Steckbrief: Giant Seek
| Einsatzbereich | Tour, Rennen, Gravel |
|---|---|
| Rahmenmaterial | Aluminium |
| Gabel | Carbon |
| Gewicht (o. Pedale) | 7,3 kg |
| Stack | 477 mm |
| Rahmengrößen | One Size (im Test: One Size) |
| Website | www.giant.com |
| Preisspanne | 1.799 Euro - 2.999 Euro |
Das neue Giant Seek ist für junge Fahrerinnen und Fahrer ausgerichtet, die ihre ersten Erfahrungen auf einem echten Rennrad sammeln möchten oder schon Rennen fahren. Der ALUXX-Aluminiumrahmen ist speziell auf die Anatomie kleinerer Körper zugeschnitten. Mit im Paket ist eine leichte Carbon-Gabel, die für präzises Handling und ordentlichen Komfort sorgen soll.
Die Ausstattung wurde durchgängig auf kleinere Körpermaße angepasst: So hat der Giant Contact SL Lite Lenker einen kürzeren Reach und Drop, die Bremshebel sind für kleine Hände optimiert und sollen mit weniger Kraftaufwand auskommen – hilfreich, wenn Bremskraft und Griffstärke noch nicht auf Erwachsenen-Niveau sind. Die Sattelstütze glänzt mit langem Auszug und ermöglicht damit eine Anpassung an ein breites Größenspektrum von ungefähr 130 bis 150 cm Körpergröße. So zumindest die Größenempfehlung von Giant für die jungen Interessenten.
Details
Eines der größten Probleme von Rennrädern für Kinder ist deren oftmals verhältnismäßig hohes Gewicht und die nicht kindgerechten Abmessungen. Es genügt eben nicht, einfach einen kleinen Rahmen zu bauen und ihn mit Komponenten für Erwachsene zu bestücken. Wenn die Fahrerin oder der Fahrer selbst nur 30 kg wiegt, wirkt sich das Gewicht der Rennmaschine umso mehr auf die Performance aus. Deshalb hat Giant mit einer geschickten Konstruktion und Materialwahl versucht, das Gewicht des Seek so gering wie möglich zu halten, ohne die Kosten explodiieren zu lassen.
Erfreulich ist, dass am Giant Seek Laufräder in der etwas kleineren Größe 650B zum Einsatz kommen. Das spart nicht nur Gewicht, sondern hält auch die sogenannten rotierenden Massen kleiner und erleichtert damit das Handling. Der Aluxx Rahmen ist sehr sauber verarbeitet und sieht im Falle unseres Testbikes nur mit Klarlack veredelt und in Kombination mit der schwarzen Gabel einfach klasse aus. Wer es bunter mag, muss für die Purple Storm Lackierung 10 % Aufpreis zahlen.
Sowohl der Lenker als auch die Brems-Schalthebel sind zudem speziell für Kinder ausgewählt. So fällt die Bedienung und das initiale Zurechtfinden auf dem neuen und ungewohnten Fahrrad deutlich leichter. Auch die Wahl von elektronischen Schaltungen ist ein geschickter Schachzug, denn die Kids, die für das Seek in Frage kommen, haben in der Regel noch sehr kleine Hände und würden sich sehr schwer damit tun, mechanische Schaltungen über die typische Drehbewegung der Hand zu bedienen.
Auch die Wahl eines 1-fach Antriebes ist eine kluge Entscheidung, denn die klare Logik vereinfacht die kindgerechte Bedienung enorm. Es gibt nichts zu überlegen: eine Taste für schwerere Gänge, eine für leichteres Treten. Diese Logik ist nach wenigen Kilometern verstanden und so können sich die Jungs und Mädchen ganz aufs Fahren konzentrieren.
Ausstattung: 2 Varianten mit elektronischer Schaltung
Das Seek wird in zwei unterschiedlichen Ausstattungsvarianten angeboten: das Seek 1 mit von uns gewogenen 7,34 kg und das 1.200 Euro günstigere Seek 2 mit 8,23 kg (Herstellerangabe). Beide bieten das gleiche Rahmenset mit Aluminium-Rahmen und Carbon-Gabel, unterscheiden sich jedoch bezüglich der Laufräder und Ausstattungsdetails.
