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Reisebericht /// Wien - Split - Trogir / vollständig !

firlie

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Adriatisches Meer, die alten Küstenstädte mit den malerischen Gassen, mediterraner Flair !
Nach Koper, Izola und Piran – Ziele meiner Radreise vom letzten Jahr - war schon beizeiten klar, ich muss wieder hier runter, Richtung Süden !
Wie immer habe ich mein kleines Abenteuer im Vorfeld gut geplant:
ich will an den Neusiedler See, den Balaton, an die Flüsse Una und Krka und dort wunderherrliche Wasserfälle sehen. Werde Drehorte der WinnetouFilme besuchen und mich zum legendären „Tulove Grede“ hinaufschinden.
Wien - Split, ca.1000 Kilometer, bei ca. 10.600 Höhenmetern (gefahren bin ich dann insgesamt 1200 Km). 10 Tage mit An- und Abreise. Es soll kein Gehetze werden, ich will keine Rekorde aufstellen.
Fahrkarten und auch die Unterkünfte sind schon seit Februar gebucht, und der für mich im Leben erste Flug im Flugzeug, noch dazu mit dem Rad als Sondergepäck, wird das Highlight des letzten Tages und die Rückreise bilden.

PS: Die jeweils angehängte Strecke ist die tatsächlich gefahrene Tagesstrecke.
 
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firlie

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Es fährt los !
Wien – Hegykö 92 km / 700 Hm / Sonntag, 28.07.2019 / Tag 1





Eine Woche Kleinwalsertal, Familienurlaub - Sonne und Hitze, Temperaturen an die 30°C selbst in Höhen von 2000 Metern. Und nun, am ersten Tag meiner sich anschließenden RadFernReise, empfängt mich Wien bei der Anreise mit der Bahn mit Regen und bedecktem Himmel ! Doch die trüben Aussichten verfliegen schnell, als ich den Bahnhof verlasse reist der Himmel auf...



Es geht zunächst gemächlich nach oben, die Stadt Wien lasse ich schnell hinter mir. Das einzige sicht- und nennenswerte Hindernis auf den heutigen 85 geplanten Tageskilometern bis Hegykö in Ungarn bildet das Leithagebirge, was ich bei Gegenwind, bedecktem Himmel und drückender Schwüle gegen 13:30 erreiche. Es ist keine Schinderei da hoch, aber anstrengend nach einer Woche Völlerei im AllInclusiveHotel allemal!



Auf dem Bergsattel zeigt mir das Navi einen Aussichtspunkt an. Der ist ein Turm und nennt sich „FranzJosefWarte“, ist zugleich einer der höchsten Punkte des Leithagebirges. Ich beschließe spontan hinzufahren und Aussicht zu halten. Objektiv und subjektiv entpuppt sich das Ganze leider als Reinfall. Das Türmchen ist schmutzig verscheibt, Bäume lassen eine „grandiose Sicht auf den Neusiedler See“ nur bedingt zu.
Was deshalb sehr schnell folgt, ist die Abfahrt hinunter nach Donnerskirchen und hier kreische ich total berauschend das erste Mal vor Freude, denn es rollt saugut nach unten!



Weinland am Neusiedler See ! Orte wie Oggau, Rust und Mörbisch, malerisch schon fast, kleine Weinlokale, dazu perfekte Radwege – hier kann man Urlaub machen !




Dann Ungarn. Man merkt sofort, hier ist vieles anders. Insgeheim denke ich sogar über das Wort „Kulturschock“ nach. Denn immer wieder unbegreiflich für mich: wie kann plötzlich, innerhalb von 1...2 Kilometern, Infrastruktur, Kultur und Sprache völlig anders sein.





Was bleibt ist ein Radweg, der außerhalb der Ortschaften mit seinem deutschen Pendant vergleichbar ist.


Auf den letzten 10 Kilometern bis zum Hotel werde ich zweimal nass. Das ist zu verschmerzen. Anderthalb Stunden später hätte es mich total erwischt, ein gewittriger Wolkenbruch jagt den nächsten. Aber da sitze ich bereits im hoteleigenen Restaurant, esse Salat, Spaghetti und trinke 2 Bier für umgerechnet 14,- € ....
 
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firlie

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An den Balaton !
Hegykö – Keszthely 140 km/790 Hm / Tag 2


Leider hatte ich als Ostkind nicht das Vergnügen vieler Anderer, auch nur ansatzweise in die Nähe des Balatons zu kommen. Diesen Punkt gilt es am heutigen Tage zu streichen !
Nach den gewittrigen Extremen des letzten Abends hatte ich Angst, dass ich heute eingeregnet werde. Doch ein bedeckter Himmel und 2 Tropfen machen noch keinen Guss. Kurzum, es wird wettermäßig alles passen an diesem Tag – sogar der Wind kommt von hinten und ich schieße auf den breiten Straßen, auf flachem Land, nur so dahin.



Auf den Dörfern ist es noch so, wie ich es als Kind in der DDR kannte. Es gibt einen "Konsum" und eine Telefonzelle.
Ostalgie in purer Reinheit :) !



Bei Kilometer 80 erwartet mich eine Schikane, die mich in ihrer Form, hier in Ungarn, noch 3...4 weitere Male ereilen soll – ich stehe nämlich plötzlich vor einem der berüchtigten Verbotsschilder, die das Weiterfahren auf dieser Straße für Radfahrer verbieten. Ignorieren ? Ich bin mitunter ein sehr biederer Mensch. Heute ist mitunter und ich versuche deshalb über einen Feldweg auf meine reguläre Route zurückzugelangen. Was am Anfang eine malerische „Fahrt ins Blaue“ wird, endet kurz vor Schluss des Weges in einer Schlammschlacht mit allerlei Pfützen. Schuld für letzteres ist freilich der Regen der letzten Nacht, ansonsten wäre der Weg halbwegs brauchbar gewesen.





