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Aufbaufaden eines Anfängers: Ciöcc San Cristobal

Optivi

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Der Titel sagt es schon aus: Ich bin ein regelrechter Anfänger und Unwissender der Materie! Gleichwohl versuche ich mich seit geraumer Zeit an meinem ersten Aufbau. Ich wollte zuerst keinen eigenen Thread dafür ins Leben rufen und habe bisher meine Fragen jeweils im Bastelfrage-Faden gestellt. Da nun die komplexeren Schritte kommen, macht es aber wohl doch Sinn, dafür ein eigenes Gefäss zu haben, dann werden im Bastel-Faden nicht alle mit meinen Problemchen gelöchert, die vermutlich aufgrund meiner Unerfahrenheit vorhanden sind. Im eigenen Faden kann ich ungenierter meine Unwissenheit zur Schau stellen :D

Und vielleicht hilft dieser Faden ja auch anderen unerfahrenen Haudegen und ermuntert andere, es auch mal zu versuchen...

Aber nun zur Ausgangslage, dem Rahmen:
Habe mir auf der Suche nach einem Rossin-Rahmen zwei restaurierte und neu lackierte Rossin-Rahmen aus der Bucht gefischt und als Beifang ein Ciöcc San Cristobal. Wie ihr sehen könnt: auch dieser restauriert und neu lackiert. Alle drei Rahmen stellen meinen ersten Kontakt mit den alten Stahlrahmen dar, vorher fuhr ich jeweils olle Alu-Renner. Daher habe ich auch noch nicht bedacht, dass der Reiz der alten Stahlrenner vor allem auch in der Authentizität liegt - welche bei meinen restaurierten Rahmen leider nicht mehr gegeben ist - jenu, heute würde ich nur noch Rahmen im originalen Lack-Kleid erwerben (über meine kürzliche Ausnahme habe ich im Fang-des-Tages bereits berichtet), aber nun sind die Rahmen bei mir und werden auch eingesetzt.

Voilà: das San Cristobal

6LRgrl.jpg
bYVW5s.jpg GvuoMf.jpg q1IKBt.jpg qLvTRu.jpg rSHjEU.jpg SO5iQg.jpg

So weit ich das beurteilen kann, war das ein sorgfältiger Job. Abgesehen von einigen Details, mit denen ich in der Folge zu kämpfen hatte...

---
Edit:
Natürlich darf hier jede*r seinen Senf dazu geben! Sei es Kritik, sei es ungläubiges Kopfschütteln, Tipps und Ratschläge, Ansichten zu Stil-Fragen, you name it. Ich werde versuchen, so viele Ratschläge wie möglich zu befolgen, nehmt mir aber auch nicht übel, wenn ich es dann trotzdem anders mache...

---
Nachtrag 2:
Wie Bonanzero auch vermutet: Ich gehe davon aus, dass die Gabel nicht original zum Rahmen gehört, eben weil der Schaft eigentlich zu lange ist für einen 53er Rahmen.

Der Rahmen hingegen ist ein orginaler San Cristobal, der 85 noch in der originalen Pelizolli-Schmiede (womöglich von ihm selbst) gelötet wurde. Das hat mir die neue Pelizolli-Firma auf meine Anfrage bestätigt.
 
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Hilfreichster Beitrag geschrieben von Knobi

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Optivi

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Schritt I: Sich für eine Gruppe (oder: mehrere?) entscheiden

Das Rad baue ich für meine Freundin auf. Es wird dann hauptsächlich als Stadtrad gebraucht. Trotzdem soll es ein Renner werden, mit klassischem Renn-Lenker, Wäscheleinen etc.

Und wenn es auch nicht für höhere Leistungsanforderungen gebraucht wird: Es soll mehr als "nur" eine 105er dran, auch wenn diese wohl funktional längstens gut genug wäre.

