Rüdiger „Rudi“ Selig gilt als eine der deutschen Sprinthoffnungen für die Zukunft. Er hat im vergangenen Jahr als Stagiare im Team Leopard mit einem Sieg beim Mémorial Frank Vandenbroucke für Aufsehen gesorgt. Nur wenigen jungen Fahrern gelingt es, in der „Probezeit“ einen Sieg bei den Profis einzufahren. Zudem gewann er 2011 den Titel des Deutschen Meisters im Punktefahren und wurde Vierter der U23-WM in Kopenhagen. Diese Erfolge brachten ihm einen Vertrag beim russischen Team Katusha ein. Grund genug für uns, ihm einige Fragen zu stellen.

Rennrad-News.de: Hallo, Rudi, wie geht’s?
Rüdiger Selig: Gut geht’s mir, danke. Ich bin etwas angeschlagen nach der Ster ZLM Toer, aber bis Sonntag [DM Straße in Grimma, d. A.] wird das schon wieder werden.

Stichwort Ster: Dort hattest du ja einige vordere Platzierungen. Vor einigen Tagen lief es beim Pro Race in Berlin mit dem zweiten Platz hinter André Greipel noch besser. Fühlst du dich als Neo-Profi schon angekommen?
Was heißt angekommen – ich fühle mich einfach gestärkt durch solche Ergebnisse. Ich bin hoch motiviert, noch mehr zu geben und zu zeigen, was in mir steckt. Ich will halt beweisen, wozu ich fähig bin. Aus diesem Grund würde ich erst sagen, dass ich angekommen bin, wenn ich mein Ziel erreicht habe, das ich mir für dieses Jahr gesteckt habe: Einen ersten richtigen Profisieg, denn der vom letzten Jahr zählt nicht.

Wo siehst du dafür in den kommenden Monaten deine Perspektiven?
Ich hoffe, dass ich noch öfter die Chance bekomme, als erster Sprinter zu agieren und Ergebnisse bzw. Siege einzufahren! Da ich aber meist Spätform in der Saison habe, bin ich recht zuversichtlich, dass da noch mehr kommt.


Der Preis für den zweiten Platz beim Garmin ProRace.

Du bist ja noch relativ jung und kannst dich in den kommenden Jahren noch in verschieden Richtungen hin entwickeln. Glaubst du, dass deine Stärken auch in Zukunft in den schnellen Finals liegen werden, oder eher in Klassiker-Rennen wie beispielsweise Roubaix, bei dem du ja in diesem Jahr auch am Start warst?
Ja, das stimmt. In meinem Alter ist man noch flexibel. Man kann sich noch in mehreren Bereichen behaupten – Bergfahrer werd ich nicht mehr. Das ist wohl ziemlich absehbar. Ich will mich auch noch gar nicht richtig festlegen. Ich liebe die Klassiker, wie ich in diesem Jahr feststellen konnte und will dort im kommenden Jahr bessere Resultate einfahren. In der zweiten Saisonhälfte möchte ich mich dann aber wieder mehr auf den Sprint konzentrieren. Flexibilität ist im Radsport enorm wichtig!

Bei Katusha gibt es ja mit Erik Zabel einen starken und erfahrenen Mentor für Fahrer deines Typs. Wie wichtig ist er für dich?
Für mich persönlich ist er enorm wichtig. Allein schon, wenn er nach dem Rennen mit einem Schulterklopfen meine Leistung anerkennt, bedeutet mir unheimlich viel. Gerade er weiß, wie schwer es ist, unter dem Leistungsdruck, unter dem man als Sprinter steht, das gewünschte Ziel zu erreichen. Zudem sind die Tipps, die er einem vor dem Rennen im Hinblick auf das Sprintfinale gibt, enorm hilfreich. Er ist aber auch privat ein sympatischer Renner.

War er auch ein Grund für dich, bei Katusha zu unterschreiben? Schließlich warst du ja im vergangenen Jahr bei Leopard als Stagiare unterwegs und hast dort sogar einen Sieg eingefahren. Wäre deren Nachfolgeteam keine Option für dich gewesen?
Nein, Katusha war jederzeit eine gute Alternative für mich. Da seit diesem Jahr auch viele Deutsche dort unter Vertrag stehen, war die Entscheidung leicht für mich, zu diesem Team zu wechseln. Dass Erik dort ebenfalls angestellt ist, war zudem ein Ausschlag gebender Grund für mich. Bei Leopard gab es außerdem diverse Probleme, die in diesem Jahr noch extremer vorhanden sind. Katusha war für mich daher die perfekte Entscheidung!

Du hast es soeben kurz angesprochen. Wie ist es in einem Team mit vielen Fahrern aus anderen Nationen, aber einem weithin deutschen Management?
Naja, die Menatlitäten der verschiedenen Fahrer aus unterschiedlichen Nationen sind immer sehr amüsant und interessant. Für mich besteht das größte Problem derzeit in der Sprachbarriere und dem Italienisch-Englisch-Mix! Aber mit der Zeit wird das schon werden.


Fokussiert auf die anstehenden Aufgaben.

Wirst du nur von deinem Team unterstützt, oder hast du auch private Sponsoren?
Nein, zur Zeit werde ich nur von meinem Team unterstützt. Für eigene Sponsoren fehlen noch die herausragenden Ergebnisse. In Berlin sind die Möglichkeiten, einen Sponsor zu finden, jedoch viel größer, als in meiner alten Heimat Leipzig.

Was würdest du jungen Fahrern mit auf den Weg geben, damit ihnen der Schritt gelingt, den du nun gehst?
Bleibt immer am Ball und setzt eure Ziele realistisch – umso größer ist die Freude wenn ihr sie erreicht! Arbeitet euch einfach so voran. Ehrgeiz und Disziplin ist das Schwierigste am Radsport, aber das zeichnet ihn ja auch so aus. Radsport ist halt eine Lebenseinstellung und ein 24-Stunden-Job, den man nur lieben kann.

Rudi, vielen Dank für deine Antworten! Bevor wir dir nun viel Erfolg für die anstehenden Aufgaben wünschen, möchten wir dir zum Abschluss noch einige Schnellschüsse entlocken.

Flache oder ansteigende Sprints? Flache!
Sonne oder Regen? Sonne und Regen!
Naschkatze oder Ernährungsfanatiker? Naschkatze.
Rundfahrt oder Klassiker? Klassiker.
Rennen oder Training? Rennen!!!

Für Rüdiger Selig stehen am Sonntag in Grimma die Deutschen Meisterschaften auf dem Plan. In seiner alten Heimat wird er hochmotiviert an den Start gehen. Wir wünschen viel Glück!

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  1. benutzerbild

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