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Auf den ersten Blick ist das Orbea Gain nicht als E-Rennrad zu erkennen
Auf den ersten Blick ist das Orbea Gain nicht als E-Rennrad zu erkennen - derart massive Unterrohre gibt es in ähnlichen Formen auch bei Rennrädern ohne Motorunterstützung.
Der Mahle X20 Motor versteckt sich in der Hinterradnabe
Der Mahle X20 Motor versteckt sich in der Hinterradnabe - dort ist er nur bei genauem Hinsehen zu erkennen.
Der Ladeanschluss über dem Tretlager entlarvt das Orbea Gain als E-Rennrad
Der Ladeanschluss über dem Tretlager entlarvt das Orbea Gain als E-Rennrad - hier lässt sich in kurzer Zeit wieder viel Power speichern.
Orbea bietet das Gain in insgesamt 11 Varianten an
Orbea bietet das Gain in insgesamt 11 Varianten an - die Preisspanne reicht von 2.999 - 9.999 Euro.
Der Mahle X20 Motor baut recht kompakt
Der Mahle X20 Motor baut recht kompakt - und ist komplett in der Hinterradnabe integriert.
Der längliche Akku hat eine Kapazität von 350 Wh
Der längliche Akku hat eine Kapazität von 350 Wh - in das Tretlagergehäuse ist ein Leistungsmesser integriert.
Der Leistungsmesser ist ein wichtiges Teil zur Motorsteuerung
Der Leistungsmesser ist ein wichtiges Teil zur Motorsteuerung - damit misst das System sehr sensibel, welche Kraft vom Fahrer auf den Pedalen ankommt.
Das Display auf dem Oberrohr dient zur Anzeige der restlichen Akkukapazität
Das Display auf dem Oberrohr dient zur Anzeige der restlichen Akkukapazität - die Farbe gibt an, welche Leistungsstufe ausgewählt wurde.
Der Carbon-Rahmen des Gain unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von einem herkömmlichen Rahmen
Der Carbon-Rahmen des Gain unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von einem herkömmlichen Rahmen - allerdings ist das Unterrohr speziell für die Aufnahme des Akkus geformt.
Der Ladeanschluss ist schön im Rahmen integriert
Der Ladeanschluss ist schön im Rahmen integriert - der Akku muss selbstverständlich zum Laden nicht entnommen werden.
Trotz E-Motor muss man zumindest in Level 1 und 2 auch noch selbst treten
Trotz E-Motor muss man zumindest in Level 1 und 2 auch noch selbst treten - Orbea hat das Gain betont sportlich abgestimmt.
Die Unterstützungsstufe kann bequem über die Druckschalter am Lenker gewählt werden
Die Unterstützungsstufe kann bequem über die Druckschalter am Lenker gewählt werden - das Display gibt Auskunft über alle wichtigen Daten.
Am Top-Modell M10i sorgt eine Shimano Dura Ace Di2 Gruppe für geschmeidige Gangwechsel
Am Top-Modell M10i sorgt eine Shimano Dura Ace Di2 Gruppe für geschmeidige Gangwechsel - ausserdem hilft sie dabei, das Gewicht auf 11,5 kg zu drücken.
Auch im Wiegetritt berghoch ist das Pedalgefühl sehr natürlich
Auch im Wiegetritt berghoch ist das Pedalgefühl sehr natürlich - die Motorleistung ist nur subtil zu spüren.
Das Top-Modell M10i kommt mit Dura Ace Di2 und 42 mm hohen Carbon-Felgen
Das Top-Modell M10i kommt mit Dura Ace Di2 und 42 mm hohen Carbon-Felgen - der Preis liegt bei 9.999 Euro.
Die Sattelstützenklemmung ist formschön integriert
Die Sattelstützenklemmung ist formschön integriert - genau wie das Rücklicht.
Auch vorne ist eine Beleuchtung integriert
Auch vorne ist eine Beleuchtung integriert - direkt darüber kann der Radcomputer befestigt werden.
Beim Gravel-Modell M21e X1 kommen eine SRAM Force Gruppe und Aluminium-Laufräder zum Einsatz
Beim Gravel-Modell M21e X1 kommen eine SRAM Force Gruppe und Aluminium-Laufräder zum Einsatz - der Preis für dieses Modell beträgt 7.599 Euro.
Das Top-Modell Gain M10i konnten wir in Girona auf rund 150 km testen
Das Top-Modell Gain M10i konnten wir in Girona auf rund 150 km testen - es ist top ausgestattet aber auch nicht ganz billig.
Hier ein Blick auf das Gravel-Modell M21e 1X, das wir nur eine kurze Runde über rund 30 km fahren konnten
Hier ein Blick auf das Gravel-Modell M21e 1X, das wir nur eine kurze Runde über rund 30 km fahren konnten - auf einfachen Schotterwegen funktioniert es super, beim echten Gravel-Einsatz auf technisch anspruchsvollem Gelände wirkte die Motorabstimmung jedoch nicht so passend wie auf der Straße.
Die Endurance-Geometrie des Gain ist nicht unsportlich und vertrauenerweckend
Die Endurance-Geometrie des Gain ist nicht unsportlich und vertrauenerweckend - auch auf schnellen Abfahrten zieht das Bike unbeirrt durch die Kurven.
Die Kettenstreben wurden im Vergleich zum Vorgänger etwas kürzer.
Die Kettenstreben wurden im Vergleich zum Vorgänger etwas kürzer.
Das Stuerrohr ist endurance-typisch recht lang und sorgt so für eine komfortable Sitzposition.
Das Stuerrohr ist endurance-typisch recht lang und sorgt so für eine komfortable Sitzposition.
Die Kabel und Leitungen sind nicht komplett versteckt aber schön unter dem Vorbau zusammengeführt
Die Kabel und Leitungen sind nicht komplett versteckt aber schön unter dem Vorbau zusammengeführt - Lenker und Vorbau lassen sich so sehr einfach tauschen.
Mit Unterstützungslevel 1 geht der Motor sehr feinfühlig zu Werke
Mit Unterstützungslevel 1 geht der Motor sehr feinfühlig zu Werke - und steuert nur eine überschaubare Kraft bei.
Auf Stufe 2 kommt schon deutlich mehr Power vom Motor
Auf Stufe 2 kommt schon deutlich mehr Power vom Motor - trotzdem bleibt das Pedalgefühl sehr natürlich.
Mit Level 3 kann man sich hingegen zurücklehnen und muss die Beine nur noch leicht bewegen
Mit Level 3 kann man sich hingegen zurücklehnen und muss die Beine nur noch leicht bewegen - den Rest erledigt der kraftvolle Mahle X20 Motor.
Die Ab- und Zuschaltung der Motorleistung an der gesetzlichen Schwelle von 25 km/h plus 10 % erfolgt sehr feinfühlig und sanft
Die Ab- und Zuschaltung der Motorleistung an der gesetzlichen Schwelle von 25 km/h plus 10 % erfolgt sehr feinfühlig und sanft - damit wird dieses „Totschlag-Argument“ recht wirksam entkräftet.
Dura Ace Schaltung und Bremsen sind über jeden Zweifel erhaben.
Dura Ace Schaltung und Bremsen sind über jeden Zweifel erhaben.
Die Ergonomie am Lenker unterscheidet sich nicht von einem Rennrad ohne Motor.
Die Ergonomie am Lenker unterscheidet sich nicht von einem Rennrad ohne Motor.
Die Reifenfreiheit beträgt 35 mm
Die Reifenfreiheit beträgt 35 mm - serienmäßig rollt das Testrad auf 30 mm breiten Pirelli Pneus.
Die Gravel-Varianten sind ideal für leichte Offroad-Einsätze
Die Gravel-Varianten sind ideal für leichte Offroad-Einsätze - echte Gravel-Fans sollten lieber auf das Gravel-E-Bike von Orbea warten.
Mit der 30 mm breiten Straßenbereifung ist die Allroad-Tauglichkeit ebenfalls hoch
Mit der 30 mm breiten Straßenbereifung ist die Allroad-Tauglichkeit ebenfalls hoch - zumindest auf trockenem Untergrund.
Gain PressCamp-221645
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Das neue Orbea Gain E-Rennrad im ersten Test: Das Orbea Gain der dritten Generation wird mit dem Nabenmotor X20 von Mahle angetrieben und will ein ganz besonderes E-Rennrad sein. Orbea hat deshalb umfangreiche Änderungen an der Motorsteuerung vorgenommen, um das Gain ganz besonders sportlich abzustimmen. So kann man auch mit dem E-Rennrad richtig ins Schwitzen kommen. Wir waren schon vor der offiziellen Vorstellung zwei Tage mit dem neuen Gain rund um Girona unterwegs und liefern euch in diesem ersten Test alles Wissenswerte zu dem neuen E-Rennrad der Spanier.

