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Wie geht's denn unseren Lieferketten?

SGEuropa

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Hallo zusammen!

So langsam trage ich einen gewissen Optimismus in mir, was die gesamte pandemische Lage angeht.
Beim Blick in die (virtuellen) Regale kommt aber schnell die Ernüchterung zurück.
Das wundert mich ehrlich gesagt etwas - ich dachte, die Welt hat sich darauf mittlerweile einigermaßen eingestellt und die sinkenden Zahlen sorgen auch hier für bessere Stabilität und Planbarkeit.

Daher jetzt mal eine Frage an die Mitarbeiter(innen) von Fahrradherstellern, Werkstädten, Händler etc.: Wie geht's es denn unseren Lieferketten?

Ich danke für jeden Einblick und wenn Interesse besteht, könnte man diesen Thread gerne mit regelmäßigen Updates weiterführen.
 

Minolpirol

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Das Problem ist, dass die Angst sehr tief sitzt, seine Ersatzteile nicht zu bekommen und mancher Zeitgenosse Teile, die er sonst nur 1x kauft, plötzlich 3, 4, 5 x kauft und sie sich ins Regal legt.
Ist wie mit dem Toilettenpapier...eigentlich hätte es für alle gereicht, die welches benötigten...aber....

Hab ich schon öfter hier und im Nachbarforum gelesen, dass fast schon damit geprahlt wurde, 6 Ketten ergattert zu haben.
An andere wird da halt nicht gedacht.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Teile, die Tags zuvor noch mit üblen Lieferfristen belegt waren, plötzlich in großen Mengen verfügbar waren...allerdings auch fast ebenso schnell wieder ausverkauft.
 

pjotr

Radprofi, gefangen im Körper einer Hobbylusche
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Hallo zusammen!

So langsam trage ich einen gewissen Optimismus in mir, was die gesamte pandemische Lage angeht.
Beim Blick in die (virtuellen) Regale kommt aber schnell die Ernüchterung zurück.
Das wundert mich ehrlich gesagt etwas - ich dachte, die Welt hat sich darauf mittlerweile einigermaßen eingestellt und die sinkenden Zahlen sorgen auch hier für bessere Stabilität und Planbarkeit.

Daher jetzt mal eine Frage an die Mitarbeiter(innen) von Fahrradherstellern, Werkstädten, Händler etc.: Wie geht's es denn unseren Lieferketten?

Ich danke für jeden Einblick und wenn Interesse besteht, könnte man diesen Thread gerne mit regelmäßigen Updates weiterführen.
Ein Freund von mir ist Produktionsleiter bei einem deutschen Fahrradhersteller. Normalerweise werden bei Kompletträdern die Produktionsprogramme auf viele Monate im Voraus geplant. Nur so lassen sich große Stückzahlen gängiger Modelle zu günstigen Konditionen produzieren. Aktuelle wissen die Hersteller größtenteils aber nur für wenige Wochen im Voraus, welche Teile sie überhaupt bekommen, mal fehlen Schaltungsteile, dann wieder Steuersätze oder andere Kleinteile. Der gesamte Produktionsprozess wird damit unsicher und verzögert sich - und damit natürlich auch die Lieferzeiten.

Auch im Komponenten-Markt für Endverbraucher sieht es nicht besser aus. Hatte gerade versucht Campa-Teile zu bekommen, für manche Komponenten wird von Campagnolo ein Liefertermin 31.10. genannt. Wenn überhaupt sind kurzfristig nur die Top-Modelle wie Super-Record verfügbar, zu entsprechenden Preisen. Bei Shimano sieht es ähnlich aus. Das Komponenten-Angebot bei den einschlägigen Online-Händlern ist vor allem in den mittleren und günstigen Preiskategorien deutlich ausgedünnt, vor allem bei den günstigeren Baugruppen bis einschl. Ultegra. Das ist auch nicht damit zu erklären, dass sich Leute Komponenten wegen der Diskussion um Lieferzeiten auf Vorrat kaufen. Gruppenteile wie Schaltwerke legt man sich nicht auf Vorrat hin, wenn man nicht auch ein Rad in absehbarer Zeit damit aufbauen will. Wer aktuell das Pech hat und eine Schaltkomponente durch Sturz oder ähnliches beschädigt, kann durch die Engpässe möglicherweise länger auf Ersatz warten. Das trifft natürlich die besonders hart, die kein Ersatzrad im Keller haben.

