Zu der ganzen Zonen-Arithmetik noch eine Studie aus dem letzten Jahr, die sich mit den verbreiten unterschiedlichen Abgrenzungen für die ominöse Zone 2 befasst.
Untersucht wurden Abgrenzungskriterien, die sowohl auf labordiagnostischen Verfahren (Laktatdiagnostik, Spiroergometrie), als auch auf "pragmatischen" Ansätzen (% der HFmax) basieren. Dazu wurde mit 50 Probanden die mehr als drei Jahre Radsport betrieben und eine durchschnittliche VO2max von 54 ml/min/kg aufwiesen (also ein gutes Leistungsniveau hatten), zwei Leistungstests ("Ramp-Protocol" und Stufentest) durchgeführt, verschiedene Messwerte genommen und daraus die Obergrenze für Zone 2 berechnet.
Dabei wurden folgende Kriterien zur oberen Abgrenzung der Zone 2 untersucht
- 72%–82% HRmax (HR72%, HR82%) *
- 1.5–2.5 mmol/L blood lactate (BLa1.5, BLa2.5)*
- 65% of V̇O2peak
- Blood lactate concentration of 2 mmol/L (BLa2.0)
- Baseline blood lactate concentration + 0.5 mmol/L (BLamin+0.5)
- First ventilatory threshold (VT1)
- Maximum fat oxidation rate (FatMax)
For the determination of FatMax, standard nonprotein stoichiometric equations for moderate intensity were applied according to Jeukendrup and Wallis
* Die ersten beiden Methoden werden von norwegischen olympischen Vereinigung verwendet.
Die Studie illustriert, dass unterschiedlichen Verfahren zu verschiedenen Grenzen für Zone 2 führen. Dabei fällt auf, dass die für die Probanden ermittelten Obergrenzen nicht nur je nach Verfahren mal mehr, mal weniger stark voneinander abweichen, sondern es auch innerhalb eines Verfahrens eine individuelle Streuung der Grenzen gibt, die auch noch davon beeinflusst wird, wie man diese Grenze ausdrückt, also ob die Grenze z.B. als Prozent der HRmax oder mit Bezug zum Peak-Power-Output (PPO) dargestellt wird. Das ist deswegen sehr bedeutsam, weil man diese Darstellung mit Bezug zu HRmax, PPO etc. für die Übersetzung in die Trainingspraxis braucht.
Die Studie hat umfangreiches Anschauungsmaterial, beispielhaft hier zwei Grafiken.
Die erste Grafik zeigt die ermittelten Obergrenzen für Zone 2 ausgedrückt als % des Peak-Power-Output (PPO) aus dem "Ramp-Test". Jeder Punkt stellt einen Probanden dar. Man beachte die Streuung. Die individuelle Streuung innerhalb einer Methode ist größer, als die durchschnittliche Abweichung zwischen den Methoden.
Die zweite Grafik zeigt die Grenzen, ausgedrückt als Prozent der HFmax. Das reduziert tendenziell die individuelle Streuung, außer bei der Festlegung der Zone 2 als 65% der VO2max.
Die Studie zeigt, dass es keine "leicht zugängliche" und zugleich "genaue" Methode zur Bestimmung der Obergrenze von Zone 2 gibt, sondern das sich je nach Methode, Darstellung und Individuum relevante Abweichungen ergeben, die potenziell den Trainingserfolg beeinflussen können. Wie groß der Einfluss ist, bleibt allerdings unklar.
Als ursächlich für die Abgrenzungsunterschiede werden u.a. individuelle Unterschiede in der mitochondriale Dichte, Laktat-Kinetik, Effizienz des Sauerstoff-Transports und Muskelfaser-Struktur genannt. Diese Faktoren tragen übrigens auch zu geschlechtsspezifischen Unterschieden bei. Aufgrund grundsätzlicher Überlegungen wird die Verwendung von VT1 als Obergrenze für Zone 2 empfohlen; wer es also genau wissen will, kommt um eine Spiroergometrie nicht herum. Ob eine genaue Identifikation der Obergrenze für Zone 2 aber tatsächlich nachhaltig den Trainingserfolg beeinflusst, ist trotz der interessanten Arbeit aber nicht mit Sicherheit zu sagen.
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1155/tsm2/2008291