Chris Froome ist der Verlierer der kurzen, aber harten 17. Etappe der Tour de France. Der Brite wurde von seinem Mannschaftskollegen Geraint Thomas und Tom Dumoulin (Team Sunweb) am Schlussanstieg in den Pyrenäen abgehängt. Nairo Quintana gewinnt die Etappe auf dem Col du Portet.

Die 17. Etappe der Tour de France war so kurz, dass man auf ein Ausscheidungsfahren am Berg wetten konnte. Die Tour-Organisation A.S.O. hatte sich zudem eine Startaufstellung ausgedacht, die einen heißen Start in Renntempo fördern sollte: Die Fahrer waren in einem Grid aufgereiht wie beim Formel 1-Rennen. Dahinter ging es weiter in Blocks zu 20 nach dem Klassement – wie beim Cyclocross-Rennen.

Die 17. Etappe der Tour zeigte den Fahrern die Zähne
# Die 17. Etappe der Tour zeigte den Fahrern die Zähne - Drei Berge auf 65 km

Aber das animierte Vorpreschen der Favoriten gleich nach dem Start trat nicht ein. Das Feld sortierte sich zunächst noch einmal selbst in aller Ruhe neu. Und auf dem ersten Anstieg zum Col de Peyresourde bot sich den TV-Zuschauern das gewohnte Bild. Ein Solist, Tanel Kangert (Astana), setzte sich an die Spitze. Dahinter formierte sich eine Verfolgergruppe um den Träger des Bergtrikots Julian Alaphilippe (Quick-Step), die auch so über den ersten Gipfel ging.

Alaphilippe trägt das Bergtrikot jetzt sehr sicher auf den Schultern, da er sich auch an der zweiten Bergwertung Punkte holte.

Spannung im Kampf ums Gesamtklassement brachte zunächst Alejandro Valverde (Movistar), der sich gleich am ersten Berg von der Gruppe um das Gelbe Trikot von Geraint Thomas absetzen konnte und später in einer Vierergruppe endete, in der auch Rafal Majka von Bora-Hansgrohe vertreten war.

Der Schlussanstieg zum Col du Portet

Der Abfahrtskünstler Alaphilippe fuhr auf der Abfahrt vom zweiten Tagesberg zu Tanel Kangert auf und lieferte sich schon bei der Anfahrt zum Col de Portet einen Schlagabtausch mit dem Konkurrenten. Riesige Zuschauermengen säumten den Fuß des letzten Berges, an dem Alaphilippe dann aber auch Kangert fahren lassen musste. Die Gruppe um Thomas ging mit rund 30 Fahrern in den Berg. Daniel Martin (UAE-Emirates) und Quintana (Movistar) starteten die Serie der Attacken.

Quintana fährt schnell 30 Sekunden raus bis 14 km vor dem Ziel und hängt mit dem Tempo, das er vorlegt, auch Martin ab. Bei 13,3 km geht Roglic (LottoNL-Jumbo), Froome setzt nach. Dann Bardet, dann Dumoulin, dann Thomas – er hängt sich an Dumoulin, taktisch richtig, denn Dumoulin kann Froome und Thomas gefährlich werden.

13 Kilometer to go: Bardet fließt schon der Speichel aus den Mundwinkeln im Windschatten von Dumoulin. Fast alle Helfer der Gesamtklassements-Fahrer sind abgehängt. Weiter vorne zieht Valverde Quintana den Berg hoch, aber das Duo kommt nicht über 30 Sekunden Vorsprung hinaus.

Bei Sky hat sich 10 km vor dem Ziel wieder ein kleiner Zug formiert, der angezogen von Wout Poels den Berg hochfliegt. Derweil pedaliert Quintana an der Spitze an Kangert vorbei, lässt später auch Majka stehen.

Kurz nach der 6 km Marke muss dann Bardet die Favoriten-Gruppe ziehen lassen. Er verliert schnell Sekunde um Sekunde. Dann zieht Kruisjwijk das Tempo aus der Gruppe heraus an, die inzwischen nur noch aus Froome, Thomas, Dumoulin, Roglic, Landa und Bernal besteht, letzterer macht das Tempo für Sky.

Bei Kilometer 2,5 vor dem Ziel dann die Offenbarung von Team Sky. Roglic (LottoNL-Jumbo) geht kurz aus dem Sattel, Geraint Thomas setzt sofort hinterher, Dumoulin ebenfalls, aber Chris Froome kann nicht folgen. Und dann kommt der Schlag von Dumoulin, der 1,5 km vor dem Ziel attackiert. Nur Roglic, Thomas und Kruiswijk haben dem Antritt etwas entgegen zu setzen. Während sich vorne Quintana den Sieg vor Dan Martin holt, kann am Ende nur Geraint Thomas nochmal mit ein paar kräftigen Tritten eine Lücke reißen und holt sich sogar eine Zeitgutschrift. Romain Bardet (AG2R La Mondiale) ist der zweite große Verlierer des Tages. Er büßt am Ende über 2 Minuten auf Quintana ein.

Fielen wieder Sprinter aus dem Zeitlimit?

Peter Sagan blieb am Berg überraschend lange in einer der vorderen Gruppen. John Degenkolb ließ früher abreißen, erhielt aber eine Eskorte vom Team Trek-Segafredo. Anders als erwartet, sah es bei der Zielankuft der Ersten so aus, als müsste kein weiterer Sprinter aus dem Rennen genommen werden.

Die ersten 5 der 17. Etappe

1) Nairo Quintana (Movistar)
2) Daniel Martin (UAE-United Emirates)
3) Geraint Thomas (Team Sky)
4) Primoz Roglic (LottoNLK-Jumbo)
5) Tom Dumoulin (Sunweb)

Meinung @Rennrad-News

Für Chris Froome scheint der Sieg bei der Tour in zu weite Ferne gerückt. Für Geraint Thomas ist er zum Greifen nahe. Morgen hat Froome bei der Flachetappe Zeit sich etwas zu erholen. Aber so souverän wie Thomas auf den dritten Platz sprintete, wird er sich das Gelbe Trikot nicht mehr nehmen lassen. Sehr entschlossen wirkt auch Tom Dumoulin, der am vorletzten Tag noch eine kleine Chance gegen Thomas hat. Wenn der Niederländer von Sunweb am Freitag bei der letzten Pyrenäen-Etappe noch ein wenig Zeit gut macht, wird es noch einmal richtig spannend um das Podium in Paris.

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Text: Jan Gathmann / Foto: A.S.O./Pauline Ballet
  1. benutzerbild

    fabli18

    dabei seit 04/2018

    Für mich die beste Tdf Etappe bis jetzt. Da war endlich mal wieder Spannung.
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