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ISO, BSC, metrisch, FG — Gewinde am Fahrrad, ein Sammelfaden

ms83

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Wer kennt sie nicht, die verschiedenen Gewindestandards bzw. die ihnen zugrunde liegenden Gewindenormen am Fahrrad und vor allem die daraus resultierenden Probleme beim Basteln.
Ich würde mich freuen, wenn hier gebündelt Fragen nach Gewinden, Gewindekennzeichnungen und Gewindestandards bzw. -normen gestellt und auch beantwortet bzw. diskutiert werden. Dabei ist es unerheblich, ob es um Gewinde an Achsen, Innenlagern, Speichen, Gabelschäften, Abziehern oder Pedalen geht. Begrüßenswert wären Fotos von Naben und Schraubkränzen mit Kennzeichnungen für verschiedene Gewinde, z.B. in Form von Kerben, Rillen o.ä.

Beiträge zu den historischen Hintergründen der verschiedenen Normen fände ich auch interessant.

Ich hatte heute im Biete-Faden nach einer Frage nach einer Gewindekennzeichnung das Gefühl, daß das noch mehrere interessieren könnte und zitiere einige Beiträge hierher, als Startpunkt. Falls jemand von Euch nicht hier erscheinen möchte, dann bitte kurz Bescheid geben.

Cool, die haben BSC Gewinde.
Weißt Du das, weil das bei dem Typ immer so ist oder hast du das auf den Fotos erkannt und es gibt verschiedene Gewindevarianten?
Die Kerbe über dem Gewinde ist das Zeichen für BSC.
fabfcfa5-1378-4a21-b049-7b281ad47d2d-jpeg.885145

Keine Kerbe ist ITA und zwei Kerben sind franz. Gewinde.
Danke. :daumen: Ist diese Kennzeichnung weiter verbreitet oder nur an Campagnolo-Naben zu finden?
Regina Schraubkränze haben das auch so.
[Ergänzung vom 27.3.2021]: Beispielbild von @erni65
regina-america-7fach-bsc-erni65-jpg.916615

Kommt auch auf das alter des Kranzes an. Bei den ganz alten Reginas ist bei franz. Gewinde "F.F." eingeschlagen.
Und richtig verwirrend ist, das bei alten Reginas mit BSC Gewinde "F.I." eingeschlagen ist. Wird gerne mit ita. Gewinde verwechselt.
Super gut, das wusste ich auch noch nie.
Hast du viell. noch ein Bild von ITA und eins von franz.?

Danke!
Italienisches Gewinde
286ef517-61f5-4a8d-809e-8e08a31d1d30-jpeg.885180

Das Bild mit französischem Gewinde muss ich noch suchen...

---------------------------

Ist diese Kennzeichnung weiter verbreitet oder nur an Campagnolo-Naben zu finden?
Bei franz. Naben kenne ich es so:
1 Ring = normal BSC / ISO
kein Ring = franz. Gewinde

Gans schlimm finde ich : ich habe eine Atom Tandem Nabe, die hat nicht etwa metrisches Gewinde für die Achse , nein die hat BSC. Bekomm dafür mal Achsmuttern.:rolleyes:
Ist das wirklich ein BSC-Gewinde? DDR-Fahrradteile haben ja auch oft keine metrischen Gewinde, Achsen z.B. FG 7,9 mm vorn und FG 9,5 mm hinten. Diese krummen „Fahrradgewinde“ haben aber eine zöllige Entsprechung: FG 7,9mm = 5/16", FG 9,5mm = 3/8". Ich weiß aber nicht, nach welchem zölligen Standard oder ob diese Maße überhaupt an einen anderen Standard angelehnt sind. Eine Hinterachse FG9,5 hat also ein 3/8"×26 tpi Gewinde.
Wenn das bei Dir so wäre, hättest Du ja so noch eine Quelle für Deine Achsmuttern...

