Rennrad-News

Renner der Woche #5
Brevet-Rennrad aus Pyttel Rahmenbau-Kurs

Christian Pyttel aus Rastatt ist eine deutsche Rahmenbauer-Instanz. Der gebürtige Erzgebirgler galt bereits in den 70er und 80er Jahren während seiner Arbeit für die Diamant-Fahrradwerke in Chemnitz als Meister seines Faches. Bis heute gibt der 71-jährige gerne einen Bruchteil seines Könnens in einwöchigen Kursen an ambitionierte Selbstbauer weiter. Die Instanz des Rahmen-Selbstbaus würdigt unser Renner der Woche. Forums-Nutzer Kasitier lötete sich in einwöchiger Feinarbeit während eines Rahmenbaukurses bei Pyttel die Traumbasis für einen Brevet-Klassiker aus Reynolds 501 SL-Rohr. Viel Spaß mit dem Renner der Woche #5.

Renner der Woche

Eigenbau / 61cm M/M / Renolds 501SL, Kasitier

# Ein Pyttel-Petersohn für Paris-Brest-Paris
# "Handarbeit" nicht nur am Oberrohr
# Kurbel mit Pantos zum Anlass des Radbaus und Besitzer

Rennrad-News.de: Hallo Kasitier. Wie bist Du zu dem Rad gekommen, das wir heute als Renner der Woche vorstellen? Warum hast Du Dich für genau diesen Aufbau entschieden?

2007 nach P-B-P (Paris-Brest-Paris, ein Brevet über 1.200 km, Anm. d. Redaktion) hatte ich mit einem Freund verabredet, dass wir beim nächsten Start 2011 mit einem Stahlrahmen fahren. Ein Rahmen in meiner Größe war nicht wirklich zu finden, da hab ich von dem Rahmenbaukurs bei Christian Pyttel gehört und mein Entschluss stand fest. Der Kurs war wie ein Erlebnisurlaub mit einem ganz tollen Ergebnis. P-B-P mit dem „Eigenbau“ war dann der krönende Abschluß.

Was zeichnet das Rad für Dich besonders aus? Wenn es ein Selbstaufbau oder Tuning ist: Worauf hast Du besonders geachtet?

Vor dem Rahmenbau hatte ich für mich einige Eckpunkte festgelegt, wie innenverlegte Schaltzüge, welche man wechseln kann, ohne das Tretlager zu demontieren. Im Rahmen befinden sich Nokon Liner, welche man im Ernstfall tauschen kann, bei eingelöteten Röhrchen, welche versotten können, geht das nicht. Ansonsten sollte ein Rahmen entstehen, welcher sich an den Rahmen der 80er Jahre orientiert. Manches hat sich dann beim Bauen ergeben, zum Beispiel der Eingang von den Zügen hinter den Schalthebeln, das war Christians (Christian Pyttel, Anm. d. Redaktion) Idee, find ich sehr gelungen. Mein Namenszug auf Schaltung und Kettenblatt musste sein.

# Eigenes Schaltwerk auf Campa SR-Basis - Von einem Münchner Schrauber umgebaut von Vernietung auf Sprengringe. So kann es zur Pflege auseinander gebaut werden.

Kannst Du uns kurz etwas über den Rahmenbaukurs erzählen?

Ich bin damals mit einem anderen der erste gewesen, der einen Rahmenbaukurs bei Christian Pyttel gemacht hat. Damals kostete das Paket 1.100 Euro mit Material, heute wohl 1.100 zuzüglich Material und Übernachtungen, aber darauf will ich mich nicht festlegen. Es war das erste Mal, dass ich selbst an einem Fahrrad-Rahmenrohr gelötet habe, und es blieb auch das einzige Mal. Während des Baus kam sogar zufällig Olaf Ludwig vorbei. Er ist mit Pyttel befreundet. Auf Pyttel-Rahmen sind 17 Weltmeisterschaften und 2 Olympiasiege eingefahren worden. Ein interessantes Detail sind zum Beispiel die Speichen: Die hat Pyttel selbst gewalzt und damit in ihre Aero-Form gebracht. Weil sie 3 mm dick sind, mussten den Nabenlöcher geweitet werden. Als ich Christian später sagte, dass ich mit Ausrüstung doch 100 Kilo auf das Rad bringe, meinte er nur „gar kein Problem“.

# Kurbel mit Pantos zum Anlass des Radbaus und Besitzer

Bleibt jetzt alles so oder wird es weitere Ausbaustufen geben?

Die Lackgeschichte muss noch mal neu werden, das wird aber die Optik nicht verändern.

Was wiegt Dein Renner der Woche?

Das Rad wiegt 10,1 kg. Ich habe aber keinen Wert auf Leichtbau gelegt.

Wo fährst Du mit diesem Rennrad? Welche Rennen, RTF oder andere Veranstaltungen hat es schon bestritten?

