Erfahrungsbericht Garmin Colorado 300

Dieses Thema im Forum "Elektronik rund ums Rennrad" wurde erstellt von wgeorg, 5 März 2008.

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  1. wgeorg

    wgeorg Neuer Benutzer

    Registriert seit:
    3 März 2008
    Beiträge:
    1
    Hallo,

    Der Colorado 300 ist das neue Outdoor-Flaggschiff von Garmin und soll dem Vernehmen nach den 60csx ablösen

    Ich habe den Colorado seit 2 Wochen. Habe Garmin dann eine ausführliche Mängel- und Schwachstellenliste zukommen lassen:

    Bei Temperaturen um 5 Grad hält ein Batteriesatz (Alkaline-Professional-Batterien von Varta für € 6,99 die 4er-Packung) nur 3-5 h (bei Hintergrundbeleuchtung auf kleinster Stufe)

    Akkus (2700 mAH) scheinen nach Firmwareupdate deutlich länger zu halten. Die Kapazitätsanzeige und Batteriewarnmeldungen sind aber immer noch katastrophal. Bespiel vor einigen Tagen: Start um 13 Uhr mit voll aufgeladenen NiMH-Akkus (vier Striche) bei ca 13 Grad Aussentemperatur. Nach 20 Minuten erste Akkuwarnmeldung „Batterien schwach“, Anzeige ein halber Strich. Nach ca. 10 weiteren Minuten Anzeige wieder ¾ voll. Dann 1,5 Stunden alles im Rahmen. Nach 2 Stunden wieder Batteriewarnung. In den nächsten 30 Minuten schwankt die Akku-Anzeige 3-4 mal zwischen Batteriewarnung und ¾ voll. Nach 3 Stunden Fahrt ist die Akkuanzeige ¾ voll.

    Die reale Akkulaufzeit mit 2700 mAH-Akkus beträgt ohne Hintergrundbeleuchtung bei 95% Kartendarstellung, Rest Reisecomputer max 9h

    Anscheinend bezieht der Colorado bei Anschluss an eine USB-Buchse seine Energie nicht über den USB-Anschluss sondern weiterhin über die Akkus. Folge: Sind beim Übertragen von Kartendaten (die Übertragung aller 197 Karten vom Citynavigator 9 dauert all inclusive ca. 3 Stunden) die Akkus nicht voll geladen, kann es passieren, dass die Datenübertragung abbricht und wiederholt werden muss). Meines Wissens war es beim Etrex Vista so, dass die Spannungsversorgung beim Anschluss über USB eben über USB lief. Warum ist das hier geändert worden? Wichtig wäre ein Hinweis im Handbuch, insbesondere für Umsteiger

    Nur sehr schwer zu öffnendes Batteriefach

    Ortsnamen werden sehr sparsam angezeigt (das ist nach dem Update gelöst)


    Strassennamen werden sehr sparsam angezeigt (das ist nach dem Update zumindest verbessert)

    Gerät braucht recht lang zur initialen Standortbestimmung zu Beginn einer Tour (bis zu 3 Minuten sogar unter sehr guten Empfangsbedingungen) mit zwischenzeitlicher Fehlermeldung "Trouble finding satellites" (nach Update verbessert)

    Hintergrundbeleuchtung ist Standardmäßig auf minimal, Schlechte Erkennbarkeit der Karte (auch nach Update noch so)

    Im Reisecomputer kein Feld zur Angabe der Tageshöhenmeter vorgesehen

    Handbuch relativ oberflächlich. Beispielsweise keine ausreichende Erklärung, wie SD-Karte als Speicherort für Kartendaten angesprochen werden kann. Hat man ein und die gleiche Karten (aber unterschiedlicher Kartensatz) im Festspeicher des Geräts und auf SD-Karte, wird der auf SD-Karte automatisch gewählt (so scheint es jedenfalls)