Gegen 13 Uhr bin ich dann recht zeitig kurz vor Keszthely. Das Restaurant „Gasthaus zur Sonne“ mit einem perfekt deutsch sprechenden Wirt und anschließendem leckerem Essen gibt Kräfte zurück. Die Wartezeit verkürze ich mit einem Streckencheck. Das Navi zeigt wieder mal einen nahen Aussichtspunkt an. Ein Turm soll es sein, „Margit Aussichtsturm“ mit Namen, doch als ich mich den dazugehörigen Berg hinaufgekämpft habe kommt die Endtäuschung: „geschlossen“.




Über ein paar Wellen gehts dann hinunter zum Balaton und ja, so ähnlich hatte ich mir das hier vorgestellt: bunter Trubel, viele Deutsche. Ich mach schon jetzt ein bisschen Sightseeing, werde aber zum Abend zu noch einmal hierhin zurückkehren.
Das Hotel liegt 4 Kilometer abseits und wie schon gestern ist an der Rezeption nix mit Deutsch, auch Englisch kann man kaum. So kommt es dazu, auch genau wie gestern, dass ich mein Zimmer nicht finden kann. Aber gerade solche Missverständnisse lockern die Sache ungemein auf, man lacht, und versteht sich plötzlich, trotz aller Sprachbarrieren. Nach Wäsche, einem Halbestundeschläfchen und dem Einkauf fahre ich hinunter ins Bunte Treiben, an die Promenade von Keszthely. Neben den Fressbuden für kleines Geld finde ich etwas abseits ein Restaurant nahe des Sees. Speisen werden hier auch in Deutsch beschrieben, was natürlich die Wahl erheblich erleichtert. Beim Essen sehe ich allerdings, dass es mit dem obligatorischen Bade, morgen zu früher Stunde, nicht klappen wird. Der „Strand“ ist in öffentlicher Hand, verbaut oder verschilft, oder einfach nicht zugänglich.

 
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firlie

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Ich komme in deutlich ärmere Gegenden !
Keszthely – Jabucetta (Bjelovar) 135 km / 900 Hm / Tag 3




Wenn schon kein Bad, dann zumindest ein touristenmäßiges „I Love Keszthely“ - Bild mit hübschem Sonnenstern !
Zeitig komme ich hoch, zu zeitig. Wie so oft bedenke ich nicht, dass sich zwischen der Sonne und mir verschiedene Hindernisse befinden. Gerade heute und hier hat sie 300 Meter Hügellandschaft zu überwinden und das Ereignis des Sonnenaufgangs verspätet sich um 20 min.Zahlreiche Angler tummeln sich schon und auch ein junges Mädchen mit Mutti, mit vollem FotoEquipment. Die beiden suchen allerdings schon bald das Weite, warten den Sonnenaufgang nicht ab.



Die Sonne steigt schnell. Immer wieder erstaunlich, wie schnell. Die Landschaft ist flach, die Straße geht geradeaus und ich düse mit 30 Sachen dahin.



Ab TagesKilometer 40 wird es dann aber hügelig. Ekelig hügelig. Das ist kurz vor Nagykanizsa und hier soll mich das Schicksal der Verbotsschilder wieder ereilen. Schon nach dem ersten Schild versuche ich wohlweislich meine Route so zu ändern, dass das nicht mehr passieren kann. Doch leider stehen selbst dort, wo auf meinem Navi, wo auf gpsies Radwege angezeigt werden, diese Schilder. Die Sonne steht jetzt ganz hoch, die Hitze drückt, ich bin am Verzweifeln. Rad touristisch ist das nicht die feine Art von den Ungarn. Als ich mich durch das Randgebiet von Nagykanizsa durchgekämpft habe, komme ich wieder auf meine anvisierte Straße (61). Die selbe Straße, auf der ich 3 x nicht auffahren durfte, ist jetzt, bei gleichem Verkehr, plötzlich freigegeben. Das verstehe wer will.



10:20 Uhr bin ich bei Pogányszentpéter, das ist die ungefähr halbe Tagesstrecke und ich mache erst mal Frühstück in einem Bushäuschen. Bei allen Unterkünften lasse ich mir das Frühstück zum Mitnehmen einpacken. Die Jahre zuvor hatte ich immer noch ein Müsli nach dem Aufstehen gegessen, war dann 3...4 Stunden gefahren bevor der Körper neuen Treibstoff bekam. Das Müsli lasse ich seit diesem Jahr weg, trinke nur ausreichend Wasser, fahre die halbe Tagesstrecke, esse dann und siehe da, es geht – ich fahre sehrsehr gut mit dieser Methode.
Wovon ich allerdings auch nach 5 Jahren und zahlreichen Schwüren, das nie wieder zu tun, nicht lassen kann, ist das Herumbasteln an einer vom Streckenführungsprogramm vorgegebenen Route. Immer wieder versuche ich im Vorfeld hier und da einen Kilometer einzusparen. Nehme„Wege“ in den Track, die ich dann live wegen ihrer „fast Unfahrbarkeit“ oft bitter bereue. Freilich ist hin und wieder ein Schmankerl dabei, ein Weg bei dem ich eine grandiose Aussicht genießen kann oder der wirklich gut zu fahren ist. Ich werde für das Pro & Kontra noch Beispiele bringen.