Paris-Brest-Paris 2011 bin ich damit gefahren, dafür wurde es gebaut. Da kamen dann ein Laufradsatz mit Drahtreifen, Klick-Pedale und ein anderer Sattel zum Einsatz. Bei meinen 15 Rädern entscheide ich mich je nach Veranstaltung, Lust und Laune, welches Rad ich fahre. Ein Rad welches man selbst aufgebaut hat, also Teile zusammen gesucht und alles montiert hat, macht schon Spaß, aber ein Rad, bei dem man selbst am Rahmen Hand angelegt hat, toppt das nochmal.

Wie würdest Du das Fahrverhalten des Rades charakterisieren?

Es macht einfach Spass, ab ca. 40 km/h fangen die Speichen an zu säuseln.

Wie und wann bist Du zum Rennradfahren gekommen?

2002 hab ich beim Urlaub in Sölden mit meinem Sohn gewettet, dass ich ein Jahr später den ÖTZI fahre, dann war es um mich geschehen.

# Campa Super Record-Bemshebel mit Deutschland-Bezug
# Feine Lötstelen für einen Hobby-Rahmenbauer

Wie würdest Du Dich jetzt selbst als Rennradfahrer charakterisieren?

Nächstes Jahr ist wieder P-B-P, da will ich nochmal starten. Langstrecke ist bei entsprechender Vorbereitung mein Ding. Ich fahre so im Jahr 10.000 bis 12.000 km Fahrrad. Wobei ich zur Zeit überlege, ob ich lieber fahre oder lieber schraube, es vergeht schon viel Zeit beim Traning für die Langstecke.

Fährst Du auch Klassiker-Rennen wie L’Eroica?

Ja, natürlich, da war ich schon mehrmals. Besonderen Spaß machen mir aber auch die richtig alten Fahrräder. Wir organisieren auch in München jedes Jahr – auch über das Forum – einen Night-Ride, bei dem nicht mit Licht aus Strom gefahren werden darf, also nur mit Kerzen oder Karbidleuchten. Das Ding heißt „Alter Stahl und Flammen“. Wir treffen uns vorher in einer Wirtschaft und fahren los, wenn es dunkel wird.

Wie bist Du zum Forum von Rennrad-News gekommen?

Über die ollen Stahlrennräder.

Was macht für Dich den Reiz des Rennradfahrens aus?

Nicht nur das Fahren reizt mich, sondern auch das Schrauben, vor allem an alten Rädern.

Auch wenn es offensichtlich scheint, die Frage: Wie ist Dein Verhältnis zur Radbranche – immer das Neuste oder am liebsten noch mit Rahmenschalthebel?

Ein 10 Jahre alter Rotwild Alurenner mit so Schremshebeln steht auch noch im Keller. Eine Neuanschaffung ist da auch nicht geplant. Am liebsten bin ich aber mit den alten Rennern unterwegs, es sind dann auch schon mal Räder dabei aus der guten alten Zeit, in der noch keine Schaltung erlaubt war.

Technische Daten: Eigenbau / 61cm M/M / Renolds 501SL

Rahmen: Eigenbau / 61cm M/M / Renolds 501SL
Gabel: Vom Meister Pyttel gebaut / Renolds 501SL
Schalthebel: Campa SR von Herrn Masi schön gemacht
Umwerfer: Campa SR
Ritzelkassette / Abstufung: 6 fach bei P-B-P 14 /28
Tretkurbel / Abstufung / Innenlager: Campa 180mm 53/41
Pedale: Campa SR
Kette:
Bremsen: Campa Monoplaner / Campa SR Griffe
Laufräder: Sind von Christian Pyttel mit handgewalzten Speichen mit 3 mm Durchmesser und Campa SR Naben aufgebaut, Felgen sind von Ambrosio
Reifen: Schlauchreifen Conti
Sattel / Sattelstütze: Campa – verlängert
Vorbau / Lenker:
Lenkerband: 80er Jahre
Sonstiges (Licht, Gepäckträger, Dynamo, integrierte
Funktionen):

# Olaf Ludwig kam zufällig vorbei - Er besucht Pyttel regelmäßig
# Christian Pyttel in Aktion
# Das steckt noch Arbeit drin

Über den Renner der Woche

Ihr habt auch ein Rad, dass sich in dieser ehrenhaften Galerie der schönsten Rennräder aus dem Forum sehen lassen könnte? Dann macht doch einfach mit. Wir zeigen nicht nur edle, sondern auch einfach spannende Bikes und es geht immer auch um ihre Geschichte und Besitzerinnen und Besitzer. Lust bekommen? Lest euch die Regeln für folgendes Album durch und ladet ein Bild in selbiges hoch. Viel Erfolg! Hier zu den Regeln: fotos.rennrad-news.de/p/455915 / Das Album findet ihr hier: Renner der Woche Fotoalbum.

Die letzten Renner der Woche findet ihr hier:

Vollständigen Artikel lesen …
Die mobile Version verlassen