    Je mehr man sich mit dem Gerät beschäftigt desto schwächer scheint die Dokumentation

    Anscheinend nicht-kompatibel zu Polar-Brustgurten

    Fehlermeldungen/Systemmeldungen trotz Spracheinstellung Deutsch auf Englisch (beispielsweise Warnung wenn Satelliten nicht gefunden werden)

    Fahrradhalter

    A) Unsichere Führungsschiene: Bei schlechten Strassenverhältnissen (in Spanien letzte Woche gesehen) oder im Gelände kann das Gerät aus der Führungsschiene der Fahrradhalterung springen. Gefahr eines Totalschadens, wenn das Gerät dabei bei hohem Tempo auf die Strasse knallt oder auf Nimmerwiedersehen im Gebüsch verschwindet. B) Befestigung mit 2 Kabelbindern: Versagt einer der Kabelbinder, ist der verbliebene nicht in der Lage, das Gerät sicher zu halten. Folgen siehe oben. Die Halterung sollte aus 3 Kabelbindern bestehen, wobei 2 ausreichen müssen, das Gerät sicher zu halten, wenn der dritte versagt. Ich habe aus der Befürchtung, dass Gerät macht den Abgang, mehrfach bei hohem Tempo auf schlechten Strassen eine Hand vom Lenker nehmen müssen, um das Gerät zu sichern.

    Die Reaktion des Garmin Support auf diese Mängelliste:

    Nichtssagend und unqualifiziert. Bin dann zu meinem Radhändler. Der hat mir dann € 150,-- Nachlass auf das Gerät in Naturalien gegeben. Mehr ist der Colorado aktuell auch nicht wert.

    Ich wünsche mir meinem, leider bereits verkauften Vista cx wieder ;-(

    Weiteres dazu:

    http://www.gps-tracks.com/NewsDetail.asp?Artikel=18.02.2008 10:08:03

    http://www.gps-tracks.com/NewsDetail.asp?Artikel=08.02.2008 18:49:48
     
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  3. SFR

    SFR Wiedereinsteiger

    Registriert seit:
    29 Juni 2010
    Beiträge:
    37
    AW: Erfahrungsbericht Garmin Colorado 300

    Hallo,

    ich habe zwar wenig Erfahrung mit dem Colorado auf längeren RR-Touren, aber dafür nutze ich ihn fast täglich in der Stadt auf dem Fahrrad und auch zu Fuß. Insgesamt bin ich durchaus zufrieden mit dem Gerät, habe allerdings auch keine Vergleichsmöglichkeit mit anderen GPS (vom Handy-internen mal abgesehen).

    Firmware:
    Die FW wurde noch oft aktualisiert, die letzte Version stammt vom November 2009. Allerdings ist das Gerät jetzt als 'discontinued' markiert. Ich fürchte, dass es somit keine weitere FW mehr geben wird. Es sind allerdings die meisten Kinderkrankheiten ausgemerzt worden. Der GPS-fix dauert jetzt teilweise nur noch Sekunden, aber der Colorado möchte (auch im Betrieb) schon gerne Blickkontakt zu den Satelliten haben. In Häuserschluchten kann er gerne mal ein paar dutzend Meter daneben liegen, trotz einer angezeigten Genauigkeit von 5-8 Metern. Das liegt einfach an der Physik der Signalwellen.

    Karten:
    Der Colorado kann beliebig viele Karten verwenden, solange die Karten-IDs sich nicht überlappen. Bei Einsatz einer entsprechend großen SD-Karte, können mehrere Europa-, Deutschland- oder Regionalkarten installiert werden. Bei mir sind aktuell auf einer 8 GB-Karte sechs Karten installiert: der CN von Garmin und verschiedene Karten aus dem OSM-Projekt. Darunter drei verschiedene Fahrradkarten (Radkarte, Reiseradkarte und Velomap), die für unterschiedliche Einsatzzwecke optimiert sind.