Meine ursprüngliche Abkürzung, hier, hinter Pogányszentpéter, nach dem Frühstück, die mich auf einem Wirtschaftsweg durch einen Wald führen sollte, lasse ich sausen. Ich bereue das keinen Augenblick, denn ich rase auf der Landstraße nur so dahin.



Die Steigungen sind jetzt passe, der Verkehr wird immer weniger und eh ichs mir versehe, stehe ich Punkt 12 Uhr an der Grenze von Ungarn nach Kroatien.
Als verwöhnter EU-Bürger, der in der Nähe des DreiländerEcks, an der Grenze zu Tschechien und Polen wohnt, bin ich es gewöhnt so einfach von einem ins andere Land zu fahren. Hier nun ist das ganz etwas anderes
Die Ungarn winken mich durch, dann Grenzbarrieren und Stacheldraht – willkommen in Kroatien! Ich fahre an die Grenzstation, stehe vor 2 quatschenden Beamten, frage auf Englisch ob die meinen Ausweis sehen wollen, aber die beachten mich gar nicht.
Selbstherrlichkeiten in Person !!! Nach gefühlter Ewigkeit langt der eine nach meinem Ausweis, guckt kurz drauf, gibt ihn mir wieder und es tut sich: nichts. Ich schiebe mein Rad kurzerhand an denen vorbei, steige auf und fahre weiter. Dann der Fehler des Tages: nach 150 Metern halte ich an, drehe mich dummerweise noch mal um und plötzlich hebt der eine die Hand und winkt mich zurück. Pflichtbewusster Bürger der ich bin, tue das natürlich, koche aber innerlich. Was wollen die jetzt? Mein Ausweis geht nun durch die Hände von 3 Uniformierten, wird gescannt und ich darf Helm und Unterhelm abnehmen. Dann fragt doch noch das einzige, englischsprachige, dazu weibliche Wesen: „ Where do you go ? „ – als ob das nicht klar wäre, wenn man in einer Richtung an einer Grenze steht !!



Ich brauche etliche Kilometer um über das Erlebte und meine Empörung hinweg zu kommen. Flacheit und Maisfelder sowie kleine Ansammlungen von Bauernhäusern helfen mir ruhiger zu werden, was mir dann irgendwann auch gelingt. Denn es ist hochinteressant hier. Eigenartige Holzgestelle, wohl zum Trocknen vom Mais dastehend, zunehmend auch verfallene alte Bauernwirtschaften, dann neue, unverputzte Häuser – die, um so weiter ich ins Innere von Kroatien und später auch in Bosnien komme – immer häufiger verlassen sind. Hier herrscht Armut, keine Frage. Die Leute scheinen von dem zu leben, was ihnen der Boden gibt. Ich fahre über die Drau, die hier Drave heißt und erwache zu neuem Leben, als ich in Virje, einem kleinen Nest, 10 Kilometer vorm Tagesziel, in einer der kleinen Dorfkneipen ein kühles Bier hinunterstürze.




Es geht jetzt stetig bergauf, was ich gar nicht bemerke. Mein Mund steht offen vor lauter Staúnen und ich ich bin total bestürzt von dem, was ich an Verfall und Verlassenem zu sehen bekomme. Freilich gibt es hier und da auch Neues oder Erhaltenes aber das sind die Ausnhamen auf meinem Wege.





Um so krasser ist dann noch meine Unterkunft „ Vinariji Coner“, einem hier in die Pampa gesetzten Hotel auf hohem Nivau, mit Restaurant auf neuestem Stand, das ganze umgeben von Hügeln mit Wein, welcher gekeltert, schon zahlreiche Auszeichnungen erhielt.
Das junge Mädel das ich antreffe ist Bedienung im Restaurant und Rezeptionsdame in einem, ist supernett und spricht gutes und schnelles Englisch. Ansonsten ist da noch eine Köchin, die ich im Restaurant durch eine Glasscheibe bei ihrem Tun beobachten kann. Zunächst wird mir aber mein Zimmer gezeigt, alles vom Feinsten inclusive Klimaanlage. Ich zahle 66,- € mit Frühstück und das ist ein ganz fairer Preis.
Viel ist heute nicht los, was in dieser Gegend auch nicht verwundert. Aber immerhin kommen noch ein paar Leute ins Restaurant, am späten Abend noch 2 Autos mit Hotelgästen. Keine Frage, wenn hier ein WeinEvent ausgerufen wird, dann brummt die Bude bestimmt.
Was ich bitter bereue, ich probiere nicht vom Wein. Angesichts der Hitze, der Strapazen ist ein kaltes, süffiges Bier und dann noch eins, besser als alles auf der Welt.
Nachts wird es schütten, 300 Mücken sind im Zimmer zu Gast und ich schlafe nicht gut. Aber im Nachhinein überwiegt das Gesehene des Tages und diese Pomfortionösität des Hotels.




Innenraum vom Restaurant des Hotels (leider nur ein wackeliges Handybild) und, naja .... mein Abendbrot, was leider nicht so berauschend war.


 
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firlie

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Hitze, Hitze, Hitze !!!
Jabucetta – Kostajnica /Kroatien 134 km / 1033 Hm / Tag 4






Späte Morgendämmerung. Die Luft trieft vor Feuchtigkeit, Nebelschwaden ziehen durchs Tal. Zunächst fahre ich ein paar hundert Meter Asphaltstraße, danach besteht der ansteigende Weg aus grobem Schotter, der von den Ergüssen der letzten Nacht stark ausgewaschen ist.