Das Seek 2 mit Giant ALP Disc-Laufrädern und elektrischer Microshift-Schaltung kostet 1.799 €. Das deutlich leichtere Seek 1 ist in den zwei Farben Raw Aluminium und Purple Storm zu Preisen von 2.999 € bzw. 3.299 € erhältlich. An Bord sind neben der elektronischen TRP Vistar 12-fach-Schaltung auch hochwertige Laufräder von Giant mit Carbon-Felgen sowie eine Carbon-Sattelstütze.
Welcher Variante man den Vorzug gibt, dürfte in den meisten Fällen auch klar vom Preis mitbestimmt werden. 3.000 Euro sind kein Pappenstiel und gerade wenn man nicht weiß, ob der Nachwuchs wirklich langfristig vom Rennrad begeistert sein wird, auch eine ziemlich große Investition. Man sollte jedoch auch bedenken, dass man das Bike zumindest bei pfleglicher Behandlung vermutlich auch wieder zu einem ordentlichen Preis weiterverkaufen kann.
Super auch, dass beim Giant Seek 1 serienmäßig Gravel Bereifung mitgeliefert wird, die natürlich auf die gleichen Laufräder aufgezogen werden kann. Beide Varianten des Seek sind auch unter dem Markennamen LIV mit anderer Farbgebung für Mädchen erhältlich.
Hier die beiden Ausstattungsvarianten im Vergleich:
| Modell | Seek 1 | Seek 2 |
|---|---|---|
| Preis | 2.999 € | 1.799 € |
| Gewicht | 7,34 kg (gewogen) | 8,23 kg |
| Rahmen | AluxX Rahmen, 12x142 mm Max. Reifenfreiheit: 37mm | AluxX Rahmen, 12x142 mm Max. Reifenfreiheit: 37mm |
| Gabel | Advanced Vollcarbon Gabel, OD1 Gabelschaft, 12x100 mm | Advanced Vollcarbon Gabel, OD1 Gabelschaft, 12x100 mm |
| Gruppe | TRP Vistar 1x12 | Microshift e-shifting 1x10 |
| Übersetzung | 30- 11-36 | 30- 11-38 |
| Laufradsatz | GIANT SLR 1 Disc Carbon 650B, Tubeless Ready, 40 mm | Giant ALP Disc 650B, Tubeless Ready |
| Reifen | GIANT Gavia Course 0, 650Bx28c, Tubeless Ready, 170 TPI Auslieferung schlauchlos | GIANT Gavia Course 0, 650Bx28c, Tubeless Ready, 170 TPI Auslieferung schlauchlos |
| Besonderheiten | Inklusive Giant Crosscut Grip 1 650Bx35C tanwall Gravel-Reifen |
Geometrie: Für Kids von 130 bis 150 cm Körpergröße
Mit kurzem Reach, tiefem Tretlager und flachem Lenkwinkel ist die Geometrie des Seek speziell auf Nachwuchs-Racer zwischen 130 und 150 cm Körpergröße abgestimmt. Die kurzen 427 mm Oberrohrlänge und ein kompakter Reach von 325,5 mm unterstützen eine sportliche, aber keinesfalls extreme Sitzposition. Das Gesamtkonzept soll für Fahrstabilität, einfache Kontrolle und eine ergonomische Sitzposition sorgen – ideal für den Einstieg ins sportliche Rennradfahren.
Hier die Werte im Detail:
| Rahmengröße | One Size |
|---|---|
| Laufradgröße | 27,5″ / 650B |
| Reach | 325,5 mm |
| Stack | 476,5 mm |
| STR | 1,46 |
| Lenkwinkel | 70,6° |
| Sitzwinkel, effektiv | 78° |
| Oberrohr | 427 mm |
| Steuerrohr | 88 mm |
| Sitzrohr | 350 mm |
| Überstandshöhe | 610 mm |
| Kettenstreben | 400 mm |
| Radstand | 918 mm |
| Tretlagerabsenkung | 75 mm |
| Gabel-Offset | 55 mm |
Der erste Kontakt
Wer selbst Kinder hat, wird es wissen: Um den Nachwuchs für einen neuen Sport zu begeistern, sollte dieser einen gewissen Coolness-Faktor haben und das Sportgerät sollte auch gut aussehen. Ersteres ist dank des aktuellen Booms des Radsports sowohl bei den Männern, als auch bei den Damen, fast ein Selbstläufer. Wenn in den Sommermonaten zu Hause die Heldinnen und Helden des modernen Radsports über die Bildschirme nach Hause kommen, wird der Nachwuchs fast automatisch infiziert, zumindest in einem Haushalt mit sportbegeisterten Eltern.
