Elf Radprofis aus Deutschland stehen bei der Tour de France 2018 am Start. Wer sie sind und was die Deutschen im Peloton auszeichnet, steht in der Übersicht.

Morgen startet die 105. Tour de France. Der Streckenverlauf mit seinem abwechslungsreichen Profil und vielen Neuerungen verspricht ein Rennen mit offenem Ausgang über drei Wochen. 3.351 Kilometer verteilen sich auf acht Flachetappen, fünf wellige Etappen, sechs Bergetappen mit drei Bergankünften, ein Einzelzeitfahren und ein Mannschaftszeitfahren. Mit dabei sind unter anderem 15 berühmt-berüchtigte Kopfsteinpflastersektoren auf der 9. Etappe. Für die neue Ausrichtung der Tour stehen auch die kürzeste Etappe seit dem Ende von Halbetappen (17. Etappe) sowie ein neues Bonussystem auf den ersten neun Etappen. Auf der Startliste der Frankreich-Rundfahrt stehen 22 Mannschaften mit 176 Fahrern. Aus Deutschland kommen davon elf Fahrer.

Katusha-Alpecin mit Kittel, Martin, Politt und Zabel

Vier der deutschen Radprofis stellt allein das Team Katusha-Alpecin, das mit Team Sunweb und Bora-Hansgrohe das Trio der deutschen Teams bildet. Mit dem frisch gekürten deutschen Zeitfahrmeister Tony Martin hat Katusha-Alpecin einen der Routiniers im Feld in den Reihen. Er ist bereits zum zehnten Mal in Frankreich dabei. Bei Katusha-Alpecin dreht sich fast alles um die Sprintankünfte: Mit Marcel Kittel hat man einen der stärksten Sprinter im Feld in der Mannschaft. Er könnte sein gut gefülltes Konto von 14 Etappensiegen aus den vergangenen Tour-Austragungen ausbauen. Aber auch für die Radklassiker ähnliche 9. Etappe nach Roubaix hat das Katusha-Alpecin Team gute Aussichten: Der Hürther Nils Politt zauberte dieses Jahr bereits einen Parforceritt auf das Kopfsteinpflaster von Paris-Roubaix und kam als 7. im Radstadion an. Zusammen mit Rick Zabel, dem das Klassiker-Terrain ebenfalls liegt dürfte Politt auch eine wertvolle Unterstützung beim Anfahren der Sprints für Kittel sein. Katusha-Alpecin gab heute bekannt, dass Zabel und Politt für weitere 2 Jahre im Team bleiben werden. „Ich denke, dass Rick trotz seiner 24 Jahre ein Gewinner sein kann, und ich denke, das ist der nächste Schritt für ihn“, sagt Team Manager José Azevedo anlässlich der Vertragsverlängerung.

Marcus Burghardt bei Bora-Hansgrohe

Bora-Hansgrohe hat mit Marcus Burghardt den zweiten Routinier unter den deutschen Fahrern im Aufgebot für die Tour de France. Zwar musste Burghardt das Trikot des Deutschen Meisters, das er zuletzt bei der Tour trug, an seinen Teamkollegen Pascal Ackermann weiterreichen. Aber er fährt als erfahrener Unterstützer für Peter Sagan zur Tour 2018. Sagan hat es auf das Grüne Trikot des besten Sprinters abgesehen. Für ihn kann Burghardt auch bei der Klassiker-Etappe nach Roubaix ein starker Helfer sein. Für Bora-Hansgrohe fahren außerdem die Österreicher Gregor Mühlberger und Lukas Pöstlberger mit zur Tour. Mühlberger, der bei der Tour de Suisse 7. der Jugendwertung wurde, wird Klassementfahrer Rafal Majka in den Bergen unterstützen. Der Österreichische Meister Pöstlberger hat seine Domäne bei Sprintankünften.

Sunweb mit Arndt und Geschke

Die zweite Tour-Teilnahme steht auch für Nikias Arndt in den Büchern, der gemeinsam mit dem Tour-Etappensieger von 2015, Simon Geschke, für das Team Sunweb startet. Für Geschke ist es bereits die 6. Teilnahme an der Tour. Seine wichtigste Aufgabe wird es sein, den Sunweb-Kapitän Tom Dumoulin zu unterstützen. Dumoulin fährt zum ersten Mal bei der Tour auf das Gesamtklassement. Hier gibt es die Infos zur Sunweb-Aufstellung.

