Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte – dafür ist der Ausschluss von Tony Martin und Luke Rowe aus der Tour de France für Einige ein Paradebeispiel. Genauer sind es die Dritten, nämlich die französischen Fahrer. Denn mit Jumbo-Visma und Team Ineos wurden die offenkundig stärksten Mannschaften der Tour geschwächt. Martin und Rowe selbst finden den Ausschluss zu hart, zeigen sich aber reumütig. Hier die Stimmen zum Tour Aus für Martin.

Was passierte: In der Vorbereitung des Schlussanstieges der 17. Etappe der Tour de France gerieten Tony Martin und Luke Rowe aneinander. Im Video, das die ARD-Sportschau aus der Übertragung herauszog, ist der Vorfall zu sehen. Die Kommentatoren, Fabian Wegmann und Florian Naß, spielen den Schlenker, den Tony Martin Richtung Luke Rowe macht, da noch als Versehen hinunter. Auf den Zeitlupe-Bildern wird aber ziemlich deutlich klar, dass Tony Martin zunächst überrascht von Luke Rowe rechts hinter ihm ist, dann aber noch einmal absichtlich einen ziemlich rüden Schlenker fährt, um den Windkanten-Spezialisten von Ineos am Vorbeifahren zu hindern. Rowe hatte zuvor angesetzt, rechts zu überholen, obwohl offensichtlich war, dass Martin in dem Moment vorne aus dem Wind geht. Beide Fahrer waren bestrebt, ihre Kapitäne möglichst vorne in den Berg zu führen. Beide entschuldigten sich später nach dem Ausschluss. Aber auch im Ziel der 17. Etappe hatten Rowe und Martin die Auseinandersetzung bereits mit einem Wortaustausch zu den Akten gelegt.

Nicht so die Rennkommisssäre der UCI. Sie schlossen Rowe und Martin von der Tour de France 2019 aus. Team Ineos und Jumbo-Visma haben darauf mit einem gemeinsamen Statement reagiert. „Es ist eine gelbe Karte, keine Rote“, so die Kern-Aussage der Teams. Sie halten eine Strafe für angemessen, nicht aber die Höhe der verhängten Sanktion.

Tony Martin und Luke Rowe im Video-Statement

Eine Berufung, die beide Teams noch gestern bei der Kommission einlegten, bleib erfolglos. Heute gingen sie ohne die beiden Helfer an den Start der 18. Etappe.

Im Lichte anderer, weit milder geahndeter Vorfälle während anderer Rennen der WorldTour erscheint das Urteil der UCI Rennkommissäre tatsächlich hart. Ein prominentes Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist etwa der entschiedene Schultereinsatz von Peter Sagan in einer Sprintentscheidung bei der Tour de Suisse 2019. Man mag einwenden, dass Sagan nicht die eigene Fahrlinie so deutlich verlässt wie Tony Martin, aber ein vorbildliches Verhalten im Wortsinne war der Körpereinsatz nicht.

=> Hier findet ihr das Sprinterduell von Sagan im Rückblick

Die „Frankreich first“ Verschwörungs-Theorie

Die Entscheidung der Rennkommission trifft die Teams in einer entscheidenden Phase der Tour empfindlich. Und es trifft ausgerechnet die beiden Teams, die mit ihrer Mannschaftsstärke, dem bisherigen Gesamtführenden Julian Alaphilippe und dem aufstrebenden Thibot Pinaut in den kommenden Tagen das Leben richtig schwer machen werden. Mancher mutmaßt deshalb, dass das stark französisch besetzte Gremium eine frankophile Entscheidung getroffen hat.

Dem beizupflichten, fällt mir schwer. Aus meiner Sicht spielt ein anderer Faktor hinein:

Die Tribut an die Tour Hypothese

Mancher sieht in der weltweiten Popularität der Tour de France als Aushängeschild des Radsports den Grund für die übereifrig erscheinende Reaktion der Wettbewerbsrichter. Die UCI bemüht sich stark, den Radpsport in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Die Tour de France, die auch ein Familienpublikum anzieht, ist das Gesicht des Profi-Rennsports. Da passt es nicht ins Bild, wenn sich die Akteure derart unsportlich verhalten. Wie die UCI den Radsport am liebsten sehen will, zeigt dieses, erst vor kurzem nicht zufällig während der Tour de France veröffentlichte Video.

Was denkt ihr über den Ausschluss von Martin und Rowe?

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Infos: Redaktion / Fotos: Screenshot Jumbo-Visma Video
  1. benutzerbild

    Thomthom

    dabei seit 05/2007

    Die gezeigten Handlungen rechtfertigen keinen Rennausschluß, aber da im Laufe der Etappe scheinbar bereits andere Rangeleien,kleinere Tätlichkeiten und gefährliches Fahren speziell zwischen Aktiven der beiden Teams praktiziert wurde-wollte die Jury vielleicht der Aggression Einhalt gebieten.
    Dazu wäre allerdings eine vorherige Ermahnung/Rüge im Rennen an beide Teams als Eskalationsabbau durch die Kommissäre hilfreich gewesen.
  2. benutzerbild

    usr

    dabei seit 11/2011

    Thomthom schrieb:


    Dazu wäre allerdings eine vorherige Ermahnung/Rüge im Rennen an beide Teams als Eskalationsabbau durch die Kommissäre hilfreich gewesen.

    Ein Radrennen ist kein Fußball, wo der Schiri sich ggf live zwischen die Streithähne stellt bis sie sich beruhigen. Radsport ist in dieser Hinsicht notgedrungen weniger interaktiv. Auf dem Videoschnipsel sieht man eigentlich nur Martin als Aggressor, da aber beide sanktioniert wurden kann das also nicht alles gewesen sein.
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  4. benutzerbild

    Thomthom

    dabei seit 05/2007

    Den Rennausschluß sehe ich auch mehr für das Gesamtpaket.
    ...sonst wäre ein Cavendish,als schlechtes Beispiel,nie irgendwo angekommen.
  5. benutzerbild

    scp

    dabei seit 03/2006

    Es gibt ein Video wo man sieht, wie INEOS, in Person vermutlich Rowe, recht rücksichtslos seitlich ins Feld drängt. Das sah Tony. Zudem gibt es noch ein Schnipsel wo ein INEOS Fahrer, vermutlich auch Rowe, Tony Martin ins Gesicht langt.
  6. benutzerbild

    Sonnengott

    dabei seit 10/2009

    Ros Tocker schrieb:

    absurd, wenn das keine rote Karte ist, dann definiere Platzverweis

    Ich gehe davon aus, dass die Teams nicht sagen wollten, dass die Strafe nur eine "gelbe Karte" ist, sondern dass die Fahrer mit dem Äquivalent einer gelben Karte (d.h. Geldstrafe, Zeit-/Punktabzug etc.) hätten bestraft werden sollen, anstatt mit einer roten Karte (Rennausschluss).

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