Video: Orbea Gain 2023 Test

Orbea Gain 2023 Infos und Preise

  • Als Carbon-Modell (Test) und Alu-Modell
  • Motorunterstützung bis 25 km/h
  • Mahle Antriebssystem, von Orbea angepasste Motorsteuerung
  • Unterstützungsleistung unabhängig von Trittfrequenz
  • Reichweite bis zu 4.000 Höhenmeter bei 70 kg Fahrergewicht
  • Integrierte Beleuchtung
  • Optionaler Range Extender
  • Rahmengrößen XS, S, M, L, XL, XXL (nur Carbon-Modelle)
  • Gewicht ab 11,5 kg (Gain M10i, Gr. M, Werksangabe)
  • Motor/Akku Carbon-Modelle Mahle X20/ 353 Wh
  • Motor/Akku Alu-Modelle Mahle X35 Plus / 248 Wh
  • Ausstattung von Shimano 105 2×11 bis zu Dura Ace Di2 2×12
  • Reifenfreiheit 35 mm bei 700c
  • Verfügbar ab sofort

Preise
Carbon-Modelle 5.499 – 9.999 €
Aluminium-Modelle 2.999 – 4.499 €

Diashow: Neues Orbea Gain E-Rennrad – erster Test: Schwitzen auf dem E-Rennrad
Das Top-Modell M10i kommt mit Dura Ace Di2 und 42 mm hohen Carbon-Felgen
Auf Stufe 2 kommt schon deutlich mehr Power vom Motor
Mit Level 3 kann man sich hingegen zurücklehnen und muss die Beine nur noch leicht bewegen
Der Ladeanschluss über dem Tretlager entlarvt das Orbea Gain als E-Rennrad
Auch vorne ist eine Beleuchtung integriert
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Auf den ersten Blick ist das Orbea Gain nicht als E-Rennrad zu erkennen
# Auf den ersten Blick ist das Orbea Gain nicht als E-Rennrad zu erkennen - derart massive Unterrohre gibt es in ähnlichen Formen auch bei Rennrädern ohne Motorunterstützung.
Der Mahle X20 Motor versteckt sich in der Hinterradnabe
# Der Mahle X20 Motor versteckt sich in der Hinterradnabe - dort ist er nur bei genauem Hinsehen zu erkennen.
Der Ladeanschluss über dem Tretlager entlarvt das Orbea Gain als E-Rennrad
# Der Ladeanschluss über dem Tretlager entlarvt das Orbea Gain als E-Rennrad - hier lässt sich in kurzer Zeit wieder viel Power speichern.

Steckbrief

EinsatzbereichTour, Gravel, Commute, Reise
RahmenmaterialCarbon
GabelCarbon
Gewicht (o. Pedale)11,5 kg
Stack569 mm
RahmengrößenXS, S, M, L, XL, XXL (im Test: M)
Websitewww.orbea.com
Preisspanne5.499 - 9.999 Euro
Preis: 9.999 Euro

Das neue Orbea Gain ist auf den ersten Blick nicht auf Anhieb als E-Rennrad zu erkennen. Der längliche Akku versteckt sich gekonnt im Unterrohr, das auch im direkten Vergleich zu Rennrädern ohne E-Unterstützung nicht unbedingt überdimensioniert erscheint. Der Motor ist in der Hinterradnabe platziert und nur zu erkennen, wenn man einen Blick hinter die Kassette oder die Bremsscheibe wirft. Ansonsten wirkt das Orbea Gain wie ein ganz normales Rennrad, lediglich die dezente Bedieneinheit mit LED-Display im Oberrohr und der Ladeanschluss über dem Tretlager deuten auf den E-Antrieb hin.

Orbea bietet das Gain in insgesamt 11 Varianten an
# Orbea bietet das Gain in insgesamt 11 Varianten an - die Preisspanne reicht von 2.999 - 9.999 Euro.

Orbea sagt, dass man die Elektrifizierung keinesfalls bewusst verstecken wollte, aber auch keine Notwendigkeit sah, das Design so zu verändern, dass man das Rad sofort als E-Rennrad erkennt. Das Gain soll in erster Linie ein Rennrad sein, die Unterstützung durch den E-Motor sei nur eine Zugabe, die den Spaß auf dem Rad deutlich erhöhen könne. Die Basken wollten ein Bike schaffen, das optisch ansprechend auftritt und nicht nur ältere Menschen anspricht, sondern für eine sehr breite Zielgruppe ein attraktives Erlebnis bietet.