Es folgte die erste Grundsatzfrage: Campa oder Shimano (oder andere, mir bis dato unbekannte Gruppen?)? Als Italiener gehört eigentlich Campa dran, habe ich irgendwo gelesen. Da die Unterrohrschaltung aber indexiert sein soll und ich auf meine Fragen hier im Forum bezüglich Tauglichkeit der Synchro-Schaltung eher zurückhaltende Antworten erhielt, vor allem aber weil die Beschaffung viel einfacher ist, habe ich mich für die 74xx-Gruppe entschieden.

Hierbei bin ich aber bereits auf ein erstes "Problem" gestossen, das eher ästhetischer Art ist: Die 7402-Schalthebel wollen mit ihrer Farbe nicht wirklich gefallen. Daher habe ich mir mal die 77er Schalthebel besorgt - und hoffe, dass ich dann wenn es dann so weit ist, problemlos die 9-fach-Rasterung mit dem 8-fach-LRS verbinden kann...
 

Optivi

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Schritt II: Innenlagermontage und fehlendes Werkzeug

Bevor ich meinen ersten Arbeitsschritt machen wollte (Einbau des Innenlagers), wollte ich die Schalthebel montieren, einfach um zu sehen, wie bling bling die silbernen Dinger am orangenen Rahmen (künftige Querverweise zu Donald J. bitte ich mir hier aus) aussehen - und hatte bereits mein erstes Problem: ich kriegte die Hebel partout nicht an den Rahmen. Sollte ich tatsächlich daran scheitern? Frage im Bastelfrage-Faden förderte zugleich zutage, dass ich noch VIELES zu lernen habe. Die Anlötsockel waren ebenfalls neu lackiert und somit zu dick. Daher zurück auf Feld 1: Schleifpapier kaufen und Anlötteile freischleifen. Und in der Folge auch: Sattelrohr und Steuerrohr innen freigeschliffen.

Nun aber! Endlich zum ersten wirklichen Schritt: Einbau des Steuerrohrs. Abermals stellte sich heraus, dass ich wirklich noch grün hinter den Ohren bin: Mir fehlt das Werkzeug :rolleyes: 😅

Zurück auf Feld 1 und hier im Forum die drei heiligen Könige (gemäss Forum die offizielle Bezeichnung) erworben.

Nun aber! Problemlos reingeschraubt und überlegt, was ich mit diesem schwarzen Plastik-Teil machen soll, das ja wohl nichts anderes als Verpackungspolsterung darstellen kann... Eine Woche später packt mich die Unsicherheit und ich frage im Bastelfrage-Faden nach. Werde wieder mit meiner Unwissenheit geschlagen: Die "Achse" heisst gar nicht so, sondern "Welle" und das schwarze Teil gehört natürlich rein. 🙈

Zurück auf Feld 1 und dann richtig gemacht. Hoffe ich zumindest. Denn was ich noch nicht gefragt habe und hier nun offiziell nachhole: Die Welle ist ja nicht ganz symmetrisch, das eine Ende ist etwas länger. Das längere Ende gehört auf die Kurbel-Seite, richtig?
 

Olddutsch

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Die Welle ist beschriftet,wird so eingebaut das man die Schrift in Fahrtrichtung lesen kann
Zu viel Bling Bling am Stadtrad neigt zum illegalen Besitzwechsel
Ich würde ne unscheinbare U gut funktionierende Gruppe anbauen
ZB Shimano 6207/8
 

Optivi

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Schritt III: Steuerlagermontage

Trotz Unsicherheit bezüglich Innenlager habe ich mal mit dem Steuerlager weitergemacht. Uff. Natürlich auch hierfür nicht das richtige Werkzeug. Wollte aber auch nicht zum Velomech, wollte es selber machen. Youtube und das Forum konsultiert und auf Montage mit Rohr und Hammer gestossen. Den Gabelkonus mit einem Tuch gepolstert und das Rohr darübergestülpt und dann mit schier unendlichen Schlägen (und ständigen Kontrollblicken, ob der Gabelkonus heil bleibt) den Konus draufgehämmert. Ging ganz gut, aber hier werden wohl einige raunen...

