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Video-Interview Workpacking Tour Gunnar Fehlau: „E-Bikefahren ist nicht Rumgeschubse“

Video-Interview Workpacking Tour Gunnar Fehlau: „E-Bikefahren ist nicht Rumgeschubse“

Mit dem Rad zur Arbeit? Nein, das Büro aufs Rad. Gunnar Fehlau hat für ein Jahr sein Büro auf ein Cargobike verlagert. Gestern kehrte er in Göttingen zurück. Wir haben ihn zweimal unterwegs getroffen und mit ihm über seine Erfahrungen geredet – hier die Ausrüstung in der Fotostory und das Video zum Hören oder Schauen.

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Video-Interview Workpacking Tour Gunnar Fehlau: „E-Bikefahren ist nicht Rumgeschubse“

Welche Fragen hättet ihr noch an Gunnar?
 

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Re: Video-Interview Workpacking Tour Gunnar Fehlau: „E-Bikefahren ist nicht Rumgeschubse“
Was wäre, wenn er das Jahr mit einem Elekto-Auto bewältigt hätte? Wäre das dann hier immernoch eine Meldung wert?

Soll jetzt jeder Obdachlose mit Fahrrad, der jeden Tag die gleichen Herausforderungen wie Gunnar bewältigen muss, hier seine Story veröffentlichen?
 
Da ist also wieder diese Diskussion, die es auch in dem Thread über das Buch von Jonas Deichmann gab. Darf jemand etwas machen, was er kann und gerne macht

Natürlich darf er.

Die Frage ist: warum klappt das auch noch? Denn eigentlich ist der Kaiser, dem man da applaudiert nackt. Es ist weder eine besondere Leistung noch ein besonderes Abenteuer. Was läuft schief in einer Gesellschaft, wenn so jemand für ein solch banales Unterfangen öffentliche Aufmerksamkeit bekommt?

Frage mich das schon länger, Auslöser war ein Besuch der Globetrotter Film-Tour: Lauter krasse Sachen, dann kam ein Typ, der schon als Kind ein Bein verloren hatte und jetzt auf den Kilimandscharo wollte. Auf Krücken, weil mit Prothese kann es ja jeder.

Komplett absurd angesichts dessen, was ähnlich Eingeschränkte überall und auch im Sport leisten. Zu allem Überfluss hat er sich letztendlich hochtragen lassen. Ergebnis: Standing Ovations als er als besonderer Stargast auf die Bühne geholt wurde. Eine Ohrfeige für alle anderen, die tatsächlich Herausragendes geleistet haben.

Also, an was liegt es? Daran, dass alle händeringend nach Content suchen? Aber warum applaudiert dann auch noch das Publikum?
 
Natürlich darf er.

Die Frage ist: warum klappt das auch noch? Denn eigentlich ist der Kaiser, dem man da applaudiert nackt. Es ist weder eine besondere Leistung noch ein besonderes Abenteuer. Was läuft schief in einer Gesellschaft, wenn so jemand für ein solch banales Unterfangen öffentliche Aufmerksamkeit bekommt?

Frage mich das schon länger, Auslöser war ein Besuch der Globetrotter Film-Tour: Lauter krasse Sachen, dann kam ein Typ, der schon als Kind ein Bein verloren hatte und jetzt auf den Kilimandscharo wollte. Auf Krücken, weil mit Prothese kann es ja jeder.

Komplett absurd angesichts dessen, was ähnlich Eingeschränkte überall und auch im Sport leisten. Zu allem Überfluss hat er sich letztendlich hochtragen lassen. Ergebnis: Standing Ovations als er als besonderer Stargast auf die Bühne geholt wurde. Eine Ohrfeige für alle anderen, die tatsächlich Herausragendes geleistet haben.

Also, an was liegt es? Daran, dass alle händeringend nach Content suchen? Aber warum applaudiert dann auch noch das Publikum?
Was ist denn für Dich applaudierendes Publikum? – Die bloße Berichterstattung ist doch - in dem Fall - fast neutral.
Und jenseits der Schilderungen von Alltagsdetails, finde ich eine Glorifizierung irgendwie nicht.
Ist halt eine Form von Eskapismus und weder spektakulär noch uninteressant (für einige).

Oder haben sich nur die/unsere Maßstäbe eklatant verschoben. Ab wann ist was ein Abenteuer und was darf in welchem Kontext wie kolportiert werden? Hört sich oft so an, als ob jemand gezwungen wird sich die Schilderungen/Berichte/Filme anzuschauen.

Spätestens wenn die eigene Begeisterungsfähigkeit nachlässt (sagen wir mal ab 30), braucht es doch nur 10 RedBull-Filme, die allgemeine Werbung von so ziemlich ALLEM, um klar definieren zu können was Überhebung, Verklärung und fast schon absurde Wahrnehmungsverschiebung ist. Emotionale Nasenriinge, die als Trigger für KAUFEN nutzbar gemacht werden.

