Sprinterduelle gibt es bei der Tour auch in den Bergen. Marcel Kittel und Mark Cavendish schieden nach der 11. Etappe aus, weil sie das Zeitlimit nicht schafften. Greipel knackt als erster Fahrer die Schallmauer von 100 km/h. Außerdem zeigte sich erst jetzt am zweiten Alpentag, wie hart die Roubaix-Etappe im Feld wirklich zugeschlagen hat. Rigoberto Uran stieg verletzungsbedingt aus, Rafal Majka leidet unter Sturzfolgen.

Die erste harte und kurze Alpenetappe hat das Fahrerfeld der Tour de France stark dezimiert. Bei den Sprintern im Peloton herrschten schon vor Beginn Bedenken, ob das Zeitlimit zu schaffen sei. Marcel Kittel von Katusha Alpecin hatte sich auf der 10. Etappe gerade noch innerhalb des Limits ins Ziel gerettet – eine halbe Minute länger und er wäre ausgeschieden. Auf der 11. Etappe bezwang der Sprinter die Berge nicht innerhalb der Karenzzeit. Auch Mark Cavendish vom Team Dimension Data und sein Anfahrer Mark Renshaw überschritten die von der Organisation gesetzte Grenze um mehr als 10 Minuten.

Im sonst sehr rührigen Twitter-Kanal von Katusha blieb es ob dem Tour-Aus für Kittel ruhig. Die Mannschaft ist jetzt nur noch mit vier Fahrern im Peloton vertreten. Sprintstar Andrè Greipel (Lotto-Soudal) schaffte es innerhalb der Karenzzeit ins Ziel und setzte eine kleine Spitze auf Twitter ab.

Dass er es innerhalb der Zeit ins Ziel schaffte, verdankt Greipel vielleicht auch seiner Fahrtechnik. Zumindest stellte er auf einer Abfahrt der 11. Etappe einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf. Er wurde als erster Fahrer der Tour 2018 mit über 100 km/h auf einer Abfahrt gemessen.

Die Karenzzeit der 11. Etappe

Die Karenzzeit einer Tour-Etappe richtet sich nach der Zeit des Siegers und dem Schwierigkeitsgrad. Je schwerer die Etappe und je schneller der gefahrene Schnitt, desto größer ist die Zeittoleranz. Die 11. Etappe war wegen ihrer Kürze und gleichzeitig vielen Höhenmeter diejenige mit dem meisten Spielraum für die Nachzügler. Die Tour Organisation A.S.O. verlieh ihr als einziger Bergetappe den Koeffizient „5“ von 7 – dabei sind 6 und 7 den Zeitfahren vorbehalten. Bedeutet: Beim vom Sieger Geraint Thomas gefahrenen Schnitt von über 30 km/h bleiben den Letzten noch 12 % der Siegerzeit, um ins Ziel zu gelangen. Rick Zabel schaffte es mit 30 Minuten übrigens ebenfalls nicht innerhalb des Limits. Er wurde aber wegen eines mechanischen Defektes „begnadigt“ und darf weiter fahren. Als Grund gibt die Rennjury an, dass der Defekt mangels Materialfahrzeug in der Nähe nicht schnell genug behoben werden konnte.

Spätfolgen der Roubaix-Etappe

Rigoberto Uran hat sich vor dem Start der mythischen 12. Etappe nach Alpe d’Huez von der Tour de France 2018 verabschiedet. Der Kolumbianer war am Sonntag auf der Roubaix-Etappe schwer gestürzt. „Heute muss ich schlechte Neuigkeiten mitteilen“, sagte Uran. „Ich habe mich nach dem Absturz nicht erholt. Gestern, bei der ersten richtigen Bergetappe, hatte ich den ganzen Tag Schmerzen in meinem Körper.“ Das Team will sich nun auf Etappensiege konzentrieren.

Auch beim deutschen Team Bora-Hansgrohe führte die Roubaix-Etappe zu einem Strategie-Wechsel. Bei der 11. Etappe zeigte sich, dass Team Kapitän Rafal Majka wegen eines Sturzes auf dem Kopfsteinpflaster nicht mehr mit den Besten mithalten kann. Majka: „Leider haben mich die beiden Stürze auf der Etappe nach Roubaix mehr als erwartet getroffen. Ich habe mich einfach nicht gut erholt und vermisse viel Kraft im Vergleich zur letzten Woche. Es ist eine Schande, weil sich das ganze Team so engagiert auf dieses Rennen vorbereitet hat. Doch es gibt nichts, was wir jetzt tun können. Ich muss mich erst erholen und dann werden wir sehen, was wir noch aus dieser Tour herausholen können“. Laut Sportdirektor Enrico Poitschke will man den Fokus nun neu setzen und sich noch stärker um den Gewinn des Grünen Trikots kümmern. Es sitzt zur Zeit fest auf den Schultern von Peter Sagan, der sich auf der 11. Etappe sogar in eine Ausreißergruppe mit Kletterern begab, um es zu halten.

Was haltet ihr von der Karenzzeit-Regel bei der Tour de France?

Foto: © BORA – hansgrohe / bettiniphoto
  1. benutzerbild

    Deleted88880

    dabei seit 01/1970

    Prinzipiell finde ich die Karenzzeitregel gut und richtig um damit den Renncharakter aufrecht zu halten. Andererseits ist die Regel zu streng, mit bspw. 12% auf 4:00 h Siegerzeit dürfen die letzten Fahrer gerade mal eine knappe halbe Stunde länger brauchen als der Sieger. Der Veranstalter schneidet sich damit ins eigene Fleisch wenn alle Topsprinter ausscheiden bzw. selbst aussteigen. Die Sprintwertung verliert damit deutlich an Bedeutung.
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