Die Innovationen

Mahle X20 Nabenmotor

Die neueste Generation des Mahle Nabenantriebs mit der Bezeichnung X20 wirbt nicht mit maximaler Leistungsabgabe, sondern mit einem geringen Systemgewicht von nur 3,2 kg inklusive 350 Wh-Akku und einer intelligenten Steuerung, die sich zudem individuell anpassen lässt. Außerdem ist das deutsche Unternehmen Herstellern gegenüber offen, die eine eigene Motorsteuerung nach ihren Vorgaben umsetzen möchten.

Der Mahle X20 Motor baut recht kompakt
# Der Mahle X20 Motor baut recht kompakt - und ist komplett in der Hinterradnabe integriert.
Der längliche Akku hat eine Kapazität von 350 Wh
# Der längliche Akku hat eine Kapazität von 350 Wh - in das Tretlagergehäuse ist ein Leistungsmesser integriert.
Der Leistungsmesser ist ein wichtiges Teil zur Motorsteuerung
# Der Leistungsmesser ist ein wichtiges Teil zur Motorsteuerung - damit misst das System sehr sensibel, welche Kraft vom Fahrer auf den Pedalen ankommt.
Mit Unterstützungsstufe 1 sind für einen Fahrer mit rund 70 kg Gewicht laut Orbea rund 4.000 Höhenmeter Reichweite möglich
# Mit Unterstützungsstufe 1 sind für einen Fahrer mit rund 70 kg Gewicht laut Orbea rund 4.000 Höhenmeter Reichweite möglich - diese Angaben sind natürlich nur Richtwerte, erscheinen nach unseren Testfahrten jedoch realistisch.

Leistungsdaten des Mahle X20-Systems:

  • Motor Mahle X20
  • Max. Drehmoment 55 Nm
  • Max. Leistung 250 Watt
  • Max. Geschwindigkeit mit Unterstützung 25 km/h +10 %
  • Gewicht 1.399 Gramm
  • Q-Faktor Standard
  • Akku Standard 353 Wh
  • Optionaler Range Extender Mahle 171 Wh
  • Unterstützungsstufen 3, wählbar über Display oder Lenkerschalter (Option)
  • Bedienung Smartphone APP / Display-Einheit

Motortuning durch Orbea

Orbea hat nach eigenen Angaben sehr viel Arbeit in die Feinabstimmung der Motorsteuerung investiert. Den Basken ging es darum, das Tretgefühl so natürlich wie möglich zu erhalten, sprich die Kraft des Motors nur sehr dezent zur Wirkung kommen zu lassen. Dazu hat man in ständigem Austausch mit den Technikern von Mahle den Algorithmus der Motorsteuerung so lange angepasst, bis das gewünschte Unterstützungsverhalten gefunden war.

Das Display auf dem Oberrohr dient zur Anzeige der restlichen Akkukapazität
# Das Display auf dem Oberrohr dient zur Anzeige der restlichen Akkukapazität - die Farbe gibt an, welche Leistungsstufe ausgewählt wurde.
Der Carbon-Rahmen des Gain unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von einem herkömmlichen Rahmen
# Der Carbon-Rahmen des Gain unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von einem herkömmlichen Rahmen - allerdings ist das Unterrohr speziell für die Aufnahme des Akkus geformt.
Der Ladeanschluss ist schön im Rahmen integriert
# Der Ladeanschluss ist schön im Rahmen integriert - der Akku muss selbstverständlich zum Laden nicht entnommen werden.
Auf dieser Grafik ist schön zu sehen, wie die Motorleistung auf Level 1 und 2 linear erfolgt
# Auf dieser Grafik ist schön zu sehen, wie die Motorleistung auf Level 1 und 2 linear erfolgt - das sind jedoch nur Richtwerte, die vom Algorithmus auf die aktuelle Fahrsituation angepasst werden.

Sportives Fahren möglich

„Wir wollten ein leichtes Bike und wussten genau, dass es bei einem E-Rennrad nicht auf die maximale Power ankommt“, erklärt Joseba Arizaga, Road Production Manager bei Orbea, den Leitgedanken, der die Entwicklung des neuen Gain maßgeblich bestimmte.

Weil die werksseitige Mahle-Motorsteuerung nach Meinung von Arizaga und seinen Kollegen für wirklich sportives Fahren oft zu viel Power freisetzt, hat Orbea zusammen mit Mahle einen eigenen Algorithmus entwickelt und die Leistungsabgabe des Motors nach eigenen Vorstellungen abgestimmt. Und zwar mit dem Leitsatz „Enough Power“ – auf Wunsch genügend Leistung bereitstellen, aber eben auch nicht zu viel Power aufzwingen.

Trotz E-Motor muss man zumindest in Level 1 und 2 auch noch selbst treten
# Trotz E-Motor muss man zumindest in Level 1 und 2 auch noch selbst treten - Orbea hat das Gain betont sportlich abgestimmt.
Die Unterstützungsstufe kann bequem über die Druckschalter am Lenker gewählt werden
# Die Unterstützungsstufe kann bequem über die Druckschalter am Lenker gewählt werden - das Display gibt Auskunft über alle wichtigen Daten.
Am Top-Modell M10i sorgt eine Shimano Dura Ace Di2 Gruppe für geschmeidige Gangwechsel
# Am Top-Modell M10i sorgt eine Shimano Dura Ace Di2 Gruppe für geschmeidige Gangwechsel - ausserdem hilft sie dabei, das Gewicht auf 11,5 kg zu drücken.
Auch im Wiegetritt berghoch ist das Pedalgefühl sehr natürlich
# Auch im Wiegetritt berghoch ist das Pedalgefühl sehr natürlich - die Motorleistung ist nur subtil zu spüren.

Ausstattung: breites Angebot mit 11 Modellen

Spätestens beim Blick auf die Liste mit den angebotenen Modell-Varianten wird endgültig klar, wie ernst Orbea das Thema E-Rennrad nimmt. Die Basken haben eine umfangreiche Modellpalette aufgestellt und bieten das Gain Carbon in sechs unterschiedlichen Konfigurationen von 5.499 – 9.999 Euro an. Die günstigere Version mit Aluminium-Rahmen verzichtet aus Kostengründen auf die neueste Antriebseinheit von Mahle und kommt noch mit dem X35 Antrieb. Das sogenannte Gain Hydro ist in fünf Konfigurationen mit einer Preisspanne von 2.999 – 4.499 Euro erhältlich.

Nur die Carbon-Modelle ab 5.499 Euro kommen also in den Genuss der neuesten Antriebseinheit, die mit einem Leistungsmesser und einer feinfühligen Motorsteuerung ausgestattet ist. Nur in diesen Modellen kommt auch der spezielle Algorithmus von Orbea zum Einsatz, mit dem die Spanier die sportliche Abstimmung des neuen Gain erreichen. Alles hier im Test Gesagte, bezieht sich auf diese Modelle.

