Openingsweekend – so heißt in Belgien das Wochenende, das die Klassikersaison einläutet. Es setzt sich zusammen aus dem Omloop het Nieuwsblad (ehemals Omloop Het Volk) am vergangenen Samstag und Kuurne-Brussel-Kuurne am Sonntag. Beide führen durch die Region, die auch die Flandernrundfahrt beherbergen. Sie nutzen teilweise identische Streckenabschnitte. Ein Blick auf das Klassement gleicht deshalb ein wenig auch einer Befragung des Orakels für die großen Frühjahrsklassiker

Kälte und Wind prägten das Openingsweekend 2018, bei dem auch Cyclocross-Weltmeister Wout van Aert am Start stand. Ein Vorteil hatte der belgische CX-Star, der am Samstag beim Omloop het Nieuwsblad fuhr : Wettkampfbelastung bei Temperaturen um 4 Grad Celsius ist er aus dem Crosssport gewohnt. Experten des belgischen Sportsenders Sporza hatten van Aert vor dem Start gute Chancen auf eine Top-10-Platzierung zugeschrieben, was angesichts des hochkarätig besetzten Feldes im UCI-Rennen der Kategorie 1.1 ein Erfolg gewesen wäre. Wie bei der Flandernrundfahrt sind beim Omloop einige kurze, steile, mit Kopfsteinpflaster bedeckte Anstiege meist rennentscheidend – in Belgien Hellinge genannt. Das Finale des Omloop het Nieuwsblad war dabei 2018 zum ersten Mal identisch mit den ehemaligen Schlusskilometern der Flandernrundfahrt. Es führte zunächst über die legendäre Muur van Geraardsbergen, bevor es über den mit besonders groben Kopfsteinpflaster bedeckten Bosberg Richtung Ziel ging.

Tatsächlich ging van Aert sogar in der Spitzengruppe über die Muur und animierte das Finale zusammen mit Klassikerspezialisten wie Sep Vammarcke, Greg Avermaet oder Zdenek Stybar. Später sagte er gegenüber Wielerkrant, dass er „unsicher über seine wahren Fähigkeiten“ i da Rennen gegangen sei und in diesem Sinne mit der „falschen Einstellung“ an die Sache herangegangen sei. Im weiteren verlauf des Finale des Omloop, dem va Aert als „nicht sehr nervös charakterisierte“, holte das Feld die Spitzengruppe noch ein. Den Sieg holte sich der Däne Michael Valgren Andersen. Bester Deutscher wurde Marcus Burghardt vom Team Boa-Hansgrohe vor Łukasz Wiśniowski vom Team Sky. Mit Sepp Vanmarcke auf Platz 3, Jasper Stuyven auf 4 und Pilippe Gilbert auf 5 zeigten sich schon einige Klassikerspezialisten in den Top10. Insgesamt fuhren nur 98 Fahrer unter den schweren Bedingungen in Belgien bis ins Ziel.

Die Top 10 der Männer Elite beim Omloop Het Nieuwsblad

1) Michael Valgren Andersen – Astana Pro team
2) Lukasz Wisniowski – Team Sky
3) Sep Vanmarcke – Education First-Drapac
4) Jasper Stuyven – Trek-Segafredo
5) Philippe Gilbert – Quick Step Floors
6) Edward Theuns – Team Sunweb
7) Bert van Lerberghe – Cofidis
8) Sonny Colbrelli – Bahrain-Merida
9) Arnaud Demare – FdJ
10) Marcus Burghardt – Bora-Hansgrohe

Im Rennen der Frauen Elite waren 122 km zu fahren mit demselben schweren Finale wie im Rennen der Männer Elite. Auch in das Peloton der Damen mischten sich Cyclocross-Fahrerinnen, etwa die Luxemburgerin Christine Majerus oder die Niederländerin Lucinda Brand. Majerus war auch in einer Fluchtgruppe vertreten, die sich am Berendries, einer der Hellingen, absetzte. Fahrerinnen wie die Zeitfahr-Weltmeisterin Annemiek van Vleuten und die Italienische Meisterin Elena Cecchini prägten das Renngeschehen an der Muur, das Feld lief aber wieder zusammen und das Rennen wurde schließlich im Sprint entschieden, den ebenfalls eine Dänin gewann: Christina Malling Siggaard vom Team Virtu Cycling. Beste Deutsche wurde Lisa Klein von Canyon-Sram auf Platz 17, dann folgt Mieke Kröger (ebenfalls Virtu) mit 5 Sekunden Rückstand auf die Siegerin auf Platz 41. Kim Johanna Kohlmeyer, mir der wir vor dem Rennen ein Interview geführt hatten, fuhr nicht über die Ziellinie.