Greipel und Sieberg für Lotto-Soudal

Ein tourbewährtes Gespann bilden Top-Sprinter André Greipel und Marcel Sieberg bei Lotto-Soudal. Der 36-jährige Marcel Sieberg ist der erfahrenste deutsche Fahrer der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt. Er wird den Hürther André Greipel (beide Lotto Soudal) durch die Sprintankünfte pilotieren. Der 11-fache Tour-Etappensieger Greipel startete stark in die Saison mit zwei Siegen bei der Tour Down Under. Nach einer Verletzungspause im Frühjahr stand zuletzt ein Fragezeichen hinter seiner Form. Bei der Deutschen Meisterschaft erreichte er Platz vier. Bei der Tour wird er mit seinem Markenzeichen, dem Gorilla, auf einem neuen Noah von Radsponsor Ridley Richtung Ziellinie sprinten.

John Degenkolb bei Trek-Segafredo

Auf ansteigende Form setzt wie Greipel auch John Degenkolb bei Trek-Segafredo. Er stellte sie mit einem 2. Platz bei den Deutschen Meisterschaften unter Beweis. Für die Tour de France dürfte auch sein Radsponsor, Trek, mit einem neuen Rad aufwarten. John Degenkolb freut sich schon auf die 9. Etappe nach Roubaix, die er auch als eine der Schlüsseletappen für das Gesamtklassement einschätzt. sich für die Tour erhofft, schildert er hier im Interview mit Rennrad-News.

Paul Martens bei LottoNL-Jumbo

Auch für Paul Martens dürfte das Hauptaugenmerk auf dem Kopfsteinpflaster im Norden Frankreichs liegen. Der 34 Jahre alte Eintagesrennen-Spezialist wird für sein niederländisches Team LottoNL-Jumbo Helferdienste leisten.

Meinung @Rennrad-News.de

Gleich drei Top-Sprinter aus Deutschland gehen bei der Tour de France 2018 auf Jagd nach Etappensiegen - Platz 2, 3 und 4 der Deutschen Meisterschaft auf der Straße sind vertreten. Sieht man von den zwei Etappensiegen von Andrè Greipel bei der Tour Down Under ab, konnte keiner von ihnen mit herausragenden Gewinnen bei großen Rundfahrten oder Eintagesrennen auf sich aufmerksam machen. Ein sehr starker Gegner dürfte der Quick-Step-Sprintstar Fernando Gaviria aus Kolumbien sein, der bei der Tour of California ins Grüne Trikot fuhr. Und natürlich der Radsport-Star aus dem deutschen Bora-Hansgrohe Team Peter Sagan. Beide kommen mit einem breiten Kreuz aus dem Frühjahr. Und sie können sich auf bestens eingespielte Sprintzüge verlassen, die bei den Sprintankünften heute eine fast so große Rolle spielen wie die Endschnelligkeit des Top-Fahrers. Schlechte Karten haben die deutschen Sprint-Asse deshalb noch lange nicht. Es wird spannend. Nach der ersten flachen Etappe über 201 Kilometer am Samstag wissen wir mehr.

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Infos: Pressemitteilung, Redaktion / Foto: Jan Gathmann

Über den Autor

Jan Gathmann

Jan Gathmann leitet die Rennrad-News Redaktion von Wuppertal aus, der Stadt, die ihr Radstadion dem Fußball opferte. Er testet, interviewt und versucht Renngeschehen in Worte zu fassen. Jan ist gelernter Journalist, testet seit 20 Jahren Fahrräder (davor Autos) und schreibt darüber ebenso gerne wie über Menschen aus der Fahrradwelt, unter anderem schon für Trekkingbike, Velomotion und zuletzt beim RADtouren-Magazin. Er fährt am liebsten alles, was einen Rennbügel hat: vom Bahnrad bis zum Monster-Gravelbike. Jan liebt auch Schlamm, weshalb er gelegentlich auf dem MTB gesehen wird. Persönliche Palmarès sind ein beendetes C-Klasse Amateurrennen und ein 10. Platz bei einer Deutschen Fahrradkurier-Meiserschaft in Berlin.

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