Hier im DDR Fahrradwiki ist die komplette Tabelle von DDR-Fahrradgewinden:
http://www.ddr-fahrradwiki.de/Übersicht_Abmessungen#Gewinde
BSC , also British Standard Cycle Gewinde auf einer Achse ?
Welches
Was soll das für einen Sinn machen .
Normal haben frz. Teile immer metrische Abmessungen und auch Gewinde .
Das dort ein angelsächsisches Mass angewendet wird halte ich für ziemlich ausgeschlossen .
Ich habe eben auf Deine Frage hin noch ein bißchen dazu gelesen:
Es gibt einen BSC Standard auch für Achsen, nämlich:
Rear axle 3⁄8" (9.53 mm) diameter, 26 tpi
Front axle and seat pin clamp bolt 5⁄16" (7.94 mm) diameter, 24 or 26 tpi threading

Damit halte ich es für möglich, daß das „Fahrradgewinde“ (FG) auf diesem Standard basiert. Es sei denn, die Flankenwinkel sind anders...

Wikipediaquelle:
https://en.wikipedia.org/wiki/British_Standard_Cycle
Ich frage mich nur warum ein französischer Hersteller so ein exotisches Gewinde verwendet und nicht das gewöhnliche M10*1 einsetzt ,
das macht doch keinen Sinn oder techn. Vorteil
kann es sein das Maillard die Nabe einfach nur von einem engl. Hersteller eingekauft hat ?
Vielleicht ist es ja eine Exportversion, die an den ausländischen Standard angepaßt wurde? Ich habe hier z.B. eine Maillard-Nabe aus DDR-Bestand mit Hohlachse, die hat 10 mm Achsdurchmesser. Bei Vollachsen sah das aber anders aus, bei Radgeber Brieselang z.B. kann man verschiedene Versionen sehen:

Maillard 1989, Vorderradnabe mit FG 7,9 mm:
https://www.radgeber-brieselang.de/..._DE/?ObjectPath=/Shops/17801025/Products/3500

Maillard Vorderradnabe, 90er Jahre mit M9 Achse:
https://www.radgeber-brieselang.de/..._DE/?ObjectPath=/Shops/17801025/Products/1194

Ich nehme an, daß Maillard die Naben für den Export in die DDR entsprechend dem DDR Standard FG7,9 bzw. FG9,5 ausgerüstet hat, damit hier alle vorhandenen (Ersatz-)Achsmuttern passen. Und natürlich auch Ersatzachsen.
Schon die Anzahl der Normen von Gewinden karikariert das Wort "Norm" das ja von Normal kommt ins Absurde ,
wenn man da mal einsteigt fällt man vom Glauben ab .
Aber die Normen waren/sind ja immer nur Hersteller- bzw. nationale Normen. Solange man die hergestellten Fahrräder im eigenen Land läßt, gibt es wahrscheinlich weniger Probleme. Sobald aber der internationale Handel einsetzt, ist man plötzlich mit ausländischen Normen konfrontiert.

Hier ist noch eine Liste mit 6 (!) verschiedenen Fahrradgewindenormen:
https://www.voelkel-shop.com/de/glossary/entry/Fahrradgewinde
Meiner Meinung nach hat lediglich der ehemalige Ostblock eine andere, programmatisch verordnete, ökonomische Logik ver- oder befolgt. Da die dortigen Ökonomien staatlich waren, bestand ein grundlegendes Interesse daran, Technik nicht unnötig zu verkomplizieren. Technik sollte auch nicht dem Profit oder der Ästhetik. Diesen Geist erkennt man dann aber auch an ihren einfach gestalteten, sich nie ändern wollenden Produkten wieder.

Bei Diamant hat man BSC als einstigen Standard übernommen und ins metrische System "übersetzt".

Fahrrad-Gewinde DIN 79012
 
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ms83

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Eine ziemlich umfangreiche Übersicht über Fahrradgewinde findet Ihr hier:

Links zu Übersichten, Bildern usw., die in diesem Faden gesammelt wurden:

Übersicht zu Gewinden an Schaltaugen und hinteren Ausfallern,
Übersicht zu Gewinden an Schnellspannern (@alterstahl ):
https://www.rennrad-news.de/forum/threads/iso-bsc-metrisch-fg-—-gewinde-am-fahrrad-ein-sammelfaden.172735/post-4981769

Übersicht zu Gewinden an Naben und Freiläufen, Kennzeichnungen bei verschiedenen Herstellern und Kompatibilität zwischen den verschiedenen Standards ( @freiradler ):
https://www.rennrad-news.de/forum/threads/iso-bsc-metrisch-fg-—-gewinde-am-fahrrad-ein-sammelfaden.172735/post-4902011

Diese Übersichten stammen aus: „Sutherland's Handbook for Bicycle Mechanics“
Das Buch gibt es (auch als „Nur“-CD) nach wie vor zu kaufen. Dank an @alterstahl für die Recherche.

