade im Vergleich zu Belgien noch etwas hinterher, aber es handelt sich um eine spannende Disziplin, die beide Lager, Rennrad und Mountainbike vereint. So stand ich also am vergangenen Sonntag nach zehn Jahren (zuletzt 2009 in Magstadt) wieder bei einer deutschen Cross Meisterschaft am Start. Leider hatten die Rennen am Vortag, gepaart mit der frostigen Nacht und einem langsamen einsetzenden Auftauen der Strecke durch die Sonne, dafür gesorgt, dass die Strecke sehr matschig wurde.

Pünktlich um 15:00 fiel also der Startschuss. Von Startplatz 35 erwischte ich, obwohl die Beine noch etwas träge waren, einen guten Start und konnte einige Positionen gut machen. Was mir im Vorfeld schon bewusst war, spürte ich spätestens ab Runde zwei: Cyclocross ist auch ein Material-Sport, und mit nur einem Rad wird es bei solchen Bedingungen gegen die Konkurrenz, welche immer wieder in den dafür vorgesehenen Zonen ihre Räder wechselten, auf Dauer schwer. Ich konnte zwar mit zunehmender Renndauer noch einige Positionen gut machen doch am Ende war Platz 17 das Maximum. Während ich mich durch den Matsch kämpfte, entwickelte sich an der Spitze ein spannendes Rennen, was am Ende Marcel Meisen vor Sascha Weber und Manuel Müller für sich entscheiden konnte.

# Nach dem Start von Platz 35 und ohne zweites Rad war Platz 17 am Ende das Maximum - Foto: Karla Sindlinger

Zuschauer und Strecke

Wie bereits beschrieben, kann ich bisher nicht aus einem großen Erfahrungsschatz schöpfen, was Streckenvergleiche bei Cross Rennen angeht. Die aufgeweichte Wiese machte es zudem schwer in einen guten Rhythmus zu kommen. Immer wieder Abspringen vom Rad, einige Meter laufen, dann wieder aufs Rad um einige Meter zu fahren. Dabei noch versuchen, den mit Matsch zugesetzten Schuh wieder frei zu bekommen, um ins Pedal zu kommen, damit man mit genügend Schwung durch das nächste Sandfeld kommt. Alles in Allem war es aber auch diese Kombination, die das Rennen sehr kurzweilig verlaufen lies. Die zahlreich erschienen Zuschauer, die einen auf dem gut einzusehenden Kurs dabei anfeuerten, motivierten zusätzlich.

Tipp vom Profi

Gerade im Wintertraining ist Cyclocross eine gelungene Abwechslung und kann dazu dienen das stupide Grundlagentraining aufzubrechen und dabei die eigene Komfortzone zu verlassen.

Lessons learned: Wenn man mit mehr Ambitionen an den Start geht, sollte man auf jeden Fall ein zweites Rad haben, um wechseln zu können. Aber auch mit nur einem Rad kann man richtig Spaß haben und den für sich persönlich gewünschten Effekt erzielen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Vorbereitung auf eure Rennsaison 2020 und hoffe, dass ihr auch mal diese faszinierende Sportart – das Crossen – ausprobiert!

Viele Grüße, schon aus dem nächsten Trainingslager in Gran Canaria!
Euer Simon „Stiebi“ Stiebjahn


# ...die eigene Komfortzone zu verlassen... - Foto: Armin M. Küstenbrück

Über den Autor
Simon Stiebjahn gehört seit Jahren zu den besten Mountainbikern Deutschlands. Der Bulls-Fahrer war U23-Europameister im Marathon, mehrmaliger Gesamtsieger der MTB-Bundesliga und zweimal deutscher Meister im Eliminator-Sprint. 2019 belegte er beim wohl größten und bekanntesten Mehrtages-Mountainbikerennen der Welt, dem Cape Epic, Rang vier gemeinsam mit Urs Huber.

Infos: Redaktion / Fotos: Armin Küstenbrück

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