Marcel Meisen fährt als Deutscher Meister zur Cyclocross Weltmeisterschaft in Valkenburg. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was er sich für die WM vorgenommen hat, nach Tipps zum Zuschauen gefragt, aber auch über das Material und Taktikfragen geredet. 

Hallo Marcel, erstmal herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Cyclocross. Was hast Du mit dem Meistertrikot gemacht?

Vielen Dank. Das liegt zusammen mit der Medaille noch bei mir im Schlafzimmer, bald kommt es aber zu den anderen DM-Trikots. Auf die Medaille und das Originaltrikot lege ich aber nicht allzu großen Wert, wichtig ist mir vor allem die Vorfreude, ein Jahr im DM-Trikot fahren zu dürfen und später dann auch die Erinnerung daran. Durch das Tragen wird man jeden Tag wieder an seinen Erfolg erinnert.

Wie viele Trikots im Meisterdesign bekommt man eigentlich und von wem?

Bei der Siegerehrung gibt es ein Trikot. Alle weiteren Exemplare kommen vom Team dann später mit den entsprechenden Teamsponsoren.

Es ist jetzt Dein vierter deutscher Meistertitel, den Sieg in der U23 eingeschlossen. Freut man sich da anders als beim ersten?

Ja, schon etwas. Der U23 Titel als erstjähriger U23 Fahrer kam viel überraschender und da freut man sich natürlich dann besonders.

Im Rennen in Bensheim sah es bis zur 6. Runde so aus, als könnte Sascha Weber Dich vielleicht doch distanzieren. Es schien dann, als hättest Du immer in der zweiten Rundenhälfte wieder aufgeholt. Was konntest Du dort besser?

Sascha war in der ersten Rennhälfte sehr stark und hat Druck gemacht, durch mehrfache Attacken. Ich habe aber gemerkt, dass ich diese immer sehr gut parieren konnte. Der kurze steile Anstieg lag mir sehr gut und ich habe gemerkt, dass ich dort etwas stärker als Sascha war.

Wie würdest Du im Nachhinein den Kurs charakterisieren? Ein Kurs, der Dir lag? Welche Kurse liegen Dir im Allgemeinen?

Es war auf jeden Fall eine schnelle Strecke. Für den Januar eher untypisch gab es keine matschigen Passagen und dadurch gab es ein etwas taktisches Rennen zu Beginn. Ich finde immer, wenn die Form super ist, kann man auf allen Strecken gut fahren. Aber am liebsten habe ich Kurse mit Höhenmetern und matschigen Abfahrten.

Wenn einer gewinnt, fragt keiner nach Fehlern, wir tun es trotzdem mal: Hast Du einen Fehler im DM-Rennen gemacht, an den Du Dich jetzt noch erinnern kannst?

Meistens ist das, neben stark sein, der Schlüssel zu einem Sieg bei einer Meisterschaft, cool und ruhig bleiben und keine Fehler machen. Ich denke das war in diesem Jahr auch der Fall. Aber natürlich habe ich auch mal hier und da einen kleinen Rutscher gehabt.

Außer der Stärke im Fahrerfeld – was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Weltcup-Rennen und einer Deutschen Meisterschaft?

Mit dem stärkeren Fahrerfeld hängt alles zusammen. Es gibt viel mehr Fahrer auf gleichem Niveau, das heißt es ist immer jemand vor dir, den du Überholen musst. Im Endeffekt heißt das: das ganze Rennen Vollgas. Eine Deutsche Meisterschaft kann auch schonmal etwas taktisch werden. Unterm Strich ist es aber gar nicht so unterschiedlich. Wer als erstes über die Ziellinie fährt gewinnt – und dafür muss man ziemlich feste Treten können.

Was ist Dein Ziel im CX-Weltcup?

Für mich zählen vor allem gute Ergebnisse in den einzelnen Weltcupläufen. Letztes Jahr ist mir mit einem 2. Platz ein Knaller gelungen. Das ist mir viel lieber als viele mittelmäßige Ergebnisse. Wenn ich aber regelmäßig in die Top10 fahren kann, bin ich mit meiner Saison zufrieden.

Was ist Dein Lieblingsrennen im Weltcup?

Namur.

Du hast gesagt, Du willst bei der Weltmeisterschaft Cyclocross unter die Top10 fahren. Liegt Dir der Kurs?

Ich denke schon. Die Strecke ist sehr schwer mit vielen Höhenmetern, aber auch technisch mit einigen Schräghängen. Dadurch ist es eine Strecke, die nicht lügt, und die besten werden vorne sein.

Ich finde den Cyclocross-Start immer wieder unglaublich spannend – kannst Du das mal in Deinen eigenen Worten beschreiben?

Da darf man am besten gar nicht allzuviel drüber nachdenken. Gerade bei schnellen Strecken ist der Start sehr wichtig. In der ersten Runde kann man viel Zeit verlieren, wenn man ins hintere Getümmel gerät. Wichtig ist es, super schnell in die Pedale zu klicken. Genauso wichtig ist es aber auch, sich auf einer langen Startgeraden nicht mit einem langen Startsprint kaputtzufahren, davon erholt man sich nicht so schnell, und im ersten Moment merkt man es nicht, durch das Adrenalin ist man wie im Tunnel.