Links zu Bildersammlungen folgen...
 
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Vintage-Racer

...mag gallische velos de course
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Renner der Woche
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Zeus-Kränze:
Das klitzekleine "B" bedeutet "B.S.A" oder schlicht "british"; "M" steht für metrisches bzw. franz. Gewinde und "S" für "S.A.E"- bzw italienisches Gewinde.
Notfalls kann man den Kranzkern gesondert erwerben und die Ritzel umschrauben.

Edit: Hier ein Kranz mit "B" für britisch
Kranz markiert.jpg


Zeus Katalog 103-028.jpg
 
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ms83

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Maillard 700 und andere Franzosen:

Anhang anzeigen 885254 Anhang anzeigen 885255

Mit Rille = BSA, ohne Rille = franz.
Ich habe hier 3 Atom-Zahnkränze:
IMG_6178b.jpg

IMG_6179b.jpg

An diesen beiden ist äußerlich kein Unterschied erkennbar, der linke (3fach) hat lediglich eine „8“ hinten eingeschlagen. Es ist wirklich eine „8“, kein „B“. Der 4fach-Kranz sollte an mein Diamant 167 und ich habe nicht schlecht geguckt, als der sich nach 1,5 Umdrehungen auf der Renak-Nabe nicht mehr weiter drehte...
Aber ja, kein Kennzeichen am frz. Kranz=M35 Gewinde.
Der 3fach-Kranz wiederum paßt ohne weiteres auf eine Renak-Nabe mit BSC-Gewinde.

[Korrektur/Ergänzung nach diesem Beitrag von @DS19Pallas :
Die vermeintliche kleine „8“ sind 2 nebeneinander eingeschlagene Kreise als Zeichen für BSC-Gewinde.]


Dann habe ich noch einen 4fach Atom-Kranz:
IMG_6180.JPG

IMG_6181.JPG

IMG_6182.JPG
Hier steht aber auf der vorhandenen Schachtel schon „BSA“ gestempelt und auf der Rückseite ist eine Kerbe eingeschlagen.
 
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HeikoS69

Plattsnacker
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Beiträge zu den historischen Hintergründen der verschiedenen Normen fände ich auch interessant.

Das frz. Pedalgewinde 14x1,25 ist natürlich metrisch und hat diese Abmessungen jenseits aller damaligen sonstigen Gewindenormen damit es mit den britischen Maßen "praktisch austauschbar" ist.
B.N.A.188.jpg
 

Flat Eric

Machen ist wie wollen , nur krasser .
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Es gibt aber auch Gewinde am Rad die sind immer identisch , egal woher das Rad stammt , ganz egal .
:oops:
-Das Gewinde im Schaltauge ist immer M10x1.
-Das Gewinde für die Anschlagschrauben im Ausfaller ist M3.
-Die Gewinde für Flaschenhalter ist M5.
und meistens sind die Gewinde an Ausfallerösen auch M5 ( M6 ganz selten )
immerhin hat sich da keiner rangetraut , sogar die italienischen Firmen nicht , die ja die mit Abstand seltsamsten Gewinde kreiert haben ( Metrische Durchmesser + Steigung in Zoll , dazu nur 55 Grad Flankenwinkel )
 

Salamander

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Wer kennt sie nicht, die verschiedenen Gewindnormen am Fahrrad und die daraus resultierenden Probleme.
Hier muß ich eine kleine Erbse kacken:

Normen werden in einem abgestimmten Prozess von einer Organisation verabschiedet, wie beispielsweise vom Deutschen Institut für Normung e. V. für diverse Gewinde oder einst vom Verband Deutscher Elektrotechniker für Technik und Sicherheitsbestimmungen elektrischer Anlagen.

Standards haben sich ohne so einen normativen Prozess entwickelt, wie bei der Birmingham Small Arms Company für Gewinde an deren Fahrrädern (die hätten ja auch x verschiedene Tretlagergewinde machen können, aber ein Standard-Gewinde macht halt die Fertigung billiger). Ein De-facto Standard wird daraus, wenn der von vielen anderen übernommen wird, so wie das bei der deutschen Fahrrad-Industrie mit vielen zölligen Gewinden der Fall war.
 

freiradler

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Einmal zur Klärung.
Hier werden schon im ersten Post Sachen durcheinandergebracht geworfen.

