Es gibt einen neuen Scheibenbrems-Unfall im Rennsport: Ein Disc-Rotor am Cyclocross-Rennrad fügte der Fahrerin Katie Compton beim letzten Rennen der Saison in Lille am Samstag einen Schnitt ins Knie zu.

Beim Krawatencross in Lille wurde die US-Amerikanerin Katie Compton in einen Sturz verwickelt. Dabei erhielt die Silbermedaillengewinnerin der Cyclocross-Weltmeisterschaft 2018 einen tiefen Schnitt ins Knie. Die Wunde wurde durch den Rotor einer Scheibenbremse verursacht, wie ihr Mann und Mechaniker Mark Legg auf Twitter mitteilte. Dort machte das Bild der Verletzung schnell die Runde. Die Wunde ist so tief, dass US-Internetseiten ihre Leser vor den Bildern warnen. „Scheibenbrems-Schnitt bis auf den Knochen. Kein besonders glücklicher Weg, eine großartige Saison zu beenden“, twitterte Mr.KatieCompton. Legg gab allerdings nicht den Scheibenbremsen die Schuld an der Verletzung, sondern sein Unmut richtete sich gegen die „ungeduldigen“ anderen Sportlerinnen, die für Unruhe im Feld gesorgt hätten.

Scheibenbremsen sind im hochklassigen Cyclocross-Rennsport inzwischen fast Standard und an fast allen Wettbewerbs-Cyclocrossern zu finden. Katie Compton fährt selbst hydraulische Scheibenbremsen und äußerte sich auf Twitter auch nach dem Unfall nicht negativ über die Technik.

„Das gute an Bremsscheiben-Schnitten ist, dass sie lange Zeit nicht schmerzen und die Blutung, die nicht enden will, macht die Wunde schön sauber“, teilte Compton später ebenfalls auf Twitter mit. Sie konnte das Rennen in Lille auch mit dem Schnitt beenden und fuhr auf Platz 7. In Cyclocross-Rennen sind Scheibenbremsen schon seit 2010 durch die UCI erlaubt. Bisher regt sich auch jetzt im Cyclocrosser-Feld kein Unmut über die Technik. Nachdem es anfangs im Crosssport Vorbehalte gegenüber Disk-Bremsen gab, gelten sie nun auf vielen Kursen bereits als Vorteil. So sah sich etwa Elisabeth Brandau mit ihren Cantilever-Bremsen bei der WM in Valkenburg im Nachteil.

Anders sind die Verhältnisse im Straßenrennsport. Dort sind Scheibenbremsen durch den Weltradsportverband UCI nach wie vor nur in einer Versuchsphase zugelassen. Wellen schlug der Fall von Fran Ventoso anfangs der 2015 gestarteten Versuchsphase. Im Frühjahr 2016 wurde Ventoso beim Straßenrennklassiker Paris-Roubaix in einen Sturz verwickelt und erhielt angeblich durch eine Bremsscheibe einen tiefen Schnitt in die Wade. Die UCI setzte wegen der folgenden Proteste den Disc-Versuch anschließend zeitweise aus.

Was schon zum Thema gesagt wurde: Hier geht es zu einer Diskussion im Forum.

In britischen und kanadischen, nicht-internatiolen Rennen sind Scheibenbremsen in 2018 bereits allgemein erlaubt. Der britische Verband UK Cycling begründete seine Entscheidung gegenüber dem Portal Cycling Weekly unter anderem mit dem Wunsch, die Kosten für Rennteilnahmen gering zu halten. Ein Straßenrennrad sei eine erhebliche finanzielle Investition, in absehbarer Zeit seien fast alle Rennräder mit Disc ausgestattet und man wolle „Barrieren“ in den Wettkampfsport abbauen.

Pauline Ferrand Prévots Canyon Inflite CF SLX
# Pauline Ferrand Prévots Canyon Inflite CF SLX - Sram Red HydroR Bremse mit den originalen Bremsscheiben

In der UCI World Tour und bei den Professional-Continental-Teams fahren 2018 bereits einige Mannschaften mit scheibengebremsten Rennrädern. Zu den Vorreitern gehören Trek-Segafredo mit Emonda-Modellen und Team Sunweb, das wohl bei einigen Rennen scheibengebremste Versionen der Giant Bikes Propel und TCR einsetzen wird. ATeam Aquabluesport, das bei einigen erstklassigen Rennen am Start steht, setzt mit dem 3T Strada auf ein Disc-Rennrad. Das Elite Frauen-Team von Canyon-Sram fährt ausschließlich Disc-Rennräder.