Damit es auch hinsichtlich des optischen Auftritts gut passt, sind die Giant Designer den ungewöhnlichen Weg gegangen und haben die Farbgebung der Bikes auch von Kids im passenden Alter mitbestimmen lassen. So ist es wenig überraschend, dass die Designs in der Regel gut ankommen. Unser Tester war auf jeden Fall nach Sichtung der ersten Fotos im Internet sofort Feuer und Flamme und stimmte einem mehrwöchigen „Test“ sofort zu.
Die optische Nähe der Junior-Rennräder zu den Rennmaschinen der Erwachsenen kommt sicher auch von dem Einsatz der Aero-Felgen, die sofort eine gemeinsame Basis mit den Bikes der Erwachsenen schaffen. Und jugendliche Racerinnen und Racer möchten in erster Linie auf ähnlichem Material wie ihre Vorbilder unterwegs sein. Besonders cool von Giant: Beide Modelle sind auch in der Damen-Linie LIV erhältlich, die mit eigener Farbgebung speziell junge Mädchen ansprechen soll.
Auf dem Kurs
Unser Tester Franz ist 12 Jahre jung, 1,49 m groß und 36 kg leicht. Damit kratzt er an der oberen Grenze des empfohlenen Größenspektrums und zeigt sich zunächst sehr überrascht von den kompakten Abmessungen des Seek 1. Kein Wunder, fährt er doch ansonsten auf einem verhältnismäßig großen MTB in Rahmengröße S mit relativ langem Reach. Auf dem Sleek 1 ist die Sitzposition deshalb gänzlich anders und zunächst ungewohnt.
Nach einer kurzen Einweisung zu Schaltung und Bremsen kann es unser Tester dennoch kaum abwarten, die erste Runde mit dem neuen Flitzer zu drehen. Nach wenigen Minuten kann man die Begeisterung förmlich im Gesicht ablesen und die erste Frage lautet: „Wann machen wir die erste Tour?“
Als Vater freue ich mich, über die extrem kurze Eingewöhnungszeit und sehe schon nach kurzer Zeit, dass der Filius Schaltung und Bremsen zuverlässig und stressfrei bedienen kann. Die ersten Bremsvorgänge erscheinen mir ziemlich ruppig, was daran liegt, dass die Tektro Bremsen offensichtlich etwas bissiger ans Werk gehen als vom MTB gewohnt. Doch auch diese Anpassung geht rasend schnell und so sehe ich keinen Hinderungsgrund für eine erste gemeinsame Ausfahrt.
Schon nach wenigen Kilometern höre ich begeisterte Kommentare wie „Das geht ja voll schnell ab!“ oder „Wieso fährt das viel schneller als mein Mountainbike?“. Und auf dem Heimweg der 20 km Runde folgt schließlich der TV-Kommentator aus dem Off: „Und von hinten nähert sich Pogi mit rasender Geschwindigkeit und überholt Van der Poel auf der Zielgeraden“, während das Giant Seek 1 und sein junger Lenker mit leichtem Tempo-Überschuss auf dem Radweg an mir vorbeiziehen. Hier hat jemand ganz offensichtlich Spaß und erlebt zum ersten Mal auf zwei Rädern so etwas wie einen kleinen Geschwindigkeitsrausch.
Kurz vor der Ankunft zu Hause gibt es aber auch kleine Beschwerden über die ungewohnte Sitzposition: „Ich muss meinen Kopf so hochhalten“, „mein Hintern tut weh“ – doch das schmälert den Spaß nur temporär. Spätestens am kurzen, aber dennoch recht knackigen Anstieg auf dem letzten Kilometer überwiegt wieder die Begeisterung. „Wow, wie schnell und einfach ich damit berghoch fahren kann! Warum geht das so einfach?“
Wow, wieso kann ich damit so leicht und schnell bergauf fahren?
