Konfliktsituationen im Verkehr

j_frank

Edelux, Edulux-2, 2 Son Rücklicht, etwas von Bumm
stimmt, es sind "nur 200 €" weil eben ein Tagessatz von 5 € angesetzt wurde.
ich konnte das auch nicht gleich einschätzen und habe mal gegoogelt, für was es sonst so x Tagessätze gibt.
"Für das Zeigen des ausgestreckten Mittelfingers wurden aber auch schon 40 Tagessätze verhängt."
oder das

hm. fällt mir dann schwer, das irgendwie in Ordnung zu finden. ausgestreckter Mittelfinger = Kind tot fahren?
klar, keine Absicht und so. aber: deutlich zu schnell und verbotenerweise auf der Busspur fahren?


andererseits: wenn man sich ähnliche Unfälle mit toten Radfahrern anschaut, was hat der letztens in Berlin gezahlt? 800 €? Waren wohl ähnlich viele Tagessätze.
So gesehen ist das Urteil wirklich nicht skandalös, weil "normal". Ist dann trotzdem die Frage, obs so in Ordnung ist.
Es ist in sofern skandalös weil es ein System versinnbildlicht, welches es als unabdingbar ansieht einer motorisierten individuellen Mobilität Menschenleben opfern zu müssen. Und sich niemand traut daran zu Rütteln.
 

F4B1

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Ihr überseht etwas:
Strafrechtlich ist das jetzt abgearbeitet (ganz gleich wie man das Urteil findet). Zivilrechtlich kommt da erheblich mehr. Inwiefern die KFZ Haftpflicht da zahlt ist fraglich. Fahrlässigkeit ist auf jedenfall dabei.
 

Nordland

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Wer viel fährt, der viel erlebt. Ich berichte über zwei Vorfälle, einer davon eher alltäglich, einer ziemlich krass.

Fall 1: Landstraße, leicht ansteigend, relativ schmal. Entgegenkommend ein Traktor, dahinter mehrere Autos. Das ganze ist schon von weitem zu sehen und ich denke noch, wenn der erste in der Schlage jetzt überholt, dann passt es noch. Aber: Es wird erstmal gewartet und erst, als ich mich nähere, setzt der Mercedes-Fahrer zum Überholen an. Wie dumm kann man sein? Der Traktor ist natürlich auch ziemlich breit und der Mercedes nimmt nun die gesamte Gegenfahrbahn in Anspruch. Ich sehe den Stern noch direkt auf mich zukommen, weil es knapp wird, gibt der Fahrer jetzt Vollgas. Er schert wenige Meter vor mir doch noch wieder ein. Außer rückwärtsgewandtes Schimpfen und Gestikulieren kann ich nichts mehr machen, natürlich konnte ich mir das Kennzeichen nicht merken. Leider ist mir vergleichbares in letzter Zeit öfters passiert. Es wird brachial überholt, wie wenn der entgegenkommende Radfahrer nicht da wäre. Soll er halt bremsen oder ausweichen, ich lass mich mit meinem schicken, teuren Wagen doch nicht daran hindern, zu überholen, wenn ich es gerade möchte.
 

Nordland

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Fall 2: Wohnstraße, es geht bergauf zum Krankenhaus, der letzte Teil ziemlich flach bis zur Wendeschleife bzw. bis der Waldweg beginnt, abends. Ich komme gerade hoch, halbwegs schnell. Vor mir will ein VW-Bus offenbar wenden, er fährt vorwärts rechts in eine Einfahrt und setzt gerade an, wieder rückwärts auf die Straße zu fahren. Er fährt rückwärts, übersieht mich und da ich passieren will, hilft nur lautes Schreien, damit er hält. Ich fahre an der Stelle immer über die Wendeschleife den gleichen Weg zurück, wo der Fahrer nun einparkt. Wegen der Gefährdung möchte ich den Fahrer dann doch darauf hinweisen, er sollte das nächste Mal genauer gucken. Ich zeige mit zwei Fingern in Richtung Auge und rufe "Gucken". Offenbar kommt der Fahrer nicht damit klar, auf den Fehler aufmerksam gemacht zu werden, denn sofort kommen von ihm laute Beleidigungen durch die geöffnete Seitenscheibe.

