Steckbrief: Van Rysel RCR-F
Mit der Vorstellung des RCR-F verließ Van Rysel den allgemeinen Trend hin zu sehr leichten Aero-Rennern und stellte im Frühjahr 2025 ein reinrassiges Aero-Rennrad mit flächigen Rohrformen und einem Gesamtgewicht bei Top-Ausstattung von knapp über 7,4 kg vor. Das neue RCR-F soll gegenüber dem leichteren Aero-Allrounder Van Rysel RCR-R (mit bereits nachgewiesen guter Aerodynamik) sagenhafte 13 Watt bei 45 km/h einsparen und auf schnellen Etappen mit wenig Höhenmetern klar die schnellste Wahl für die Teamfahrer von Decathlon-AG2R La Mondiale sein.
- Reinrassiges Aero-Rennrad
- Entwickelt zusammen mit SwissSide
- Einteiliges Cockpit von Deda
- Reifenfreiheit 32 mm in 700c
- Gewicht Rahmen 1010 g (Werksangabe, Größe M unlackiert)
- Gewicht Gabel 420 g (Werksangabe, Größe M unlackiert)
- Gewicht Testbike 7,42 kg (gewogen)
- Ausstattung ab Shimano 105 Di2/SRAM Rival
- Preis 4.499 Euro bis 8.999 Euro
- Hersteller-Info www.decathlon.de
Details
| Einsatzbereich | Rennen, Aero |
|---|---|
| Rahmenmaterial | Carbon |
| Gabel | Carbon |
| Gewicht (o. Pedale) | 7,4 kg |
| Stack | 535 mm |
| Rahmengrößen | XXS, XS, S, M, L, XL (im Test: M) |
| Website | www.vanryselcycling.com |
| Preisspanne | 4.499 Euro - 8.999 Euro |
Bei diesem Rennrad handelt es sich eindeutig nicht um ein Modell für den Alltag oder entspannte Ausfahrten. Es ist eine reinrassige Rennmaschine, deren Zweck darin besteht, Rennfahrern ein möglichst schnelles Arbeitsgerät für Wettbewerbe mit eher geringen Steigungsanteilen bereitzustellen. Die gesamte Entwicklung war klar darauf ausgerichtet, maximale Performance bei hohen Geschwindigkeiten zu erreichen. Laut Van Rysel spielt dieses Bike seine Stärken insbesondere dann aus, wenn es mit einem Tempo von 35 km/h oder schneller bewegt wird.
- Innenlager-Bauart Press-Fit
- Bremsaufnahme Flat-Mount 160 mm / 140 mm
- Antrieb- /Schaltungs-Kompatibilität 2-fach, nur elektronische Schaltungen
- Garantie 5 Jahre auf Rahmen und Gabel, 2 Jahre auf Komponenten
- Gewichtszulassung 120 kg
Das RCR-F wurde für aerodynamische Effizienz auf flacher Strecke und bei hohen Geschwindigkeiten entwickelt. Für bergige Etappen oder langsamere Ausfahrten empfiehlt Van Rysel ganz klar das RCR-R, das wir ebenfalls schon im Test hatten (Van Rysel RCR-Pro Test). Die Fahrer des Team Decathlon AG2R La Mondiale setzen das RCR-F laut Van Rysel auf schnellen Etappen mit weniger als 1.500 Höhenmetern pro 100 Kilometer ein – ab 35 km/h kann der Rahmen dort seine aerodynamischen Stärken voll ausspielen.
Um die Aerodynamik des RCR-F zu perfektionieren, wurde es zusammen mit den Aero-Spezialisten von SwissSide entwickelt. Durch Ausnutzung der aktuellen UCI-Regeln konnten die Ingenieure sich voll auf die Aerodynamik konzentrieren und zudem auch an der Steifigkeit des Rahmens arbeiten. Durch die Verwendung von „High Modulus Carbonfasern“ will Van Rysel ein optimales Verhältnis von Gewicht zu Steifigkeit erzielen. Im Bereich des Lenkkopfes soll das RCR-F noch einmal 7 % steifer als das RCR-R sein.