Was haltet ihr von Scheibenbremsen in Straßenrennen oder bei Hobbysport-Veranstaltungen? Fahrt ihr mit gutem Gefühl im der RTF-Gruppe mi Disc-Rennrädern?

Über den Autor

Jan Gathmann

Jan Gathmann leitet die Rennrad-News Redaktion von Wuppertal aus, der Stadt, die ihr Radstadion dem Fußball opferte. Er testet, interviewt und versucht Renngeschehen in Worte zu fassen. Jan ist gelernter Journalist, testet seit 20 Jahren Fahrräder (davor Autos) und schreibt darüber ebenso gerne wie über Menschen aus der Fahrradwelt, unter anderem schon für Trekkingbike, Velomotion und zuletzt beim RADtouren-Magazin. Er fährt am liebsten alles, was einen Rennbügel hat: vom Bahnrad bis zum Monster-Gravelbike. Jan liebt auch Schlamm, weshalb er gelegentlich auf dem MTB gesehen wird. Persönliche Palmarès sind ein beendetes C-Klasse Amateurrennen und ein 10. Platz bei einer Deutschen Fahrradkurier-Meiserschaft in Berlin.

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    Phipu

    dabei seit 07/2017

    Pedalierer
    ich denke Du hast Die Ironie des Vorposts verpasst.
    Fuck schon wieder...
  2. benutzerbild

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  3. benutzerbild

    lakecyclist

    dabei seit 12/2017

    Ich schätze die Wahrscheinlichkeit mit dem Knie auf eine Bremsscheibe zu stürzen recht klein ein.
    Wäre interessant zu sehen, wie das passiert ist...
  4. benutzerbild

    Femur

    dabei seit 11/2017

    Ros Tocker
    ohne ... nachjustieren ... nicht schleift ... sorry, das ist Negation der Negation ;) was soll denn justiert werden. Steckachse hat sich durchgesetzt, was das Problem auf eine Minimum uninteressant macht. Ich fahre keine Rennen, aber durch aus den ein oder anderen RTF, wenn ich es schleifen höre, dann sind das die Späne in den Belägen der Felgenbremse. Allerdings qietscht die Scheibe durchaus, wenn man mal eine größere Pfütze mitnimmt, dann wird trocken gebremst und gut ist.
    Ich habe mehrere Räder, Rennräder und MTBs, einige davon mit Steckachsen und Scheiben. Über die Jahre zig MTBs mit Scheibe. Ich wechsle schon ab und an mal die Laufräder zwischen den Bikes, sei es wegen unterschiedlichen Einsatzes, als schneller Ersatz nach Panne im Bikepark, Neukauf ... . Dabei und beim Wechseln auf andere oder neue Scheiben ist es die Ausnahme, dass da nichts schleift. Teils sind es nur nervige Geräusche, oft aber auch ein Schleifen das bremst. Dass es sofort sauber läuft, ist die Ausnahme. Die Toleranzen sind halt so gering, dass verschiedene Naben, Scheiben, Gabeln, Bremssättel, Beläge etc. ausreichen, um bei Neukombination nicht 100% zu passen.

    Beheben lässt es sich teils durch Zurückdrücken der Bremsbeläge, die sich danach an der neuen Scheibe neu ausrichten, teils durch Neuausrichten des Bremssattels. Alles kein Hexenwerk und in 2-3 min erledigt. Die aber im Rennen keiner hat.

    Da bin ich nicht der einzige, da gibt es genug Diskussionen im Forum dazu.
  5. benutzerbild

    fatal-x

    dabei seit 06/2010

    lakecyclist
    Ich schätze die Wahrscheinlichkeit mit dem Knie auf eine Bremsscheibe zu stürzen recht klein ein.
    relativ einfach: nach vorne fallen/rutschen

    Ein Schüler von mir hat es geschafft sich mit einer Discbrake den Oberschenkel aufzuschnippeln
  6. benutzerbild

    Ros Tocker

    dabei seit 02/2016

    Femur
    Ich habe mehrere Räder, Rennräder und MTBs, einige davon mit Steckachsen und Scheiben...
    OK, hatte etwas in die falsche Richtung gedacht, da ich nicht Räder von einem zu anderen Rad wechsle, sondern maximal ein und ausbaue, da habe ich beim selben Rad keine Probleme. Allerdings, bleibt dir das Justieren bei Felge oftmals auch nicht erspart, ich hab am CX V-Brakes und muss ebenfalls justieren wenn ich zwischen dem LRS mit und ohne Stolle wechsle, es reichen unterschiedlich breite Felgen.

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