Das Top-Modell M10i kommt mit Dura Ace Di2 und 42 mm hohen Carbon-Felgen
# Das Top-Modell M10i kommt mit Dura Ace Di2 und 42 mm hohen Carbon-Felgen - der Preis liegt bei 9.999 Euro.
Die Sattelstützenklemmung ist formschön integriert
# Die Sattelstützenklemmung ist formschön integriert - genau wie das Rücklicht.
Auch vorne ist eine Beleuchtung integriert
# Auch vorne ist eine Beleuchtung integriert - direkt darüber kann der Radcomputer befestigt werden.
Beim Gravel-Modell M21e X1 kommen eine SRAM Force Gruppe und Aluminium-Laufräder zum Einsatz
# Beim Gravel-Modell M21e X1 kommen eine SRAM Force Gruppe und Aluminium-Laufräder zum Einsatz - der Preis für dieses Modell beträgt 7.599 Euro.

Interessant ist, dass Orbea auch drei Modelle mit Gravel-Konfiguration anbietet, obwohl sie das Gain ganz klar auf den Einsatz auf der Straße abgestimmt haben. Die Varianten mit dem X in der Modellbezeichnung rollen allesamt auf Gravel-Reifen zum Kunden und setzen auf 1x-Schaltungen von SRAM. Beim Gain Carbon kommen Pirelli Cinturato Gravel-Reifen mit einer Breite von 35 mm zum Einsatz. Der Aluminium-Rahmen des Gain Hydro bietet etwas mehr Reifenfreiheit und rollt auf 38 mm breiten Schwalbe G-One Bite.

Hier eine Übersicht aller aktuell erhältlichen Orbea Gain Modelle:

ModellRahmen/GabelSchaltgruppeLaufräderReifenMotorBatteriePreis
Gain M10iOrbea Gain Carbon/Gain OMR CarbonShimano Dura Ace Di2 2x12Carbon-Laufräder, 42 mm Felgenhöhe, tubeless ready, 21cPirelli Race TLR 30cMahle X20 tunedMahle 350 Wh9.999,- Euro
Gain M21e 1XOrbea Gain Carbon/Gain OMR CarbonSRAM Force AXS XPLR 1x12Aluminium-Laufräder, tubeless ready, 21cPirelli Cinturato Gravel TLR 35cMahle X20 tunedMahle 350 Wh7.599,- Euro
Gain M20iOrbea Gain Carbon/Gain OMR CarbonShimano Ultegra Di2 2x12Carbon-Laufräder, 42 mm Felgenhöhe, tubeless ready, 21cPirelli Race TLR 30cMahle X20 tunedMahle 350 Wh7.499,- Euro
Gain M31e 1XOrbea Gain Carbon/Gain OMR CarbonSRAM Rival AXS XPLR 1x12Aluminium-Laufräder, tubeless ready, 21cPirelli Cinturato Gravel TLR 35cMahle X20 tunedMahle 350 Wh6.599,- Euro
Gain M30iOrbea Gain Carbon/Gain OMR CarbonShimano 105 Di2 2x12Aluminium-Laufräder, tubeless ready, 21cPirelli Race TLR 30cMahle X20 tunedMahle 350 Wh6.299,- Euro
Gain M30Orbea Gain Carbon/Gain OMR CarbonShimano 105 mechanisch 2x11Aluminium-Laufräder, tubeless ready, 21cPirelli Race TLR 30cMahle X20 tunedMahle 350 Wh5.499,- Euro
Gain D30iOrbea Gain Hydro 6061 Hydroform Aluminium 2021/Gain Hydro CarbonShimano 105 Di2 2x12Aluminium-Laufräder, tubeless ready, 21cHutchinson Fusion TLR 30cMahle X35+ tunedMahle 250 Wh4.499,- Euro
Gain D30 1XOrbea Gain Hydro 6061 Hydroform Aluminium 2021/Gain Hydro CarbonShimano GRX 1x11Aluminium-Laufräder, tubeless ready, 21cSchwalbe G-One TLR 40cMahle X35+ tunedMahle 250 Wh3.999,- Euro
Gain D30Orbea Gain Hydro 6061 Hydroform Aluminium 2021/Gain Hydro CarbonShimano 105 mechanisch 2x11Aluminium-Laufräder, tubeless ready, 21cHutchinson Fusion TLR 30cMahle X35+ tunedMahle 250 Wh3.799,- Euro
Gain D40Orbea Gain Hydro 6061 Hydroform Aluminium 2021/Gain Hydro CarbonShimano Tiagra 2x10Aluminium-Laufräder, tubeless ready, 21cHutchinson Fusion TLR 30cMahle X35+ tunedMahle 250 Wh3.399,- Euro
Gain D50Orbea Gain Hydro 6061 Hydroform Aluminium 2021/Gain Hydro CarbonShimano Claris 2x8Aluminium-Laufräder, tubeless ready, 21cHutchinson Fusion TLR 30cMahle X35+ tunedMahle 250 Wh2.999,- Euro
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Ausstattung Testräder

Zum Test hat uns Orbea jeweils auf die Top-Modelle Gain M10i und Gain M21e 1X gesetzt. Das M10i ist das Spitzenmodell mit Straßen-Konfiguration und kommt mit einer Dura Ace Di2 2×12-Gruppe, sowie einem Carbon-Laufradsatz mit 42 mm hohen OC-Felgen und 30 mm breiten Pirelli P Zero Race Reifen in Tubeless-Version. Der Lenker mit 15 mm Rise ist aus Carbon und rundet die hochwertige Ausstattung ab.

Das Top-Modell Gain M10i konnten wir in Girona auf rund 150 km testen
# Das Top-Modell Gain M10i konnten wir in Girona auf rund 150 km testen - es ist top ausgestattet aber auch nicht ganz billig.

Auch im Gravel-Setup sind wir mit dem Top-Modell mit einer kompletten SRAM Force-Gruppe gefahren. Hier kommt ein Aluminium Laufradsatz und ein Alu-Gravel-Lenker zum Einsatz. Die Übersetzung mit 40er-Kettenblatt an der Kurbel und einer XPLR-Kassette mit 10–44 Zähnen bietet eine ausreichende Bandbreite.

Hier ein Blick auf das Gravel-Modell M21e 1X, das wir nur eine kurze Runde über rund 30 km fahren konnten
# Hier ein Blick auf das Gravel-Modell M21e 1X, das wir nur eine kurze Runde über rund 30 km fahren konnten - auf einfachen Schotterwegen funktioniert es super, beim echten Gravel-Einsatz auf technisch anspruchsvollem Gelände wirkte die Motorabstimmung jedoch nicht so passend wie auf der Straße.