Das einteilige Aero-Cockpit wurde speziell für das RCR-F entworfen und wird vom italienischen Carbon-Spezialisten Deda gefertigt. Der 12°-Flare ist darauf ausgelegt, einen kompromisslosen Mix aus Komfort und Aerodynamik zu ermöglichen. Auffällig sind zudem die sogenannten Ergodrops, die den Komfort verbessern und die Handhaltung im Unterlenker entspannter gestalten sollen.
Ausstattung: 6 Varianten mit elektronischen Schaltgruppen
Gab es das neue Van Rysel RCR-F nach der Vorstellung im Frühjar 2025 zunächst nur sporadisch und in einzelnen Ausstattungsvarianten auf der Internetseite von Decathlon im Angebot, gibt es mittlerweile ein breites Sortiment mit sechs unterschiedlichen Ausstattungspaketen. Zum Zeitpunkt der Artikelerstellung waren auch fast alle Varianten in vielen Rahmengrößen sofort verfügbar.
Auffällig ist das durch die Bank gute Preis-Leistungs-Verhältnis der sechs angebotenen Modelle. Echte Schnäppchen sind die Bikes zum normalen Verkaufspreis allerdings auch keine. Vielmehr bewegt sich Van Rysel mit den Pro Modellen mittlerweile eher auf dem Niveau von Canyon oder anderen Direktanbietern. Im Vergleich zu den „großen“ Namen, die ebenfalls in der World Tour aktiv sind, sind die Van Rysel Bikes jedoch durchaus als günstig einzustufen.
Vorteilhaft, vor allem für Menschen, die weniger ausgeben möchten, ist, dass auch die günstigeren Modelle das Aero-Cockpit von Deda an Bord haben und über den gleichen Rahmen mit „Super High Modulus“-Carbonfasern verfügen wie die Top-Modelle. So unterscheiden sich die Ausstattungsvarianten also hauptsächlich durch die verbauten Laufräder und die Schaltgruppe.
Das Angebot ist klar gegliedert in drei Bikes mit SRAM Schaltung und Zipp bzw. Van Rysel Laufrädern und drei Modelle mit Shimano Schaltung und SwissSide Laufrädern. Die Einstiegsmodelle sind jeweils für 4.500 Euro zu haben. Die Spitzenmodelle kosten 9.000 Euro.
Die genaue Bezeichnung unseres Testrades lautet „RCR-F Pro CF Shimano Dura Ace Di2 Decathlon AG2R La Mondiale“. Diese Version war zum Zeitpunkt unseres Test im Decathlon-Onlineshop in mehreren Rahmengrößen zum Preis von 7.999 Euro erhältlich und damit genau 1.000 Euro günstiger als die identisch ausgestattete Version ohne Teamlackierung. Warum Decathlon die Teamvariante so viel günstiger anbietet, ist uns nicht bekannt. Wir konnten jedenfalls abgesehen von der Lackierung keine Unterschiede feststellen.
Erfreulicherweise ist an allen Modellen das gleiche einteilige Aero-Cockpit von Deda verbaut. Für Triathleten oder Langstrecken-Racer gibt es auch einen passenden Zeitfahr-Aufsatz für das Cockpit. Schön ist auch, dass Van Rysel durchweg hochwertige Komponenten verbaut. Wer es zum Beispiel gewohnt ist, bei günstigen Varianten mit billigen Reifen abgespeist zu werden, darf sich beim RCR-F immer über Top-Reifen von Continental freuen. Konsequent wird auch der Continental 111 Aero-Reifen bei allen Varianten mit Swiss Side Laufrädern eingesetzt.
