Ein veränderter Kurs und geradezu widerliche Bedingungen machten den Cyclocross Worldcup in Namur zum packendsten Rennen der bisherigen CX-Saison. Mathieu van der Poel gewann, aber keinesfalls überlegen. Das Rennen und die vollständigen Ergebnisse sowie ein Video des Kurses am Hinterrad von Sven Nys und mehr in unserer Serie Muddy Monday. Dort findet ihr jeden Montag während der Cyclocross-Saison Neuheiten aus dem CX- und Gravelbereich.

CX Weltcup Namur

Adrie van der Poel hatte den neuen Kurs von Namur schon kritisiert: Er wäre gut gewesen, sei aber nun schlicht „lelijk“, was man in dem Fall wohl mit „garstig“ übersetzen muss. Die an Höhenmetern reiche Runde versank im Schlamm. Dabei war es genau so kalt, dass der Dauerregen sich gerade noch nicht in Schnee verwandelte. Die CX-Bikes versanken bis zu den Schaltwerkskäfigen im Schlamm und die Fahrer pflügten durch Pfützen in Tretlagertiefe. „Es war schon ein Kletterkurs, aber jetzt ist es endgültig einer“, sagte Lucinda Brand zu Sven Nys im Video von ihrer Streckenbesichtigung. Ob es am Recon mit der CX-Legende lag, dass sie später das Frauenrennen gewann, sei mal dahingestellt.

Das Rennen der Männer

Zum Start des Männer Rennens fanden sich laut Eurosport-Kommentar 65 Fahrer ein. Telenet-Fidea übernahm nach dem Start mit vier Fahrern die Spitze, dahinter Sweeck und van der Poel. Aber die Taktik griff schon nach der ersten Abfahrt nicht mehr. Dort ging Van der Poel in jede Lücke, die sich ihm bot und nahm auch einmal eine Ecke Schulter an Schulter mit den Löwen. Nach dem schlammigen „Downhill“ lagt MvdP schon auf Platz 2. Wohl auch dank der Entscheidung, die versandete 90-Grad-Kurve am Ende nicht zu fahren, sondern zu laufen (siehe Video unten). Am Ende des folgenden Kopfsteinpflaster Anstiegs lag Van der Poel schon vorne. Und die anschließende leicht abfallende, schlammige Gerade fuhr er bereits ein paar Sekunden schneller als der Rest. Auch der britischen CX-Hoffnung Tom Pidcock lag der Kurs gut. Er schlitterte schon in der zweiten Runde am Weltcupführenden Eli Iserbyt vorbei auf Platz 9.

Aber der Einzige, der MvdP zunächst kontern konnte, war Toon Aerts. Der belgische Meister hatte letztes Wochenende die lange Siegesserie von Mathieu van der Poel beendet. Nun ging er auf dem Kopfsteinpflaster zunächst nach vorne und fuhr sogar die bisher schnellste Runde auf dem Kurs. Aerts und Van der Poel lieferten sich dann ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wie man es lange nicht mehr gesehen hat, seit MvdP dabei ist. Schnellster Fahrer zu der Zeit war allerdings Tom Pidcock, der sogar Zeit auf die den belgischen Meister und den Weltmeister gut machte, während er auf Platz 3 vorfuhr und sich an die Verfolgung machte.

Eli Iserbyt wurde das tragische Opfer der Bedingungen. Er legte zunächst bei einem Radwechsel eine Jacke an. Wenig später musste er zur medizinischen Versorgung vom Kurs getragen werden.

Das Rennen entwickelte sich episch. Es gelang Toon Aerts einen angezählten Mathieu van der Poel bis auf 18 sekunden zu distanzieren. Doch der Weltmeister kämpfte sich zurück. In der letzten Runde schlüpft Aerts dann das Hinterrad kurz weg. MvdP attackiert sofort. Aerts müht sich wieder ran, kommt auf der Abfahrt hin, ist dran, stürzt, kommt nicht mehr richtig aufs Rad und auch nicht mehr richtig ins Rennen. Tom Pidcock kommt später an der gleichen Stelle zu Fall, hat Mühe seinen Platz vor Korne van Kessel zu verteidigen – und es gelingt ihm nicht; geschlagen auf den letzten Metern nach einem herausragenden Rennen. Ein super Rennen fuhr erneut Marcel Meisen. Der Deutsche Meister im CX kam auf Platz 8 ins Ziel, obwohl er nach dem Start noch aus dem hinteren Drittel des Feldes angreifen musste. Auch Meisen hatte sich bei der Kursbesichtigung nicht begeistert von dem Kurs gezeigt. „Das ist echt ein Skandal“, sagt er über die Stelle im Video. Dort wurden Treppen abgedeckt und mit einer Schicht aus Sand verkleidet, um sie „fahrbar“ zu machen.

Nachspiel: So wie bei diesem Rennen hat man Mathieu van der Poel seit dem Amstel Gold Race nicht mehr jubeln sehen. Unter derart harten Bedingungen zu gewinnen, bedeutet auch ihm mehr. Im Zielbereich müssen die Fahrer minutenlang bibbernd und schlotternd ausharren, bevor sie wieder bewegungsfähig sind. Noch beim Interview 20 Minuten nach der Ankunft zittert Mathieu van der Poel wie Espenlaub.

Ergebnisse CX Worldcup Namur Männer

Ergebnisse Worldcup CX Namur 2019 Männer

Das Rennen der Frauen

Im Rennen der Frauen setzten sich zunächst die Niederländerinnen an die Spitze, Annemarie Worst und Ceylin del Carmen Alvarado zunächst ganz vorne, aber die spätere Siegerin Lucinda Brand arbeitete sich bereits in der ersten Runde vor. Die zunächst aussichtsreich positionierte Britin Anna Kay musste wegen der Kälte ebenfalls Plätze hergeben.

In der zweiten Rennhälfte kamen dann die US-amerikanischen Fahrerinnen immer stärker auf. Sie reisten frisch aus ihrem Saison-Höhepunkt, der US-Meisterschaft an, wo es ähnliche Bedingungen gab. Die Plätze 5 bis 8 gingen an US-Fahrerinnen. Anders als Kathie Compton musste sich US-Meisterin Clara Honsinger dabei von weit hinten im Feld auf ihren 6. Platz vor Compton auf dem 7. vorarbeiten.

Ergebnisse CX Worldcup Namur Frauen

Ergebnisse CX Worldcup Namur Frauen

Was steht nächstes Wochenende an?

So lange muss man gar nicht warten auf das nächste CX-Highlight. Schon am 26.12.2019 geht es weiter mit dem Weltcup in Zolder. Für Freitag wird dann die Rückkehr von Wout van Aert ins Renngeschehen erwartet.

Gravelride Freunde müssen ebenfalls nicht verzagen: Am 29. 12. gibt es den Iltis Gravelride in Herdorf. Und eine kleine Vorschau: Am 4. Januar lockt der Pathfinder Giro für eine Edition in die Hügel von Limburg. Die Veranstalter haben einen Ruf, echte Feinkost an Gravelrouten zu scouten.

Habt ihr noch Cyclocross- oder Gravelbike-Tipps für das kommende Wochenende?

Infos: Redaktion / Foto: Screenshot Video

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