So richtig will es dann mit meinen geplanten Wegen nicht klappen. Auf zwei Teilstücken, die als Abkürzungen gedacht waren, falle ich rein. Dann, bei ungefähr halber Tagesstrecke, der absolute Supergau. Alles beginnt glatt und asphaltisch. Ich denke noch, endlich mal ein herausgesuchter Weg der funktioniert, doch da geht dieser schon in komprimierten Schotter über, führt in den Wald hinein und um so weiter ich zu fahren versuche, um so beschissener wird er. Als Krönung stehe ich dann plötzlich auch noch vor einem Zaun. Wildgehege !




Aber alles Gefluche nützt jetzt nichts, das Ganze habe ich mir selber zuzuschreiben. Hier hilft nur der Weg übers Feld.
Als sich auf dem Navi die nächste „Abkürzung“ ankündigt, fahre ich kurzerhand die wunderbare Landstraße weiter. Wohl auch, weil es so herrlich rollt, bereue ich keinen der Mehrkilometer, die ich damit in Kauf nehme. Mein nächstes wunderbares Ziel - neben der eigentlichen Ankunft im Hotel an der Grenze zu Bosnien - ist eine Fähre über die Save. Von dieser weiß ich vage, dass es sie gibt, sicher bin ich mir mit zunehmender Kilometeranzahl allerdings nicht so ganz, und ich frage mich insgeheim: „ Was ist, wenn ich den ganzen Weg zurück muss !?“ Doch alles ist gut. Als ich ankomme wird gerade ein Auto von drüben an das diesseitige Ufer gefahren und der Fährmann, obwohl er mich nicht versteht, weiß was er zu tun hat. Hier ist bis auf einen Hilfsmotor alles noch Handarbeit. Der Mann kurbelt, ruckt und zerrt an zahlreich schwerer Technik und das alles in der Mittagsglut. Wie viel ich zahlen muss, verstehe ich nicht. Ich drücke dem sich Schindenden 10 Kuna in die Hand und der freut sich riesig darüber. Für mich ist das das Erlebnis schlechthin. Ich stehe noch geschlagene 10 Minuten am Ufer und beobachte das Schauspiel.




Nach der Überquerung der Save komme ich in die Nähe des Naturpark Lonjsko Polje .
An der Straße historische Häuser, viele davon aber dem Verfall preisgegeben.




Etwa 30 Kilometer muss ich nun noch strampeln. Es ist schon fast krank, dass ich immer wieder diese alten, verlassenen Häuser anstarre und fotografiere. Was jetzt nach der Save außerdem dazukommt, was mich die nächsten Tage schwer beschäftigen wird, sind die zahlreichen Einschusslöcher an einer Vielzahl der Häuserwände. Dazu gibt es in vielen Orten Gedenkstätten für die Gefallenen. Der Krieg hier ist seit über 20 Jahren vorbei, die Spuren aber allgegenwärtig.

Einschusslöcher an vielen der Häuser !!!


Es ist beim Tageskilometer 115, es ist 13:20 Uhr und es sind 35°C die das Thermometer anzeigt. Ich kippe ein Bier und das macht mich wieder zum Menschen und Kämpfer.

 
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Gegen 15 Uhr ist ein Ende abzusehen, ich kann auf das im Tal der Una liegende Kostajnica hinunterschauen. Bevor ich mich jedoch da hinunter rollen lasse erklimme ich noch den rechts liegenden Aussichtspunkt, der zugleich ein Mahnmal für den schon zitierten Krieg bereit hält.




Das kroatische Kostajnica ist alt und wenn ich das so sagen darf, heruntergekommen. Ein übergroßer Teil der Häuser ist nicht bewohnt, ruiniert und steht leer. Dazu immer wieder die vielen Einschusslöcher. Die Una ist Grenzfluss und hier hat der Krieg arg gewütet.




Auch mein Hotel Central ist ein Relikt längst vergangener Zeiten. Innen wie außen. Als temporäres Inventar hat es aber auch die an die 30 Jahre junge Rezeptionsdame zu bieten, die perfekt Deutsch spricht, weil sie als Kind für 3...4 Jahre mit den Eltern in Deutschland lebte und sagt „was man als Kind lernt, vergisst man nicht“.



Ich dusche und haue mich erst mal aufs Ohr. Später werde ich noch schwitzend auf den überm Hotel thronenden Berg steigen, weil sich dort das einzige Restaurant im ganzen Ort befindet. Das Essen (Pute+Kartoffel+Salat) ist so lala und kostet mit einem Bier ca. 14 Euro. Um es vorweg zu nehmen: ich werde mich mit den Speisen bis zu meiner Rückkehr ins Heimatland auch nicht anfreunden können, so richtig kochen kann hier unten leider keiner.
Bis zur Dunkelheit bleibe ich draußen, gehe an der Una entlang, beobachte das Treiben. Der desolate Zustand des Grenzstädtchens macht mich fertig und so richtig gut schlafen tut sich damit nicht.


Blick ins Una-Tal stromaufwärts - bei Tage und in der Abenddämmerung.

 
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Warten auf Herrchen / Kroatien
Mit Hunden werde ich im Verlauf meiner Reise noch öfters zu tun haben - allerdings mit weniger friedlichen Exemplaren !

 
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An der Una entlang !
Kostajnica – Bihac (Bosnien) 103 Kilomter / 880 Höhenmeter / Tag 5


Die Una ist in Kostajnica ein breiter, träge dahin fließender, aber sauberer Strom. Doch irgendwie meine ich den typischen Geruch eines Industrieflusses in der Nase zu haben, und zwar durch das ganze Tal bis hinauf nach Bihac. Und bis dahin werde ich heute fahren.