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Wie wird der Start bei Cyclocross-WM laufen? Weißt Du schon, wo Du stehen wirst?

Gestartet wird immer nach Weltrangliste. Ich stehe momentan um Platz 10, das heißt zweite Reihe.

Hast Du einen Supporter-Club an der Strecke?

Einen richtigen Supporterclub habe ich nicht an der Strecke. Aber die WM ist für mich mit 40km von meinem Zuhause so nah wie nie zuvor. Die Chance werden viele Leute, die ich kenne, nutzen und sich das Rennen ansehen.

Wo ist für Zuschauer wohl der schönste Platz in Valkenburg zum Zuschauen?

Der Großteil der Strecke spielt sich hinter dem Casino ab auf den Hängen des Caubergs. Durch die Hanglage kann man etwa die Hälfte der Strecke sehen, mit Blick auf die schwierigste Abfahrt und eine lange Laufpassage – ideal für die Zuschauer.

Was sind die größten Herausforderungen der Strecke?

Bis auf die Zielgerade gibt es in Valkenburg kein flaches Stück auf der Strecke. Geprägt ist sie von kurzen Anstiegen, hier ist es wichtig, dass man in der Euphorie einer WM in den ersten Runden nicht überdreht.

Wann reist Du zum Training an?

Der erste richtige Test im Renntempo wird Samstag am Tag vorm Rennen sein. Dann weiß man auch was einen wettermäßig erwarten wird.

Wieviel Zeit bekommen die Rennfahrer überhaupt, um auf dem Kurs zu trainieren?

In den Tagen vor der WM gibt es mehrmals offizielle Trainingszeiten. Es ist aber auch nicht ratsam im Vorfeld viel auf der Strecke zu fahren, da sie sich auch schnell, bei Regen oder Tauwetter sogar minütlich, verändern kann.

Wieviel verschiedene Reifentypen probiert man im Training aus?

Ich selbst habe vier Reifenprofile. Zu 95% werden aber nur zwei Profile genutzt und die werden meistens beide probiert. Manchmal weiß man aber schon, wenn einem die Nachwuchsfahrer schlammverschmiert entgegenkommen, dass es das ganz grobe Matschprofil wird.

Du hast Guerciotti als Radsponsor. Sind italienische Crossräder anders? Welche Rolle spielt das Material generell?

Ich denke sehr viel unterscheiden sich die Topmodelle heutzutage nicht mehr. Wichtig ist, dass man sich gut fühlt auf dem Rad.
Das Material ist natürlich sehr wichtig, da es sehr beansprucht wird. Vor allem die Schaltung muss top eingestellt sein, damit sie die vielen und abrupten Schaltvorgänge verkraftet.

Elektronische oder mechanische Schaltung?

Ich fahre seit Jahren elektronische Schaltung und bin sehr zufrieden. Sehr zuverlässig und schaltet immer, egal wie kalt, egal wie dreckig.

Weißt Du, wie lange ein Satz Beläge an deinen Scheibenbremsen am Trainingsrad hält?

Das kommt ganz auf das Wetter an. Bei Nässe und dreckigen Straßen sind Discbremsbeläge manchmal in 2-3 Wochen runtergebremst. Im Normalfall bei eher trockenem Wetter halten sie aber mehrere Monate.

Wout van Aert und Mathieu van der Poel dominieren das Renngeschehen bei den Männern im Cyclocross weitgehend. Wünschen sich die anderen Fahrer da schonmal, die beiden würden früher auf die Straße wechseln?

Wünschen nicht wirklich. Superstars hat es schon immer gegeben und sie bringen dem Sport natürlich auch viel Aufmerksamkeit.

Danke für das Interview und viel Erfolg in Valkenburg.

 

Artikelbild: Marcel Meisen beim Weltcup in Zeven / Foto: Jan Gathmann

Über den Autor

Jan Gathmann

Jan Gathmann leitet die Rennrad-News Redaktion von Wuppertal aus, der Stadt, die ihr Radstadion dem Fußball opferte. Er testet, interviewt und versucht Renngeschehen in Worte zu fassen. Jan ist gelernter Journalist, testet seit 20 Jahren Fahrräder (davor Autos) und schreibt darüber ebenso gerne wie über Menschen aus der Fahrradwelt, unter anderem schon für Trekkingbike, Velomotion und zuletzt beim RADtouren-Magazin. Er fährt am liebsten alles, was einen Rennbügel hat: vom Bahnrad bis zum Monster-Gravelbike. Jan liebt auch Schlamm, weshalb er gelegentlich auf dem MTB gesehen wird. Persönliche Palmarès sind ein beendetes C-Klasse Amateurrennen und ein 10. Platz bei einer Deutschen Fahrradkurier-Meiserschaft in Berlin.

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