    Sinnvollerweise legt man für jede Karte ein eigenes Profil an, da die Karten unterschiedliche Routingoptionen unterstützen (wenn man kein Routing nutzt ist das natürlich wurscht). Manche Karten routen nur korrekt, wenn man als 'Auto' fährt, andere wollen 'Fahrrad' eingestellt haben, manche nutzen 'Autobahn vermeiden' um Hauptverkehrsstraßen zu meiden und andere rechnen nur Blödsinn wenn Autobahnen abgestellt werden. Daher nutze ich für jede Karte ein eigenes Profil und habe dort die Einstellungen optimiert.

    In der aktuellen FW ist es jetzt auch möglich, eingescannte Karten zu nutzen. Dazu muss die Karte referenziert werden und dann kann der Colorado sie anzeigen und die aktuelle Position markieren. Routing funzt dabei natürlich nicht, aber es ist möglich, spezielle Tourenkarten oder auch historische Karten zu nutzen. Gerade in Städten kann das sehr interessant sein, mit einer 100 oder 200 Jahre alten Karte durch die Gegend zu laufen :rolleyes:

    Halterung:
    Der Haltemechanismus ist tatsächlich absurd schlecht gelöst. Allerdings muss man Garmin zu gute halten, dass der Colorado ein generisches Freizeit- und Outdoor-GPS ist und die Nutzung auf dem Fahrrad nur eine von vielen Einsatzzwecken ist. Trotzdem wird zurecht bemängelt, dass es kiene Möglichkeit gibt, das Gerät per zusätzlicher Schlaufe zu sichern. Mir ist (in der Stadt!) bereits dreimal das Teil aus der Lenkerhalterung geflutscht und über den Boden geschlittert. Vorteil des wirklich sehr robust aufgebauten Colorado: außer ein paar Kratzern und etwas abgesplittertem Lack ist nichts kaputt gegangen! Aber ich bin überzeugt, wenn der Colorado korrekt auf die Halterung gesteckt wird und auch komplett einrastet, sollte er eigentlich bombenfest sitzen. Ein Problem sehe ich eher bei den Kabelbindern, die durch Verdrehen der Halterung, was beim abmontieren des Colorado zwangsläufig passiert, schnell ermüden könnten und dann vielleicht reissen. Genau dafür wäre eine Sicherungsschlaufe gut.

    Bedienung:
    Der Bildschirm ist nicht berührungsempfindlich, dafür wird der Colorado mit dem sogenannten Rock 'n Roller bedient, einem Multifunktionsrad über dem Display. Das macht die Bedienung mit einer Hand zu einem Vergnügen (vor allem wenn der Daumen SMS-trainiert ist :rolleyes:), erschwert aber auch die beidhändige Bedienung (halten mit der einen und Bedienen mit der andern Hand). Manchmal braucht der Colorado aber einen extra kräftigen Druck auf den Mittelknopf, das scheint dem Grad der Verschmutzung zu tun zu haben. Aber zur Reinigung lässt sich der Rock 'n Roller leicht abnehmen und die Mulde auswaschen (wasserdicht!)

    Mein Fazit:
    Vorteilhaft ist auf jeden Fall, dass das Gerät sehr gut in der Hand liegt, perfekt einhändig bedienbar ist und wasserdicht ist.
    Negativ anzumerken ist die schlechte Ablesbarkeit bei heller Umgebung und der doch recht hohe Stromverbrauch, welcher die Akkulaufzeit stark beschränkt.

    Ich würde den Colorado wieder kaufen, allerdings nicht mehr für den damaligen Preis (gute 300€). Leider scheint Garmin das Konzept des Drehrads aufgegeben zu haben, zumindest gibt es aktuell kein Gerät, das diese Bedienung weiterführt. Auf dem Fahrrad ist aber ein Touchscreen sowieso besser bedienbar, lediglich beim gehen fand ich den Rock 'n Roller optimal.