Anschliessend den Steuersatz mit einer Gewindestange und zwei Muttern sowie mehreren Scheiben reingepresst. Auch das ging erstaulich gut. Aber nicht ohne Wehrmutstropfen: Habe nicht bedacht, das untere Steuerlager so auszurichten, dass die DA-Schrift nach vorne oder schön zur Seite ausgerichtet ist. Menno. Und wieder raushauen ging nicht, da hätte ich wieder neues Werkzeug gebraucht. Es bleibt nun so, kleiner Geburtsfehler halt. Wird wohl nicht der letzte sein.

Hier das selbstgeschusterte Werkzeug:
IMG_20191213_213535_1.jpg

Bei der Montage des oberen Teils folgte ein neues Problem: Das Steuerrohr ist vieeel zu laaang!
WhatsApp Image 2019-09-08 at 15.14.24.jpeg


Hier im Forum den Rat erhalten, das Rohr nicht zu kürzen, da Campa-Steuersätze grundsätzlich höher bauen und bei späterer allfälliger Campa-Montage dann etwas fehlt. Ich solle es mit Spacer versuchen. Gesagt getan, das schaut nun aber so aus:

IMG_20191213_214132_1.jpg


Der Rossin-Vorbau ist nur ein Stellvertreter. (Klammerbemerkung: jemand einen Ciöcc-Vorbau nutzlos herumliegen?)

Das Ergebnis sieht besser aus, als ich erwartet habe. Aber gleichwohl: Ist dieser Spacer-Turm nicht zu massiv? Was sagt euer Stilempfinden? Meine Freundin stört es zwar nicht, aber sie muss das Rad ja nur fahren, ich muss es aufbauen :D Ich frage mich eben schon, ob das nicht zu hoch ist und somit den Vorbau verunstaltet. Was meint ihr? Gleichzeitig stelle ich mir es ziemlich mühsam vor, das Gabelrohr zuschneiden zu müssen...

So weit mein derzeitiger Stand der Dinge. Als nächstes geplant: Montage Kurbel, dann Umwerfer und Schalterei. (auch hier: Sollte ich bei der Reihenfolge etwas falsch bedenken, gerne schreien!)
 

Optivi

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Die Welle ist beschriftet,wird so eingebaut das man die Schrift in Fahrtrichtung lesen kann
Zu viel Bling Bling am Stadtrad neigt zum illegalen Besitzwechsel
Ich würde ne unscheinbare U gut funktionierende Gruppe anbauen
ZB Shimano 6207/8
Danke für beide Tipps! Werde ich gleich überprüfen. Der Bling-Bling-Einwand ist berechtigt - nicht zuletzt weil ich schon zweimal von meinen Rennrädern "erlöst" wurde. Wir sind und des hohen Klau-Risikos bewusst (der Rahmen alleine wird schon die Langfinger reizen), nehmen es aber auch etwas in Kauf.
 

Olddutsch

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Der längere Auszug des Vorbaus wird Madame dir danken
ist im Stadtverkehr von Vorteil,man kann vorrausschauend fahren
Bei voll versenkten Vorbau sieht man nur das Vorderrad
Ich pers.gib auf Stielbullerei gar nix,letztendlich soll Madame Freude am Rad haben & das soll im Vordergrund stehen
 

Bonanzero

txirrindulari
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Soooooo viel höher sind die Campa-Steuersätze aber nicht. Die Gabel kann noch nie in dem Rahmen verbaut gewesen sein, so lang wie der Schaft ist. Wenn der Rahmen Neulack hat (und die Gabel auch), ist das aber irgendwie komisch....
Wie dem auch sei, es ist gefährlich, den Vorbau so weit oben zu klemmen, wo er noch mglw. außerhalb des Kugellagers ist.
Kürze den Schaft so weit, dass du nur noch den schmaleren Distanzring brauchst. Dann isser zwar immer noch zu lang für einen Campa-Steuersatz, aber später absägen geht ja immer, ransägen dagegen nicht so gut.
Über die Kombi 7700-Schalthebel mit 740x-Schaltwerk hab ich wohl mal was gelesen, dass könnte 8-fach klappen. Aber kann sein, dass es auch andersrum war. Sollte es nicht gehen, dann hol am besten noch ein 7700-Schaltwerk und ein 9f-Ritzelpaket samt Kette, dann wirds auf jeden Fall gehen.
Ach nochwas: Wenn du nicht ruhig schlafen kannst wg. der nicht richtig eingebauten unteren Steuersatzschale, dann kannst du die mit einem Rohr rauskloppen und richtig einsetzen. Ich nehme dazu einen alten Gabelschaft, aber da geht alles, sogar auch Flachstahl. Musst nur mit kleinen Hammerschlägen rundum entlangdengeln, das braucht eine Weile, aber lieber ein paar Runden mehr gehämmert als Kerben in den Steuersatz geschlagen.
 