Nachfolgend alle sechs Varianten im Überblick. Unser Testbike hat die gleiche Ausstattung wie die Dura Ace Di2 Variante.
| Modell | RCR-F Pro CF Dura Ace Di2 | RCR-F Pro CF SRAM Red AXS | RCR-F Pro Shimano Ultegra Di2 | RCR-F Pro SRAM Force AXS | RCR-F Pro Shimano 105 Di2 | RCR-F SRAM Rival AXS |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Preis | 8.999 € | 8.899 € | 6.199 € | 6.299 € | 4.499 € | 4.500 € |
| Gewicht | 7,5 kg (Werksangabe) | 7,4 kg (Werksangabe) | 8,0 kg (Werksangabe) | 8,0 kg (Werksangabe) | 8,2 kg (Werksangabe) | 8,1 kg (Werksangabe) |
| Rahmen | RCR-F Pro Super High Modulus, 12x142 mm Max. Reifenfreiheit: 32 mm | RCR-F Pro Super High Modulus, 12x142 mm Max. Reifenfreiheit: 32 mm | RCR-F Pro Super High Modulus, 12x142 mm Max. Reifenfreiheit: 32 mm | RCR-F Pro Super High Modulus, 12x142 mm Max. Reifenfreiheit: 32 mm | RCR-F Pro Super High Modulus, 12x142 mm Max. Reifenfreiheit: 32 mm | RCR-F Pro Super High Modulus, 12x142 mm Max. Reifenfreiheit: 32 mm |
| Gabel | RCR-F Pro, 12x100 mm | RCR-F Pro, 12x100 mm | RCR-F Pro, 12x100 mm | RCR-F Pro, 12x100 mm | RCR-F Pro, 12x100 mm | RCR-F Pro, 12x100 mm |
| Gruppe | Shimano Dura-Ace Di2 inkl. Powermeter | SRAM Red AXS inklusive Powermeter | Shimano Ultegra Di2 inkl. Inpeak-E Powermeter | SRAM Force AXS inklusive Powermeter | Shimano Ultegra Di2 inkl. Inpeak-E Powermeter einseitig | SRAM Rival AXS inklusive Powermeter |
| Übersetzung | 52/36 - 11-34 | 50/38 - 10-33 | 52/36 - 11-34 | 48/35 - 10-36 | 52/36 - 11-34 | 48/35 - 10-36 |
| Laufradsatz | Swiss Side Hardron 625 Ultimate, Tubeless ready | Zipp 454 NSW, Tubeless Ready | Swiss Side Hardron 625 Classic, Tubeless ready | Zipp 404 SW, Tubeless Ready | Swiss Side Hardron 625 Classic, Tubeless ready | Van Rysel VR 50, Tubeless ready |
| Reifen | Continental Aero 111 26mm vorn, Continental GP 5000 S TR 28 mm hinten | Continental GP 5000 S TR 28 mm vorn und hinten | Continental Aero 111 26mm vorn, Continental GP 5000 S TR 28 mm hinten | Continental GP 5000 S TR 28 mm vorn und hinten | Continental Aero 111 26mm vorn, Continental GP 5000 S TR 28 mm hinten | Continental GP 5000 S TR 28 mm vorn und hinten |
| Besonderheiten | Einteiliges Aero-Cockpit von Deda | Einteiliges Aero-Cockpit von Deda | Einteiliges Aero-Cockpit von Deda | Einteiliges Aero-Cockpit von Deda | Einteiliges Aero-Cockpit von Deda | Einteiliges Aero-Cockpit von Deda |
Geometrie: 6 Rahmengrößen mit sportlicher Sitzposition
Wer sich die Geometriewerte des RCR-F anschaut, wird schnell feststellen, wie ernst Van Rysel den Racing-Anspruch hier nimmt. Die Stack- und Reach-Werte sind äußerst sportlich und kompromisslos ausgelegt. In Rahmengröße M kommt das RCR-F mit einem sehr langen Reach von 392 mm und einem niedrigen Stack von 535 auf einen STR-Wert von 1,36. Es ist damit noch ein ganzes Stück sportlicher ausgelegt als etwa ein Specialized Tarmac SL8 in Größe 54, welches zwar einen noch etwas tieferen Stack-Wert von 534 mm aufweist, dafür aber auch im Reach 5 mm kürzer ist. Ein Giant Propel etwa hat im Vergleich einen 4 mm kürzeren Reach und einen um 10 mm höheren Stack als das RCR-F.