Mit anderen Worten: Die Situation ist nach wie vor bescheiden. Ein Händler sagte dazu kürzlich: Bei Hartje (einer der größten deutschen Großhändler für Fahrradteile) können man aktuell in den Lagerhallen Golf spielen. ...
Kein Trost, aber in anderen Branchen ist es auch nicht besser. Computerchips sind z.B. knapp und auch bei inländischen Produkten gibt es Engpässe, etwa bei Baumaterial, z.B. Bauholz (Dabei ist Holz durchaus verfügbar, nur kein für Bauzwecke zertifiziertes.). Der Preis für Dachlatten hat sich vervielfacht und Gipskarton wird angeblich teilweise nur noch zu Tagespreisen verkauft. Sand war schon vor der Pandemie knapp und ist es weiterhin. Wer gerade einen Hausbau oder ein größeres Sanierungsprojekt vor sich hat, dem dürften ein paar unruhige Nächte wegen Lieferterminen und Konditionen bevorstehen.
 

Maxxi

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Und schon haben ich die Prognosen bzw. auch euphorische Jubelmeldungen versch. Radhändler über zu erwartendes Wachstum eine gehörigen Dämpfer bekommen - wir sich dieses Jahr wohl in Luft auflösen.....
 

SGEuropa

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@pjotr Vielen Dank für die Insights!
Gibt's dazu noch einen Ausblick? Also sind die Radhersteller noch im "Reaktionsmodus" oder geht solangsam der vorausschauende Planungsprozess wieder los?
Mich würde natürlich vor allem interessieren, wann ich endlich wieder Komponenten für vernünftige Preise mit kurzfristiger Lieferzeit kaufen kann. :D
 
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dilettant

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Zum erwarteten Umsatzwachstum wäre es mal interessant, ob wirklich weniger geliefert wird (unterbrochene Lieferketten und so), oder die Nachfrage so explodiert ist. Letzteres würde ja bedeuten, dass es Wachstum gibt, aber das Wachstumspotential nicht ausgeschöpft werden kann.
 

Selbstdreher

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Zum erwarteten Umsatzwachstum wäre es mal interessant, ob wirklich weniger geliefert wird (unterbrochene Lieferketten und so), oder die Nachfrage so explodiert ist. Letzteres würde ja bedeuten, dass es Wachstum gibt, aber das Wachstumspotential nicht ausgeschöpft werden kann.
Ich weiß es zwar nicht zu 100%, aber ich hatte neulich einen interessanten Schriftverkehr vezüglich des Backroads bzw. diversen Kompnenten mit Rose (ist bei Canyon kaum anders).
Aktuell sind gängige Größen kaum an Rennrädern und Gravelbikes kaum vorhanden, falls vorhanden, fehlt es oft an Komponenten, um die entsprechend aufzubauen. Erste Direktive ist demnach Schaltgruppen, Ketten etc erstmal für die eigenen Produkte, was über ist, gerät in den Verkauf und geht da weg ein Eis in der Sonne.
Wann Besserung eintritt, kann man nur vermuten, ic hdenke, das hängt uns noch locker ein Jahr nach. Wenn man also irgendwo Kette und/oder Ritzel käuflich zu erwerben sind, zuschlagen und auf Halde legen.

Explodiert ist im letzten Jahr der Verkauf von Ebikes und Gravelbikes. Die setzen aber beide andere Komponenten und Schaltgruppen ein, die dürften nicht in Konkurrenz zu Rennradkomponenten stehen.
 

cycliste17

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Jeder nur eine Kassette + Kette!!!
Das wurde hier in ländlicher Region bei einem Aldi Anfang 2020 tatsächlich so gemacht. Nachdem sich Kunden um die letzten Dosen kurz vor Ladenschluss prügeln wollten. Die Versicherung, daß täglich 3 LKW's zusätzlich Ware bringen, überzeugte die Leute nicht. Danach gab's Klopapier und Nudeln und andere begehrte Dinge wirklich nur auf Zuteilung pro Einkaufswagen.
Zustände wie in der Nachkriegszeit.....
Soviel Ersatzkram hatte ich gar nicht gelagert. Verschleißteile mehr als sonst, weil man nicht wusste wie lange Produktion stillsteht. Jetzt habe ich genug bis 2022, es darf nur kein Rahmen oder Gabel brechen. Mit Ersatzteilen aus unteren Gruppen, soweit sie passen, habe ich kein Problem. Eine Saison oder länger hält man das aus. Wenn die Lager dann wieder voll sind gibt's höherwertiges Material auch wieder günstiger.
 