Optivi

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Nur mein Senf dazu.
Ist zu schade für ein "Stadtrad "
das ist wohl wahr. wir sind aber beide nicht die grossen Langstreckenradler. Ich mach hin und wieder mal eine längere Tour. Sprich: der Alltagseinsatz in der Stadt ist plus-minus uns einziges Einsatzfeld. Und nun gönnen wir uns mal den Luxus. Inkl. dem Schreckenszenario, dass es magisch auf Langfinger wirken wird...
 

Knobi

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Ist der Lack wirklich matt? Das fände ich ziemlich cool, gerade für ein Rad, das auch benutzt wird.
Bei einem Stadtrad mit Rennlenker würde ich an die ganze Schalterei aber völlig anders rangehen: Modern, einfach, aufs Wesentliche reduziert.
Wenn der Rahmen eine 8-fach-Nabe verträgt und Du nicht zufällig schon ausgerechnet eine 740x dafür rumliegen hast, passt da auch jede andere 8- bis 11-fach-Nabe rein. Das würde ich schamlos ausnutzen und auch 10- oder 11-fach schalten - und zwar nur hinten. Der einzelne Hebel würde dann im leicht gekürzten Lenkerende sitzen, nicht am Rahmen. Im Alltag reicht das völlig, und auch auf Veranstaltungen ohne ausgeprägten Wettbewerbsgedanken reicht es eigentlich für alles, was ein handelsüblicher Hobbyfahrer wirklich kann und braucht. Im linken Lenkerende ist dann Platz für einen Rückspiegel, den ich mittlerweile an meinen spiegellosen Rädern in fast jeder Situation vermisse und der sich im Alltagsverkehr wirklich bewährt.

Bei der Kurbel wäre dann freie Wahl angesagt und sie darf ruhig den ganz altmodischen 144er Lochkreis haben, weil ein einzelnes 42er Blatt in normalen Gegenden völlig okay ist; z.B. mit einem Ritzelpaket von 11-32 oder 12-34, je nachdem, wie das gewünschte Schaltwerk damit zurechtkommt. Die Kapazität ist dabei nicht das Problem; die genannte Abstufung schafft auch jedes kurze Rennradschaltwerk - wenn es denn weit genug vom größten Ritzel weg ist. Für über 30 Zähne muss das Rad dabei ganz hinten im Ausfallende sitzen, ohne Stellschrauben (oder die Schrauben stecken ohne Rändelmuttern von hinten drin und haben auch die Federn hinten, falls das Rad ohne Einstellen nicht in der Spur läuft).
Die einblättrige Kurbel kann das Blatt außen tragen und braucht dafür eine entsprechend kürzere Tretlagerwelle; sie sitzt dann relativ weit innen und die Füße des Fahrers stehen unter Umständen deutlich näher beisammen; manchmal muss man dafür auch die "Haltefüßchen" fürs kleine Blatt von der Kurbel sägen. Die enge Fußstellung mag nicht jeder, aber das kommt auf den Versuch an; mir z.B. gefällt das.
Alternativ sitzt das Blatt innen und anstelle des äußeren kommt ein Hosenschutzring, z.B. aus dem zahnamputierten 52er Originalblatt. Das ist am Stadtrad garnicht doof, aber dreckig wird die Hose trotzdem, weil sie hinter der Kurbel meistens doch die Kette streift. Natürlich kann man das Hosenbein auch einfach in die (möglichst schwarze) Socke stecken oder eine Fahrradklammer benutzen, was nicht ganz so behämmert aussieht.

