Nachgefragt: NetApp’s Sportlicher Leiter Jens Heppner im RRN-Kurzinterview

Das Team NetApp sorgte in den vergangenen beiden Wochen immer wieder für Aufsehen im Peloton der Italien-Rundfahrt. So waren die Jungs in den blau-weißen Trikots mit dem pinken Streifen mehrfach in Spitzengruppen vertreten, sie brachten mit ihren Top10-Platzierungen auch den einen oder anderen zum Staunen. Einer der Väter dieses Erfolgs ist der Sportliche Leiter des Teams, Jens Heppner. Vor genau einer Dekade trug er selbst für zehn Tage das Maglia Rosa. In diesem Jahr kehrte er im Teamwagen nach Italien zurück. Am heutigen Ruhetag hat er uns einige Fragen beantwortet.


Jens Heppner (links) zu Beginn des Giro d’Italia mit den Fahrern des Teams NetApp.

Rennrad-News.de: Hallo Jens Heppner, für das Team ist es die erste dreiwöchige Landesrundfahrt. Mit dem Einbruch in euren Teambus in Horsens, noch vor dem Start, begann der Giro ja nicht gerade rosig. Seitdem hat es aber eine Vielzahl positiver Momente gegeben. Gibt es für Sie Momente, die bisher besonders herausragen?

Jens Heppner: Nicht nur die Top 10 Platzierungen waren für mich schöne Momente, sondern auch die Ausreißergruppen, bei denen wir vertreten waren. Besonders auf der Etappe, als Jan alleine am Berg attackiert hat, hatte ich schweißnasse Hände vor Aufregung.


Jan Barta lieferte auf dem Weg nach Cervinia eine phänomenale Leistung ab.

Wie waren dabei die ersten beiden Wochen für Sie im Teamwagen, auch da Sie ja quasi ein 10jähriges Jubiläum hinsichtlich des Giro feiern?

Es ist schön, nach 10 Jahren wieder zurückzukommen zum Giro. Aber es ist jetzt eine neue Herausforderung, als Sportlicher Leiter hier zu sein. Man mag es kaum glauben, aber es ist einfacher wenn man das Rennen selbst fährt. Man ist zwar körperlich total am Ende, aber man muss sich sonst um nichts kümmern. Als Sportlicher Leiter muss man alles organisieren und planen und auch das konzentrierte stundenlange Fahren hinter dem Feld mit den Radfahrern, Motorrädern und anderen Autos ist anstrengender als man denkt. Dabei muss man noch die Taktik machen, verpflegen, trockene Klamotten rausgeben, Defekte beheben und so weiter. Es passieren viele Auffahrunfälle, da muss man jede Sekunde konzentriert sein. Ich finde es schön, meine Erfahrungen an die Fahrer weitergeben zu können und wenn dann die Taktik noch perfekt aufgeht, besser geht’s nicht!

In der ersten Woche wart ihr oft in Gruppen vertreten, habt euch aber auch in den Finals nicht versteckt. Viele hatten euch nicht zugetraut, dass ihr das Niveau in der zweiten Woche halten könnt. Ihr habt jedoch alle Kritiker Lügen gestraft. Werden wir euch auch in der letzten Woche der Rundfahrt in Aktion sehen?

Wir können mit den ersten beiden Wochen sehr zufrieden sein, wir haben vorher selbst nicht an so viele Top-Platzierungen geglaubt. Aber die Rennfahrer haben uns eines besseren belehrt. Für die letzte Woche mit den schweren Bergetappen hatten wir eigentlich Leo König und Marcel Wyss vorgesehen. Deswegen erwarten wir in den
Bergen keine vorderen Platzierungen, aber auf den beiden leichteren Etappen wollen wir uns wieder möglichst gut präsentieren.

Gibt es im Peloton bzw. seitens der Organisatoren Reaktionen zu eurem Auftritt?

Am Anfang waren schon viele skeptisch. Aber nach den ganzen guten Resultaten gratulieren die Sportlichen Leiter von anderen Teams schon mal abends, wenn man gemeinsam im Hotel ist. Und auch die Fahrer erzählen uns, dass sie im Peloton voll respektiert werden. Ich denke, wir haben uns die Wildcard mehr als verdient.

Was könnte ihrer Meinung nach, den bisherigen Auftritt noch toppen?

Natürlich geht immer mehr und mit einem Etappensieg wäre unser Auftritt beim Giro perfekt. Aber wir sind schon jetzt zu 150% zufrieden.

Vielen Dank und viel Erfolg auf dem weiteren Weg nach Mailand!

Wer wissen will, wie sich der Rest der Verantwortlichen des Teams zur Halbzeit der Italienrundfahrt äußert, dem sei das folgende Video ans Herz gelegt.


Against All Odds Ep7 – Team NetApp von vhy auf Rennrad-News.de


 

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