Nach dem Start kurz vor 7 Uhr muss ich zunächst über die UnaBrücke zur Grenze nach Bosnien hinüber. Seine Selbstherrlichkeit, der Herr Grenzposten, sitzen im kleinen Häuschen bei Espresso und Zigarettchen, belieben mich keines Blickes zu würdigen. Ich packe ihm meinen Ausweis unter die Nase und erst da kommt Leben in die Bude.
Nun bin ich also in Bosnien, ordere zunächst einen nagelneuen 100 Konvertible Mark Schein am Automaten und drehe eine kleine Runde durch den hier wesentlich lebhafteren Ort, der ebenfalls den Namen Kostajnica trägt. Aber auch hier, genau wie auf den nun folgenden 100 Kilometern, die ich durchs Tal fahre, gibt es viel Altes, Verfallenes und Verlassenes.

Grenzstation in Kostajnica - hier schon die bosnische Seite.


Direkt an der Grenze, die Zrinski- Burgruine (dahinter ist die Grenzstation zu erkennen).





Das Tal ist breitgezogen, den Fluss bekommt man selten zu Gesicht.



Erst bei Tageskilometer 50, bei Bosanska Otaka, beginnt es so zu werden, wie ich mir das vorgestellt hatte – der Fluss ist total klar und ich bekomme erste kleine Wasserfälle zu Gesicht. Der Ort verfügt über eine einspurige Brücke über die Una, über die muss, müssen alle, – Fahrräder und auch die großen Trucks - auf die andere Seite. Es ist ein Rangieren und Gehupe, aber alles funktioniert irgendwie. Unterhalb der Brücke sitzen jede Menge Angler, die Kaffees sind voll.


 
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UNA - Idylle vor Bosanska Krupa


Immer wieder treffe ich an der Straße auf Obst und Gemüsestände der Einheimischen.
 
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Zerfall vorm Minarett.


Ein gewöhnliches Bild in Bosnien: Minarette und Moscheen


Der nächste Ort: Bosanska Krupa, ist bestrebt eine kleine TouristenPerle zu werden. Jede Menge Menschen auf den Straßen im Ortskern, dazu sind die hier zu findenden Kaskaden des Flusses schon gut erschlossen.
Das Tal wird nun immer enger, ich gewinne stetig an Höhe, fliege mit einem Affenzahn nur so dahin. Die Una schimmert unterhalb tükisfarben durchs Geäst, zahlreiche Gumpen, Strudel bildend, sich daraufhin in den nächsten kleinen Kessel hinabstürzend. Gelegenhiet anzuhalten, das alles genauer zu betrachten, finde ich nicht so recht. Es muss aber menschliches Leben da unten sein, vor allem das von Anglern – einige Autos am schmalen Straßenrand sind Indiz dafür.



Obwohl ich mit Baden nicht viel am Hut habe, hatte ich doch insgeheim darauf gehofft mal in diesen glasklaren Fluss zu springen. Nun, etwa 10 Kilometer vorm Tagesziel Bihac, finde ich Gelegenheit dazu. Von der Straße oben sichtbar, ist eine große malerische Badestelle mit feinem Sand. Sonst, nur heute nicht !, muss hier allerhand los sein, das ist deutlich zu erkennen. Schnell bin ich die kleine Zufahrt hinunter, reiße mir die Klamotten vom Leibe und springe jauchzend ins etwa 13°C kalte Wasser. Eine Wohltat nach all der Schwitzerei !




Bihac liegt im Talkessel der Una, ist nicht groß doch merke ich sofort die Hektik des Verkehrs als ich in die Nähe der Stadt komme. Schnell ist die Unterkunft gefunden. Zimmer mit Balkon, Klimaanlage und allem was man braucht. Vielleicht etwas in die Jahre gekommen. Doch die junge Dame an der Rezeption und später auch der AltChef bemühen sich redlich. Ich darf mein Rad mit aufs Zimmer nehmen - eine Methode, mit der man hier im Ausland keinerlei Problem hat.
Wären nicht die Bäume vorm Balkon, hätte ich eine wunderbare Aussicht auf die Una, die direkt vorm Hotel vorbeifließt. Ein kleines Paradies !




Was sofort auffällt, sind die vielen Flüchtlinge, die in Gruppen im kleinen Stadtzentrum herumlungern. Moscheen begleiten mich seit der Einfahrt in Bosnien ständig und zum ersten Mal erblicke ich den allgegenwärtigen Gebrauch der Wasserpfeifen in den öffentlichen Lokalen. Sogar junge Mädels haben die Dinger im Gebrauch.
Mein Essen nehme ich im hoteleigenen Restaurant ein. Die 3 oder 4 Kellner haben alle Hände voll zu tun, legen ordentlich Strecke zurück. Es ist nicht die Wucht was hier geboten wird und ja, es ist auch ein bisschen unsauber.
Was bei uns längst ausgestorben ist, weil es sich wegen der hohen Löhne überhaupt nicht rechnet, sind die kleinen Konsums. Seit Ungarn gibt es wenigstens einen in jedem größeren Dorf. Die Lädelchen sind mitunter so klein und mit Regalen so verbaut, dass nur 5 Schritte nötig sind, und schon ist man durch. Die dort gekaufte Büches Bier kippe ich mir dann noch auf dem Balkon hinter die Binde. Laute Musik, auch Techno, bis tief nach Mitternacht. Aber ich bin fix und fertig, schlafe sofort ein.
 