Ich kann Deinen Punkten schon folgen, bis auf die nicht geklärte Definition von "tatsächlich Herausragendes".



Fast jeder von uns würde es jenseits seiner Erträglichkeitsgrenzen einordnen müssen, einen Winter in einem durchnässten Zelt in einem der Flüchtlingslager an den europäischen Grenzen zu verbringen. Realität für viel zu viele Menschen und zu überleben ist die Challenge sehr vieler Menschen, weit jenseits von selbst gewählten Abenteuern.
Und ja, wir suchen offenbar eher nach Content, den wir emotional zu pseudoepisch Herausragendem machen.
 
Die Frage ist: warum klappt das auch noch? Denn eigentlich ist der Kaiser, dem man da applaudiert nackt. Es ist weder eine besondere Leistung noch ein besonderes Abenteuer. Was läuft schief in einer Gesellschaft, wenn so jemand für ein solch banales Unterfangen öffentliche Aufmerksamkeit bekommt?

Ich glaube, in erster Linie erlebt man Abenteuer (selbst). Ob in zweiter Linie ein Außenstehender etwas als Abenteuer empfindet, hängt vermutlich davon ab, ob das Geschilderte für diesen selbst eine Herausforderung wäre oder ob der Außenstehende sich so gut in den Protagonisten eindenken kann, dass er nachempfinden kann, welche Herausforderung es für diesen gewesen sein muss. Gilt das so für Leistung auch?

Diese Workpackingtour ist in meinen Augen durchaus etwas Ungewöhnliches. Zumindest ist mir im vergangenen Jahr niemand auf einem Lastenrad mit einem Haufen roter Packtaschen begegnet. Insofern empfinde ich diese Tour durchaus als etwas Nicht-Alltägliches und ich kann mir gut vorstellen, dass der Fahrer dieses Lastenrads Erlebnisse und Geschichten erzählen weiß, die für mich interessant sind und die mich unterhalten würden.

Die Frage, die ich mir stelle: Weshalb ist hier so eine Aufregung, dass von diesem Projekt berichtet wird? Der eine oder die andere scheint sich davon gar sehr persönlich angegriffen zu fühlen, so dass sie als Reaktion darauf das Projekt zerpflücken und niedermachen. Würde es sie nicht berühren, dann könnten sie es doch ganz gelassen ignorieren. Weshalb schenken also ausgerechnet diese dem Workpacking-Bericht ihre Aufmerksamkeit und werden damit Teil der "allgemeinen Aufmerksamkeit der Gesellschaft", die sie doch zugleich kritisieren? ;)

Also, an was liegt es? Daran, dass alle händeringend nach Content suchen?

Ja, sitzen wir hier vielleicht alle zusammen nebeneinander im digitalen, weltweiten Circus Maximus, in dem der Popcornverkäufer schon wieder an unserer Reihe vorbeigegangen ist, während ganz weit unten in der Arena nicht in angemessenem Maße das Blut fließt? Einige Zuschauer verlassen jetzt gerade die Ränge. Was ist da los? Hätten etwas anderes vor, habe ich als Wortfetzen aufgeschnappt. Rapha Festive? Was soll das sein? ;)
 
Muss nicht jeder gut finden. Muss aber auch nicht jeder doof finden. Kann man aber jedem selbst überlassen, ob, wie viel und wo er/sie/es darüber berichtet. Aber gibt halt immer so unausgeglichene Stänkerer, die alles schlecht machen müssen ... bin selbst oft so einer ;-)
 
Zuletzt bearbeitet:
Das jemand 12tkm mit dem Elektromofa fährt ist halt nichts besonderes.

Ich pendel ebenfalls ca 12tkm pa, mit dem "Biobike" (meist mit dem Trekkingrad), wie etliche andere hier auch. Und wenn die Erkältungswelle dieses Jahr nicht so extrem zugeschlagen hätte, wären es noch mehr mdrza-Kilometer geworden.
 
Was wäre, wenn er das Jahr mit einem Elekto-Auto bewältigt hätte? Wäre das dann hier immernoch eine Meldung wert?

Soll jetzt jeder Obdachlose mit Fahrrad, der jeden Tag die gleichen Herausforderungen wie Gunnar bewältigen muss, hier seine Story veröffentlichen?
Wenn ein Obdachloser mit Fahrrad work&travel macht und dann dadurch Geld verdient, fände ich das super spannend. Würde ich auch lesen.Weil das etwas ist, was ich nie machen werde. Genau so wenig wie Gunnars Tour.
(Mit dem E-Auto hinkt der Vergleich nicht nur, sondern ist gerade elendig am Wegesrand verreckt.)
 
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