Wir müssen zwischen dem einzelnen konkreten Gewinde (z.B. Schaltaugengewinde) und der Gewindesteigung unterscheiden.
Bei der Steigung gibt es im Fahrradbereich 3 Normen:
  • metrische
  • völlig
  • Fahrradgewinde FG
 

FSD

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Einmal zur Klärung.
Hier werden schon im ersten Post Sachen durcheinandergebracht geworfen.

Wir müssen zwischen dem einzelnen konkreten Gewinde (z.B. Schaltaugengewinde) und der Gewindesteigung unterscheiden.
Bei der Steigung gibt es im Fahrradbereich 3 Normen:
  • metrische
  • völlig
  • Fahrradgewinde FG

Sehr interessant, ich lerne nach 30 Jahren in der Fahrradbranche immer noch dazu, es gibt eine völlige Steigerung, und FG bedeutet Fahrradgewinde :cool: :idee::rolleyes:
 

ms83

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Hier muß ich eine kleine Erbse kacken:

Normen werden in einem abgestimmten Prozess von einer Organisation verabschiedet, wie beispielsweise vom Deutschen Institut für Normung e. V. für diverse Gewinde oder einst vom Verband Deutscher Elektrotechniker für Technik und Sicherheitsbestimmungen elektrischer Anlagen.

Standards haben sich ohne so einen normativen Prozess entwickelt, wie bei der Birmingham Small Arms Company für Gewinde an deren Fahrrädern (die hätten ja auch x verschiedene Tretlagergewinde machen können, aber ein Standard-Gewinde macht halt die Fertigung billiger). Ein De-facto Standard wird daraus, wenn der von vielen anderen übernommen wird, so wie das bei der deutschen Fahrrad-Industrie mit vielen zölligen Gewinden der Fall war.
Danke, dann werde ich das oben berichtigen in:
„...die verschiedenen Gewindstandards bzw. die verschiedenen am Fahrrad verwendeten Gewindenormen...“

– Fahrradgewinde (FG) ist normiert nach DIN 79012, in der DDR gab es sicher auch eine TGL dafür, die Nummer kriege ich noch raus...
– metrisches Gewinde ist nach DIN, EN und anderen nationalen Normen normiert
– BSC scheint auch normiert zu sein, nachdem es sich als Standard durchgesetzt hatte, auf die Schnelle nur eine Wikipediaquelle: https://en.wikipedia.org/wiki/British_Standard_Cycle

Eine Frage bleibt: Hat eine Organisation in verschiedenen Ländern festgelegt, wo welche Gewinde zu verwenden sind oder ist das ein de-facto Standard?
 

ms83

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und meistens sind die Gewinde an Ausfallerösen auch M5 ( M6 ganz selten )
Und jetzt erweitere ich das:
Diamant-Rennräder haben Schutzblechösen mit M4 Gewinde. Im Gegensatz zu deren Sport- und anderen Rädern, auch die von Mifa, die haben gar kein Gewinde, sondern eine 5 mm Bohrung und man braucht eine Mutter dahinter.
 

Salamander

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Eine Frage bleibt: Hat eine Organisation in verschiedenen Ländern festgelegt, wo welche Gewinde zu verwenden sind oder ist das ein de-facto Standard?
Meines Wissens ist da nix festgelegt, nirgendwo. Sind also De-facto Standards. Das regelt einfach der Markt: wer unübliche Gewinde verwendet, produziert zum einen teurer und vergrault zum anderen Kunden, wenn die beim Ersatzteilkauf Schwierigkeiten kriegen. Nationale Eigenheiten werden irgendwann auch aufgegeben, da fallen mir neben FRA noch schwedische Kurbeln (ähnlich Fauber) ein.
 
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freiradler

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Was habe ich denn in meinem ersten Text oben durcheinandergebracht bzw. -geworfen? Ich verstehe Deinen Beitrag nicht ganz. Könntest Du da noch mal drauf eingehen?
Teilweise ging es in den Zitaten um Gewindenormen/Steigungen, teilweise um konkrete Gewinde/Maße.

Alles gut, ich wollte nur darauf hinweisen diese nicht durcheinandergebracht zu werfen.

Ich werfe mal einen allg. Gewindelink hinein:
Am Fahrrad gibt es eigentlich nur metrisch, zöllig und FG.

Französisch ist metrisch, italienisch ist FG.
 
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