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Ausflug ins Tal der Una - zu den Wasserfällen !!!
111 Kilometer / 1700 Höhenmeter / Tag 6





Der Grundgedanke meiner diesjährigen Reise war: wenn schon nach Kroatien, dann auch unbedingt zu 2 oder 3 Schauplätzen der WinnetouFilme..
Als Kind war ich großer Fan, aber nicht nur wegen der edlen Helden, nein, ebenso wegen den Wasserfällen und der karstigen Landschaft, in der gedreht wurde. Als erster Gedanke schießen da einem die Plittwitzer Seen durch den Kopf. Doch schon noch 1ner Minute Recherche hatte ich den Gedanken daran begraben. Im Sommer dahin – Um Gottes Willen NEIN !
Ich kann mich vage erinnern, dass es Guggel war, die mir gleichzeitig den Wasserfall bei Martin Brod im UnaTal, in Bosnien, als Bild anzeigte und natürlich war ich über diesen sogenannten „Geheimtipp“ sofort hocherfreut und Feuer und Flamme.
Ich logiere 2 Nächte in Bihac/Bosnien, den Tag dazwischen habe ich mir für den Ausflug ins Tal der Una, zum Wasserfall Štrbački Buk bei Kulen Vakuf und die Fälle bei Martin Brod, am Talschluss, vorgemerkt. Heute ist nun dieser Tag.



Es rollt gut los, es ist flach, aber es dauert eine kleine Ewigkeit, bis ich aus den Vorsiedlungen von Bihac heraus bin. Die Berge, oder besser die Gebirge, die Bihac im Süden / Westen / Osten flankieren, fielen mir gestern bei meiner Einfahrt sofort auf. Sehr imposant ! Mir war auch bewusst, ab hier ist Schluss mit der Ebene – jetzt geht die Schinderei los ! Und so ist es dann auch. Ein Mistberg von 7...8 % Steigung und 9 Kilometer Länge steht da vor mir, den muss ich hoch um in mein Tal zu kommen. Selbstverständlich am Nachmittag alles Retoure. Aber ich werde zum Bezwinger und stehe gegen 8 Uhr vor „Eingang 1“ vom Una-Nationalpark. Es gibt eine Schranke und ein Häuschen. Schranke offen, im Häuschen keiner da, ich fahre also durch.




Diese Zufahrt zum Štrbački Buk ist hier als Radweg ausgewiesen, 12 Kilometer lang, und wird später als MTB-Strecke bezeichnet. Was wohl vom Anfang an besser gewesen wäre, denn der Weg ist stellenweise sehr ausgewaschen, steinig und nur manchmal gut komprimiert.



Ja, wie gesagt: 12 Kilometer ! Den ersten Kilometer geht’s noch nach oben, danach abwärts und ich hab die Hand permanent an den Bremsen und muss oft jonglieren, damit sich das Vorderrad nicht irgendwo verkeilt oder wegrutscht. Im letzten Drittel der Abfahrt kommen mir dann plötzlich 3 wilde Köter bellend entgegen. Ich springe vom Rad, halte es schützend vor mich und schreie die Bestien aus Leibeskräften an. 2 ziehen den Schwanz ein, der Dritte aber kommt näher und näher. Es ist wie im HorrorFilm ! Irgendwie schreit es dann auch menschlich aus der Gegenrichtung, doch das Mistvieh vor mir lässt sich nicht beeindrucken, schnappt schon nach dem Pedal am Rad. Doch da kommt er endlich, mein Retter- ein alter Einsiedler mit Gipsarm, der hier oben in einem halb zerfallen Haus zu leben scheint. Sein Hund bekommt es jetzt mit der Angst, weicht von mir, zum Gebüsch hin, und kann gerade noch dem Knüppel ausweichen, den der Einsiedler nach ihm schmeißt. Raue Sitten hier ! Kurze Zeit später tauchen noch 3 Pferde mitten auf dem Wege auf, allerdings weniger furchteinflössend.



Die letzten paar hundert Meter - ich kann das Wasser schon rauschen hören !
 

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Štrbački Buk !!!!! – ich erreiche diesen wunderbar malerischen Wasserfall um 9 Uhr am Vormittag. Die Mühen, die Schinderei sind in Anbetracht dessen, was ich jetzt zu sehen bekomme, schnell vergessen. Dazu kommt noch, bis auf einen Muselmann mit seinem kleinen Harem bin ich ganz allein. Ein wunderbar mit Holzstegen ausgebautes Gelände, oben ein paar Buden in denen Essbares angeboten wird. Das alles ist, auch wenn ich mir kein ganztägiges Urteil machen kann, ein wahrer Geheimtipp. Würde ich jetzt wissen, was ich 3 Tage später an den KrkaWasserfällen erleben und erleiden muss, ich würde meinen Aufenthalt hier wesentlich verlängert haben.
Eine Stunde später fahre ich stromaufwärts weiter und zu dieser Zeit sind bis auf 2..3 Autos und 2 Motoradfahrern keine Menschen zu sehen. Nach vielleicht 1nem Kilometer dann eine Schranke und ein Häuschen und hier wird mir eigentlich so richtig bewusst: ich habe gar keinen Eintritt bezahlt !!!
Der Weg vom Wasserfall bis zu dessen Einfahrt im kleinen Ort Orašac ist nicht geteert aber komprimierter Wirtschaftsweg, und sobald ein Auto an mir vorbei fährt, umhüllt mich wegen der Trockenheit eine riesige Staubwolke.