Geometrie: Endurance Geometrie mit stabilem Fahrverhalten

Hinsichtlich der Geometrie gilt es zu beachten, dass sich die Werte des Gain Carbon und das Gain Hydro mit Aluminiumrahmen ein wenig unterscheiden Die Aluminium-Variante Gain Hydro hat in Größe M einen um 6 mm erhöhten Stack und 2 mm längeren Reach. Zudem sind die Kettenstreben 5 mm länger und der Radstand erhöht sich um 10 mm. Damit dürfte das Aluminium-Modell etwas stabiler und von der Sitzposition her auch etwas komfortabler ausgelegt sein, die Carbon-Variante ist also etwas sportlicher konstruiert.

Wir sind beim Test ausschließlich mit dem Gain Carbon gefahren. Die Sitzposition ist nicht unsportlich, aber im Vergleich zu Competition-Rennrädern natürlich deutlich entspannter. Der Reach des Orbea Gain Carbon ist dabei jedoch sportlich lang und bewegt sich in den gleichen Regionen wie beim Race-Bike Orbea Orca Aero. Dafür ist jedoch der Stack fast 3 cm höher. Somit sitzt man deutlich entspannter, aber nicht gänzlich unsportlich auf dem Gain Carbon. Zudem ist am Gain Carbon standardmäßig ein Riser-Lenker verbaut, der den Stack um 15 mm erhöht.

Die Endurance-Geometrie des Gain ist nicht unsportlich und vertrauenerweckend
# Die Endurance-Geometrie des Gain ist nicht unsportlich und vertrauenerweckend - auch auf schnellen Abfahrten zieht das Bike unbeirrt durch die Kurven.
Die Kettenstreben wurden im Vergleich zum Vorgänger etwas kürzer.
# Die Kettenstreben wurden im Vergleich zum Vorgänger etwas kürzer.
Das Stuerrohr ist endurance-typisch recht lang und sorgt so für eine komfortable Sitzposition.
# Das Stuerrohr ist endurance-typisch recht lang und sorgt so für eine komfortable Sitzposition.

Nachfolgend die detaillierten Geometrien beider Versionen zum Ausklappen und zum Vergleichen in unserem Geometrics-Tool.

Gain Carbon Geometrie:

Rahmengröße XS S M L XL XXL
Laufradgröße 28″ / 700C 28″ / 700C 28″ / 700C 28″ / 700C 28″ / 700C 28″ / 700C
Reach 370 mm 378 mm 386 mm 394 mm 402 mm 410 mm
Stack 525 mm 547 mm 569 mm 591 mm 613 mm 635 mm
STR 1,42 1,45 1,47 1,50 1,52 1,55
Lenkwinkel 71° 71,2° 71,5° 72° 72,2° 72,5°
Sitzwinkel, real 74,5° 74° 73,5° 73,5° 73,3° 73,2°
Oberrohr (horiz.) 516 mm 535 mm 555 mm 569 mm 587 mm 602 mm
Steuerrohr 113 mm 136 mm 158 mm 181 mm 203 mm 225 mm
Sitzrohr 430 mm 460 mm 490 mm 515 mm 540 mm 570 mm
Kettenstreben 415 mm 415 mm 415 mm 415 mm 415 mm 415 mm
Radstand 984 mm 998 mm 1.011 mm 1.022 mm 1.035 mm 1.047 mm
Tretlagerabsenkung 78 mm 78 mm 78 mm 76 mm 76 mm 76 mm
Tretlagerhöhe 263 mm 263 mm 263 mm 265 mm 265 mm 265 mm
Einbauhöhe Gabel 380 mm 380 mm 380 mm 380 mm 380 mm 380 mm
Gabel-Offset 50 mm 50 mm 50 mm 50 mm 50 mm
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Gain Hydro Geometrie:

Rahmengröße XS S M L XL
Laufradgröße 28″ / 700C 28″ / 700C 28″ / 700C 28″ / 700C 28″ / 700C
Reach 366 mm 377 mm 388 mm 399 mm 410 mm
Stack 525 mm 550 mm 575 mm 600 mm 625 mm
STR 1,43 1,46 1,48 1,50 1,52
Lenkwinkel 71° 71,5° 72° 72° 72,5°
Sitzwinkel, real 75° 74,5° 74,5° 74° 74°
Oberrohr (horiz.) 507 mm 530 mm 547 mm 571 mm 589 mm
Steuerrohr 97 mm 122 mm 146 mm 172 mm 196 mm
Sitzrohr 460 mm 485 mm 515 mm 545 mm 575 mm
Kettenstreben 420 mm 420 mm 420 mm 420 mm 420 mm
Radstand 986 mm 1.001 mm 1.021,5 mm 1.040,5 mm 1.049 mm
Tretlagerabsenkung 74 mm 74 mm 74 mm 74 mm 74 mm
Tretlagerhöhe 267 mm 267 mm 267 mm 267 mm 267 mm
Einbauhöhe Gabel 400 mm 400 mm 400 mm 400 mm 400 mm
Gabel-Offset 50 mm 50 mm 50 mm 50 mm 50 mm
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Orbea Gain auf dem Kurs

Bei der ersten Begegnung mit dem Orbea Gain M10i wirkt das Bike wie ein ganz normales Rennrad. Optik und Sitzposition verraten zunächst nicht, dass man es hier mit einem E-Rennrad zu tun hat. Die Position auf dem Rad ist sportlich lang, die Überhöhung fällt jedoch eher wie bei einem komfortablen Endurance-Rennrad aus. Der Fizik Antares R5 Sattel ist sportlich straff gepolstert und deutet ebenfalls darauf hin, dass es auf dem Gain trotz Motorunterstützung sportlich zugehen soll.

Die Kabel und Leitungen sind nicht komplett versteckt aber schön unter dem Vorbau zusammengeführt
# Die Kabel und Leitungen sind nicht komplett versteckt aber schön unter dem Vorbau zusammengeführt - Lenker und Vorbau lassen sich so sehr einfach tauschen.

Mit einem kurzen Druck auf den Einschaltknopf auf dem Oberrohr direkt hinter dem Vorbau, erwacht die Elektronik von Mahle zum Leben. Das Display besteht lediglich aus einigen LED-Elementen, die mit ihrer Länge den Ladezustand der Batterie symbolisieren und mit ihrer Farbe die Stufe der Unterstützung anzeigen. Weiß bedeutet keine Unterstützung, grün steht für Stufe 1, rot für Level 2 und violett schließlich für Stufe 3, mit der sich die volle Kraft des Nabenmotors schon relativ leicht aktivieren lässt.