An einem Stadtrenner hätte ich gern möglichst wirkungsvolle Bremsen und am liebsten keine Wäscheleinen, weil man damit irgendwann doch irgendwo hängenbleibt und sie abknicken - oder das Rad bei einer Reifenpanne nicht mal schnell auf Sattel und Lenker gestellt werden kann. Beides nervt wirklich sehr.
Wenn der Schalthebel sowieso schon im Lenkerende steckt und kein STI nötig ist, findet man die Bremshebel mit dem größten (von mir nachgemessenen) Hebelverhältnis bei Shimano aus den späten 80er Jahren - natürlich immer die Aero-Hebel ohne Wäscheleinen. Ihre Gummis sind ungewöhnlich haltbar und die Hebel liegen sehr gut in kleinen bis mittelgroßen Händen; auch von oben kann man sie gut drücken und sie bauen einiges an Kraft auf. Die Bremsen können dann möglichst stabile Eingelenker mit ebenfalls großem Hebelverhältnis sein, z.B. Suntour Superbe Pro der letzten Generation oder Shimano 740x, 6208 usw.; aber auch die zierliche BR-1050 fand ich okay. Zweigelenker gehen natürlich auch, können sich aber mit den genannten Hebeln etwas seltsam anfühlen und sollten ggf. ihre eigenen, passenden Hebel bekommen.
Zum richtigen Bremsen im Alltag braucht man natürlich auch Felgen und Beläge, die das umsetzen können, denn im Stadtverkehr muss man eben auch wirklich mal ganz schnell anhalten können, statt nur zu dosieren. Bei den Belägen finde ich das einfach: Shimano RC-5503 passen eigentlich für alles und funktionieren nass wie trocken auf fast allen Felgen. Die Felgen sollten einen möglichst hohen Reibwert aufbauen, also lieber nicht grau harteloxiert sein, so schön das auch aussehen mag.

Irgendwie erscheint vor meinem geistigen Auge gerade eine "amputierte" Dura Ace 7700 an diesem Rahmen, oder eine Superbe Pro. Die bekommt man mit einem kleinen Seiltrick nämlich auch passend für Shimano 10-fach, wenn der Zug nicht zu viele Knicke macht.
 

ad-mh

Am Ausbauende des RS1 - Mülheim Speldorf
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Da sind für ein Stadtrad wirklich einige wirklich gute Tipps dabei.
Ein analoges Danke dafür. :daumen:
 

Bonanzero

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Rie R55C3 habe ich mittlerweile an allen Rädern, wo mo moderne Bremsschuhe verbaut sind. Bremsleistung trocken (auf blanken Felgenflanken) hervorragend, bei Feuchtigkeit aber nicht mehr. Deshalb habe ich mir neulich ein Schlechtwetterrad mit Scheibenbremsen aufgebaut.
Im Stadtverkehr ist Schalten am Lenker nicht verkehrt, über Land und aufm Dorf ist das aber nicht so wichtig. Indexierte Rahmenschalter sind funktionell und robust, dazu leicht.
Die Übersetzung der Shimano SLR-Hebel ist wirklich unerreicht. Damit habe ich schon manche schwammige Bremse scharf gekriegt. Was übrigens in Verbindung mit einer Doppelgelenkbremse nochmal verschärft werden kann. Auch wenn die Übersetzungen nicht füreinander gemacht sind, funktioniert das tadellos (bei gut zentrierten Laufrädern, denn die Beläge müssen etwas enger stehen).
Wäscheleinen benutze ich übrigens sehr gerne, weil da die Verlegeradien größer sind (und es zumindest bei der Vorderbremse nur einen Radius gibt). Zudem erlauben sie es, den Vorbau in der Höhe zu verstellen, ohne jedesmal neue Züge verlegen zu müssen. Besonders wenn das Rad noch neu ist und hie und da noch justiert wird, ist das ein großer Vorteil. Sobald die endgültige Position feststeht, können Aerohebel benutzt werden.
 