SGEuropa

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Explodiert ist im letzten Jahr der Verkauf von Ebikes und Gravelbikes. Die setzen aber beide andere Komponenten und Schaltgruppen ein, die dürften nicht in Konkurrenz zu Rennradkomponenten stehen.
Hältst du es für möglich, dass diese Produktion die Kapazitäten für Rennradkomponenten eventuell einschränken? Also dass einer früher seine vier Produktionsstraßen für RR eingesetzt hat und heute zwei für RR und zwei für E-Bikes und Gravelbikes einsetzen und die Auswirkung vielleicht indirekt entsteht?

Für mich wäre das zumindest kurzfristig naheliegend - also für die Zeit, in der man neue Kapazitäten schafft.
 

Endurocker

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Hältst du es für möglich, dass diese Produktion die Kapazitäten für Rennradkomponenten eventuell einschränken?
Die Standard 11fach 105-Kette (CN-HG601) ist z.B. jetzt E-Bike kompatibel beschriftet.
Das vergrößert die Zielgruppe natürlich deutlich und wird somit wohl auch für eine Verknappung sorgen.
 
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eins4eins

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Hältst du es für möglich, dass diese Produktion die Kapazitäten für Rennradkomponenten eventuell einschränken? Also dass einer früher seine vier Produktionsstraßen für RR eingesetzt hat und heute zwei für RR und zwei für E-Bikes und Gravelbikes einsetzen und die Auswirkung vielleicht indirekt entsteht?

Für mich wäre das zumindest kurzfristig naheliegend - also für die Zeit, in der man neue Kapazitäten schafft.

Laut einem Großhandelsvertreter wird zumindest bei den Komponentenherstellern nicht nennenswert zusätzliche Kapazität geschaffen. Sie können und wollen auch nicht. Es gibt einfach zu viele andere bottle necks. Fehlende Arbeitskräfte, fehlendes Equipment, fehlendes Material. Für Ketten und Kassetten braucht man bspw Stahl. Stahl ist aber Mangelware, da die Nachfrage zu Beginn der Pandemie eingebrochen ist und große Werke dicht gemacht haben. Das gleiche gilt für Kunststoff.

Und selbst wenn mehr produziert werden kann, steht man vor dem Problem: wie das Zeug zum Kunden bekommen?
Auch Leer Container sind Mangelware. Das verfügbare Frachtvolumen ist super gering.

Dass Kapazitäten umverteilt werden sei aber definitiv der Fall. RR ist die kleinste und unbedeutendste aller Nischen. Als Beispiel brachte er die neue Dura Ace. Sollte schon vor langer Zeit vorgestellt werden, ist aber aktuell so weit auf der Prioritätenliste nach unten gerutscht, dass man zum Launch nicht mal genug Teile haben wird um die Profiteams damit auszurüsten. Sofern man sie überhaupt noch in diesem Jahr vorstellt.
 

pug304

IBC DIMB Racing Team
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ich baue meine Räder immer selbst auf. Rahmen Set vom guten Krabbeltisch, Komponenten in der Regel gebraucht aus ebay. Über viele Jahre hat das sehr gut funktioniert. Dieses Jahr: Rahmen wg. Kindergrösse S Schnäppchen. Anbauteile Shimano Dura Ace gebraucht: nicht vorhanden; Ultegra nicht vorhanden, noch nicht mal Vorkriegsware. Ultegra Di2 Disc zusammengewürfelt aus Eurupa statt ca. 1000 EUR bin ich nun bei 1600 EUR. Und das war billig, geschätzt eher bei 2.500 EUR. Alleine Di2 Kabel, früher mehr oder weniger Pfennig Artikel .. wenn Du was bekommst teuer wie Schwein. Und das braucht kein eBiker. SRAM gibt es heinen Markt, Campa keine Ahnung.
 

Selbstdreher

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Ich hab übrigens eine noch fast komplette DA7900 hier liegen, circa 15000 Kilometer Laufleistung. 😎
 

Selbstdreher

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Das ist eine olle 10fach-Gruppe, die gehört nicht zum Hamsteradel, die wurde ersetzt. :D
 

feelthesteel

Hauptstadtkurbler
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im Moment ist gerade eine Zeit, in der man(n) sehr schätzt, was man(n) noch hat...

ich habe verhunzte Schaltwerke, zergurkte STIs, verbogene Umwerfer und eigentlich schon ziemlich runtergebremste Laufräder wieder rausgekramt, zurechtgebogen, hingefriemelt, wieder in Betrieb genommen, alles läuft supi

und dass @Selbstdreher eine DA 7900 jetzt einfach mal als Wertanlage sieht, muss man(n) ihm nachsehen :D😂
 
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