Los geht unsere Fahrt auf Stufe 1. Hier fällt schon nach den ersten Metern auf, dass sich das Pedalieren sehr natürlich anfühlt. Das Tretgefühl ist komplett anders, als zum Beispiel bei einem typischen E-MTB, bei dem der Motor gerne schon bei leichtem Druck auf dem Pedal mit voller Kraft anschiebt. Der Nabenmotor des Gain geht viel subtiler zu Werke. Dass er wirklich anschiebt, ist eher zu hören als zu fühlen, denn der Motor erzeugt ein leichtes Betriebsgeräusch, das jedoch so leise ist, dass es nie störend wirkt.

Gut abgestimmte Unterstützungs-Level

Stufe 1

Die Unterstützung in Stufe 1 erfolgt eher unterschwellig und ausgezeichnet dosiert, man hat nie das Gefühl, dass etwas Merkwürdiges passiert. Auch wenn man aus dem Sattel geht und hart antritt, bleibt die Unterstützung des Motors gefühlt sehr dezent, obwohl sie von den reinen Zahlen her betrachtet natürlich anwächst. Denn die Unterstützung erfolgt komplett linear. Je mehr Kraft aufs Pedal gebracht wird, desto mehr Leistung steuert der Motor bei. In Stufe eins ist das Kräfte-Verhältnis auf etwas mehr als 3:1 programmiert. Tritt man 150 Watt, packt der Motor rund 45 Watt dazu, bringt man 300 Watt aufs Pedal, kommen roundabout 90 Watt aus elektrischer Energie dazu. Das sind jedoch nur stark vereinfachte Richtwerte. In der Praxis funktioniert der Algorithmus zur Leistungssteuerung natürlich viel komplexer und ist so programmiert, keine unnatürlichen Leistungsspitzen zu produzieren.

Das Gain fährt nicht allein den Berg hoch, ohne eigene Leistung sinkt das Tempo auf Schneckenniveau.

Die Steuerung funktioniert reibungslos, man spürt schon nach wenigen Kilometern, dass Orbea viel Arbeit in die Feinabstimmung des Systems gesteckt hat. Das Tretgefühl bleibt auf dem kompletten Pedalweg sehr rund und natürlich. Mitunter vergisst man gar auf einem E-Rennrad zu sitzen, und hat das Gefühl einfach wahnsinnig gut in Form zu sein. Sobald es in die Berge geht, wird die Unterstützung deutlicher spürbar, aber nur deshalb, weil man eigentlich erwartet, stärker treten zu müssen. Dennoch bleibt der Aufwand, den man selbst erbringen muss, mehr als spürbar. Werden die Berge steiler, wächst auch die Anstrengung und der Puls steigt. Das Gain fährt nicht allein den Berg hoch, ohne eigene Leistung sinkt das Tempo auf Schneckenniveau.

Mit Unterstützungslevel 1 geht der Motor sehr feinfühlig zu Werke
# Mit Unterstützungslevel 1 geht der Motor sehr feinfühlig zu Werke - und steuert nur eine überschaubare Kraft bei.

Stufe 2

Wird die Anstrengung zu hoch, wechselt man am Orbea Gain schnell die Unterstützung. Um das zu ermöglichen, verbaut Orbea am Gain die optionalen Lenkerschalter von Mahle. So kann man mit einem Druck auf den rechten Knopf die Unterstützung eine Stufe nach unten und mit Betätigen des linken Schalters die Power nach oben regeln. Das ist so praktisch, dass man es mitunter zum Überbrücken kurzer Steilpassagen nutzt, anstatt den Gang zu wechseln. An einer steilen Rampe kurz die Unterstützung auf Stufe 2 oder gar 3 erhöhen und danach wieder auf 1 reduzieren, funktioniert mit den Blipschaltern am Lenker äußerst komfortabel.

Die intuitive Unterstützungswahl ist übrigens kein Standard-Merkmal bei Mahle. Bei puristischer Mahle-Konfiguration wählt man mit einem Druck auf den Schaltknopf am Display die Unterstützungsstufe. Dabei ist das Schaltschema festgelegt: Es lautet „0-1-2-3-2-1-0“. Bedeutet: kein schnelles Hin- und Zurückschalten über das Display, sondern häufiges Drücken und Nachdenken.

Aber wie fühlt sich denn nun das Fahren auf Stufe 2 an? Die Antwort ist kurz: genauso natürlich wie auf Stufe 1, nur deutlich kraftvoller. Denn jetzt wird das Kräfteverhältnis auf rund 2:1 erhöht. Tritt man also 100 Watt, addiert der Motor 50 Watt. Kommen 200 Watt auf die Pedale, steuert der kompakte E-Motor in der Hinterradnabe rund 100 Watt obendrauf. Damit kann man sehr zügig den Berg nach oben fliegen. Begleiter mit einem Rennrad ohne Motor sollten jetzt schon auf Profi-Niveau unterwegs sein, um dauerhaft mithalten zu können. Aber auch hier gilt uneingeschränkt: Die Unterstützung läuft subtil, das Tretgefühl ist immer noch sehr natürlich, interessanterweise auch im Wiegetritt.

Auf Stufe 2 kommt schon deutlich mehr Power vom Motor
# Auf Stufe 2 kommt schon deutlich mehr Power vom Motor - trotzdem bleibt das Pedalgefühl sehr natürlich.

Und noch etwas fällt positiv auf: Die Unterstützung des Motors erfolgt komplett unabhängig von der Trittfrequenz. Das schafft nicht jeder E-Antrieb, oftmals ist eine gewisse Mindest-Kadenz gefragt, um in den vollen Genuss der elektrischen Unterstützung zu kommen. Nicht so beim Orbea Gain, der Motor schiebt auch beim langsamen Pedalieren gleichmäßig und ohne spürbare Schwankungen tapfer an.

Stufe 3

Last but not least bleibt noch Unterstützungsstufe 3. Sie liefert am ehesten die spontane und unbändige Power, die man von E-MTBs kennen mag. Hier erfolgt die Unterstützung im Verhältnis 1:1 und wesentlich spontaner und aggressiver als in den beiden Leveln zuvor. Damit schwindet auch das natürliche Trittgefühl. Das Gefühl, dass man auf wundersame Weise weit über seinem normalen Leistungsniveau auf einem „normalen“ Rennrad fährt verabschiedet sich. Jetzt wird bei jeder Pedalumdrehung sofort und unmittelbar klar, dass man es mit einem E-Bike zu tun hat.

Die beigesteuerte Power ist enorm und bestimmt das Geschehen zu jeder Zeit. Jetzt kann man sich zurücklehnen, leicht die Beine bewegen und sich vom Motor den Berg hinauf tragen lassen. Ob das noch etwas mit Rennradfahren zu tun hat, muss jeder selbst entscheiden, dennoch gehört auch diese Unterstützungsstufe natürlich in jedes E-Rennrad. Philosophie-Fragen sollen an dieser Stelle ohnehin keine Rolle spielen. Level 3 kommt dann zum Einsatz, wenn eigentlich nichts mehr geht, am Ende des Tages der Berg immer steiler wird oder man sich einfach an der beeindruckenden Kraft des Motors erfreuen möchte.