Obwohl ich es anfangs nicht wollte, entschließe ich mich nun doch bis hinter nach Martin Brod, zum Talschluss und zum anderen Wasserfall zu fahren. Es sind ca. 15 Kilometer bis dahin.

Breitgezogenes Una-Tal




Kurz vor Martin Brod - am Talschluss



Dort angekommen, entfährt mir der sich so oft wiederholte Gedanke: „ Das habe ich mir anders vorgestellt!“ Durch eine kleine Ansiedlung, an einem Gasthaus und einem Hotel vorbei, komme ich linkerhand zu einer kleinen Eintrittsbude, an der 3,- KM für die Hauptatraktion, dem großen Wasserfall, kassiert werden. Das nehme ich natürlich mit. Wenn auch nicht ganz so spektakulär, was auch dem nun trüber gewordenen Himmel zu schulden ist, so ist auch dieser, wesentlich kleinere und von Bäumen und Gesträuch umwachsene Fall, eine Attraktion. Außerhalb der kostenpflichtigen Zone kann man von einer Brücke auf die Una und auf kleinere Fälle schauen, ebenfalls sehenswert.





Touristen sind verhältnismäßig wenige anzutreffen. Weiter vorn begehen Einheimische ein Fest. Zahlreiche Schafe sind geschlachtet und werden nun über Feuer gebraten.




Das alles sehe ich mehr oder weniger im Schnelldurchlauf und jetzt, im Nachhinein, ärgert mich das mächtig, denn ich hätte noch einiges erkunden können. Gerade der angeblich geschlossene Grenzübergang, den ich im Vorfeld ursprünglich ins Auge gefasst hatte, ist hier ganz in der Nähe. Aber es ist nun so wie es ist und es regnet jetzt auch in Martin Brod. Gerade noch konnte ich den einzig freien Platz unter einem Schirm am „Hotel“ ergattern und bestelle ein Bier. Hier ist alles ursprünglich. Während ich in jeder kleinen Dorfkneipe, zu jedem kleinen Bier eine Rechnung bekomme, kassiert hier der Kellner Cash in seine Tasche – der Dorfscheriff siehts und läuft daran vorbei.



Eine geschlagene dreiviertel Stunde sitze ich, dann raffe ich mich auf, und da kommt dann auch die Sonne raus. Die Rückfahrt wird nun zum psychologischen Aspekt. Gesehen habe ich soviel Wunderbares, an Highlights kommt jetzt nichts mehr und nun soll ich noch diese 50 Kilometer zurück ins Hotel und ich weiß, ich habe da diesen langgezogenen Berg ...
Es ist 16 Uhr als ich im Hotel einrolle und mit einem freundlichen „How are you ?“ begrüßt werde. Und ja, ich bin schon etwas geschafft aber eigentlich geht es mir doch ganz gut. Die letzten 24 Kilometer vergingen durch die Abfahrt rasend schnell, das bergige Hindernis davor ist schon fast vergessen.
Musik und Techno bis spät nach Mitternacht, es schüttet aus Kübeln und gewittert heftig. Das bekomme ich aber nur so nebenbei mit, denn ich schlafe göttlich – was für ein erlebnisreicher Tag !
 

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Überall in Bosnien und auch in Kroatien, Gedenktafeln für die Helden aus einem Krieg, der noch gar nicht so lange her ist.
Die Geburtsjahre der meisten Gefallenen sind mit meinem fast identisch. Ich bin ziemlich fertig als ich das registriere. Junge Männer damals, die heute in meinem Alter sein könnten ...

 

firlie

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Richtung Adria !
Bihac – Maclenica 116 km / 1730 Hm / Tag 7




Schon bei der Planung wusste ich, das wird ab jetzt kein Zuckerschlecken mehr. Seit gestern habe ich nun die fühlbare Gewissheit:
-firlie-! - du bist im Gebirge und das heißt, es sind nicht nur mal ein 1...2 Kilometer Hügelchen zu überwinden, sondern langgezogene Steigungen von über 7 % !
Der Altchef vom Hotel wartet schon schwatzend mit einem der Kellner. Verständigen können wir uns nicht wirklich, immerhin weiß ich sofort, ihn beschäftigt das Unwetter der letzten Nacht. Der Abschied ist dann schon fast rührend, er versucht meine Taschen ans Rad zu hängen, hält die Türen auf und bleibt, als ich losfahre, noch einige Minuten stehen, sehnsuchtsvoll mir nachblickend.
Es ist verhangen aber es rollt super. In der Auffahrt zu den Bergen, Richtung Grenze, wieder 2 streunende Hunde. Ich bin eigentlich schon an denen vorbei, da überlegt es sich der eine und kommt bellend hinterher. Allerdings chancenlos. Wenn meine Bude rollt, dann rollt sie und ein bisschen Beschleunigung ist dann auch noch drin.
Von 250 Meter Meereshöhe geht es die nächsten 20 Kilometer auf 750 Meter hoch. Das ist nicht viel und gut machbar, muss aber auch erst mal gemacht werden. Nach 16 Kilometern bin ich am Grenzübergang / Lehovo. Verkehr und Menschen kann ich an einer Hand abzählen – tote Hose hier. Die Grenzer winken mich einfach durch.



Ein letzter Blick ins Una-Tal



Zwischen Grenze und dem nächsten großen Berg rollt es erst mal super.