Da ich es aufgegeben habe, Jesus zu spielen und inzwischen immer weniger Bereitschaft habe, alles hinzunehmen [ihr dürft es gerne anders sehen und sagen, es wäre klüger gewesen, einfach weiterzufahren], halte ich an und stelle den Fahrer zur Rede, ob er seine Beleidigungen nochmal wiederholen möchte. Er steigt aus, geht in Richtung seines Hauses, und beleidigt munter weiter. Ich hole mein Handy raus und fotografiere das Kennzeichen. Er ist inzwischen an seiner Pforte, sieht das aber und stürmt wie wild auf mich zu, dabei laut drohend, er wolle mir das Handy aus der Hand reißen und auf die Straße schmeißen. Wie ich inzwischen weiß, ist der Mann wohl Unternehmer, sein Name stand sogar auf dem VW-Bus (Firmenwagen). Ich vermute darin den Grund für diese Attacke - er wollte wohl keinesfalls identifiziert werden. Jedenfalls stürmt er auf mich zu und ich versuche, mit Rad davon zu rennen, denn aufsteigen und einklicken hätte zu lang gedauert. Er holt mich ein, greift nach meinem Handy, ich drehe mich weg, er stößt mich mitsamt Fahrrad um. Glücklicherweise nur je ein leichter Kratzer am Schienbein und am Pedal. Ich rufe einer zufällig auf der Straße befindlichen Frau, die die Mülltonne rausstellt, zu, sie möge die Polizei rufen. Dann lässt er ab und verschwindet im Haus. Ich rufe selbst die Polizei.

Leider ist das Unangenehme noch nicht zu Ende, denn die Polizisten bewerten das Ganze als Lappalie und geben sich, als habe ich sie gerade vom McDrive-Schalter weggeholt. Ich schildere den Sachverhalt. Die Polizisten fragen, was ich denn überhaupt wolle. Ich sage, dass ich Anzeige erstatten wolle. Während der Polizist unheimlichen Wert darauf legt, dass ich meine Sport-Sonnenbrille abnähme, wenn ich mit ihm rede, erklärt er lang und breit, dass er kein strafbares Verhalten erkenne, weil das keine Bedrohung gewesen sei. Ich entgegne, für mich sei das aber zumindest eine Nötigung. Auch das sehen die Polizisten ausdrücklich nicht als gegeben, zumal ich nicht verletzt sei, wenn ich aber unbedingt wolle, habe ich drei Monate Zeit Anzeige zu erstatten. Das werde aber ausgehen wie - wortwörtlich - das "Hornberger Schießen". Nach Kennzeichenabfrage ("negativ"), ziehen sie ab.

Dass die Polizisten sich implizit vor diesen Autofahrer stellen, indem sie sein Verhalten als nicht strafbar und damit legal ansehen, ist für mich ebenfalls Ausdruck dieser Attitüde, auf den Straßen zähle das Recht des Stärkeren. Man scheint das trotz aller Diskussionen um die Sicherheit der Radfahrer nicht aus den Leuten raus zu bekommen.
 

Recordfahrer

...tritt jetzt kürzer und schneller
Fall 2: Wohnstraße, es geht bergauf zum Krankenhaus, der letzte Teil ziemlich flach bis zur Wendeschleife bzw. bis der Waldweg beginnt, abends. Ich komme gerade hoch, halbwegs schnell. Vor mir will ein VW-Bus offenbar wenden, er fährt vorwärts rechts in eine Einfahrt und setzt gerade an, wieder rückwärts auf die Straße zu fahren. Er fährt rückwärts, übersieht mich und da ich passieren will, hilft nur lautes Schreien, damit er hält. Ich fahre an der Stelle immer über die Wendeschleife den gleichen Weg zurück, wo der Fahrer nun einparkt. Wegen der Gefährdung möchte ich den Fahrer dann doch darauf hinweisen, er sollte das nächste Mal genauer gucken. Ich zeige mit zwei Fingern in Richtung Auge und rufe "Gucken". Offenbar kommt der Fahrer nicht damit klar, auf den Fehler aufmerksam gemacht zu werden, denn sofort kommen von ihm laute Beleidigungen durch die geöffnete Seitenscheibe.