So sportlich die Sitzposition ist, fällt aber auch gleichzeitig auf, dass der Radstand mit 986 mm um 6 mm (Giant Propel) bzw. 8 mm (Specialized Tarmac SL8) länger ist. Das deutet schon darauf hin, dass Van Rysel die Sitzposition sehr sportlich definiert hat, aber gleichzeitig viel Wert auf ein stabiles Handling und guten Geradeauslauf legt. Hinsichtlich Lenk- und Sitzwinkel gibt es nämlich keine Auffälligkeiten im direkten Vergleich. Und so viel sei schon mal an dieser Stelle verraten: Die Hinweise aus den Daten, sollten sich im Praxistest ganz klar und deutlich bewahrheiten.
Dass Van Rysel, das RCR-F in immerhin sechs Rahmengrößen anbietet, ist erfreulich, wenn auch weit von der Vielfalt einiger anderer Hersteller wie zum Beispiel Pinarello entfernt. Allerdings sind nicht alle Modelle in allen Rahmengrößen gelistet. In Rahmengröße XXS war zum Zeitpunkt der Artikelerstellung nur eine Variante mit SRAM Red AXS Schaltgruppe in der kleinsten Rahmengröße auf der Decatlon Internetseite zu finden..
Die Abmessungen des Rahmens entsprechen übrigens genau denen, des Alround-Wettbewerbs-Rennrades Van Rysel RCR-R. So können die Teamfahrer jederzeit zwischen den beiden Bikes wechseln, ohne sich groß anpassen zu müssen.
Hier die Geometrie-Daten aller Rahmengrößen im Detail:
| Rahmengröße | XXS | XS | S | M | L | XL |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Laufradgröße | 28″ / 700C | 28″ / 700C | 28″ / 700C | 28″ / 700C | 28″ / 700C | 28″ / 700C |
| Reach | 382 mm | 386 mm | 389 mm | 392 mm | 399 mm | 412 mm |
| Stack | 498 mm | 504 mm | 520 mm | 535 mm | 561 mm | 585 mm |
| STR | 1,30 | 1,31 | 1,34 | 1,36 | 1,41 | 1,42 |
| Lenkwinkel | 71° | 72° | 73° | 73° | 73° | 73° |
| Sitzwinkel, effektiv | 75,5° | 74° | 74° | 73,5° | 73,5° | 73,5° |
| Oberrohr | 513 mm | 531 mm | 540 mm | 552 mm | 566 mm | 587 mm |
| Oberrohr (horiz.) | 513 mm | 531 mm | 540 mm | 552 mm | 566 mm | 587 mm |
| Steuerrohr | 92 mm | 97 mm | 114 mm | 130 mm | 157 mm | 182 mm |
| Sitzrohr | 457 mm | 467 mm | 477 mm | 487 mm | 518 mm | 547 mm |
| Kettenstreben | 410 mm | 410 mm | 410 mm | 410 mm | 410 mm | 410 mm |
| Radstand | 980 mm | 978 mm | 979 mm | 986 mm | 1.002 mm | 1.022 mm |
| Tretlagerabsenkung | 73 mm | 70 mm | 67 mm | 67 mm | 67 mm | 67 mm |
| Einbauhöhe Gabel | 372 mm | 372 mm | 372 mm | 372 mm | 372 mm | 372 mm |
| Gabel-Offset | 45 mm | 45 mm | 45 mm | 45 mm | 45 mm | 45 mm |
In unserer Geometrie-Datenbank könnt ihr das Van Rysel RCR-F mit anderen Aero-Rennrädern ganz einfach vergleichen. Einfach auf die Links in der Tabelle unten klicken.