Gegen halb 9 ist der erste Berg geschafft. Aber das ist noch nicht alles, es kommt noch einer und der geht bis auf 950 Meter. Für den Weg da hoch habe ich wieder mal eine Abkürzung gewählt, es wird wahrscheinlich abenteuerlich und ist die Ungewissheit des Tages, denn ich weiß nicht was mich erwartet, ob es überhaupt fahrbar ist. Doch als ich am höchsten Punkt bin, bereue ich nicht, es gemacht zu haben. Ich kenne zwar die StraßenVariante nicht, möchte aber auf dieses Erlebnis auch nicht verzichtet haben. Wie bei vielen Wirtschaftswegen ist der baumloser Teil gut komprimiert und glatt. Es gibt ausgewaschene Teilstücke am Hang, groben Kies und durch Forstarbeiten etwas Matsch im Wald. Alles in allem aber machbar, ich habe schon Schlimmeres erlebt.

Da muss ich irgendwie drüber !





Als ich oben aus dem Wald heraus komme liegt rechts im Tal eine von Bergen flankierte Prärielandschaft. Das ist so ein bisschen das, was vieles Negative aufwiegt, woran ich mich unbändig freue und nicht satt sehen kann. Auf einer nicht gerade perfekten, aber breiten Straße, gehts jetzt dann hinunter, ständig darauf bedacht, mit den dünnen Rädern nicht in den teilweise aufgerissenen Asphalt zu kommen. Ein karges Land links und rechts, ein paar Kühe die am trockenen Gras zupfen, viel Gestein, dazu weht jetzt auch ein mächtiger Wind, Gott sei Dank von hinten.






Gegen 11 mache ich in dieser Landschaft Frühstück. Beim Hotelchef in Bihac hatte ich mir, anstatt des Sammelsuriums vom letzten Tag, das aus 5 Weißbrotschnitten und allerlei gefüllten Döselchen bestand, „Sandwiches with sausage and cheese“ bestellt. Was ich nun auspacke lässt mich erst mal lauthals lachen. Es ist schon komisch was unter diesem Begriff in anderen Ländern verstanden wird. Die tellergroßen Teigfladen sind mit jeder Menge gebackenem, zerlaufenem Käse gefüllt, dazu hat man eine Wurscht der Länge nach halbiert und hineingelegt. Ich habe Knast und würge mir so ein Ding hinunter. Mir wird nicht gerade schlecht, aber das alles liegt natürlich schwer im Magen.

 
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firlie

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Bei Tageskilometer 79 fahre ich an der Stadt Gračac vorbei, in die letzte Steigung des Tages hinein. Es ist kurz vor 13 Uhr und die Sonne knallt. Oben habe ich dann Aussicht aufs Velebit, das einzige Gebirge, das ich mit Namen kenne. Hier wartet morgen das nächste Abenteuer auf mich, die Fahrt zum Tulove Grede, dem FingerFelsen aus den WinnetouFilmen, und der liegt kurz unterhalb vom Pass mit Namen Mali Alan, der hier, oberhalb von Gračac schon ausgeschildert ist – allerdings vom Landesinneren her.
Dann geht es immer bergab, zur Küste zu. So richtig kann ich das Hinunterbrausen nicht genießen, ich halte immer wieder an, muss mir die karge, weite Landschaft betrachten. Es ist viel Verkehr, den die Straße ist der Zubringer zum Meer.



Karges kroatisches Landesinnere


10 Kilometer vorm Ziel wartet das Schmankerl des Tages, eines der großen Highlights meiner gesamten Tour auf mich – der Blick in den Zrmanja Canyon.
Auf dem, ein paar hundert Meter bis zur Aussicht führenden Weg, nehme ich noch ein unfreiwilliges Fußbad, weil ich zur falschen Seite hineinfahre und durch ein Pfütze muss. Die ist einen halben Meter tief und ich komme ins Straucheln. Entschädigt werde ich wenig später. Hier haben sie also gestanden, die Helden meiner Kindheit. Winnetou und Old Shatterhand ! Dass ich das mal sehen darf, dazu erkämpft mit eigener Muskelkraft – ich bin total happy, schöner geht’s nicht !!!
Die Sicht hinunter in die Flussbiegung ist der Hammer.



In Maslenica, einem am Südhang zum Novigrader Meer gelegenen, kleinen Dörfchen, das aber immerhin eine eigene Schule hat, und in dem fast alles auf Unterkünfte und Badeurlaub ausgelegt ist, habe ich meine Unterkunft gebucht. Diese Ferienwohnung ist sauber, großzügig und vom Feinsten. Auch hier kann ich mein Rad mit in die Wohnung nehmen.




Gegen 17 Uhr bin ich dann bereit für einen Erkundungsgang hinunter zum Wasser. Wie geschrieben, der Ort liegt am Hang und der fällt steil zum Meer hin ab. Eine Ufermauer mit einem 2 Meter breiten Betonweg schließt sich an, danach ein kleiner Streifen Kiesstrand an dem sich Einheimische und Touristen in der Sonne braten. Zwischen den Häusern finde ich ein kleines Minilädchen, indem es alles Notwendige gibt. Mit dem „Bistro Biser“ hat die Ansiedlung auch ein richtig tolles Lokal, es liegt am Westende und man kann wunderbar sitzen und essen, was ich auch tue und was ich im Vorfeld nicht vermutet hatte. Die Bedienung ist freundlich, das Essen schmeckt. Bier, Salat und Spaghetti kosten 13 €.
Ich latsche noch ein bisschen herum, gehe aber bald in meine Unterkunft um Tagebuch zu schreiben und Vorbereitungen für mein morgiges großes Abenteuer zu treffen.

 
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