Mit Level 3 kann man sich hingegen zurücklehnen und muss die Beine nur noch leicht bewegen
# Mit Level 3 kann man sich hingegen zurücklehnen und muss die Beine nur noch leicht bewegen - den Rest erledigt der kraftvolle Mahle X20 Motor.

Der 25-km/h-Elefant im Raum

Bleibt zu guter Letzt nur noch der große weiße Elefant im Raum: die 25 km/h-Schwelle. Am Berg funktioniert das Orbea Gain einwandfrei und bereitet viel Freude, egal wie fit man auch sein mag. Für die meisten E-Rennrad Skeptiker ist jedoch die maximale Geschwindigkeit, bis zu der ein E-Motor in Europa anschieben darf, das eigentliche Problem. Was nützt all die Power am Berg, wenn man in der Ebene mit jämmerlichen 25 km/h rumzuckeln muss. Ein Tempo, das den gemeinen Rennradfahrer sicher nicht zu Begeisterungsstürmen reißt.

Manchmal beim Blick auf den Radcomputer ist man überrascht, dass man schon mit 30 km/h oder mehr unterwegs ist.

Hier hängt alles davon ab, wie die Abschaltung gestaltet ist. Und beim Orbea Gain ist dieser kritische Übergang einwandfrei gelungen. Man muss dazu wissen, dass der Schnitt nicht hart erfolgen muss, sondern das Gesetz eine Toleranz von 10 % einräumt. Diese wird beim Gain Carbon sehr geschickt genutzt und damit das Problem recht gut entschärft. Die Abschaltung der Motorunterstützung erfolgt so subtil und fein geregelt, dass man manchmal beim Blick auf den Radcomputer überrascht ist, dass man schon mit 30 km/h oder mehr unterwegs ist und gar nicht gespürt hat, dass man die Schwelle überschritten hat. Richtig spürbar ist der Übergang nur dann, wenn man auf einer leicht ansteigenden Route unterwegs ist. Dann spürt man schon, dass der Motor ab einem gewissen Tempo nicht mehr mitarbeitet und dass man mehr leisten muss, um die Geschwindigkeit zu erhöhen.

Die Ab- und Zuschaltung der Motorleistung an der gesetzlichen Schwelle von 25 km/h plus 10 % erfolgt sehr feinfühlig und sanft
# Die Ab- und Zuschaltung der Motorleistung an der gesetzlichen Schwelle von 25 km/h plus 10 % erfolgt sehr feinfühlig und sanft - damit wird dieses „Totschlag-Argument“ recht wirksam entkräftet.

Auch in umgekehrter Reihenfolge setzt die Power sehr feinfühlig und kaum spürbar ein. Fährt man mit hohem Tempo in eine Steigung und wird zunehmend langsamer, setzt der Motor sehr weich über eine Spanne von 2-3 km/h ein und fährt die Unterstützung sehr fein nach oben. Wobei sich diese Schilderungen vorwiegend auf Level 1 und bedingt auch 2 beziehen. In Unterstützungsstufe 3 sind die Übergänge natürlich deutlicher zu spüren.

Im Bereich über 25-27 km/h fährt sich das Orbea Gain wie ein normales Rennrad. Freilich wie ein sehr schweres Rennrad, aber nicht wie mit einer eingebauten Bremse. Ein spanischer Mitarbeiter von Mahle hat mir im Gespräch während einer Ausfahrt erklärt, dass ein Mehraufwand beim Treten durch den Motor kaum messbar sei und im Bereich von 1-3 Watt liegen dürfte. Das erscheint absolut glaubhaft und deckt sich mit dem Gefühl auf dem Rad bei 30 km/h und mehr. In einer Gruppe mit hoher Geschwindigkeit mitzufahren ist jedenfalls kein Problem, zumindest so lange es nicht leicht bergauf geht und mit 35 km/h oder mehr gefahren wird.

Fahrverhalten

Da es bisher hauptsächlich um den Motor und dessen Unterstützung ging, abschließend in diesem Kapitel noch ein paar Worte zum Fahrverhalten des Orbea Gain Carbon. Es ist vertrauenerweckend und stabil. Hier hat man es nicht mit einem nervösen Rennpferd zu tun, sondern mit einem soliden und zuverlässigen Begleiter auf allen Wegen. Auch auf schnellen Abfahrten zieht das spanische E-Rennrad zuverlässig und ohne Überraschungen durch schnelle Kurven. Die recht hohen Laufräder reagieren durchaus auf Seitenwind, jedoch keineswegs in einem beängstigenden Ausmaß. Durch die Tubeless-Reifen mit 30 mm Breite ist zudem der Komfort recht hoch, sodass langen Touren auf dem Gain nichts im Wege steht.

Die verbauten Dura Ace Bremsen sind über jeden Zweifel erhaben und funktionieren auch mit den verbauten Bremsscheiben von Galfer herausragend. Die Original-Scheiben der Dura Ace sind nicht mit der Hinterradnabe kompatibel, deshalb kommen die Alternativen des spanischen Herstellers zum Einsatz. Die benötigten Handkräfte sind gering, die Dosierung der Bremsleistung hervorragend. Ebenso fällt auf, dass die Bremsklötze auch nach langen Passabfahrten nicht an den Scheiben schleifen. Kurzum, es gibt keinerlei Kritik an der Bremsleistung des Gain M10i

Dura Ace Schaltung und Bremsen sind über jeden Zweifel erhaben.
# Dura Ace Schaltung und Bremsen sind über jeden Zweifel erhaben.
Die Ergonomie am Lenker unterscheidet sich nicht von einem Rennrad ohne Motor.
# Die Ergonomie am Lenker unterscheidet sich nicht von einem Rennrad ohne Motor.
Die Reifenfreiheit beträgt 35 mm
# Die Reifenfreiheit beträgt 35 mm - serienmäßig rollt das Testrad auf 30 mm breiten Pirelli Pneus.