Optivi

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Ist der Lack wirklich matt? Das fände ich ziemlich cool, gerade für ein Rad, das auch benutzt wird.
Bei einem Stadtrad mit Rennlenker würde ich an die ganze Schalterei aber völlig anders rangehen: Modern, einfach, aufs Wesentliche reduziert.
Wenn der Rahmen eine 8-fach-Nabe verträgt und Du nicht zufällig schon ausgerechnet eine 740x dafür rumliegen hast, passt da auch jede andere 8- bis 11-fach-Nabe rein. Das würde ich schamlos ausnutzen und auch 10- oder 11-fach schalten - und zwar nur hinten. Der einzelne Hebel würde dann im leicht gekürzten Lenkerende sitzen, nicht am Rahmen. Im Alltag reicht das völlig, und auch auf Veranstaltungen ohne ausgeprägten Wettbewerbsgedanken reicht es eigentlich für alles, was ein handelsüblicher Hobbyfahrer wirklich kann und braucht. Im linken Lenkerende ist dann Platz für einen Rückspiegel, den ich mittlerweile an meinen spiegellosen Rädern in fast jeder Situation vermisse und der sich im Alltagsverkehr wirklich bewährt.

Bei der Kurbel wäre dann freie Wahl angesagt und sie darf ruhig den ganz altmodischen 144er Lochkreis haben, weil ein einzelnes 42er Blatt in normalen Gegenden völlig okay ist; z.B. mit einem Ritzelpaket von 11-32 oder 12-34, je nachdem, wie das gewünschte Schaltwerk damit zurechtkommt. Die Kapazität ist dabei nicht das Problem; die genannte Abstufung schafft auch jedes kurze Rennradschaltwerk - wenn es denn weit genug vom größten Ritzel weg ist. Für über 30 Zähne muss das Rad dabei ganz hinten im Ausfallende sitzen, ohne Stellschrauben (oder die Schrauben stecken ohne Rändelmuttern von hinten drin und haben auch die Federn hinten, falls das Rad ohne Einstellen nicht in der Spur läuft).
Die einblättrige Kurbel kann das Blatt außen tragen und braucht dafür eine entsprechend kürzere Tretlagerwelle; sie sitzt dann relativ weit innen und die Füße des Fahrers stehen unter Umständen deutlich näher beisammen; manchmal muss man dafür auch die "Haltefüßchen" fürs kleine Blatt von der Kurbel sägen. Die enge Fußstellung mag nicht jeder, aber das kommt auf den Versuch an; mir z.B. gefällt das.
Alternativ sitzt das Blatt innen und anstelle des äußeren kommt ein Hosenschutzring, z.B. aus dem zahnamputierten 52er Originalblatt. Das ist am Stadtrad garnicht doof, aber dreckig wird die Hose trotzdem, weil sie hinter der Kurbel meistens doch die Kette streift. Natürlich kann man das Hosenbein auch einfach in die (möglichst schwarze) Socke stecken oder eine Fahrradklammer benutzen, was nicht ganz so behämmert aussieht.

An einem Stadtrenner hätte ich gern möglichst wirkungsvolle Bremsen und am liebsten keine Wäscheleinen, weil man damit irgendwann doch irgendwo hängenbleibt und sie abknicken - oder das Rad bei einer Reifenpanne nicht mal schnell auf Sattel und Lenker gestellt werden kann. Beides nervt wirklich sehr.
Wenn der Schalthebel sowieso schon im Lenkerende steckt und kein STI nötig ist, findet man die Bremshebel mit dem größten (von mir nachgemessenen) Hebelverhältnis bei Shimano aus den späten 80er Jahren - natürlich immer die Aero-Hebel ohne Wäscheleinen. Ihre Gummis sind ungewöhnlich haltbar und die Hebel liegen sehr gut in kleinen bis mittelgroßen Händen; auch von oben kann man sie gut drücken und sie bauen einiges an Kraft auf. Die Bremsen können dann möglichst stabile Eingelenker mit ebenfalls großem Hebelverhältnis sein, z.B. Suntour Superbe Pro der letzten Generation oder Shimano 740x, 6208 usw.; aber auch die zierliche BR-1050 fand ich okay. Zweigelenker gehen natürlich auch, können sich aber mit den genannten Hebeln etwas seltsam anfühlen und sollten ggf. ihre eigenen, passenden Hebel bekommen.
Zum richtigen Bremsen im Alltag braucht man natürlich auch Felgen und Beläge, die das umsetzen können, denn im Stadtverkehr muss man eben auch wirklich mal ganz schnell anhalten können, statt nur zu dosieren. Bei den Belägen finde ich das einfach: Shimano RC-5503 passen eigentlich für alles und funktionieren nass wie trocken auf fast allen Felgen. Die Felgen sollten einen möglichst hohen Reibwert aufbauen, also lieber nicht grau harteloxiert sein, so schön das auch aussehen mag.