Auf dem Kurs
Die Sitzposition auf dem Van Rysel RCR-F ist, wie schon weiter oben angedeutet, sehr sportlich. Ohne Spacer unter dem Cockpit komme ich auf eine Überhöhung von 135 mm. Das ist ein recht knackiger Wert, bei vielen Race-Bikes komme ich auf maximal 130 mm, bei manchen teilweise auch deutlich weniger. Was mir zudem auffällt, ist der tendenziell lange Reach, den ich auch mit weit nach vorn geschobenem Sattel noch deutlich spüre.
Mit gemessen 37 cm Breite an den Hoods und 42 cm im Unterlenker passt das Carbon-Cockpit von der Breite her genau in meinen bevorzugten Sweetspot. Der Oberlenker ist sehr tief und lässt sich im mittleren Bereich mit meinen recht kleinen Händen (Handschuhgröße S/8) nicht besonders angenehm greifen. Im äußeren Bereich mit Lenkerband passt die Ergonomie jedoch sehr gut. Der Bereich zum Lenkerbandwickeln ist durch eine Verjüngung klar definiert. So ist man zwar vom Bereich her eher ein wenig eingeschränkt, bekommt aber einen sauberen Übergang vom Lenkerband zum blanken Carbon des Lenkers.
Ausgezeichnet gefallen haben mir die stark ausgeformten Griffbereiche im Bogen des Unterlenkers, die von Van Rysel Ergodrops genannt werden. Hier lässt sich der Lenker sehr angenehm und fest greifen. So findet man zum Beispiel auch bei harten Sprints sehr viel Halt und eine angenehme Position für die Hände. Der Lenkerdrop fällt, wie bei vielen modernen Aero-Lenkern, recht gering aus, so wird die tiefe Sitzposition zumindest im Unterlenker leicht kaschiert.
Die Beschleunigung bei den ersten Tritten in die Pedale erfolgt nicht ganz so spontan und schnell wie von manch anderem Highend Rennrad gewohnt. Das ist aber wenig überraschend, denn das Van Rysel RCR-F ist nun mal mit 62 mm hohen Laufrädern ausgestattet. Und deren Effekt, lässt sich auch nicht durch Carbon-Leichtbau kaschieren. Hier sind die bewegten Massen einfach höher als bei einem ultraleichten Berg-Laufradsatz mit zum Beispiel nur 35 mm Felgenhöhen. Folglich benötigt man einfach etwas mehr Energie und entsprechend Zeit, um alles ins Rotieren zu bekommen.
Dafür bleibt die Fuhre aber auch leichter auf Geschwindigkeit, sobald man diese erst mal aufgebaut hat. Besonders spürbar ist das bei Tempi jenseits der 35 km/h. Wer es richtig eilig hat, profitiert von der Aerodynamik des Van Rysel RCR-F am meisten. Je schneller man fährt, desto leichter wird es im Verhältnis zu einem weniger aerodynamischen Rad die Geschwindigkeit zu halten. Beim Tempobolzen auf der Geraden fühlt sich das RCR-F am wohlsten. Dazu passen auch das stabile Geradeauslaufen und das völlig unaufgeregte Handling.
Das Fahrverhalten des Van Rysel RCR-F ist nämlich keineswegs auf der nervösen Seite, vielmehr strahlt es in jeder Situation Ruhe und Stabilität aus. Das ist zum Schnellfahren prinzipiell nicht verkehrt und schafft erst mal Vertrauen, verlangt auf kurvigen Strecken aber auch etwas mehr Input vom Fahrer, als beispielsweise ein Giant TCR, das gleichzeitig parallel im Test lief. Will man etwa einem Hindernis oder einem zu spät gesehenen Schlagloch ausweichen, kann man das Van Rysel RCR-F nicht ganz so schnell und nur mit mehr Nachdruck zum Spurwechsel bewegen, wie ein agiler ausgelegtes Bike.