Das ist uns aufgefallen

  • Schaltgruppe Ob eine Dura Ace Gruppe an einem E-Rennrad Sinn macht, muss letztlich jeder für sich entscheiden. Aber ein paar hundert Gramm Gewichstunterschied spielen in dieser Kategorie keine große Rolle und Ultegra und 105 Di2 bringen gemeinhin keine gravierenden Performance-Abstriche mit.
  • Allroad- oder Road-Antrieb? Der Antrieb des Orbea Gain ist sehr gut abgestimmt für den Straßeneinsatz. Auf eng verwinkelten Offroad-Kursen mit vielen kleinen Anstiegen und Abfahrten passt die Motorcharakteristik hingegen nicht ideal. Gravel-Fans sollten deshalb besser auf das E-Gravel-Bike von Orbea warten.
  • Individualisierung Wie bei Orbea üblich, kann auch das Gain in vielen individuellen Farben bestellt werden. Zusätzlich lassen sich Komponenten auswählen und die Maße von Lenker und Vorbau anpassen. Ein solch individuell zusammengestelltes Bike sollte in der Regel vier Wochen später beim Händler ankommen.
  • Für wen? Alle, die Rennrad fahren möchten, ohne sich zu wirklich anzustrengen. Sportler, die Grundlagentraining im Gebirge machen möchten (oder müssen, weil sie zum Beispiel dort wohnen). Rennradfahrer, die ihren Freunden am Berg immer hinterherhecheln und mit stärkeren Fahrern auf Tour gehen möchten.
  • Für wen besser nicht? Alle, die beim Rennradfahren noch nie die Sehnsucht nach einem Motor hatten.
Die Gravel-Varianten sind ideal für leichte Offroad-Einsätze
# Die Gravel-Varianten sind ideal für leichte Offroad-Einsätze - echte Gravel-Fans sollten lieber auf das Gravel-E-Bike von Orbea warten.

Aktuelle E-Rennräder und E-Gravel-Bikes im Marktumfeld

  • Trek Domane+ SLR Hierbei handelt es sich um ein ebenfalls voll auf den Straßen-Einsatz optimiertes E-Rennrad mit dem TQ HPR50-Motor.
  • BMC Roadmachine AMP Auch das BMC ist ein reinrassiges Rennrad und wird mit Muskelkraft und dem Mahle X20-Nabenmotor angetrieben. Wir konnten es bereits testen.
  • Ducati Futa AXS Der Motorrad-Hersteller hat ein leichtes E-Rennrad mit 42 Nm-Nabenmotor im Angebot.
  • Pivot E-Vault Ein E-Gravel-Bike mit dem bekannten Fazua 2.0-Mittelmotor.
  • Specialized Creo SL Ein absoluter Vorreiter auf dem Gebiet der E-Gravel-Bikes mit leichtem Mittelmotor. Klickt auf die Modellbezeichnung, um zu unserem Test zu gelangen.
Mit der 30 mm breiten Straßenbereifung ist die Allroad-Tauglichkeit ebenfalls hoch
# Mit der 30 mm breiten Straßenbereifung ist die Allroad-Tauglichkeit ebenfalls hoch - zumindest auf trockenem Untergrund.

Fazit – Orbea Gain

Wer ein E-Rennrad auf seiner Einkaufsliste stehen hat und sich trotz elektrischer Unterstützung sportlich betätigen möchte, sollte das neue Orbea Gain mit in den Favoritenkreis aufnehmen. Die Basken betonen, dass sie ihr E-Rennrad sportlich positionieren möchten und das ist ihnen auch gut gelungen. In Level 1 und 2 fühlt sich das Pedalieren sehr natürlich an und der Nabenmotor geht wirklich feinfühlig und sensibel ans Werk. So lässt sich die eigene Fitness verbessern, während man an Anstiegen endlich mit einer stärkeren Gruppe mithalten kann. Zudem ist das Gain ein ideales Rennrad für Menschen, die sich nicht fit genug zum Rennradfahren fühlen oder aufgrund gesundheitlicher Beschwerden etwas kürzertreten müssen. Die Unterstützung des Motors ist sehr subtil, aber auf Knopfdruck auch sehr kraftvoll vorhanden, wenn sie benötigt wird. Erfreulich sind die günstigen Einstiegspreise und der – gemessen an Top-Rennrädern ohne Motor– noch moderate Preis des Spitzenmodells von 9.999 Euro. Das Gain ist durchaus auch für unspektakuläre Schottertouren geeignet, richtige Gravel-Fans mit Hang zum E-Motor sollten jedoch auf das Orbea-E-Gravel-Bike warten.

Pro
  • Sehr feinfühlig abgestimmter Motor
  • Motor nicht zu dominant
  • Günstige Einstiegspreise
  • Große Modellvielfalt
  • Individuelle Ausstattungswünsche und Farben möglich
  • Vertrauenerweckendes Fahrverhalten
  • Große Reichweite
  • Integrierte Beleuchtung
Contra
  • Aufgrund des Nabenmotors kein einfacher Laufradtausch möglich
  • Keine perfekte Abstimmung für Gravel-Einsatz
Gain PressCamp-221645
# Gain PressCamp-221645

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Noch mehr zum Thema E-Rennrad auf Rennrad-News:

Text: Harald Englert / Fotos: Orbea
  1. benutzerbild

    dopero

    dabei seit 01/2019

    Stevens hat den Fazuaantrieb verbaut.;)
    Es gibt elegantere (und höchstwahrscheinlich effizientere) Möglichkeiten als eine 90° Umlenkung beim maximalen Getriebedrehmoment.
  2. benutzerbild

    big-foot

    dabei seit 09/2006

    Es gibt elegantere (und höchstwahrscheinlich effizientere) Möglichkeiten als eine 90° Umlenkung beim maximalen Getriebedrehmoment.
    Mag sein, aber da die Kombination Mensch Maschine beim Pedelec sowieso schon sehr effizient ist, kommt es für mich nicht auf die letzten Wirkungsgradprozente an.

    Für mich war das direkte Rennradgefühl mit dem widerstandslosem Freilauf ganz wichtig.
    Die volle Akkukapazität habe ich bisher nie gebraucht (obwohl nur 250 Wh).
  3. benutzerbild

    Altmetal

    dabei seit 01/2018

    Ich finde es lächerlich wenn man sich unter 5w/kg FTP ein Rennrad zulegt.. wenn man mit nem 30er Schnitt durch die Landschaft schleicht, sollte man lieber auf ein Cityrad umsteigen..
    Bist Du der Zweitaccount vom @CrossRacer ?
  4. benutzerbild

    CrossRacer

    dabei seit 01/2018

    Ein Renntad ist nur dann ein Rennrad wenn man das kleine 39er Blatt im Mittelgebirge nicht benutzt.

    E-Buke im Winter wäre nicht schlecht. Mit dem Akku könnte man eine Lenker- und Sattelheizung betreiben.

    Vermutlich wird mit E-Rennrädern schon ein höherer Umsatz getätigt als mit Selbstfahrern-
    Ein Umbenennen der Zeitschrift in E-Rennrad ist unvermeidlich...
  5. benutzerbild

    Altmetal

    dabei seit 01/2018

    Ei da isser ja!

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