Und damit ist schon auf der ersten Ausfahrt klar, dass die eigentliche Sensation des Rennradfahrens durch das Giant Seek 1 vortrefflich an junge Einsteiger vermittelt wird. Es sind die Leichtigkeit und das Tempo, die uns jeden Tag begeistern, und die in dieser Ausprägung mit einem anderen Fahrrad als einem leichten Rennrad in der Form nun mal nicht zu spüren sind.
Auch auf weiteren Testfahrten konnte das Giant Seek 1 unseren jungen Testfahrer immer wieder begeistern und nur die aktuell schon sehr niedrigen Temperaturen bremsten den Tatendrang ein. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Größenempfehlung von Giant in den meisten Fällen gut passen dürfte. Für Franz mit 1,49 m Körpergröße war das Bike schon nahe an der Grenze und wäre im nächsten Sommer deutlich zu klein gewesen. Was auch etwas Gutes hat, denn so fällt der Abschied vom silbern glänzenden Testbike etwas einfacher.
Neben der Eignung für Rennrad-Einsteiger, ist das Giant Seek 1 natürlich auch eine erstklassige Wahl für Nachwuchs-Racer, die schon etwas früher aufs Rennrad steigen und deutlich engagierter an die Sache herangehen. Alleine das niedrige Gewicht ist ein Garant für hohe Performance, vor allem aber, weil es beim Giant Seek 1 gepaart wird mit kindgerechter Ausstattung und einer wirklich einfach zu bedienenden Schaltung.
Das Gesamtpaket ist stimmig und dürfte sowohl bei Einsteigern als auch bei jungen Racern für viel Freude sorgen.
Fazit – Giant Seek 1
Dass ein Rennrad klein ist, bedeutet noch lange nicht, dass es auch kindgerecht ist. Oft sind die Griffweiten viel zu groß, Lenker zu breit oder Rahmenrohre zu hoch. Nicht so beim Giant Seek 1, hier passt das Konzept von vorn bis hinten und man sieht sehr schnell, dass sich die Ingenieure richtig Gedanken zu dem Thema gemacht haben. Geringes Gewicht, einfache Bedienung, unproblematisches Fahrverhalten, passende Schaltung und Komponenten sowie nicht zuletzt ein ansprechendes Design ergeben ein stimmiges Geamtpaket, das junge Schnellfahrer und deren Eltern begeistert. Dass es so viel Performance nicht zum Nulltarif gibt, ist verständlich, allerdings sind knapp 3.000 Euro eine große Investition für ein Kinderfahrrad. Dennoch bekommt das Giant Seek 1 von mir eine klare Empfehlung, denn es ist mehr oder weniger ein Garant für großen Fahrspaß und ein neues Jung-Mitglied in der Rennrad-Community. Wer nicht ganz so viel ausgeben möchte, findet im Seek 2 eine deutlich günstigere Alternative.
Giant Seek 1 – Pro / Contra
Stärken
- Niedriges Gewicht
- Kindgerechte Abmessungen
- Einfaches Schaltkonzept
- Unkompliziertes Fahrverhalten
Schwächen
- Top-Version mit hohem Preis
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30 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumDas Problem ist ja nicht die Laufradgröße, sondern, dass so ein kleiner Rahmen, in den so große Laufräder passen eine komische Geometrie hat. Das wird durch kleinere Laufräder nicht besser. Da kann man allerdings ganz gut mit kürzeren Kurbeln arbeiten, sonst setzt man in den Kurven oft auf.
"die Rahmendesigns wurden auch von Kindern mitentworfen." wenn ich so etwas lese, muss ich immer husten... das rad ist optisch ok, aber trotzdem 0815... geb das mal meiner 11-jährigen Tochter in die Hand. Dann sieht das aber anders aus...
Das hier sieht eher nach - Erwachsener schlägt vor, Knirps wählt das am wenigsten Langweilige... - aus.
Kids gehören aufs MTB 😉
Hab die "günstigere" Variante für meinen Sohnemann beim Radhändler bestellt. Mein ältester Sohn wird jetzt 7 und kratzt an den 130 cm Körperlänge.
Schätze das Rad wird für die Grundschulzeit ausreichend sein. Vorbau sollte man natürlich mal wechseln.
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