Da ich es aufgegeben habe, Jesus zu spielen und inzwischen immer weniger Bereitschaft habe, alles hinzunehmen [ihr dürft es gerne anders sehen und sagen, es wäre klüger gewesen, einfach weiterzufahren], halte ich an und stelle den Fahrer zur Rede, ob er seine Beleidigungen nochmal wiederholen möchte. Er steigt aus, geht in Richtung seines Hauses, und beleidigt munter weiter. Ich hole mein Handy raus und fotografiere das Kennzeichen. Er ist inzwischen an seiner Pforte, sieht das aber und stürmt wie wild auf mich zu, dabei laut drohend, er wolle mir das Handy aus der Hand reißen und auf die Straße schmeißen. Wie ich inzwischen weiß, ist der Mann wohl Unternehmer, sein Name stand sogar auf dem VW-Bus (Firmenwagen). Ich vermute darin den Grund für diese Attacke - er wollte wohl keinesfalls identifiziert werden. Jedenfalls stürmt er auf mich zu und ich versuche, mit Rad davon zu rennen, denn aufsteigen und einklicken hätte zu lang gedauert. Er holt mich ein, greift nach meinem Handy, ich drehe mich weg, er stößt mich mitsamt Fahrrad um. Glücklicherweise nur je ein leichter Kratzer am Schienbein und am Pedal. Ich rufe einer zufällig auf der Straße befindlichen Frau, die die Mülltonne rausstellt, zu, sie möge die Polizei rufen. Dann lässt er ab und verschwindet im Haus. Ich rufe selbst die Polizei.

Leider ist das Unangenehme noch nicht zu Ende, denn die Polizisten bewerten das Ganze als Lappalie und geben sich, als habe ich sie gerade vom McDrive-Schalter weggeholt. Ich schildere den Sachverhalt. Die Polizisten fragen, was ich denn überhaupt wolle. Ich sage, dass ich Anzeige erstatten wolle. Während der Polizist unheimlichen Wert darauf legt, dass ich meine Sport-Sonnenbrille abnähme, wenn ich mit ihm rede, erklärt er lang und breit, dass er kein strafbares Verhalten erkenne, weil das keine Bedrohung gewesen sei. Ich entgegne, für mich sei das aber zumindest eine Nötigung. Auch das sehen die Polizisten ausdrücklich nicht als gegeben, zumal ich nicht verletzt sei, wenn ich aber unbedingt wolle, habe ich drei Monate Zeit Anzeige zu erstatten. Das werde aber ausgehen wie - wortwörtlich - das "Hornberger Schießen". Nach Kennzeichenabfrage ("negativ"), ziehen sie ab.

Dass die Polizisten sich implizit vor diesen Autofahrer stellen, indem sie sein Verhalten als nicht strafbar und damit legal ansehen, ist für mich ebenfalls Ausdruck dieser Attitüde, auf den Straßen zähle das Recht des Stärkeren. Man scheint das trotz aller Diskussionen um die Sicherheit der Radfahrer nicht aus den Leuten raus zu bekommen.
Ich bewundere Deine Zurückhaltung. Ich hätte wahrscheinlich bis zur Dunkelheit gewartet, um dann-nun ja, dafür zu sorgen, dass er seine Karre eine zeitlang nicht mehr benutzen kann. Was ich anläßlich eines Zeitungsartikels über Benzinklau weiß-wenn der Tank mal angebohrt ist, muß er komplett erneuert werden, flicken läßt sich das Ding nicht. Und das ist teuer.

Leider ist es so, dass ohne Körperverletzung (daher dann immer die Frage "Sind Sie verletzt?") nichts gemacht wird, dass heißt, man muß sich erst über den Haufen fahren lassen, damit dem Unfallverursacher vielleicht was passiert. Ansonsten geht es wohl nach dem Motto "Knapp daneben ist auch vorbei". Das mit dem Überholen im Gegenverkehr erlebe ich auch öfter. Wenn die vor mir noch einscheren, gibts einen Scheibenwischer (zum Mittelfinger konnte ich mich noch nicht durchringen), beim direkten Passieren gibt es im Wortsinne einen Anpfiff mit ordentlicher Lautstärke (Bookman Bike Whistle).
 

bada-boom

MItglied
beim direkten Passieren gibt es im Wortsinne einen Anpfiff mit ordentlicher Lautstärke (Bookman Bike Whistle).
Das entspricht meiner persönlichen Erfahrung. Einzig anerkanntes Kommunikationsmittel im Straßenverkehr ist eine Hupe (bei mir AirZound), gestikulieren und reden bringt rein gar nichts. Mit einem Drogensüchtigen diskutiere ich auch nicht über seine Drogen, das ist vergebliche Mühe.
 
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