Mit dieser Laufruhe kaschiert es aber auch die Seitenwindempfindlichkeit des Vorderrades mit 62 mm hoher Felge. Diese reagiert nämlich trotz Continental Aero 111 Reifen deutlich spürbar auf Böen oder Turbulenzen, wenn man zum Beispiel relativ nahe hinter einem größeren Pkw fährt, oder von einem Lkw überholt wird. Dann kommt durchaus auch mal ungewollte Bewegung ins System, die jedoch dank des stabil ausgelegten Handlings und des Aero-Reifens nie dramatisch wird.
Wer Komfort erwartet, dürfte vom Van Rysel RCR-F allerdings enttäuscht werden. Schaut man sich die massive Sattelstütze an, wird schnell klar, dass Compliance, wie man so schön neudeutsch sagt, nicht weit oben oder gar nicht im Lastenheft stand. Bodenunebenheiten und Schlaglöcher werden weitestgehend ungefiltert an den Hintern weitergegeben. Lediglich rauer Asphalt wird am Hinterrad noch vom 28 mm breiten Continental GP 5000 S TR Hinterreifen gefiltert. Der nur 26 mm breite Continental Aero 111 kann dazu hingegen wenig Beitrag leisten und sorgt zusammen mit dem steifen Cockpit für ein recht harsches Fahrgefühl.
Die 29er Version des Continental Aero 111 könnte hier eine Verbesserung bringen, die man allerdings auch mit kleinen aerodynamischen Einbußen zahlen müsste. Denn die Swiss Side Hardron 2 Ultimate Felge ist für den 26er Reifen optimiert. Und sie verfügt mit 20 mm auch nicht gerade über eine üppige Maulweite. Mit 24 mm Maulweite oder mehr und 29er-Reifen ließe sich der Luftdruck deutlich senken und entsprechend der Komfort deutlich erhöhen. So musste ich jedoch am Vorderrad mit 4,7 und am Hinterrad mit 4,6 bar fahren. Für schwerere Fahrer dürfte sich diese Problematik noch verstärken.
Die Verwendung des schmalen Vorderreifens ist aber letztlich ähnlich konsequent wie die komplette Auslegung des Van Rysel RCR-F als kompromissloses Aero-Rennrad. Hier geht es einzig und allein um Geschwindigkeit, der Rest wird diesem Ziel untergeordnet. Wer es leichter haben möchte, wird beim gleichen Hersteller fündig und kann sich das RCR-R anschauen, das laut meinem Kollegen Jan jedoch nicht deutlich mehr Komfort bieten dürfte. Das RCR-F ist hingegen ganz klar die Speedmaschine von Van Rysel. Das ist der klare Anspruch, der auch strikt und kompromisslos umgesetzt wird.
Van Rysel bietet mit dem RCR-F eines der aktuell schnellsten Rennräder an, das wurde auch schon bei unabhängigen Messungen im Windkanal belegt. Dass es sich hierbei mehr um einen Spezialisten für besondere Tage als um einen Allrounder für den Alltag handelt, sollte jedem Kaufinteressenten klar sein.
Das ist uns aufgefallen
- Lackierung Auch wenn es auf den ersten Blick nicht unbedingt so aussehen mag. Die Lackierung unseres Testbikes ist mit Metallic-Elementen und durchschimmerndem Carbon aufwendig und sauber ausgeführt. Auch die Lackierungen der restlichen Modelle sehen meiner Meinung nach zumindest auf den Fotos sehr ansprechend aus.
- Kurbellänge Van Rysel geht den aktuellen Trend zu kürzeren Kurbeln nicht mit und rüstet das RCR-F mit klassischen Kurbellängen aus. Das bedeutet bei Rahmengröße M eine Kurbellänge von 172,5 mm.