Irgendwie erscheint vor meinem geistigen Auge gerade eine "amputierte" Dura Ace 7700 an diesem Rahmen, oder eine Superbe Pro. Die bekommt man mit einem kleinen Seiltrick nämlich auch passend für Shimano 10-fach, wenn der Zug nicht zu viele Knicke macht.
Danke für all die Tipps!

Der Lack ist tatsächlich matt. Also sofern man hier von "Lack" spricht? Kenne mich da mit den unterschiedlichen Arten der Rahmenbearbeitung und deren Bezeichnung nicht aus. Aber matt ist er ;)

Grundsätzlich habe ich eigentlich sämtliche Komponenten (abgesehen vom Vorbau) schon. Gedacht ist zurzeit eine Montage mit Unterrohrschalthebel - mit der Rasterung klappt das im Stadtverkehr eigentlich ziemlich gut, wobei du natürlich schon Recht hast, in gewissen Situationen ist es auf jeden Fall angenehmer, wenn man am Lenker schalten kann. Ich hätte noch Lenkerendschalthebel von Suntour rumliegen. Eventuell überlege ich mir hier nochmal, ob ich von den Unterrohrhebeln wegkomme (bzw. muss das dann ja die Frau entscheiden ;) )

Der Rahmen ist hinten entgegen den Angaben des Verkäufers 130 breit. Hier habe ich momentan einen 8-fach LRS bereit. Sollte ich/sie dann doch noch aufrüsten wollen, dann könnte ich mir wie du schreibst ein 77er gut vorstellen.
 

z1000

Das lassen wir jetzt einfach so.
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Der sehr gute + richtige Tip von @Bonanzero ist wohl etwas untergegangen. Die Montage des Lenkkopflagers mit ungekürztem Gabelschaft kann gefährlich werden, wenn der Vorbau zu weit ausgezogen wird und sein Klemmkonus den Gewindeschaft sprengt. Das Tückische daran ist, daß man es erst bemerkt, wenn es zu spät ist. Sich über die Materialauswahl Gedanken zu machen ist das eine; die betriebssichere Montage ist das andere.
Das so zu montieren, ist ganz einfach falsch.
 

Bonanzero

txirrindulari
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Mit gerasterten Suntourhebeln solltest du das 7400er Schaltwerk bedienen können.
Einen Versuch wärs wert.
 

Optivi

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Der sehr gute + richtige Tip von @Bonanzero ist wohl etwas untergegangen. Die Montage des Lenkkopflagers mit ungekürztem Gabelschaft kann gefährlich werden, wenn der Vorbau zu weit ausgezogen wird und sein Klemmkonus den Gewindeschaft sprengt. Das Tückische daran ist, daß man es erst bemerkt, wenn es zu spät ist. Sich über die Materialauswahl Gedanken zu machen ist das eine; die betriebssichere Montage ist das andere.
Das so zu montieren, ist ganz einfach falsch.
Nein, ist gar nicht untergegangen. Das Rohr wird gekürzt.

ABER: Gleichwohl die Rückfrage. Der Vorbau ist ja gar nicht weiter ausgezogen, als das bei anderen Räder der Fall ist? Er wird einfach "ummantelt" von den Sapcern. Oder verstehe ich da was falsch?
 
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