Die Top10 des Omloop het Nieuwsblad bei den Frauen Elite

1) Christina Malling Siggaard – Virtu Cycling
2) Alexis Ryan – Canyon-Sram Racing
3) Maria Giulia Confalonieri – Valcar PBM
4) Chloe Hoskin – Ale-Cipollini
5) Coryn Rivera – Sunweb
6) Nina Kessler – Hitec Products-Birk Sport
7) Jeanne Korevaar – Waowdeals
8) Jolien D’Hoore – Mitchelton Scott
9) Marta Cavalli – Valcar PBM
10) Audrey Cordon Ragot – Wiggle-High5

Beim zweiten Klassiker des Openingsweekend gab es kein Frauen-Rennen. Bei Kuurne-Brüssel-Kuurne, in Belgien kurz als KBK bekannt, standen viele Fahrer, die schon am Vortag dabei waren, erneut am Start, unter ihnen auch Arnaud Demare, der gar in kurzen Hosen den Temperaturen trotzte. Nicht gemeldet war allerdings Peter Sagan, der den frühen Frühjahrsklassiker bereits gewinnen konnte und deshalb in Eroberer-Pose das offizielle Plakat des Rennens schmückte. Bei Kuurne-Brussel-Kuurne hatte es ebenfalls Streckenänderungen im Vorfeld gegeben. Sie machten eine Sprintankunft wahrscheinlicher. Tatsächlich wurde der Sieg in einem einem kleinen verbliebenen Peloton aus 91 Fahrern ausgefochten, nachdem zuvor Team Lotto-Soudal viel Verfolgungsarbeit geleistet hatte. Es setzte sich schließlich der Niederländer Dylan Groenewegen mit mehreren Radlängen klar durch, gefolgt von Arnaud Demare auf Platz 2 und Sonny Cobrelli auf dem dritten Platz. Nils Politt von Katusha Alpecin wurde bester Deutscher mit einem 13. Platz im Peloton.

Top10 bei Kuurne-Brüssel-Kuurne 2018

1) Dylan Groenewegen – Lotto NL-Jumbo
2) Arnaud Demare – FdJ
3) Sonny Colbrelli – Bahrain-Merida
4) Pim Lightart – Roompot-Nederlands Lotterij
5) Justin Jules – WB Aquaprotect-Veranclassic
6) Jean-Pierre Drucker – BMC
7) Guillaume Boivin – Israel Cycling Academy
8) Lukasz Wisniowski – Sky
9) Julien Vermote – Dimension Data
10) Timothy Dupont – Wanty-Groupe Gobert

Kuurne-Brussel-Kuurne wurde übrigens am Vortag des Profi-Rennens auch als Hobby-Rennen ausgetragen. Würdet ihr euch so früh in der Saison bei einem Jedermann-Event an den Start gehen?

Artikelbild: Bora-Hansgrohe/Bettiniphoto

Über den Autor

Jan Gathmann

Jan Gathmann leitet die Rennrad-News Redaktion von Wuppertal aus, der Stadt, die ihr Radstadion dem Fußball opferte. Er testet, interviewt und versucht Renngeschehen in Worte zu fassen. Jan ist gelernter Journalist, testet seit 20 Jahren Fahrräder (davor Autos) und schreibt darüber ebenso gerne wie über Menschen aus der Fahrradwelt, unter anderem schon für Trekkingbike, Velomotion und zuletzt beim RADtouren-Magazin. Er fährt am liebsten alles, was einen Rennbügel hat: vom Bahnrad bis zum Monster-Gravelbike. Jan liebt auch Schlamm, weshalb er gelegentlich auf dem MTB gesehen wird. Persönliche Palmarès sind ein beendetes C-Klasse Amateurrennen und ein 10. Platz bei einer Deutschen Fahrradkurier-Meiserschaft in Berlin.

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