- Powermeter immer an Bord Es ist leider alles andere als selbstverständlich bei wettbewerbsorientierten Rennrädern in dieser Preisklasse, aber Van Rysel sticht positiv hervor und rüstet alle Modelle ab Werk mit Leistungsmesser aus.
- Für wen? Für Rennfahrer und alle, die es maximal schnell lieben.
- Für wen besser nicht? Für Komfortliebhaber. Hier gibt es wenig, worüber man sich hinsichtlich Fahrkomfort freuen könnte, außer den Ergodrops in den Bögen des Unterlenkers.
- Welche Rennräder sind ähnlich oder kommen nahe? Das Van Rysel RCR-F ist ganz klar ein reinrassiges Aero-Rennrad. Damit tritt es in erster Linie gegen ähnlich positionierte Rennräder wie etwas das Cervélo S5, Scott Foil, BMC Teammachine R01 oder das Canyon Aeroad an. Es bewegt sich damit in einem illustren Kreis meist deutlich teurerer Mitbewerber. Lediglich Canyon spielt mit dem Aeroad in einer ähnlichen Preisklasse.
Fazit – Van Rysel RCR-F
Das Van Rysel RCR-F ist ein kompromissloses Rennrad für Profis und Schnellfahrer. Es wurde im Windkanal entwickelt und ist nachweislich eines der schnellsten Bikes am Markt. Dafür wurde jedoch der Komfort geopfert und die Sitzposition an die Wünsche der Profis angepasst. Wer genau so ein Rennrad sucht, darf beim RCR-F beherzt zugreifen, denn das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt ebenso wie die Performance dieses kompromisslosen Renners. Schnell fahren macht damit einfach Spaß, denn sowohl die verbauten Komponenten, als auch das Fahrverhalten sind für hohes Tempo ausgelegt.
Van Rysel RCR-F – Pro / Contra
Stärken
- Maximaler Speed
- Hochwertige Ausstattung
- Preis-Leistungs-Verhältnis
Schwächen
- Geringer Komfort
Was sagt ihr zum kompromisslosen Aero-Racer von Van Rysel?
Testablauf
Das Van Rysel RCR-F stand uns für mehrere Wochen zum Test zur Verfügung. Gefahren wurde es auf abwechslungsreichen Strecken mit und ohne viele Höhenmeter im Spessart.
- Ich fahre hauptsächlich
- Rennradtouren, Triathlon-Rennen, Trainings-Einheiten auf dem Rollentrainer
- Vorlieben bei der Geometrie
- Sportlich, nicht zu lang
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59 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumJe schneller gefahren wird, desto besser fühlt sich sowas an. Grenzen würde ich vielleicht bei sehr langsamen Geschwindigkeiten und noch langsameren Kurven sehen.
Ganz wichtig. Das Gefühl muss man wirklich selbst haben. Das kann einem auch kein Bikefitter oder so geben.
Der Trend zu schmalen Lenkern, langen Vorbauten und vorgelagerten Sätteln beeinflusst die Fahrdynamik jedenfalls Richtung Instabilität. Und Rennfahrer neigen dazu, die Grenzen auszutesten bis es kracht. Ich will nur darauf aufmerksam machen, dass das jeder für sich gut abwägen sollte.
Das stimmt halt oft, aber nicht immer. Ich bin beispielsweise Team flacher Lenkwinkel, viel Nachlauf, viel Reach dank Zero Setback + steilem Lenkwinkel, normale Vorbaulänge, nicht zu kurze Kettenstreben, 40cm-Lenker mit nicht zu viel Reach (soll jeder selbst wissen, ob das schmal ist oder breit).
Das ergibt insgesamt auf jeden Fall ein stabil fahrendes Rad. Nächsten Sommer gönne ich mir etwas Schönes.
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